Und wieder eine Stadt mit B

(M)ein »kulturweit« Blog

Mein erster Besuch! 30. Oktober 2011

Filed under: Allgemein — Carola Dierich @ 19:53

Jetzt ist bereits über eine Woche seit meinem letzten Eintrag vergangen. Dafür gibt es sogar einen Grund: Ich hatte diese Woche Besuch! Isa und Lucie folgten meinem Ruf und kamen aus Leipzig nach Belgrad – für ganze 5 Tage! ;-)Davor lag allerdings noch ein Wochenende, dass wiederum meine liebe Mitfreiwillige ausführlich beschrieben hat. Ergänzend folgen unten ein paar Bilder vom leckeren Grillen. 😉 Wie ihr sicherlich bemerkt habt, sehen wir uns fast jedes Wochenende. Auch dieses Wochenende war Katja erneut in Belgrad.

Entgegen meiner Tradition meine Woche nicht detailliert zu beschreiben, werde ich nun dennoch kurz zusammenfassen was wir in dieser Woche gemeinsam unternommen haben. Ja, auch ich habe sehr viele schöne neue Sachen in und um Belgrad entdeckt, wodurch mir diese Stadt immer mehr ans Herz wächst. Nach einem Gang durch die Innenstadt am ersten Tag waren wir beispielsweise in Zemun. Heute ein Stadtteil von Belgrad, war Zemun früher eine eigene kleine Stadt und so wirkt sie auch heute noch: kleine Häuser und Gassen laden zu einem Spaziergang ein. Dieser wurde durch den Ausblick von einem Hügel gekrönt, von wo aus man über die Flüsse Donau und Save hinweg bis zur alten Festung Kalemegdan sehen kann.

Außerdem haben wir uns im örtlichen Naherholungsgebiet Ada Ciganlija umgesehen. Dies ist eine künstlich angelegte Halbinsel in der Save. Neben zahlreichen kleinen Hausbooten und Bungalows, die um diese Jahreszeit kaum noch aufgesucht werden, gibt es dort die Möglichkeit zu zahlreichen Sportaktivitäten. Wir haben uns an einem Trimm-dich-Pfad versucht und zudem einige im Park verstreute physikalische Experimente für Kinder ausprobiert. Ein weiterer Ausflug führte uns auf einen Berg in der Nähe von Belgrad – Avala, zum dortigen Fernsehturm (ich kann ihn von meinem Balkon aus sehen) und einem Denkmal für den unbekannten Helden (wie man sie auch in anderen Ländern in Erinnerung an die gefallenen Soldaten des I. Weltkrieges findet).

Wie ihr seht ist Belgrad den ein oder anderen langen Spaziergang auf jeden Fall wert. Dabei haben wir nicht einmal alles geschafft. Und so endete der Besuch schon gestern, wie immer viel zu früh. Auf ihn folgte ein Rundgang über die Buchmesse in Belgrad mit meinen Mitbewohnern und ein ruhiger Sonntag mit Einkäufen auf dem Markt und einem tollen Mittagessen. Es hat sich nämlich herausgestellt, dass meine Mitbewohnerin gelernter Koch ist – eine Tatsache, die ich natürlich in vollen Zügen genieße! 😉

 

 

 

Studentenproteste in Belgrad 22. Oktober 2011

Filed under: Allgemein — Carola Dierich @ 18:42

Jeden Morgen steige ich am Studentski Trg (Studentenplatz) aus dem Bus aus. Um diesen Platz befinden sich viele Fakultäten der Belgrader Universität. Doch in dieser Woche war etwas anders als gewöhnlich. Aus dem Gebäude der Philologischen Fakultät drang laute Musik und ich sah das große Banner mit der Aufschrift: Blokada (Blockade). Da meine Mitbewohnerin ebenfalls an dieser Fakultät studiert, fragte ich sie, was es damit auf sich hat.

