Der Verkehr – ein Erlebnis für alle Sinne 1/2

Eine Sache, die hier in Rumänien definitiv etwas anders läuft als in Deutschland ist der Verkehr. Wenn man im Auto unterwegs ist, dauert es nicht lange bis einem auffällt, dass man hier wesentlich häufiger in Kreisel statt Ampelkreuzungen geleitet wird und auch deutlich öfter Zebrastreifen überfährt, die hier in Braşov auch bei breiteren Straßen gerne mal anstatt einer Ampel eingesetzt werden. So kostete es mich am Anfang doch immer einiges an Überwindung und auch an Vorsicht, eine vierspurige Hauptstraße zu überqueren, lediglich geschützt durch ein paar weiße Streifen auf dem Asphalt sowie angeblich drakonische Strafen für Autofahrer, die diese missachteten. Dass diese Drohungen jedoch nur begrenzte Wirkung zeigen, merkte ich schnell. Allgemein scheint das innerörtliche Tempolimit von 50 km/h eher eine Richtgeschwindigkeit zu sein, die gewissen Interpretationsraum – insbesondere nach oben zulässt. Genauso werden auch die Überholverbote, selbst an den uneinsehbarsten Orten scheinbar ohne Zögern missachtet. Diese Punkte, zusammen mit dem für mich nicht ganz schlüssigen Gesetz, das nur für Fahrer und Beifahrer eine Gurtpflicht vorschreibt, sind es wahrscheinlich auch, mit denen sich die ca. 2,5 fache Verkehrstotenzahl/Einwohner im Vergleich zu Deutschland erklären lässt, mit der Rumänien sogar den traurigen europaweiten Spitzenplatz hält. (RO: 96 Tote/Million Einwohner, DE: 39 Tote/Million Einwohner, Quelle: Statista, 2018)

Doch es gibt noch ganz andere auffällige Dinge auf der Straße. Die Geräuschkulisse zum Beispiel: Während ich zu Hause vielleicht einmal pro Monat eine Hupe hörte, wird das Hupen hier eher als alltägliche Kommunikationsform genutzt. Hier ein freundliches „Hallo!“, dort ein warnendes „Pass auf!“ und manchmal auch ein entrüstetes „Ey!!“, das dann gerne auch erwidert wird. Dazu kommen unangenehm oft das wesentlich höhere und penetrante Martinshorn eines Rettungswagens oder das Aufheulen eines Motors, der weit jenseits seiner Belastungsgrenzen dreht. Auch keine Seltenheit ist das Quietschen von Reifen, begleitet vom eigenen instinktiven, kurzen Luftanhalten, um zu horchen, ob der Crash folgt – bisher ging es jedoch anscheinend immer nochmal gut aus. Doch auch was sich auf den Straßen so bewegt ist interessant zu beobachten…

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