Děkuju moc à uvidíme se brzy!

Einen guten Abend aus Mainz,
in Deutschland
von zuhause
also zuhause zuhause, mit Familie meine ich
nicht Brünn,
hach Brünn

Noch immer ist der Abschied nicht so richtig verdaut. Die Enttäuschung ist groß, na klar, und von dem überrumpelten Gefühl des Abbruchs, der Perplexe beim Packen können sicher alle Freiwilligen gerade ein Lied singen. Viele wissen ja nicht einmal wie sie es in absehbarer Zeit zurück nachhause schaffen sollen. Insofern nein, ich bin nicht unglücklich hier zu sein, meine Gedanken sind zurzeit vorwiegend von großer Dankbarkeit gefüllt. Dafür, dass ich jetzt bei meiner Familie sein darf, dafür, wie gut und zügig unsere Reise aus Tschechien über lediglich EINE Grenze verlaufen ist und vor allem aber dafür, dass in meinem Umfeld noch alle gesund und wohlauf sind. Ich glaube, um das abrupte Ende unseres Freiwilligendienstes richtig zu begreifen, müssen sich erstmal die sich überschlagenden Ereignisse und Veränderungungen dieses skurrilen Moments etwas einstellen. Bisher lag mir nichts ferner, als mich hinzusetzen und mit dem Schreiben zu beginnen. Zu unruhig war ich innerlich, zu unbegreiflich, geschweigedenn schriftlich erfassbar schien mir diese Welle an Veränderungen, die uns da überrollt. Und sie überschlägt sich noch immer, deshalb glaube ich, habe ich unseren „Schiffbruch“ auch nach wie vor nicht so richtig realisiert. In diesem Gerade, in dem sich nichts wie ein Jetzt anfühlt, in dem man mal ausharren und sich besinnen könnte, wird es einem glücklicherweise unverschämt einfach gemacht „Absagen“ zu akzeptieren und die Dinge plötzlich und sehr schnell in ganz anderen Relationen zu sehen. Meine Gedanken sind zurzeit vor allem bei denen, die wirklich in Gefahr schweben, egal ob wegen des Virus selbst, oder wegen der Folgen, die sich aus den zu ergreifenden Maßnahmen ergeben. Sie sind bei den Menschen, die gerade funktionieren wie Superpowermaschinen und aus Ressourcen schöpfen, die sie zum Teil garnicht haben. Und sie sind natürlich bei meinen Freunden und anderen Menschen, die noch irgendwo anders in so mieser Ungewissheit ausharren müssen. Ein paar dahinschwindende Pläne, Ideen, Projekte erscheinen da auf einmal ganz und gar untragisch- nichtig. Und noch blieb irgendwie auch keine Ruhe um ihnen nachzutrauern. Wenn ich ehrlich bin lächle ich sogar manchmal darüber, weil sie mir noch bis vor wenigen Tagen in anhaltender Frequenz im Kopf aufploppten, um mit „ach nee, geht ja nicht“ liquidiert zu werden, und mir mein sonst so freiheitlich geprägtes Denken und die Privilegiertheit seiner Uneingeschränktheit einmal mehr bewusst machen. Ja, das ist es auch was ich sehr an kultuweit schätze. Dass man uns Jugendlichen stets die Rechtmäßigkeit dieser Freiheit und unserer zahlreichen Möglichkeiten suggeriert hat. Mit geradezu verklärtem Blick spreche ich von diesem Programm und der Organisation dahinter, wenn ich gefragt werde. Denn trotz der final notwendig gewordenen Beendung unseres Freiwilligendienstes haben wir in jeder besorgten Email, jeder Entscheidung bis zuletzt die Respektierung unserer Freiheit zu spüren bekommen, die es auch so schwer machte uns zuletzt doch zu unserer Heimreise aufzufordern. Die Reflektiertheit dieser Entscheidung, die Behutsamkeit und die Sensibilität mit welcher sie getroffen wurde, führte mir noch einmal vor Augen, was für eine großartige Chance es für mich war, mit kulturweit meine erste große Auslandserfahrung zu machen. Auch wenn in diesem Jahr alles ein bisschen anders kam, als wir gedacht hätten, habe ich mich bis zuletzt aufgefangen und unterstützt gefühlt und dafür möchte ich dieser ganzen großartigen Community einfach mal meine Bewunderung und Dankbarkeit aussprechen.

Gestern habe ich einenText gefunden, den ich ganz zu Anfang unseres Freiwilligendienstes geschrieben hatte, nachdem ich mit Julia ein bisschen durch die frühherbstliche Sonne spaziert war, beseelt von diesem ganz neuen Freiheitsgefühl. Seine Akkuratheit zu diesem Zeitpunkt ist fast schon von tragischer Schönheit..