Blockade der Philologischen Fakultät in Belgrad

Die Studenten protestieren gegen die Verschlechterung der Studienbedingungen. Zum einen betrifft das die Dezimierung der Prüfungszeiträume. Bisher war es möglich seine Abschlussprüfungen jeden Monat zu wiederholen bis man es geschafft hatte. Dies ist nun nicht mehr der Fall. Nun müssen auch die Studierenden der alten Studiengänge (ja, auch hier findet der Bologna-Prozess statt) immer wieder monatelang warten um ihre Prüfungen abzulegen. Hinzu kommen die hohen Studiengebühren in Serbien. In einem Land, in dem der monatliche Durchschnittslohn etwa 350 Euro beträgt, zahlt man (laut meiner Mitbewohner) etwa 1000-1500 Euro Studiengebühren im Jahr. Bisher war es so geregelt, dass ein Großteil der Studierenden diese Gebühr nicht bezahlen musste, da sie gute Noten nachweisen konnten. Mittlerweile werden diese Standards immer höher gesetzt, wodurch immer weniger Studierende in den Genuß eines kostenfreien Studiums kommen. Hinzu kommt, dass es möglich war erneut von den Gebühren befreit zu werden, wenn eine deutliche Verbesserung der Studienleistungen erkennbar war. Auch dies ist nun nicht mehr möglich. Es wird ich zeigen, ob die Proteste etwas bewirken können.

 

Einmal durch ganz Serbien 19. Oktober 2011

Filed under: Allgemein — Carola Dierich @ 23:05

Innerhalb der letzten Woche habe ich so einige Kilometer zurückgelegt und bin ganz gut in Serbien herumgekommen. Allerdings habe ich von den meisten Städten nicht besonders viel gesehen außer verschiedene Fakultäten der ortsansässigen Unis, da die Reise quasi dienstlich war. Das heißt wir haben Präsentationen über den DAAD (Deutscher Akademischer Außtauschdienst), die verschiedenen Stipendien und allgemein Studieren in Deutschland gehalten. Eine Nacht durfte ich auf diese Weise in einem schicken Hotel verbringen und habe mir ein Wellnessprogramm gegönnt. 😉

Die Stationen der Reise - einmal durch Serbien (13.-17. Oktober 2011)

Am Wochenende haben wir den Spieß dann einmal umgedreht. Denn damit meine Mitfreiwillige Katja nicht immer nach Belgrad kommen muss, haben wir uns dieses Mal bei ihr in Valjevo getroffen. Nach Sonnenschein und einer Hügelbesteigung, wovon Bilder in der kleinen Galerie unten zu sehen sind, waren wir am Abend beim Jazzfestival – das Großereignis des Jahres in der Kleinstadt. 😉 Naja, so voll war es dann leider nicht. Für mich war die erste Gruppe die beste – Klavier, Schlagzeug, Querflöte, Klarinette, Percussion und ein Streichquartett – sehr toll!

Am Montag ging es dann noch nach Novi Sad und Subotica. In letzterer gibt es die Minderheit der sogenannten Bunjewatzen. In einem ihrer Restaurants ließen wir den Tag mit einem sehr leckeren Essen ausklingen – es gab eine Art Gulasch (in der Nähe der ungarischen Grenze kaum verwunderlich) – und da man sich damit bekanntlich sehr gut bekleckern kann, gibt es gleich von vornherein ein Lätzchen… seht selbst wie gut es mir steht – passend zur Tischdecke. 😉

Das Lätzchen wurde mir vom Kellner höchstpersönlich umgebunden!

 

 

einmal durch ganz serbien – Bildergalerie 19. Oktober 2011

Filed under: Allgemein — Carola Dierich @ 22:24

 

 

 

 

Post für mich! ;-) 16. Oktober 2011

Filed under: Allgemein — Carola Dierich @ 18:09

Als ich heute nach vier Tagen Abwesenheit (aber dazu ein andermal mehr) wieder in meiner WG eintraf, hatte ich tatsächlich Post. 😉 Und nicht von irgendwoher: aus Duschanbe, der Hauptstadt von Tadschikistan, von einer anderen kulturweit-Freiwilligen. Die Freude war riesengroß, auch wenn ich ihn nicht selbst aus dem Briefkasten fischen konnte. Er wartete bereits auf meinem Schreibtisch auf mich, da ihn meine Mitbewohner aus unserem kleinen Briefkasten befreit hatten.

Briefkästen in der Save Tekelije 9

Der kleine, einsame Metallbriefkasten in der oberen linken Ecke gehört zu unserer Wohnung. Ja, er fühlt sich manchmal ziemlich einsam, weil er irgendwie nicht so richtig zu den anderen Holzbriefkästen gehört… Deshalb freut er sich sehr, wenn er gefüllt wird. 😉 Aber Achtung, es darf nicht zu viel auf einmal sein, denn besonders groß ist er nicht (17×23 cm, extra nachgemessen!).

meine Post-Verbindung zur Außenwelt 😉

Warum er so alleine da hängt? Vermutlich weil er der Neueste ist. Die oberste Etage des Hauses, in dem ich wohne, wurde erst nachträglich draufgebaut.

