„Nuk flas shqip. Nuk kuptoj.“

 

heißt: Ich spreche kein Albanisch. Ich verstehe nicht. Das sind wohl die Sätze auf Albanisch, die ich bisher am meisten gesagt habe. Gefolgt von „Mirëmënges“ – Guten Morgen, „Ç’kemi?“ – Wie geht es dir?, wird aber benutzt so wie hi, „Mirë“ – gut und „Dua një byrek, faleminderit“ – Ich möchte einen Byrek, danke.

Das sind nicht nur die Sätze, die ich am meisten gesagt habe. Es sind sogar alle Sätze Albanisch, die ich wirklich kann.

Meine Albanischkenntnisse sind also mehr als nur bescheiden. Doch oft erwarten Albaner, dass vor allem nachdem man sich mit einem „Mirëmëngjes“ begrüßt hat, man fließend Albanisch spricht.

So ging es mir gleich an meinem ersten Tag. Ich stand im Vodafoneshop, um mir eine Simkarte zu kaufen. Eine ältere albanische Dame kam rein und setzte sich hin. Nachdem sie mich sah, musste sie etwas wie „es ist schon verdammt heiß“ gesagt haben, da sie dabei eine Ich-fächere-mir-luft-zu-geste gemacht hat. Überfordert mit der Situation und weil weder „Guten Morgen“ „Wie geht es dir?“ oder „Ich möchte einen Byrek“ passende Antworten gewesen wären, lächelte ich sie nur an. Bestärkt in ihrem Glauben, dass ich wohl Albanerin sei, versuchte sie danach mit mir ein Gespräch anzufangen. Ich war komplett überfordert. Panik pur. Da sitzt eine vermutlich nette, denn schließlich habe ich sie nicht verstanden, ältere Dame neben mir und erzählt mir gerade vermutlich die schönsten Geschichten und ich konnte sie weder verstehen noch richtig antworten. Komplett ratlos schaute ich hilfesuchend zum Verkäufer. Der drehte sich zur älteren Dame um und sagte vermutlich etwas wie „die ist ausländerin“ und schwupp war die ältere Dame still und ich wieder uninteressant. Fünf Minuten später verließ ich den Laden mit einer Simkarte und einem schlechten Gewissen noch nicht mehr Albanisch sprechen zu können.

Ähnlich erging es mir auch bei einem Aufeinandertreffen mit einem Bauarbeiter an meiner Schule. Ich wartete gerade im Flur vor dem Büro meiner Chefin und auf dem Dach fanden Arbeiten statt. Irgendwann steckte ein Bauarbeiter durch die geöffnete Decke seinen Kopf herunter. Dann fing er an Albanisch zu sprechen, doch ich hatte meine Wunderwaffe, die mich normalerweise immer vor solchen Situationen rettete, schon schussbereit: „Nuk flas shqip“. Verdutzt und sich wahrscheinlich fragend, was zur Hölle ich dann auf dem Flur einer albanischen Schule zu suchen hätte, schaute mich der Bauarbeiter an und entschied prompt, dass ich ihn vermutlich nur verarschen würde und sprach weiter. Mit seinen Fingern zeigte er einen Abstand von etwa 15cm und meinte wiederholt „shishe“. Ich hatte keine Ahnung was zur Hölle eine shishe sein sollte, also fing ich an auf dem Boden nach etwas zu suchen was etwa 15cm groß war. Ich fand nichts. In meiner puren Verzweiflung schaute ich sogar in den Mülleimer. Doch auch da, war nichts 15cm großes. Verdaddert schaute ich wieder nach oben. Erheitert kam ein „shishe plastik“ zurück. Immerhin jetzt wusste ich schonmal, dass ich etwas aus Plastik suchte.

Weiterhin war der Bauarbeiter davon überzeugt, dass ich Albanisch sprechen konnte und ihn lediglich verarschen würde. Hilflos rief ich irgendwann „Gjermane“ (Deutsche) durch die Gegend. „Okay, also wirklich keine Albanerin“, musste der Bauarbeiter gedacht haben. „Sollte ich die Beschreibung des Dinges was ich suche eventuell dem anpassen? Naaah, die weiß bestimmt was eine shishe ist.“ Meine Nerven lagen plank. Ich unten keine Ahnung was ich geben sollte und oben ein Bauarbeiter, der mich weiter dazu drängte ihm unbedingt sofort eine shishe zu geben.

Endlich kam ein Schüler vorbei. Auf Englisch versuchte ich ihm die Situation zu erklären, dass da oben ein Bauarbeiter sei, der eventuell etwas so wichtiges wie einen Phasenprüfer braucht, ich ihn aber nicht verstehe. Der Schüler schaute mich komisch an und fing an auf Albanisch mit dem Bauarbeiter zu reden. Am Ende lachten beide und der Schüler ging. Der Bauarbeiter auch. Hin und her gereicht wurde nichts. Ich verwundert bleibe zurück. Wofür habe ich gerade nochmal extra in einen Mülleimer geschaut?

Doch diese Ahnungslosigkeit sollte sich vermutlich dank meines Sprachkurses, der nun begonnen hat, in der nächsten Zeit etwas bessern. Bisher habe ich bei diesem Kurs vor allem eine Sache gelernt:

Albaner schreiben alles genauso wie sie es hören und ob das gehörte Wort jetzt Albanisch war oder nicht, ist relativ irrelevant. So wird aus einem Taxi ein Taksi, aus einem Croissant ein Kurasant und aus der Jeans eine Xhinse, aus der Jacke – englisch jacket –  eine xhaketë und Käse, also cheese, heißt gjizë.

 

 

So konnte ich auch herausfinden, was eigentlich eine shishe plastike ist. Es handelt sich um das unbedingt notwendige, lebensrettende Bauarbeitertool schlechthin: eine Plastikflasche.

 

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