Eine Ode an den Frühling

Der Frühling strahlt, ich strahle.

Langsam, fast unmerklich erklimmt er den großen Eisberg des Winters. Wie gute alte Freunde sagen sie sich Hallo, machen sich einen schönen Nachmittag und trinken einen Kaffee. Das Gemüt des Frühlings wirkt nach außen ruhig, ausgeglichen und selbstzufrieden, doch er steckt auch voller Überraschungen. Er muss sich etwas zurücknehmen nicht zu schnell in die Herzen der Menschen zu gelangen und nimmt Rücksicht auf den Winter. Denn auch dieser braucht seinen Platz und die richtige Wertschätzung. Also wartet er, der Frühling, zögert noch ein wenig und beobachtet das Treiben auf der Erde… die Menschen, die Pflanzen, die Tiere. Alle stehen sie in den Startlöchern. Besonders die Menschen können ihre Ungeduld mal wieder nicht unter Kontrolle halten. Bei dem kleinsten Sonnenstrahl strömen sie nach draußen, befreien sich von der Enge der Winterjacke und trinken ihren Kaffee im Freien. Ja vielleicht wagen einige sogar schon das erste Eis des Jahres. Der Frühling hat ein Lächeln auf den Lippen, fühlt sich geehrt und geliebt. Und das wird er auch. Dessen ist er sich bewusst, doch das ist kein Grund zum Egoismus. Langsam, ganz langsam und Schritt für Schritt wird er in die Welt der Menschen eintreten; so wie jedes Jahr. Und so wie jedes Jahr wird er Wärme, Freude, Liebe, Bekanntschaften, Eiskaffee für Anja, lange Abende, Spaziergänge, Fahrradtouren, Reisen und vieles weitere mit sich bringen. FRÜHLINGSGEFÜHLE. Und ich? Was macht der Frühling mit mir? Ich werde ihn mit offenen Armen empfangen, ihn ganz fest umarmen und so lange wie möglich umschlossen halten. Ich werde nach seinen Regeln spielen und nach seiner Pfeife tanzen. Sonst stolze independent woman, gebe ich mich beim Frühling in die Abhängigkeit. Mit großer Freude lege ich meine Winterjacke ab, hole meine Sneakers aus dem Schrank und versuche jeden einzelnen Sonnenstrahl in mir aufzusaugen. Ob letzteres gelingt sei mal dahingestellt, aber ein Versuch ist es wert und noch dazu ein Löblicher.

Aber was rede ich da schon wieder nur von mir? Im Gegensatz zum Frühling bin ich nämlich ganz schön egoistisch. Doch andererseits ist dies hier ja auch mein Blog und nicht der vom Frühling. Jener hat lediglich einen Gastauftritt in diesem einflussreichen Medium. Sicher weiß der Frühling gar nicht mit dieser großen Ehre umzugehen und hat schon Feder und Tinte zur Hand, um eine angemessene Dankesrede zu formulieren. Doch eine Dankesrede zu schreiben, das soll er mal mir überlassen. Schließlich gilt ihm der größte Dank. Denn er bringt Leben und Schwung in die Bude. Ein einziger Sonnenstrahl, und meine Laune wird auf das Doppelte katapultiert.

Also lieber Frühling, mach zackig, ich brauche dich. Denn das Ganze Schwafeln von wegen „auf die Gefühle anderer Rücksicht nehmen“, „warten und dann auskosten“ war doch nur ein kleiner Köder. Die traurige Realität ist, dass ich noch immer meine Winterjacke anhabe. Na, was sagst du dazu? Nicht so optimal, sage ich dazu. Mach dir keinen Druck, aber eigentlich erwarte ich, dass du in einer Woche bei mir auf der Matte stehst. Es ist dann schließlich auch schon März.

Hab dich lieb Frühling, Küsschen.

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