Ich habe mittlerweile auch Erfahrungen mit der örtlichen Post gemacht. Neben verschiedenen Briefen und Paketen, die ich für den DAAD dort abgegeben und Rechnungen, die ich dort bezahlt habe, habe ich auch einen Brief von mir verschicken wollen. Wie ich es gewohnt bin, habe ich den Brief natürlich vorher verschlossen. Als ich dann am Schalter stand und der Frau den Brief entgegenschob, redete sie wild auf mich ein. Was ich verstand: ich solle den Brief wieder öffnen. ??? Ihr gab ich zu verstehn, dass ich keine Ahnung hatte was sie sagte, woraufhin sie es mit Englisch versuchte: was da drin sei. Nachdem ich ihr versichert hatte, dass es tatsächlich ein ganz normaler Brief sei, hakte sie erneut nach, um ihn am Ende dann dennoch versiegelt wie er war entgegenzunehmen und abzusenden.

 

Alltag in Belgrad 11. Oktober 2011

Filed under: Allgemein — Carola Dierich @ 23:58

Nach einem vor allem witzigen Wochenende, dass meine liebe Mitfreiwillige Katja in ihrem Blog mit vielen Fotos sehr schön beschrieben hat, weshalb ich es an dieser Stelle nicht noch einmal ausgiebig wiedergebe und hiermit auf sie verweise, ist nun wieder der Alttag eingekehrt. Ja, man kann sagen, dass sich innerhalb von drei Wochen ein gewisser Alltag eingestellt hat.

Dass ich hier nun wirklich angekommen bin, scheint sich bereits herumgesprochen zu haben. So wurde ich auch schon von einem Touristen angesprochen, ob ich denn Englisch sprechen würde und wüsste, wen diese Statue hinter mir zeigt. Leider wusste ich es auch nicht… Aber kurz danach wurde mir bewusst: Beograd si ti! (Belgrad bist du!) – eine Aufschrift, an der ich jeden Tag mit dem Bus vorbeifahre. Man kennt diesen Slogan also nicht nur in Deutschland. 😉

Gefreut habe ich mich bei einem Spaziergang auch über den Anblick von älteren Taxifahrern, die sich ihre Wartezeit bis der nächste Kunde kam auf, wie ich finde, sehr schöne Weise vertrieben. Sie standen um den Kofferraum eines Taxis, in dem sich ein großes ausgebreitetes Schachbrett befand und dachten jeweils über ihren nächsten Zug nach. Da ich meine Kamera nicht schnell genug bei der Hand hatte, müsst ihr euch nun selbst im Kopf ein Bild davon machen.

 

 

 

Idylle inmitten der hektischen Großstadt – Skadarlija 8. Oktober 2011

Filed under: Allgemein — Carola Dierich @ 14:19

Diese Woche habe ich mich nach der Arbeit nochmal aufgerafft um Belgrad ein wenig mehr zu entdecken. So fand ich eine kleine Oase inmitten der hektischen Stadt. Auch wenn es mittlerweile natürlich vor allem ein Anziehungspunkt für Touristen ist, versprüht dieser Ort dennoch einen gewissen Charme und wird sicherlich nicht ohne Grund das Montmartre von Belgrad genannt. Aber der folgende Text, den ich dort an einer Tafel fand, beschreibt das ganze viel besser. Er stammt von dem Karrikaturisten und Autor Zuko Dzumhur (in einer freien Übersetzung von mir aus dem Englischen…) und ich habe ihn durch ein paar wenige Bildeindrücke ergänzt.

Brunnen am Anfang der Skadarska-Straße

„Mein Name ist Skadarlija oder Skadarska Straße, was dir lieber ist. Ich bin kein Boulevard. Ich bin keine Allee. Ich bin auch keine Autobahn. Ich bin eine einfache, steile, gewundene und schlecht gepflasterte Gasse im Herzen von Belgrad. Und das wäre alles was man über mich sagen könnte, wäre da nicht meine Vergangenheit als Künstlerviertel und wären da nicht meine verfallenen Dächer, wackligen Stühle und der offene Graben.

kleine Häuschen, schiefe Dächer, alte Straßenlaternen...

