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Tag 18 – Seeluft atmen

Dafür, dass ich gestern noch mit den Erasmus-Student*innen Rijekas durch die Bars gezogen bin, klingelt mein Wecker heute mit Abstand zu früh. Der Grund dafür: Ich bin mit Katharina, ihrem kleinen Sohn und unserer Kollegin Đosi zum Spazierengehen verabredet. Unser Ausgangspunkt ist dabei Volosko, ein kleines hübsches Hafenstädtchen westlich von Rijeka. Dort angekommen, laufen wir ein wenig am Pier entlang bevor wir uns in ein Cafe setzen. Die Sonne strahlt vom wolkenfreien Himmel und im warmen Herbstwetter lässt es sich wunderbar aushalten. Bei Cappuccino, Kakao und Zigaretten fachsimpeln wir über den Unterricht, tauschen uns über Corona aus und landen beim Thema des Tages: Halloween. Am Tisch nebenan sehe ich zwei Mädchen mit Spinnen- und Kürbishaarreifen und mich beschleicht das ungute Gefühl ich hätte lieber ein paar Süßigkeiten einkaufen sollen…

Zur Mittagszeit trennen sich schließlich unsere Wege. Denn während für Katharinas Sohn das Bettchen ruft, geht es für mich heute noch weiter die Küste entlang. Ich lasse also den bezaubernden kleinen Hafen von Volosko hinter mir und folge in aller Seelenruhe der berühmten Strandpromenade. Bucht um Bucht komme ich meinem Ziel näher. Allerdings nicht, ohne mich dabei immer wieder umzudrehen. Denn auch der Blick zurück Richtung Rijeka ist nicht zu verachten. Das Wasser ist kristallklar und wenn man genau hinschaut, kann man den ein oder anderen Fisch vorbeiflitzen sehen.

Keine halbe Stunde später erreiche ich Opatija. Durch einen kleinen Abstecher in den Park gelange ich zur Wall of Fame und entdecke ich ihn: Neben Albert Einstein und Sissis Gatten Kaiser Franz Joseph I. steht er direkt vor mir –  Andrija Mohorovičić. Endlich lerne ich ihn also persönlich kennen, den kroatischen Meterologen, Geophysiker und nicht zuetzt Namensgeber meiner Schule. Ein kurzes freundliches Nicken in seine Richtung, dann zieht es mich weiter. Denn wie es gute Seeluft eben mit sich bringt werde ich langsam hungrig. Also folge ich dem Tipp meiner Mitbewohnerin und gönne mir zur Abwechslung mal ein Mittagessen in einem schicken Restaurant. Und damit die Spaghetti Frutti di Mare nicht für immer auf meinen Hüften bleiben, wage ich mich anschließend ins kühle Nass. Wer weiß schon, wie oft man dieses Jahr noch die Möglichkeit hat, sich im Meer treiben zu lassen?

Ich schwimme ein wenig heraus und sehe Rijeka vor mir. Ein Segelboot kreuzt meinen Blick, dahinter die blauen Silhouetten der Inseln. Zurück an Land strecke ich meine Beine auf dem Handtuch aus und lasse mich von der Abendsonne trocknen. Als es dann langsam kühler wird, packe ich meine Sachen zusammen und laufe zum Abschluss noch einmal am „Mädchen mit der Möwe“ vorbei. Ein letzter, sehnsüchtiger Blick aufs Meer, dann sprinte ich zum Bus.

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