Und wieder eine Stadt mit B

(M)ein »kulturweit« Blog

Post für mich! ;-) 16. Oktober 2011

Filed under: Allgemein — Carola Dierich @ 18:09

Als ich heute nach vier Tagen Abwesenheit (aber dazu ein andermal mehr) wieder in meiner WG eintraf, hatte ich tatsächlich Post. 😉 Und nicht von irgendwoher: aus Duschanbe, der Hauptstadt von Tadschikistan, von einer anderen kulturweit-Freiwilligen. Die Freude war riesengroß, auch wenn ich ihn nicht selbst aus dem Briefkasten fischen konnte. Er wartete bereits auf meinem Schreibtisch auf mich, da ihn meine Mitbewohner aus unserem kleinen Briefkasten befreit hatten.

Briefkästen in der Save Tekelije 9

Der kleine, einsame Metallbriefkasten in der oberen linken Ecke gehört zu unserer Wohnung. Ja, er fühlt sich manchmal ziemlich einsam, weil er irgendwie nicht so richtig zu den anderen Holzbriefkästen gehört… Deshalb freut er sich sehr, wenn er gefüllt wird. 😉 Aber Achtung, es darf nicht zu viel auf einmal sein, denn besonders groß ist er nicht (17×23 cm, extra nachgemessen!).

meine Post-Verbindung zur Außenwelt 😉

Warum er so alleine da hängt? Vermutlich weil er der Neueste ist. Die oberste Etage des Hauses, in dem ich wohne, wurde erst nachträglich draufgebaut.

Ich habe mittlerweile auch Erfahrungen mit der örtlichen Post gemacht. Neben verschiedenen Briefen und Paketen, die ich für den DAAD dort abgegeben und Rechnungen, die ich dort bezahlt habe, habe ich auch einen Brief von mir verschicken wollen. Wie ich es gewohnt bin, habe ich den Brief natürlich vorher verschlossen. Als ich dann am Schalter stand und der Frau den Brief entgegenschob, redete sie wild auf mich ein. Was ich verstand: ich solle den Brief wieder öffnen. ??? Ihr gab ich zu verstehn, dass ich keine Ahnung hatte was sie sagte, woraufhin sie es mit Englisch versuchte: was da drin sei. Nachdem ich ihr versichert hatte, dass es tatsächlich ein ganz normaler Brief sei, hakte sie erneut nach, um ihn am Ende dann dennoch versiegelt wie er war entgegenzunehmen und abzusenden.

 

Alltag in Belgrad 11. Oktober 2011

Filed under: Allgemein — Carola Dierich @ 23:58

Nach einem vor allem witzigen Wochenende, dass meine liebe Mitfreiwillige Katja in ihrem Blog mit vielen Fotos sehr schön beschrieben hat, weshalb ich es an dieser Stelle nicht noch einmal ausgiebig wiedergebe und hiermit auf sie verweise, ist nun wieder der Alttag eingekehrt. Ja, man kann sagen, dass sich innerhalb von drei Wochen ein gewisser Alltag eingestellt hat.

Dass ich hier nun wirklich angekommen bin, scheint sich bereits herumgesprochen zu haben. So wurde ich auch schon von einem Touristen angesprochen, ob ich denn Englisch sprechen würde und wüsste, wen diese Statue hinter mir zeigt. Leider wusste ich es auch nicht… Aber kurz danach wurde mir bewusst: Beograd si ti! (Belgrad bist du!) – eine Aufschrift, an der ich jeden Tag mit dem Bus vorbeifahre. Man kennt diesen Slogan also nicht nur in Deutschland. 😉

Gefreut habe ich mich bei einem Spaziergang auch über den Anblick von älteren Taxifahrern, die sich ihre Wartezeit bis der nächste Kunde kam auf, wie ich finde, sehr schöne Weise vertrieben. Sie standen um den Kofferraum eines Taxis, in dem sich ein großes ausgebreitetes Schachbrett befand und dachten jeweils über ihren nächsten Zug nach. Da ich meine Kamera nicht schnell genug bei der Hand hatte, müsst ihr euch nun selbst im Kopf ein Bild davon machen.

