Ist es hier wirklich so „anders“?

Ist es hier wirklich so „anders“?

Eine weitere Woche ist vergangen, ich sammle weiter viele neue Eindrücke, sehe immer mehr von der Ukraine und mir geht es immer noch echt gut hier.

Alles, was ich beschreibe, sind meine ganz eigenen Erfahrungen, die lediglich meine Eindrücke aus den ersten Wochen widerspiegeln, und daher nicht verallgemeinert werden sollten oder auf die gesamte Ukraine übertragen werden sollen und können.

Zu meinem Wochenende in den Bergen: Es war wirklich schön zu sehen, wie die Ukrainer ihre Freizeit mit Freunden verbringen. Auch wenn ich den Großteil der Gespräche nicht mitbekommen habe (ab und zu wurde für mich übersetzt, Spiele wurden auch auf Deutsch gespielt) kann ich nach dem Wochenende eigentlich sagen, dass die Jugendlichen, die ich kennen gelernt habe, genauso drauf sind wie die in Deutschland. Ich kann eigentlich keinen einzigen Punkt nennen, der mir aufgefallen ist, was in Deutschland in dem Fall wirklich anders ist.

Genauso geht es mir eigentlich im Zusammenhang mit der Schule. Klar gibt es auch einige Unterschiede, aber sehr viele Dinge sind ähnlich wie in Deutschland.

In meiner Stadt gibt es 17 weiterführende Schule, alle haben einen anderen Schwerpunkt. Das heißt, manche spezialisieren sich auf Englisch, Polnisch, Russisch oder halt Deutsch. Meine Schule umfasst sowohl die Grundschule als auch die weiterführende Schule. Hier ist man schon nach der 11 Klasse mit der Schule fertig. Diejenigen, die in der Ukraine studieren, fangen meist sofort mit dem Studium an. Diejenigen, die nach Deutschland gehen, müssen noch Vorkurse machen bis sie volljährig sind. Oder wie meine Gastschwester, die ein Jahr lang polnisch gelernt hat, um nun in Polen studieren zu können. Von manchen Lehrern habe ich schon gehört, dass sie dieses Konzept nicht gut finden, weil die Schüler noch so jung sind und gar nicht wissen, was sie eigentlich später einmal machen wollen. Also ein ähnliches Problem wie in Deutschland, nur dass die SchülerInnen noch ein Jahr jünger sind.

Die Schule beginnt hier um 8.30. Es gibt immer 45 min Stunden und nach jeder Stunde 10 min Pause. In diesem Jahr wurde zum ersten Mal eine 30 minütige Pause nach der 4. Stunde eingeführt, dafür beginnt die Schule eine halbe Stunde früher. Die 8. Stunde endet um 15.55, wobei der Schultag für die meisten SchülerInnen schon früher endet.

Die Schüler haben hier genauso wie zu Hause in Deutschland meistens keine Lust auf den Unterricht, vergessen die Bücher und Hausaufgaben. Die 10. und 11. Klasse beschweren sich, so viele Hausaufgaben machen zu müssen und keine Freizeit zu haben, sie schieben die Aufgaben vor sich hin und haben Angst vor dem nächsten Jahr, sich für ein Studium (im Ausland) entscheiden zu müssen. Also genauso, wie es den SchülerInnen in Deutschland geht im Bezug auf dieses Thema.

Vom Deutschunterricht habe ich mittlerweile schon einen Eindruck bekommen, zum Unterricht in den anderen Fächer kann ich nicht viel sagen. Im Deutsch-, Englisch- und Ukrainischunterricht wird die Klasse geteilt, sodass nur ca. 10 Leute zusammen Unterricht haben. In den anderen Fächern ist die gesamte Klasse zusammen.

Die SchülerInnen haben jeden Tag meistens eine Schulstunde (45 min) Deutsch.

Der Deutschunterricht unterscheidet sich auch bei den verschiedenen Lehrerinnen. Manche reden fast nur deutsch mit den Schülern, andere wechseln auch oft ins ukrainische. Bevor der Unterricht beginnt, darf jeder kurz sagen, wie es ihm geht und meistens wird passend zum Thema noch eine weitere Runde eröffnet, in der die SchülerInnen etwas erzählen müssen, eröffnet. Es werden in allen Stufen, in manchen Klassen mehr, in manchen weniger, im Unterricht deutsche Pop- oder Kinderlieder gesungen.

Die Lehrerinnen werden nicht mit dem Nachnamen sonder mit ihrem Vorname und dem Vornamen ihres Vaters angesprochen. Auch ansonsten habe ich das Gefühl, dass hier zumindest die Deutschlehrerinnen auch die SchülerInnen aus den anderen Kursen echt gut kennen und ein etwas „entspannteres“ Verhältnis zu ihren Schülern haben.

Auch für mich sind die Stunde sehr unterschiedlich. In manchen fünften Klassen gehe ich herum, verbessere die Schüler bei der Stillarbeit und kontrolliere die Aufgaben.

In manchen älteren Klassen wird viel Gruppenarbeit gemacht, in der ich als „Schüler“ mitmache und die anderen SchülerInnen so indirekt unterstützen kann.

Aber weiterhin ist es in vielen Kursen immer noch so, dass ich hinten sitze und mich noch nicht wirklich einbringen kann.

Das tägliche Essen ähnelt dem in Deutschland. Bei mir in der Gastfamilie wurden Bratlinge, Nudeln mit Geschnetzeltem, Pfannkuchen und Kartoffelsuppe gekocht, eigentlich genauso was ich zu Hause esse. Auch im Supermarkt gibt es die deutschen Süßigkeitenmarken und auch ansonsten vieles, was man auch in Deutschland kaufen kann. Hier gibt es zum Beispiel auch Rossmann-Duschzeug mit deutscher Aufschrift. Was mir jedoch aufgefallen ist: Essen, besonders auch Obst und Gemüse, ist hier teilweise richtig billig, Drogerieartikel aber deutlich teuer als in Deutschland. Aber insgesamt sind die Lebenskosten hier deutlich geringer als in Deutschland.

Aber da ich auch erst seit etwas über zwei Wochen hier bin, wird sich bestimmt auch noch viel von meinen ersten Eindrücken und Erfahrungen ändern. Aber um zu sehen, wie sich die Ansichten auch im Laufe der Zeit evtl. verändern können, wollte ich schon mal am Anfang meines Freiwilligendienstes diesen Blogpost verfassen.

 

 

Dieser Artikel hat 1 Kommentar

  1. Hallo Hannah, hier ist Jonathan aus dem Nachbarland im Norden… Danke für den interessanten Einblick in Deinen Alltag, ich gehe im Kopf schon die kleinen Unterschiede zu Belarus durch 😉 Das meiste ist gleich, aber wiederum nicht alles. Die Schule dauert hier auch 11 Jahre, die Klassen werden für Fremdsprachen ebenfalls geteilt und es gibt auch Lehrer, die wenig Deutsch verwenden – dafür gibt es z.B. diese Schwerpunkte in den Schulen nicht, oder nicht so auffällig.
    Finde ich sehr spannend. Deine Artikel sind schön zu lesen, mach unbedingt weiter! Gruß aus Orscha, Belarus

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