20 Jahre Karla in Bulgarien! (Tag 77-83)

Okay, ich muss zugeben der Titel dieses Beitrags könnte ein bisschen verwirrend sein. Ich bin nicht schon seit 20 Jahren in Bulgarien, auch wenn es sich schon so anfühlt. Aber ich bin in Bulgarien 20 Jahre alt geworden.

Um genauer zu sein, in Bansko, dem bekanntesten Skiort Bulgariens. Wie ich dort als Nicht-Skifahrerin hingekommen bin? Das ist eine sehr gute Frage.

Aber zuerst einmal zurück zum Anfang. Als erstes die Ankündigung, dass wir nicht wie geplant Paulas Schwester vom Flughafen abgeholt haben. Der zweite verpasste/abgesagte Flug. Um Paula zu trösten ist Pius natürlich gleich die zündende Idee gekommen was wir als Rettung brauchen: irgendetwas mit Pudding drin! Wie es der Zufall so will habe ich an exakt diesem Tag mittags eine Puddingschnecke gebraucht und noch nicht ganz aufgegessen. Also wurde in aller Eile der Tisch gedeckt, ein Rotwein zum Atmen geöffnet und klassische Musik sowie Kerzen angemacht. Das klassische Erste-Hilfe-Set sollte man einmal eine Paula trösten müssen.

Als sie gut versorgt war, ging es für uns andere ans Packen. Für manche von uns war das aufwendiger als für andere. Dann wurde ein Wecker gestellt und Tom und ich machten uns vollbepackt mit je zwei Rucksäcken auf zum Bahnhof. Die anderen konnten noch etwas länger schlafen, da sie den Bus bevorzugen, aber wir fahren doch nicht mit der türkischen Mafia! (Später dann vielleicht doch…) Jedenfalls waren wir uns einig, dass Zug fahren viel komfortabler ist. Im Zug gab es Baniza zum Frühstück und einen Bruschette-Snack. Ein paar Mitreisende haben Musik gemacht und wir haben in Ruhe unsere Bücher gelesen und wurden langsam immer aufgeregter. Gleich steigen wir um in die Rhodopenbahn! Die einzige Schmalspurbahn Bulgariens!

Leider gab es keine Abteile, sondern einen vollen Großraumwaggon. Und dann ging die Fahrt auch schon los. Bei strahlendem Sonnenschein immer weiter hinauf ins Gebirge. Durch viele Tunnel, einem Fluss entlang bis der Zug plötzlich ruckelte und unsanft anhielt. Zuerst einmal nichts verwunderliches, doch dann stiegen immer mehr Leute aus. Neugierig guckte ich also aus dem Fenster und erkannte das Problem: Holzstämme und Äste auf den Gleisen. Bahnmitarbeiter, der Kontrolleur und Mitreisende schafften gemeinsam die Hindernisse zur Seite und nach kurzer Zeit konnte es auch schon weitergehen. Unkompliziert. In Deutschland hätte man bestimmt gewartet, bis die zuständigen Leute auftauchen. Ein wahres Bulgarienabenteuer.

Da es ein wenig stickig im Waggon war, ging ich nach draußen und stand im freien auf dem Verbindungsstück zwischen zwei Waggons. Eine wacklige Angelegenheit und vorallem im Dunkeln des Tunnels ein wenig gruselig. Etwas durchgefroren setzte ich mich wieder auf meinen Platz und schlief zum gleichmäßigen rattern des Zuges, meinem neuen Herzschlag, ein. Jedoch nicht zu lange. Ich wollte auf gar keinen Fall den höchstgelegenen Bahnhof des Balkans, Avramovo auf 1267 Metern, verpassen. An sich ziemlich unspektakulär und auch ansonsten soll alles bei Schnee noch viel schöner sein, aber zumindest hatten wir ab diesem Stopp einen Waggon ganz für uns alleine, was wir ausnutzten und ganz laut Musik hörten. In der Ferne sah man nun die schneebedeckten Berge, wie mit Puderzucker bestäubt. Und so fuhren wir glücklich durch die weite Hochebene, zig Bergdörfer mit mehreren Moscheen (джамия Dschamija) und beobachteten alles, was sich vor dem Zugfenster abspielte. Dabei sahen wir auch unfassbar viel Müll und viele Pferde. Verrückt, diese Kontraste.

In der Dämmerung kamen wir schließlich in Bansko an und beschlossen ein Taksi zum AirBnB zu nehmen. 40 min Fußmarsch mit 15 Kilo Gepäck war uns dann doch zu viel. Die anderen waren nach einer sehr viel kürzeren Busfahrt schon da und somit stand auch bald das Essen auf dem Tisch. (Spoileralarm, diese Woche wird auch italienische Woche genannt). Nach der ersten Stärkung gab es schon ein Krisengespräch. Die Wohnung viel zu eng für so viele Personen. Auch weil das Raumkonzept nicht wirklich ausgenutzt wurde und nicht beide Sofas gleichzeitig ausziehbar waren.  Zur Entspannung ging es also erst einmal in den Spa-Bereich. Sauna, Dampfbad, Whirlpool, schwimmen und die Welt sieht schon wieder besser aus.

