Ein kaltes, stinkendes, dunkles herzlich Willkommen in Tirana

 

 

Ich sitze gerade in einem Raum der deutschen Botschaft und beaufsichtige Schüler bei ihrer DSD Prüfung.
Vor genau zwölf Stunden landete mein Flieger aus Istanbul (dazu nochmal was in einem extra Beitrag) in Tirana. Man könnte sagen, dass diese zwölf Stunden mit zu den schlimmsten zwölf Stunden gehören, seitdem ich in Tirana angekommen bin. Naja wobei, da gab es ja noch die Rückfahrt aus Ohrid oder die beiden Erdbeben.
Aber da ich anscheinend ein Faible dafür habe, nur über Pannen und Reisen zu berichten, geht es also nun weiter.

Wie gesagt bin ich um 21:20 gelandet. Vorher habe ich wegen der schlechten Shuttleanbindungen fünf Stunden am Istanbuler Flughafen gewartet. Gut ja in Istanbul hatte ich immerhin nicht so Heimweh, weil bei 17 Grad – gefühlt in der Sonne noch mehr – während der Muizin zum Gebet ruft nicht wirklich Weihnachtsstimmung aufkommt. Allerdings war das am Flughafen dann doch schon hart. Statt nach Köln, Frankfurt oder Düsseldorf zu fliegen um meine Weihnachtszeit zu Hause zu verbringen, flog ich nach Tirana. Auch nach Hause, aber irgendwie anders. Ein komisches Gefühl.
Gegessen hatte ich kaum etwas. Das war am Flughafen einfach alles zu teuer. Doch zu meinem Glück haben mich die zwei Albaner, die in Mazedonien leben und neben mir im Flugzeug saßen, auf ein Käsesandwich und einen Saft im Flugzeug eingeladen.
Und so freute ich mich auch schon langsam wieder nach Hause zu kommen. Ich war zwar mega fertig, aber ich hatte Lust, wieder Albanisch sprechen zu können und, dass alles wieder vertrauerter ist.
So ging ich mit gutem Gemüt wieder nach Hause. Also Schlüssel finden, Tür aufschließen, Koffer reinschieben und Licht anmachen… geht nicht. Also nochmal und Licht anmachen. Immer noch nichts. Auch das zweite Licht was ich ausprobierte ging nicht. Okay, das Licht im Treppenhaus ging aber. Naja, das hatte ich schonmal vorher. Ist bestimmt nur die Sicherung die rausgeflogen ist. Also ging ich leicht genervt nach unten und öffnete den Sicherungskasten. Gleichzeitig versuchte ich über meine deutsche Simkarte (bei der albanischen habe ich immoment kein Guthaben) meine Mutter zu erreichen. Wenn ich schon an einem schlecht bis gar nicht isoliertem albanischen Stromkasten rumfummelte, dann sollte wenigstens meine Mutter mitbekommen, wenn ich einen Stromschlag bekommen würde. Eine Sicherung war nach unten gestellt, während alle anderen oben waren. Easy peasy dachte ich, klappte sie schwungvoll um und ging selbstsicher nach oben. Ich war mir sicher, dass das das Problem gewesen sein musste. Also Tür aufschließen

– immer noch kein Licht. Schalter umlegen – keine Veränderung. Mist mist mist. Also nochmal nach unten, vielleicht hatte ich ja etwas übersehen. Doch ich sah nichts. Alle Sicherungen waren

in eine Richtung gekippt. Keine, die von den anderen abwich. Auch meine Mutter konnte auf dem verwackeltem Bild was ich ihr geschickt hatte, nichts Ungewöhnliches erkennen.

Sie beruhigte mich und ich ging wieder in meine Wohnung. Nur damit mir auffiel, dass mein kompletter Kühlschrank abgetaut war und eine leicht gelbliche nach Essig stinkende Flüssigkeit durch meine Wohnung lief. Ich war müde, wütend, enttäuscht. „Ich habe keinen Bock mehr. Was soll das alles. Ich bin doch noch in fucking Europa, aber ich komme mir vor wie in einem dritte Weltland. Ich will einfach nur nach Hause oder in mein Bett mit Wlan.“ Ich hatte mir alles so schön vorgestellt. Ich komme nach Hause und dann lege ich mich ins Bett und weil ich den früheren furgon bekommen hatte, hätte ich sogar noch Zeit gehabt ein Youtubevideo zu sehen. Aber nichts da.
Meine Mutter beruhigte mich dann soweit, dass ich es irgendwie schaffte mich am Ende in mein Bett zu legen und zu schlafen.
Auch am nächsten Morgen hatte ich keinen Strom.

Es war der 11.12, der Geburtstag meines Bruders. Ich videochattete also mit meiner Familie, die mich nicht sehen konnte, da ich kein weiteres Licht außer meinem Handy hatte und das wollte partout nicht die Taschenlampe einschalten und gleichzeitig Videotelefonie machen. Außerdem saß ich unter meiner Decke, da mir verdammt kalt war. Die elektrische Heizung funktioniert ja ohne Strom auch nicht.
Und nachdem meine Familie aufgelegt hatte, konnte ich einfach nicht mehr. Mir war kalt, es war dunkel, ich stank und auch den ersten Geburtstag von meinem Bruder, wo ich nicht da sein sollte, hatte ich mir wesentlich anders vorgestellt. Zu allem Überfluss war ich auch noch spät dran und hatte eigentlich keine Zeit für Weinattacken.
Es war das zweite Mal überhaupt, dass ich weinte. Erdbeben, ich war stark und weinte nicht. Normales Heimweh, ja ist scheiße, aber nicht weinen-scheiße und so war eigentlich jede Situation bisher, alle außer dieser Morgen.

Doch die Situation besserte sich. Ich schrieb meiner Vermieterin, die dann einen Freund zur Stromgesellschaft schickte. Außerdem bot meine Chefin mir an, dass ich mich bei ihr duschen und meine Wäsche bei ihr waschen könnte.
(Gleichzeitig habe ich auch herausgefunden, dass meine albanische Schulleiterin, sowie der für uns verantwortliche Typ vom Schulamt gefeuert wurden. Dazu aber eventuell nochmal ein ausführlicher Artikel, wenn die ganze Situation sich politisch etwas beruhigt hat.)
Am Ende brauchte ich das Angebot von ihr doch nicht, da die Stromgesellschaft relativ schnell das Problem behebte – ab Mittag hatte ich gottseidank wieder Strom.

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