 

 

 

Idylle inmitten der hektischen Großstadt – Skadarlija 8. Oktober 2011

Filed under: Allgemein — Carola Dierich @ 14:19

Diese Woche habe ich mich nach der Arbeit nochmal aufgerafft um Belgrad ein wenig mehr zu entdecken. So fand ich eine kleine Oase inmitten der hektischen Stadt. Auch wenn es mittlerweile natürlich vor allem ein Anziehungspunkt für Touristen ist, versprüht dieser Ort dennoch einen gewissen Charme und wird sicherlich nicht ohne Grund das Montmartre von Belgrad genannt. Aber der folgende Text, den ich dort an einer Tafel fand, beschreibt das ganze viel besser. Er stammt von dem Karrikaturisten und Autor Zuko Dzumhur (in einer freien Übersetzung von mir aus dem Englischen…) und ich habe ihn durch ein paar wenige Bildeindrücke ergänzt.

Brunnen am Anfang der Skadarska-Straße

„Mein Name ist Skadarlija oder Skadarska Straße, was dir lieber ist. Ich bin kein Boulevard. Ich bin keine Allee. Ich bin auch keine Autobahn. Ich bin eine einfache, steile, gewundene und schlecht gepflasterte Gasse im Herzen von Belgrad. Und das wäre alles was man über mich sagen könnte, wäre da nicht meine Vergangenheit als Künstlerviertel und wären da nicht meine verfallenen Dächer, wackligen Stühle und der offene Graben.

kleine Häuschen, schiefe Dächer, alte Straßenlaternen...

Meine Gäste waren zu jeder Zeit berühmte Literaten. Meine ersten Gäste waren Belgrads Schauspieler, Poeten, Regisseure, Maler und Schriftsteller. Ich habe auch Minister und hoch geschätzte Gouverneure empfangen; ich habe Sattler, Boza-Verkäufer, Kebabrestaurantbesitzer, Schulabbrecher und gelehrte Professoren beherbergt. Sie alle sangen und feierten unter meinem Dach und auf meinen Pflastersteinen.

holprige Pflastergasse - Skadarlija

Und dann, von heute auf morgen, war ich von einer riesigen, lauten Millionenstadt umgeben. Neue, richtige Straßen wurden gebaut, ebenso wie prächtige Herrenhäuser. Glücklicherweise wurde ich vergessen oder umgangen. Meine Feinde bauten einige unüberschaubare, hässliche Gebäude zu meinen Seiten um mich zu beschädigen oder zu ruinieren. Aber meine Freunde und die, die mir nahe standen, kämpften für meine Erhaltung und dafür wenigstens einen Teil meiner Seele und meines einstigen Ruhmes zu retten. Sie wissen sehr genau, dass ich eine unerschöpfliche Quelle menschlicher Freude und Verrücktheit bin und ich bin aufrichtig dankbar für ihre Freundlichkeit.“

die Hauswand als Leinwand

 

 

Wo man hinschaut… Polizei 2. Oktober 2011

Filed under: Allgemein — Carola Dierich @ 20:50

Die Polizeipräsenz an diesem Wochenende in Belgrad war der absolute Wahnsinn. Bereits als ich gestern mittag mit dem Bus unterwegs in die Stadt war, fuhr eine ganze Kolonne Polizeiwagen und Busse voll mit Polizisten an mir vorbei. Der Grund: heute sollte eigentlich die diesjährige Gay Pride stattfinden. Letztes Jahr wurde sie nach 10 Jahren erstmals wieder genehmigt und es kam zu teilweise heftigen Straßenkämpfen zwischen den Gegnern und Polizisten. Auch in diesem Jahr gab es im Vorfeld wieder viele Diskussionen. Gruppen, die der Parade sehr feindlich gegenüberstanden, kündigten Gegendemonstrationen an. Es sollte also an diesem Wochenende einiges in Belgrad los sein. Neben der Gay Pride waren für das gesamte Wochenende Gegenveranstaltungen in verschiedenen Stadtteilen sowie im ganzen Land geplant. Dafür sollten allein in Belgrad 5000 Polizisten zur Verfügung stehen, damit es nicht zu Ausschreitungen kommt. Von der deutschen Botschaft kam die Nachricht, dass man sich am Wochenende mit Obacht in der Stadt bewegen sollte.

