Diese Woche habe ich mich nach der Arbeit nochmal aufgerafft um Belgrad ein wenig mehr zu entdecken. So fand ich eine kleine Oase inmitten der hektischen Stadt. Auch wenn es mittlerweile natürlich vor allem ein Anziehungspunkt für Touristen ist, versprüht dieser Ort dennoch einen gewissen Charme und wird sicherlich nicht ohne Grund das Montmartre von Belgrad genannt. Aber der folgende Text, den ich dort an einer Tafel fand, beschreibt das ganze viel besser. Er stammt von dem Karrikaturisten und Autor Zuko Dzumhur (in einer freien Übersetzung von mir aus dem Englischen…) und ich habe ihn durch ein paar wenige Bildeindrücke ergänzt.
„Mein Name ist Skadarlija oder Skadarska Straße, was dir lieber ist. Ich bin kein Boulevard. Ich bin keine Allee. Ich bin auch keine Autobahn. Ich bin eine einfache, steile, gewundene und schlecht gepflasterte Gasse im Herzen von Belgrad. Und das wäre alles was man über mich sagen könnte, wäre da nicht meine Vergangenheit als Künstlerviertel und wären da nicht meine verfallenen Dächer, wackligen Stühle und der offene Graben.
Meine Gäste waren zu jeder Zeit berühmte Literaten. Meine ersten Gäste waren Belgrads Schauspieler, Poeten, Regisseure, Maler und Schriftsteller. Ich habe auch Minister und hoch geschätzte Gouverneure empfangen; ich habe Sattler, Boza-Verkäufer, Kebabrestaurantbesitzer, Schulabbrecher und gelehrte Professoren beherbergt. Sie alle sangen und feierten unter meinem Dach und auf meinen Pflastersteinen.
Und dann, von heute auf morgen, war ich von einer riesigen, lauten Millionenstadt umgeben. Neue, richtige Straßen wurden gebaut, ebenso wie prächtige Herrenhäuser. Glücklicherweise wurde ich vergessen oder umgangen. Meine Feinde bauten einige unüberschaubare, hässliche Gebäude zu meinen Seiten um mich zu beschädigen oder zu ruinieren. Aber meine Freunde und die, die mir nahe standen, kämpften für meine Erhaltung und dafür wenigstens einen Teil meiner Seele und meines einstigen Ruhmes zu retten. Sie wissen sehr genau, dass ich eine unerschöpfliche Quelle menschlicher Freude und Verrücktheit bin und ich bin aufrichtig dankbar für ihre Freundlichkeit.“




Ich freu mich schon 🙂