Die Polizeipräsenz an diesem Wochenende in Belgrad war der absolute Wahnsinn. Bereits als ich gestern mittag mit dem Bus unterwegs in die Stadt war, fuhr eine ganze Kolonne Polizeiwagen und Busse voll mit Polizisten an mir vorbei. Der Grund: heute sollte eigentlich die diesjährige Gay Pride stattfinden. Letztes Jahr wurde sie nach 10 Jahren erstmals wieder genehmigt und es kam zu teilweise heftigen Straßenkämpfen zwischen den Gegnern und Polizisten. Auch in diesem Jahr gab es im Vorfeld wieder viele Diskussionen. Gruppen, die der Parade sehr feindlich gegenüberstanden, kündigten Gegendemonstrationen an. Es sollte also an diesem Wochenende einiges in Belgrad los sein. Neben der Gay Pride waren für das gesamte Wochenende Gegenveranstaltungen in verschiedenen Stadtteilen sowie im ganzen Land geplant. Dafür sollten allein in Belgrad 5000 Polizisten zur Verfügung stehen, damit es nicht zu Ausschreitungen kommt. Von der deutschen Botschaft kam die Nachricht, dass man sich am Wochenende mit Obacht in der Stadt bewegen sollte.
Am späten Freitag Nachmittag wurde dann nicht nur die Gay Pride verboten, sondern auch jegliche Gegendemontrationen. Der Nationale Sicherheitsrat hatte verlauten lassen, dass die Sicherheit der Teilnehmer der Gay Pride nicht gewährleistet werden könne. Eine rechte Gruppe hätte beispielsweise eine Operation unter dem Codenamen „Belgrad in Flammen“ angekündigt. Dennoch wurden Sicherheitsvorkehrungen getroffen, falls es trotz des Verbotes zu Menschenansammlungen oder dergleichen kommen sollte. Gerade an wichtigen Gebäuden waren viele Polizisten stationiert, zum Großteil in Sicherheitskleidung und mit Schutzschildern. Auch in der Innenstadt kamen mir sowohl gestern als auch heute immer wieder Gruppen von Polizisten entgegen. Das war schon irgendwie ein komisches Gefühl…
Heute gibt es mal kein Bild. Ich wollte mich nicht demonstrativ irgendwo hinstellen und die Polizeiformationen fotografieren… Dafür hier ein Link zu einem kurzen Radiobeitrag über das Verbot der Parade des schweizer Senders DRS, der natürlich noch etwas mehr Hintergrundinformationen liefert als mein kurzer Text das leisten konnte:
Beitrag des schweizer Radiosenders DRS zum Verbot der Gay Pride in Belgrad 2011