Am späten Freitag Nachmittag wurde dann nicht nur die Gay Pride verboten, sondern auch jegliche Gegendemontrationen. Der Nationale Sicherheitsrat hatte verlauten lassen, dass die Sicherheit der Teilnehmer der Gay Pride nicht gewährleistet werden könne. Eine rechte Gruppe hätte beispielsweise  eine Operation unter dem Codenamen „Belgrad in Flammen“ angekündigt. Dennoch wurden Sicherheitsvorkehrungen getroffen, falls es trotz des Verbotes zu Menschenansammlungen oder dergleichen kommen sollte. Gerade an wichtigen Gebäuden waren viele Polizisten stationiert, zum Großteil in Sicherheitskleidung und mit Schutzschildern. Auch in der Innenstadt kamen mir sowohl gestern als auch heute immer wieder Gruppen von Polizisten entgegen. Das war schon irgendwie ein komisches Gefühl…

Heute gibt es mal kein Bild. Ich wollte mich nicht demonstrativ irgendwo hinstellen und die Polizeiformationen fotografieren… Dafür hier ein Link zu einem kurzen Radiobeitrag über das Verbot der Parade des schweizer Senders DRS, der natürlich noch etwas mehr Hintergrundinformationen liefert als mein kurzer Text das leisten konnte:

Beitrag des schweizer Radiosenders DRS zum Verbot der Gay Pride in Belgrad 2011

 

 

Verkehr in Belgrad 28. September 2011

Filed under: Allgemein — Carola Dierich @ 19:43

Einer der für mich faszinierendsten Plätze in Belgrad ist Slavija. Man nehme 3-4 Autospuren (die genaue Zahl war für mich bisher noch nicht ersichtlich), füge drum herum eine Straßenbahnlinie hinzu, abschließend am äußersten Rand eine Spur für Busse und fertig ist das Verkehrschaos. 😉 Mit Sicherheit gibt es ein System, nach dem sich der aktive Verkehrsteilnehmer richten kann, und das durch häufig anzutreffende Polizisten an diesem Platz sichergestellt wird, dass für den passiven Verkehrsteilnehmer beziehungsweise Touristen jedoch nicht augenscheinlich ersichtlich wird. Ich bin zumindest jedes Mal von den Autofahrern beeindruckt, die es heil wieder aus diesem Kreisverkehr heraus schaffen, und froh darüber, dass nicht ich der aktive Verkehrsteilnehmer bin, wenn ich jeden Morgen und Abend auf meinem Arbeitsweg diesen Platz mit dem Bus passiere. Dieses Foto stammt leider nicht von mir. Aber ich habe es mir zum Projekt gemacht, höchstpersönlich Fotos von diesem Platz zu machen. Mal sehen wie sich die Möglichkeit ergibt eines der umstehenden Hochhäuser zu erklimmen. Ihr dürft auf jeden Fall gespannt sein. Sobald das Projekt zufriedenstellend abgeschlossen ist, werdet ihr es erfahren. 😉

Plac Slavija in Belgrad (Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/File:Slavija-Beograd-trg_Dimitrija_Tucovica.jpg)

