Freie Zeit

Freie Zeit

Manchmal läuft es leider nicht so, wie man es sich wünscht, vorstellt oder geplant hat. Dass es in der Ukraine Quarantäne gibt, habe ich schon beim Vorbereitungsseminar von den anderen Freiwilligen gehört. In den vergangenen Monaten hätte ich gegen ein paar Tage/Wochen frei zu haben nichts dagegen gehabt. Jetzt ist es wahrscheinlich für mich der schlechteste Zeitpunkt, an dem die Schule hätte schließen können.

Das Wochenende habe ich mit Juli in Lviv verbracht. Moritz konnte leider nicht kommen, er hat keinen Reisepass und musste deswegen den Bus relativ schnell verlassen, sodass für ihn die Reise sehr schnell beendet war. Für Juli war es das erste Mal in Lviv, für mich wahrscheinlich das letzte Mal. Die zwei Tage haben wir voll ausgenutzt mit Sightseeing, Freewalking Touren und ganz viel Kaffee, Schokolade und anderem typisch ukrainischem Essen. Das Wochenende war auf jeden Fall ein ganz toller Abschluss von der Stadt, die mir mittlerweile echt ans Herz gewachsen ist und in der ich mich total wohl fühle. Vor allem die ganzen kleine Cafés und Restaurants, die Stimmung die abends in der Stadt herrscht und ein Aussichtspunkt, an dem ich mittlerweile an jeder Tageszeit und bei jedem Wetter war, werde ich vermissen.

Montags war ich dann noch einmal in der Schule. Am Ende des Schultags wurde dann bekannt gegeben, dass die Schule für mindestens eine Woche schließt. Zu viele SchülerInnen sind krank. Für mich kam das ziemlich überraschend, im Dezember haben in meinen Klassen viel mehr SchülerInnen gefehlt, aber es soll wohl eine Krankheit herumgehen, die sehr ansteckend ist. Erst habe ich überlegt schon diese Woche zurück zu fliegen. Aber weil zum jetzigen Zeitpunkt keiner sagen kann, ob nächste Woche wieder Schule ist, wollte ich hier bleiben, um mich eventuell noch verabschieden zu können. Dann war der Plan nach Odessa zu fahren, aber mit der Vorstellung habe ich mich irgendwie nicht so wohl gefühlt. Während ich in Krakau war, habe ich mir eigentlich vorgenommen, im Winter keine Stadt mehr in Osteuropa anzuschauen. Bei schlechtem und kaltem Wetter und dann noch alleine macht das eben nur halb so viel Spaß. Außerdem ist bei mir ein bisschen „die Luft raus“ zu reisen, da vor allem die An/Abreise hier nicht ganz so bequem und einfach abläuft wie in Deutschland. Letztendlich habe ich mich dann dazu entschieden, einfach in Drohobytsch zu bleiben. Sport machen, viel Lesen, lange schlafen und einfach die freie Zeit genießen – bald werde ich davon wohl nicht mehr so viel haben. Bis jetzt habe ich die Zeit auch ganz gut genutzt.

Trotzdem würde ich gerade viel dafür geben, ganz normal in die Schule gehen zu können. Ich bin schon ziemlich traurig, dass sich das so entwickelt hat, ich die letzten Wochen nicht einfach noch in der Schule genießen und Zeit mit den SchülerInnen verbringen und ausnutzen kann.

Ich drücke gerade die Daumen, dass die Schule nächste Woche wenigstens für ein paar Tage geöffnet wird, damit ich mich noch persönlich verabschieden kann. Alles andere wäre leider ein ziemlich blöder Abschied und Ende meines FSJ. Aber das kann am Ende keiner beeinflussen, deswegen heißt es jetzt abwarten.

Eine fünfte Klasse hat mich am Montag, nachdem bekannt war, dass Quarantäne ist, ganz spontan schon verabschiedet. Sie haben ein Plakat gebastelt und mir eine beschickte Trachtenbluse geschenkt, was mich unglaublich gefreut hat.

Wenn wir Freiwilligen in der Ukraine eins gelernt haben, dann, dass alles am Ende schon gut geht, auch wenn es zwischenzeitlich nicht so aussieht. „Wird schon“ ist da der Gedanke, mit dem wir schon einige Situationen über- und durchlebt haben. Sei es, dass wir in Lviv beim Bahnhof stehen und bemerken, dass unser Bus zum Zwischenseminar in 10 Minuten an einem anderen Bahnhof außerhalb der Stadt abfährt, dass man drei Tage vor der Ausreise nach Deutschland noch kein verlängertes Visum hat oder eben in den letzten Tagen vor Ende des FSJs die Schule schließt. Am Ende werde ich bestimmt irgendwie noch die Möglichkeit haben mich zu verabschieden und mit einem schönen Ende und positiven Gefühl nach Deutschland zu fliegen.

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