Meine Gäste waren zu jeder Zeit berühmte Literaten. Meine ersten Gäste waren Belgrads Schauspieler, Poeten, Regisseure, Maler und Schriftsteller. Ich habe auch Minister und hoch geschätzte Gouverneure empfangen; ich habe Sattler, Boza-Verkäufer, Kebabrestaurantbesitzer, Schulabbrecher und gelehrte Professoren beherbergt. Sie alle sangen und feierten unter meinem Dach und auf meinen Pflastersteinen.

holprige Pflastergasse - Skadarlija

Und dann, von heute auf morgen, war ich von einer riesigen, lauten Millionenstadt umgeben. Neue, richtige Straßen wurden gebaut, ebenso wie prächtige Herrenhäuser. Glücklicherweise wurde ich vergessen oder umgangen. Meine Feinde bauten einige unüberschaubare, hässliche Gebäude zu meinen Seiten um mich zu beschädigen oder zu ruinieren. Aber meine Freunde und die, die mir nahe standen, kämpften für meine Erhaltung und dafür wenigstens einen Teil meiner Seele und meines einstigen Ruhmes zu retten. Sie wissen sehr genau, dass ich eine unerschöpfliche Quelle menschlicher Freude und Verrücktheit bin und ich bin aufrichtig dankbar für ihre Freundlichkeit.“

die Hauswand als Leinwand

 

 

Wo man hinschaut… Polizei 2. Oktober 2011

Filed under: Allgemein — Carola Dierich @ 20:50

Die Polizeipräsenz an diesem Wochenende in Belgrad war der absolute Wahnsinn. Bereits als ich gestern mittag mit dem Bus unterwegs in die Stadt war, fuhr eine ganze Kolonne Polizeiwagen und Busse voll mit Polizisten an mir vorbei. Der Grund: heute sollte eigentlich die diesjährige Gay Pride stattfinden. Letztes Jahr wurde sie nach 10 Jahren erstmals wieder genehmigt und es kam zu teilweise heftigen Straßenkämpfen zwischen den Gegnern und Polizisten. Auch in diesem Jahr gab es im Vorfeld wieder viele Diskussionen. Gruppen, die der Parade sehr feindlich gegenüberstanden, kündigten Gegendemonstrationen an. Es sollte also an diesem Wochenende einiges in Belgrad los sein. Neben der Gay Pride waren für das gesamte Wochenende Gegenveranstaltungen in verschiedenen Stadtteilen sowie im ganzen Land geplant. Dafür sollten allein in Belgrad 5000 Polizisten zur Verfügung stehen, damit es nicht zu Ausschreitungen kommt. Von der deutschen Botschaft kam die Nachricht, dass man sich am Wochenende mit Obacht in der Stadt bewegen sollte.

Am späten Freitag Nachmittag wurde dann nicht nur die Gay Pride verboten, sondern auch jegliche Gegendemontrationen. Der Nationale Sicherheitsrat hatte verlauten lassen, dass die Sicherheit der Teilnehmer der Gay Pride nicht gewährleistet werden könne. Eine rechte Gruppe hätte beispielsweise  eine Operation unter dem Codenamen „Belgrad in Flammen“ angekündigt. Dennoch wurden Sicherheitsvorkehrungen getroffen, falls es trotz des Verbotes zu Menschenansammlungen oder dergleichen kommen sollte. Gerade an wichtigen Gebäuden waren viele Polizisten stationiert, zum Großteil in Sicherheitskleidung und mit Schutzschildern. Auch in der Innenstadt kamen mir sowohl gestern als auch heute immer wieder Gruppen von Polizisten entgegen. Das war schon irgendwie ein komisches Gefühl…

Heute gibt es mal kein Bild. Ich wollte mich nicht demonstrativ irgendwo hinstellen und die Polizeiformationen fotografieren… Dafür hier ein Link zu einem kurzen Radiobeitrag über das Verbot der Parade des schweizer Senders DRS, der natürlich noch etwas mehr Hintergrundinformationen liefert als mein kurzer Text das leisten konnte:

Beitrag des schweizer Radiosenders DRS zum Verbot der Gay Pride in Belgrad 2011

 

 

 
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