Ansonsten mache ich kleine aber feine Fortschritte was meine Sprachkenntnisse betrifft. Mein erster großer Erfolg: Als ich heute wieder in einem kleinen Imbiss stand um mir etwas zum Mittagessen zu kaufen und mal wieder nur darauf zeigen konnte, merkte die Verkäuferin zwar, dass ich scheinbar kein Serbisch spreche und versuchte es auf Englisch. Das hinderte sie jedoch nicht daran wieder ins Serbische umzuschwenken und mich zu fragen: „Odakle ste?“ (Woher kommen Sie?). Glücklich darüber, dass ich diesen Satz heraushörte und verstand, konnte ich nur etwas stotternd antworten: „Ja sam iz Nemačke.“ (Ich bin aus Deutschland.), da wir diese Mini-Konversation gestern im Sprachkurs durchgenommen hatten. Ich konnte meine frisch erworbenen Kenntnisse also gleich am nächsten Tag erfolgreich einsetzen. 😉 Naja, das Ende der Geschichte war, dass die Verkäuferin dann dennoch wieder zum Englischen wechselte…

Und eine kleine Begebenheit zum Schluss: Ich fand es sehr witzig, als mir eine ältere Frau in einem Kiosk einen bunt eingepackten Kaugummi gab, weil sie keine 5 Dinare (5 cent) Wechselgeld mehr hatte, die ich zurückbekommen hätte. 😉

 

Sonntags auf dem Markt 25. September 2011

Filed under: Allgemein — Carola Dierich @ 18:28

Nach einem faulen Sonntagvormittag bin ich einer meiner Lieblingsbeschäftigungen nachgegangen: ich habe den örtlichen Obst- und Gemüsemarkt inspiziert, der nur zehn Minuten von meiner Wohnung entfernt ist. Auf dem Rückweg dauerte es dank meiner großen Ausbeute natürlich etwas länger… Ich konnte dem kleinen Jungen einfach nicht widerstehen, der mir zwei Kilo Pflaumen aufschwatzte, obwohl ich maximal eins haben wollte. Ansonsten hab ich mich einigermaßen verständlich machen können und war sehr glücklich darüber, dass ich die Zahlen verstehe. 😉 Dann wird es bei mir diese Woche wohl hauptsächlich Obst und Gemüse geben, kann ja nicht schaden.

Markt-Einkauf

meine Ausbeute 😉

 

 

 

Wochenend und Sonnenschein ;-) 24. September 2011

Filed under: Allgemein — Carola Dierich @ 20:02

Was gibt es schöneres, als einen sonnigen Samstag auf dem Balkon ausklingen zu lassen und dabei so einen tollen Ausblick zu genießen:

Balkon-Blick bei Nacht

genialer Blick über Belgrad bei Nacht von meinem Balkon 😉

Die Stadt liegt mir quasi zu Füßen. 😉 Hier werde ich euch nun wenigstens etwas davon zeigen und berichten was mich in meiner neuen Heimat auf Zeit beschäftigt. Ich werde versuchen vor allem Bilder sprechen zu lassen und ab und an eine kleine Geschichte aus meinem Alltag erzählen.

So sah es dann am Dienstag vom Balkon aus:

Balkon-Blick im Nebel

und so sieht das ganze dann bei Regen und Nebel aus...

Nachdem ich bei wunderbaren 30 Grad am Montag angekommen war, bescherte der Dienstag mir mehr als genug Regen. Seitdem hat sich das Wetter allerdings wieder gebessert. Da ich die Woche über nach der Arbeit meist ziemlich müde war, hatte ich dann heute endlich die Gelegenheit mir etwas mehr von Belgrad anzuschauen. Es war ein richtig schöner Spaziergang durch die alte Festungsanlage Kalemegdan zusammen mit meiner Mitfreiwilligen Sarah. Die Festung liegt oberhalb der Mündung der Save in die Donau und ist gerade bei diesem Wetter und am Wochenende von unendlich vielen Menschen bevölkert.

Kalemegdan

Blick auf die Mündung der Save in die Donau

Und hier noch ein witziges Detail, dass wir bei unserem Standrundgang in der Nähe einer Schule vorfanden. Das nenn ich mal einen Zebrastreifen. 😉

Zebra-Streifen

 

 

 
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