Die Nacht habe ich auf dem drahtigsten Sofa der Welt geschlafen, aber zumindest hatten wir eine Spülmaschine, meine Arbeitskraft war also überflüssig, auch wenn die Spülmaschine einem beim Öffnen entgegengefallen ist, haben wir es mehr oder weniger gemeistert. Wie immer, wenn wir in der Gruppe zusammen frühstücken, gab es alles Mögliche zum Essen. Im Anschluss dann die erste Gondelfahrt des Jahres. Leider sind die Preise in Bansko so gar nicht Bulgarisch, weshalb wir die in Sofia zurückgebliebenen noch mit einem Großeinkauf beauftragten. Auch die Fahrt mit der Gondola war eher im Deutschen Preisbereich. Zumindest war die Aussicht sehr schön.

Oben angekommen haben wir uns ein bisschen fehl am Platz gefühlt. Wir standen mitten auf der Piste. Die einzigen Menschen ohne Skier.

Ich dachte, dass man auch einen Wanderweg nutzen kann, aber nein. Also hat ein Teil der Gruppe, darunter ich, ein paar verlassene Ferienhütten ausgekundschaftet, während der andere Teil mehr oder weniger einen Schlitten „geliehen“ hat. Wir hatten alle unseren Spaß.

Zurück im hässlichen Hotel-, Skiausstattungs-, und Tourilädengepflasterten Bansko, entdeckten wir auf dem Weg zum Bahnhof doch tatsächlich auch ein paar schöne alte Häuser.

Ein Glück! Und auch der Blick ins Umland kann sich durchaus sehen lassen. Zusammen mit den Neuankömmlingen Josi und Amelie wollten wir Schlittschuhlaufen gehen. Aber doch nicht für 15 €!!! Ein bisschen geknickt haben wir uns je ein Shumensko gekauft und angeheitert die Stadt erkundet. Dann nocheinmal unsere Einkäufe durch den ganzen Ort getragen und wieder ab in den Spa-Bereich. Wie schon vorhin erwähnt, italienische WOche. Was gab es also zum Essen? Pizza!

Ungeduldig haben Josi, Ami und ich Skispringen geschaut, wobei unser Bauchgrummeln lauter war als alles andere. Das Warten hat sich gelohnt. Super leckere Pizza. Dann wurde die Tanzfläche eröffnet und wir haben getanzt und in meinen Geburtstag reingefeiert. Um 0 Uhr durfte ich meine coolen Geschenke auspacken, und auch wenn die anderen meinen, dass ich mich nicht richtig gefreut habe, das stimmt nicht! Ich habe mich wirklich sehr gefreut! Zur Feier des Tages durfte ich im Bett schlafen, juhu!

Silvesterporridge und ein regnerischer Waldspaziergang über eine Wiese voller Kuhfladen, über den Bach rein in den Wald und dann bergauf, bergab durch den Matsch. Erwachsen wie wir sind wurden dann Bewegungsspiele gespielt. Natürlich um sie mit den Kindern in der Schule zu spielen…

In der Stadt gab es dann Auberginen-, halt Stopp! Natürlich Zuchinibällchen Duner. Auf dem Rückweg sind wir dann Paula und ihrer Schwester über den Weg gelaufen, die nun auch den Weg nach Bansko geschafft hatten. Täglich grüßt das Murmeltier, wieder Spa-Bereich und italienische Woche, also zur Feier des Tages Nudeln mit Pesto. Danach wurde ordentlich gefeiert und gelacht, sodass wir fasst 0 Uhr verpasst hätten. Wir haben es aber noch pünktlich raus geschafft und ganz laut geschrien und uns gefreut. 2021!

In dieser Nacht wurde mir das upgrade Bett wieder weggenommen, aber ich habe eigentlich auch ganz gut auf meiner Isomatte geschlafen. Am Morgen haben wir dann beschlossen einen Tag früher abzureisen, poweraufräumen und Restefrühstück, alle Sachen zusammensuchen und dann vollbepackt noch ein letztes Mal durch die Stadt zum Busbahnhof. Zugfahrt nach Shumen hätte ca 14 Stunden gebraucht, also lieber doch mit dem Bus zurück nach Sofia. Jedoch ist es im Bus deutlich enger, aber auch schneller. Und es wird einem auch schneller schlecht. In dieser Nacht noch eine weitere Stufe niediriger auf der Bequemlichkeitsskala: schlafen in der Küche auf dem Boden. Die schrecklichste Nacht. Morgens wurde dann nur alles schnell zusammengepackt und wir sind zum Bahnhof gehetzt. Unter enormen Zeitdruck von der Metro zum Ticketschalter und dann zum Bahnsteig gerannt, während meine persönlichen Heldinnen des Jahres 2021 Josi und Ami hinter uns hergerannt sind mit Baniza in der Hand. Danke! Ich dachte, ich müsste hungern! Ich glaube das war das beste Baniza, einfach weil ich mich so gefreut habe. Die Fahrt von Sofia Richtung Shumen ist auch wirklich spektakulär. Durch Schluchten und an steilen Felswänden entlang.

