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Tag 138 – Feuchtgebiete

Mein Popo tut weh. Klingt jetzt unanständig, hat aber einen ganz harmlosen Grund: Nämlich 56 Kilometer auf dem Fahrrad. Zurückgelegt haben wir die auf dem Weg hin, im bzw. heimwärts aus dem Naturpark Kopački Rit. Das Kopački Rit liegt im Delta zwischen dem Grenzfluss Donau und dem Stadtfluss Drau. Es gilt als einer der schönsten Naturparks Kroatiens und ist Rückzugsgebiet zahlreicher Vogelarten. Und selbst für Vogel-Banausen wie mich gibt es Fauna-technisch einiges zu entdecken: Otter, Bieber, Füchse, Schakale und Rotwild!

Nach einem wohltuend längerem Schlaf als gestern, stiegen wir also auf unsere Leihräder und strampelten los: Zuerst entlang der Drau, dann über die schicke Wackelbrücke und via Landstraße raus aus der Stadt. Eisig und unnachgiebig bließ uns der Wind entgegen und schnell bereute ich es, meine Mütze zu Hause gelassen zu haben. Frühlingshafter Übermut eben. Wir passierten ein paar kleinere Ortschaften und einen Auto-Schrottplatz (hier in Kroatien stellt man seine kaputte Rostlaube gerne mal einfach in die Landschaft), dann begrüßte uns eine große Adlerstatue im Kopački Rit-Naturpark. Und hier begann der Triathlon:

Erste Disziplin: Holzsteg laufen. Etwa zwanzig Minuten schlenderten wir über der Wasseroberfläche entlang, stets darauf bedacht, nicht auf die Stellen der fehlenden Bretter zu treten (ich frage mich, wie oft hier schon jemand mit einem Bein im Sumpf verschwunden ist?). Nachdem schließlich beide von uns wieder festen Boden unter den Füßen hatten, belohnten wir uns erst einmal mit einem Heißgetränk unserer Wahl (Heiße Schokolade!).

 

Danach gab es ein wenig Zeit zu füllen, denn Disziplin zwei (die Bootstour) war erst für 13 Uhr angesetzt. Wir schwangen uns auf unsere Räder und fuhren einmal um die Ecke zum Pier. Erstmal eine Sonnenpause einlegen und einen Blick in den Prospekt werfen: „Auf dem Gebiet des Kopački Rit brüten die größten Seeadlerpopulationen im Donaubecken. Sie sind auch das Symbol des Naturparks.“ Aha.

Als es endlich an der Zeit war, das kleine Bötchen zu besteigen, waren wir trotz Sonne schon ziemlich durchgefrohren. Und auch auf der einstündigen Fahrt wurde es uns nicht gerade wärmer. Schön war es trotzdem, zwischen den im Wasser versunkenen, knorrigen Bäumen hindurch zu schippern. Von den rund 300 Vogelarten sahen wir allerdings vor allem Kormorane (dafür gleich eine ganze Kolonie) und Graureiher (das einzige deutsche Wort, das unser Tourguide sagte). Von den anderen possierlichen Tieren erhaschten wir lediglich die Nagespuren an den Bäumen.

Fehlt noch Dsiziplin Nummer drei: Radfahren. Denn das hatten wir natürlich auch noch im Park vor. Schnell ging es von der Straße auf einen Lehmweg; immer entlang der Sumpfgrenze holperten wir dahin. Und nach einiger Zeit hörte mein Zähnklappern wieder auf und das Blut kehrte in die Hände zurück. Nach etwa einer Stunde verschwand der Weg im Wald und wir mit ihm. Das Dorf Tikves kam in Sicht. Wie verloren lag es da, jenseits jeglicher Zivilisation, und doch: Lauter junge Menschen auf den zwei einzigen Dorfpfaden („Straße“ wäre zu viel gesagt). Für unsere wohlverdiente Pause trieb es uns allerdings noch ein wenig weiter: Zum Schlösschen Tikves. Naja, ein bisschen imposanter hatten wir uns das Habsburger Jagddomizil schon vorgestellt. Aber der Apfel schmeckte trotzdem.

Mit schmerzendem Gesäß ging es dann an den Heimweg. Schnurrgerade lag die Straße vor uns und wollte einfach kein Ende nehmen. Zurück beim Naturpark verwandelte sich der Weg zu allem Überfluss wieder in eine Schotterpiste. Zwar war es wunderschön noch einmal am Rande des Sumpfgebiets entlang zu fahren, aber so langsam wurde das Sitzen echt zum Problem. Bei zehn Kilometern bis zur Stadt stiegen wir schließlich von den Rädern und liefen zwei Kilometer zu Fuß. Dann, als endlich wieder Häuser vor uns auftauchten und die Straße einen festen Untergrund bekam, ging es zurück in den Sattel. Am liebsten hätte ich den Asphalt geküsst, auf dem wir butterweich die Drau entlangglitten! Noch nie war ich so froh, in die heimische Einfahrt zu rollen…

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