Auf Durchreise in Nyíregyháza

Nyíregyháza, Gleis 9: auf geht’s nach Lviv.

London, Gleis 9 ¾: auf geht’s nach Hogwarts.

Meine Reisen nach Hogwarts gehen immer von Nyíregyháza aus. Von dort erschließt sich mir die ganze Welt. Aber weil ich nicht mehr im Absolutismus reden will, eine kleine Änderung des letzten Satzes: Von dort aus erschließen sich mir Ungarn und so einige andere Ecken unserer Welt. Ganz so magisch wie am Bahnhof King´s Cross geht es dort leider nicht zu. Zumindest konnte ich bisher den normalen Eingang benutzen und musste nicht gegen irgendwelche Wände laufen, um dort resigniert festzustellen, dass ich in einer Welt ohne Magie lebe.

Der letzte Satz ist Quatsch mit Soße! Die Welt ist voller Magie. Man muss nur nach ihr Ausschau halten. Ausschau halten ist einer meinen Spezialitäten. Obwohl ich Ausschau gehalten habe, hat mir eine Möwe mal mein Eis gestohlen. Im Jahr darauf meine Pommes. Obwohl ich Ausschau gehalten habe, bin ich mal in einen Bach gefallen beim kläglichen Versuch zu balancieren. Doch eins habe ich geschafft. Ich habe die Magie des Reisens gefunden. Reisen ist Freiheit. Freiheit ist Leben. Leben ist Schlafen. Schlafen ist NICHT Nachtzug. Doch Nachtzug ist Reisen. Da Reisen das purste aller Abenteuer ist und Abenteuer am Besten in Reisen zu finden sind, ist meine Argumentationskette offiziell widerlegt.

Abenteuer Nachtzug ist ein ziemlich spaßiges Abenteuer. Mein ganz persönlicher Hogwarts-Express oder besser gesagt Osteuropa-Schnellzug führte mich ein zweites Mal ins wunderschöne Lviv, diesmal mit dem Jakob. Die Ukraine hat sich mittlerweile den Status meines geheimen Lieblingslandes eingeheimst. Mit anderen Worten: Ich liiiieeeebe dieses Land.

Was wäre eine Reise ohne Ziel und ein Ziel ohne Start? (Antwort ist hier einzufügen). Der Start oder eher gesagt die Durchreise ist…drei Mal dürft ihr raten…naaa, habt ihr den Titel noch im Kopf…genau, es ist Nyíregyháza. Durchreise in Nyíregyháza trifft vor allem auf Jakob zu, der dort innerhalb von drei Tagen gleich viermal durchgereist ist. In der Nacht von Ostersonntag auf Ostermontag sind wir auf magische Art und Weise von Ungarn in die Ukraine befördert worden. Den Tag davor haben wir keine Ostereier im Garten gesucht, sondern Giraffen und gepunktete Tiger im wohlgemerkt schönsten Zoo von Ungarn, in meinem Nyíregyháza. Der Schaffner im Zug hat Ostern auch falsch verstanden und statt Ostereiern unsere Staatsbürgerschaft gesucht. Einer seiner Landsgenossen hat ihn schließlich auf den entscheidenden Tipp gebracht. An der Grenze hat dann alles supidupi geklappt und zack waren wir nicht mehr in der EU. Lviv hat wieder alles gegeben uns einen schönen Aufenthalt zu bereiten. Sonnenschein, belebte Straßen, wunderschöne Häuser, leckeres Essen, eine nette Hostelrezeption und Räucherfischgetränk. Hupsidupsi, das Räucherfischgetränk gehört eher auf die magere Seite. So interessant es auch klingt, schmecken und riechen tut es gar nicht gut. Aber es scheint uns gemocht zu haben, denn auf dem Rückweg nach Ungarn, roch glatt mal unser Nachtzugabteil nach dieser „interessanten“ kulinarischen Kreation. Die Rückfahrt war gar nicht so spaßig wie Abenteuer Nachtzug es mir einst versprochen hat. Grund dafür ist der völlig unangebrachte Zeitpunkt der Grenzkontrolle, so dass man mit so gut wie gar keinem Schlaf um 04:30 im Durchreisezentrum Nyíregyháza ankommt. Doch lasst euch eins sagen: Fornetti macht schon um 5 Uhr auf! Leben ist gerettet und die Magie ins Leben zurück geholt.

Magie lässt sich in jeder Pore der Natur, der Menschheit und der Welt finden. Doch wie wir alle gelernt haben, gibt es stets gute und böse Magie. Das Persönliche sollte die gute Magie auf Schritt und Tritt verfolgen. Wir müssen lernen das Gute zu sehen, die zarten Glitzerpunkte in einer manchmal grauen Welt, das leichte Wedeln und Schwenken der vielen Zauberstäbe. Wenn man aufmerksam durch die Welt geht, entschleunigt und offen, kann man ganz schön viel Magie wahrnehmen. Ein bisschen Luna Lovegood in jedem schadet nicht.  Die böse Magie ist jedoch ein wenig übermächtig geworden. Auch wenn sie nicht die persönliche Schutzmauer erreicht, darf man sich nicht hinter seinem Schild verstecken und nie mehr aus dem selbstgebastelten Schneckenhaus hervorkriechen. Selbst wenn dort die schönste, märchenhafteste und zuckerroteste aller Welten entstanden ist, existiert eine Außenwelt. Eine Außenwelt die zu zerfallen droht. Eine Außenwelt, die wir selber zerstören, dumm wie wir sind. Also was sollen wir da machen? Raus aus dem Schneckenhaus, Maulwurfaugen zu Adleraugen mutieren und sehen! Das ist nicht leicht, das gebe ich zu, dazu muss man sich zwingen, das muss man lernen. Aber lernfähige Menschen sind tolle Menschen und wer will denn nicht toll sein?

Nach diesem Themawechsel folgt nun ein erneuter Themawechsel. Ich bin nur noch acht Wochen in Nagykálló. Achtung, Themawechsel! Jakob ist der Namensgeber des heutigen Titels. Achtung, Ende folgt. Tschüssi.

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