Reist man als Frau allein durch den Balkan, wird man häufiger mit mitleidigen Blicken bedacht, die fragen: Hast du keinen Freund bzw. eher Mann? oder: Wo ist denn deine Familie? Scheinbar erscheint es hier vielen, vor allem männlichen Wesen, merkwürdig, wenn man als weibliches Wesen allein unterwegs ist, frei nach dem Motto: da stimmt doch was nicht. Gelegentlich passiert es dann auch, dass ein älterer Herr die junge Frau für die Zeit der Reise in seine Obhut nimmt.
Nichtsahnend stieg ich also in den Bus, der mich innerhalb von 18 Stunden von Belgrad nach Leipzig bringen sollte, damit ich dort meine Mama zu ihrem 50. Geburtstag überraschen konnte. Sogleich wurde mir von einem älteren Herrn ein Platz am Fenster Angeboten, direkt in der Reihe vor der mittleren Tür – ein perfekter Platz, da es keinen stört, wenn man den Sitz nach hinten verstellt. Gewisser Herr erklärte sich dann quasi als mein Reisepapa, denn ich war ja mutterseelenallein unterwegs… Das bedeutete: wenn wir halt machten, gingen wir eine Runde um uns die Beine zu vertreten, oder er gab mir was zum Trinken aus, am Morgen dann auch einen Kaffee. Das ist ja auch alles sehr nett, aber der Smalltalk darf auch irgendwann mal ein Ende haben. Der Höhepunkt war schließlich, dass er mir auch noch unbedingt die 30 Cent für die Raststättentoilette geben musste…
Naja, auf jeden Fall bin ich wohlbehalten in Leipzig angekommen. 😉