Wir haben uns in unserem Abteil ausgebreitet und in Zeiten von Corona ist das nicht Asozial und unhöflich, sondern eine Vorsichtsmaßnahme um gesund zu bleiben. Deshalb haben wir auch wieder laut Musik gehört und uns schlafend gestellt. Masterplan.

Ach wie sehr ich mich gefreut habe auf mein schönes Shumen und meine eigene Wohnung, ohne 9 andere Leute darin. Dennoch war es super seltsam so plötzlich wieder ganz alleine zu sein.

Jetzt muss ich erst einmal wieder in meinen Alltag hineinfinden. Die Schüler haben mir schon geschrieben und es gibt viel zu organisieren. Heute hatten wir endlich unsere ersten Bulgarischstunden. Die ganze Zeit wollte ich auf Französisch reden. Chaos.

Mein heißgeliebtes Yoga kann ich nun auch wieder machen und wenn alles gut läuft ist ab Februar wieder Präsenzunterricht. Bis dahin brauche ich also noch ein paar Ideen für den Online-Unterricht, der heute wieder begonnen hat. Auf meinem Spaziergang heute, habe ich erstaunt festgestellt, dass der Weihnachtsmarkt noch immer geöffnet hat. Vielleicht kaufe ich mir also auch selbst noch einen himmlischen Honig. Dann bin ich für den nächsten Besuch von Paula gut vorbereitet.

 

 

Human of Shumen

Kaffeeparadies

Hallo, ich bin Denislava Dimova von der elften DSD-Klasse. Ich bin vor einem Jahr Tante geworden, aber meine Nichte ist in England weit von mir entfernt. Als sie geboren wurde, ging ich nach England und beobachtete sie ständig, damit ihre Eltern arbeiten konnten. Zu Beginn des Schuljahres kehrte ich nach Bulgarien zurück, aber ich beschloss, während der Schule zu arbeiten, um selbst Geld zu verdienen und Geld für ein Ticket nach England zu sammeln, damit ich bei ihr sein konnte, weil ich will, dass die kleine Prinzessin nicht ohne mich aufwächst und mich nicht kennt. Immerhin habe ich sie als Baby beobachtet, aber im Moment ist sie ein sehr energisches Kind, sie geht alleine und spielt viel, und ich kann nicht mit ihr zusammen sein. Also fand ich einen Job in einem Café in Novi Pazar, obwohl meine Eltern nicht viel zustimmten, weil sie nicht wollten, dass ich in der Schule zurückfalle. Aber ich habe mit beiden gestritten, denn wenn ich nicht damit umgehen konnte und schlechtere Noten hatte, müsste ich aufhören zu arbeiten. Das Café heißt Paradise. Die Stadt ist klein und es gibt nicht viele Cafés und genau aus diesem Grund kommen Leute in meinem Alter, die ich kenne, denn hier kennt jeder jeden. Ich liebe meinen Job, weil ich mit allen befreundet bin und mit niemandem Probleme hatte. Jeden Tag konnte ich es kaum erwarten, die Schule zu beenden und zu gehen. Und Arbeit. Dort ruhte ich mich aus und es war abwechslungsreich.

Aber wie jeder Kellner habe ich einige schlechte Erfahrungen mit dem Servierbrett, mit dem ich die Getränke zu den Kunden trage. Eines Tages musste ich vier Schokoladenshakes mit einem Saft servieren, der sich in einer Glasflasche befindet und im Allgemeinen nicht auf das Servierbrett gelegt werden sollte. Aber es gab so viel Arbeit, und um nicht zu verweilen und unnötige Spaziergänge zur Bar und zurück zu machen, nahm ich alles und ging. Und als ich an den Tisch kam, an dem ich alle auf dem Tablett bedienen musste, fiel ich hin und ein kleiner Junge bekam einen Schokoladenshake. Von Kopf bis Fuß. Ich bin glücklich, dass die Kunden freundlich waren und verstanden haben, dass solche Dinge jedem passieren und es keine Probleme gab.

Insgesamt hat es immer viel Spaß gemacht und ich bin auf wundervolle Kollegen gestoßen. Ich war das einzige Mädchen und alle haben mich befolgt. Ich kann es kaum erwarten, dass die Restaurants wieder öffnen und wieder zu arbeiten und im Sommer mit der Kleinen in England zusammen zu sein. Ich hoffe nur, dass diese Situation mit Covid verschwindet und alles so ist, wie es vorher war.

 

 

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