Der Verkehr – ganz anders und doch vertraut 2/2

Das erste, was mir auffiel, als mein Betreuer mich vom Busbahnhof abholte (ich war via Flugzeug nach Bukarest und von dort mit dem Bus nach Braşov gereist), waren Busse, wie ich sie noch nie vorher gesehen hatte. Sie waren alt, mit analoger Anzeigetafel, vielleicht sogar noch aus der kommunistischen Zeit (1948-1989), doch das auffälligste an ihnen waren die Stromabnehmer, die von ihrem Dach herauf zu den Oberleitungen über der Straße ragten, so wie ich es bisher nur von Straßenbahnen kannte. „Eigentlich eine ganz gute Idee – gerade in der heutigen Zeit, wo alle Welt E-Fahrzeuge will, aber die Batterien der Knackpunkt sind.“, dachte ich mir. Und wer weiß, vielleicht sind solche Busse ja demnächst auch in Deutschland  wieder vermehrt zu sehen (momentan gibt es lediglich drei Verkehrsbetriebe mit solchen Bussen; Quelle: Wikipedia). Doch zurück nach Braşov: Wie ich inzwischen erfahren habe, werden diese sogenannten Trolleybusse (zu dt. auch Obusse) lediglich auf zwei Linien eingesetzt, der Großteil der Busse ist dieses Jahr durch neue ersetzt worden, in denen die Technik schon weiter ist, als in vielen deutschen Bussen. So kann man sein Ticket dort kontaktlos entwerten oder gleich via App bezahlen, indem man einen QR-Code scannt. Freies WLAN gibt’s übrigens gratis obendrauf.

Und auch sonst ließe sich vom Straßenbild her nicht wirklich darauf schließen, dass man sich außerhalb Deutschlands oder gar in einem der ärmsten Länder Europas befindet. Gelegentlich sieht man zwar Autos, die sich wohl schwer täten durch den TÜV zu kommen, doch der Anteil an Mercedes, BMW und Porsche hat heimische Ausmaße. Das ist jedoch im Wesentlichen der – vor allem dank der hier ansässigen Autozulieferer – florierenden Wirtschaft der Stadt geschuldet. Bei meinen Reisen aufs Land bekam ich dann das andere Gesicht Rumäniens zu sehen, wo eher alte Dacias und Pferdewagen auf mäßig ausgebesserten Straßen das Bild prägen. Obwohl ich mir noch nicht sicher bin, welches dieser Gesichter mir besser gefällt, weiß ich bereits eines: es geht sehr unterschiedlich zu in diesem Land.

Der Verkehr – ein Erlebnis für alle Sinne 1/2

Eine Sache, die hier in Rumänien definitiv etwas anders läuft als in Deutschland ist der Verkehr. Wenn man im Auto unterwegs ist, dauert es nicht lange bis einem auffällt, dass man hier wesentlich häufiger in Kreisel statt Ampelkreuzungen geleitet wird und auch deutlich öfter Zebrastreifen überfährt, die hier in Braşov auch bei breiteren Straßen gerne mal anstatt einer Ampel eingesetzt werden. So kostete es mich am Anfang doch immer einiges an Überwindung und auch an Vorsicht, eine vierspurige Hauptstraße zu überqueren, lediglich geschützt durch ein paar weiße Streifen auf dem Asphalt sowie angeblich drakonische Strafen für Autofahrer, die diese missachteten. Dass diese Drohungen jedoch nur begrenzte Wirkung zeigen, merkte ich schnell. Allgemein scheint das innerörtliche Tempolimit von 50 km/h eher eine Richtgeschwindigkeit zu sein, die gewissen Interpretationsraum – insbesondere nach oben zulässt. Genauso werden auch die Überholverbote, selbst an den uneinsehbarsten Orten scheinbar ohne Zögern missachtet. Diese Punkte, zusammen mit dem für mich nicht ganz schlüssigen Gesetz, das nur für Fahrer und Beifahrer eine Gurtpflicht vorschreibt, sind es wahrscheinlich auch, mit denen sich die ca. 2,5 fache Verkehrstotenzahl/Einwohner im Vergleich zu Deutschland erklären lässt, mit der Rumänien sogar den traurigen europaweiten Spitzenplatz hält. (RO: 96 Tote/Million Einwohner, DE: 39 Tote/Million Einwohner, Quelle: Statista, 2018)

Doch es gibt noch ganz andere auffällige Dinge auf der Straße. Die Geräuschkulisse zum Beispiel: Während ich zu Hause vielleicht einmal pro Monat eine Hupe hörte, wird das Hupen hier eher als alltägliche Kommunikationsform genutzt. Hier ein freundliches „Hallo!“, dort ein warnendes „Pass auf!“ und manchmal auch ein entrüstetes „Ey!!“, das dann gerne auch erwidert wird. Dazu kommen unangenehm oft das wesentlich höhere und penetrante Martinshorn eines Rettungswagens oder das Aufheulen eines Motors, der weit jenseits seiner Belastungsgrenzen dreht. Auch keine Seltenheit ist das Quietschen von Reifen, begleitet vom eigenen instinktiven, kurzen Luftanhalten, um zu horchen, ob der Crash folgt – bisher ging es jedoch anscheinend immer nochmal gut aus. Doch auch was sich auf den Straßen so bewegt ist interessant zu beobachten…

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Es geht los

Bună ziuă (Guten Tag)!

Endlich, knapp zwei Monate nach meiner Ankunft hier in Braşov (Kronstadt) im rumänischen Siebenbürgen, kommen Zeit und Motivation zusammen, diesen Blog zu beginnen. Und das wird auch höchste Zeit, denn nach zwei Monaten beginnt mich langsam eine gewisse Alltagsroutine zu ereilen, die es immer schwieriger macht, zwischen neuem, ungewohntem und dem Altbekannten zu unterscheiden. Doch genau diese Unterschiede möchte ich ja auf diesem Wege mit allen interessierten Lesern in Deutschland und dem Rest der Welt teilen. Deshalb hat das Warten nun ein Ende; Haideţi! (Lasst uns loslegen!)