Wir müssen irgendwie lustig aussehen, von da unten

Nun ist bereits ein wenig Zeit vergangen, seit wir jungen Menschen unser liebes Deutschland verlassen haben und uns in alle Himmelsrichtungen davon gemacht haben. Gerade wenn ich mich an meine ersten Tage zu erinnern versuche, fällt mir auf, dass ich mich wie in einer Art Trancezustand befunden haben muss, nicht in der Lage Erinnerungen zu schaffen, die ich jetzt in aller Klarheit wiedergeben könnte. Es war ein gutes Gefühl! Versteht mich nicht falsch. Auf einmal realisierte ich diese riesige Freiheit tun und lassen zu können, was ich wollte.. Wonach steht mir denn mein Gusto? Prag? Wien? Na dann los! Nichts würde mich stoppen.. Und dann unterhielt ich mich mit meiner Freundin hier in Brünn über dieses völlig absurde Freiheitsgefühl und wir begriffen, wie glücklich wir sind: Letzendlich fühlen wir uns vielleicht wie auf einer Slackline: Einerseits voller Adrenalin und diesem belebenden Gefühl in der Luft zu schweben, andererseits auch eingeschüchtert von dem Gefühl dort oben so allein gelassen zu sein. Dabei ist dort ein riesiges Netz zu unseren Füßen, was uns auffangen wird, wenn wir das Gleichgewicht verlieren und fallen sollten. Woraufhin ich dachte: Stimmt. Was ist es doch für ein behütetes Gefühl von allen Seiten unterstützt und wohlwollend in jeder neuen Erfahrung bestärkt zu werden. Nun denke ich doch wir müssen irgendwie lustig aussehen von da unten, wie wir so einen Fuß vor den anderen setzen, in dem Glauben als wahre Seilakrobaten unterwegs und so ganz auf uns allein gestellt zu sein.

Nur, dass da eben wirklich ein ganzes Team saß und uns schmunzelnd beobachtete – und im richtigen Moment das Sprungtuch ausbreitete.

Mit der offiziellen Nachricht, dass sich die Grenzen zumindest zu Tschechien aber bis zum Herbst schonmal sicher nicht mehr öffnen werden, macht sich doch so langsam das Bedürfnis in mir breit für eine längere Zeit Abschied von dem schönen Land, das ich mitsamt seinem „Spirit“ in den letzten Monaten so lieb gewonnen habe, zu nehmen und meine wunderbaren Erinnerungen der letzten Wochen mal festzuhalten und einfach ein bisschen dankbar dafür zu sein, was ich alles mitgenommen habe.

ICH WERDE EUCH VERMISSEN

Dich Otto, unsere schönen und hochinteressanten Gespräche und deine super Kartenspielskills natürlich (:

Dich Clara, unsere langen Kaffeemittagspausenplauschs in meiner Wohnung, unser gemeinsames Musik- Faible und unser 100 % have-your-back Gefühl

Dich Kája und die Tatsache, dass wir direkt auf einer Wave waren (egal ob bei einer Tasse Svařák auf dem Weihnachtsmarkt oder im Wake up Wellness Hostel, auch wenn es verflucht war)

Dich Igor und unsere gemeinsame Zeit, egal ob auf der Party oder so und natürlich unsere Chats, die mich regelmäßig vergessen lassen haben, dass du trotz deiner spitzen Deutschskills vielleicht doch keine deutschen Abkürzungen wie „vllt“ oder „bg“ verstehst 😀

You, Kuba, our good talks and your Craft Beer recommendations!!

Noch viel mehr tolle Leute, die ich jetzt nicht alle nennen kann, die aber sicher sein können, wieder von mir angesteuert zu werden, wenn ich back in the hood bin!

Und all die lieben und kreativen Klassen, die ich besuchen durfte. Das hat so viel Spaß gemacht mit euch und ich bin vielleicht ein kleines bisschen traurig, weil ich noch ein paar echt coole Ideen hatte, die mir mit euch wirklich viel Spaß gemacht hätten!!

Mein WUNDERBARES Kabinet und alle anderen lieben Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich zu tun hatte und alles mögliche teilen und bequatschen konnte. („Bis morgen macht ihr bitte die Aufgabe (..)“ – „Ale, pan Sturma je přísný. Máme moc prace..“ – „Ich bin AUCH streng!“)

Selbstgeschriebene Märchen

Wortneuschöpfungen wie den „Schweinsmann“ (Metzger)

Vokabelneuerrungenschaften wie „Schluckauf“

Und sogar Assoziationsketten wie „Haus“ … „FRAU“

Alles ist noch irgendwo behutsam in meinen Erinnerungen verwahrt und kommt manchmal wieder auf, wenn ich mit dem neunjährigen Anton Schule spiele. (Er liest und schreibt nicht SOOO gerne deutsch wie ihr 🙂 also falls ihr ein paar Motivations – Tipps habt…)

Hezký den,

Emma

 

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