Kürbis, Kohl und Karla (Tag 58-63)

Heute gibt es mal einen ganz bedachten Blogeintrag, voller Eindrücke aus dem schönen Shumen, gestresste, regnerische Shoppingerlebnisse und eine neue Paketjagd.

Thema der Woche war REGEN! Sehr schwer sich da zu motivieren raus zu gehen und ein bisschen frische Luft zu schnappen. Doch irgendwie habe ich es dann doch jeden Tag geschafft einen kleinen Spaziergang zu machen. Sei es auch nur um den Müll rauszubringen.

Außerdem war das Wetter perfekt, um zu lesen und um Unterricht vorzubereiten. Besonders der Unterricht mit der 8. Klasse hat mich auch immer wieder zum Lachen gebracht. Ein bulgarischer Achtklässler, der griechischer Wein hört? Na klar! So langsam verstehe ich auch, mehr durch Logik als Sprachkenntnisse, einige Sätze, die die Schüler auf Bulgarisch sagen und fragen. Es macht wirklich Spaß, sich mit den Schülern über Weihnachten, Silvester und schöne Orte in Bulgarien zu unterhalten. Trotz der Tatsache, dass die Schüler A1 Deutschkenntnisse und ich nicht mal A1 Bulgarischkenntnisse habe. Zur Not kann man ja immernoch auf Englisch ausweichen. Ich bekomme wirklich immer sehr gute Liedtipps und freue mich jeden Tag darauf zu sehen, was die Schüler aus meinem vorbereiteten Material machen.

Apropos Bulgarisch, Soner hat mir ein paar Lektionen geschickt und ich bin fleißig am Vokabeln lernen und dabei die Grammatik zu verstehen. Fühlt sich fast ein bisschen an wie Schule. Bisher macht es aber noch großen Spaß.

Wenn ich mich also aufgerafft habe, trotz Regen meine Wohnung zu verlassen, dann meistens, um meine Geschenkeinkäufe für Weihnachten zu tätigen. Leider läuft das so wie alles, was schnell in meinem Kopf entstanden ist, recht chaotisch ab. So konnte man in der letzten Woche eine Karla sehen, die kreuz und quer durch Shumen gelaufen ist, in den verschiedensten Läden eingekauft hat und vollbepackt nachhause gelaufen ist. In meiner Wohnung musste ich mir dann wirklich erst einmal einen Plan machen und herausfinden wem ich was schenken möchte und was ich noch alles kaufen muss. Stand jetzt ist das meiste verpackt, aber ich habe immer noch neue Ideen. Ich freue mich darauf die ganzen Geschenke loszuwerden, damit ich wieder mehr Platz hier habe. Mit Wäscheständer, ausgerollter Yogamatte und einem Haufen Geschenke macht nicht mal mehr das Spiel „the floor is lava“ Sinn, da es eigentlich unmöglich ist, den Boden zu berühren.

Yoga ist übrigens auch ganz cool bei Kerzenlicht. Sehr besinnlich. Meine Art von Weihnachtsstimmung. Zusammen mit meinem Adventsporridge –> Porridge mit Mandarinen, ich weiß sehr außergewöhnlich.

Aber nochmal zurück zum Regenwetter. Über Shumen hing die letzten Tage eine richtige Nebeldecke. Das Monument sah sehr mystisch aus und die Stadt war menschenleer. Eine besondere Atmosphäre. Ein paar mal habe ich versucht auf dem Weihnachtsmarkt ein paar Geschenke zu kaufen, aber da das Wetter immer so schlecht war, musste man echt Glück haben einmal vorbeizulaufen, wenn ein Stand auf war. Dieses Glück hatte ich am Freitag. Morgens bin ich mit Soner zu einer Post, von der ich bisher noch nichts wusste, (bald kann ich ein Buch über verschiedene Postämter schreiben), gegangen und hatte dort zuerst keinen Erfolg bei der Päckchenabholung, Päckchen verschollen…Wir haben uns also enttäuscht auf den Rückweg gemacht und sind keine 100 Meter weit gekommen, da wurde Soner von der Frau am Schalter angerufen sie habe das Päckchen doch gefunden. Was ein Glück! Doch nicht umsonst so früh aufgestanden! Und dann eben besagtes anderes Glück: ein Stand auf dem Weihnachtsmarkt hatte doch offen! Ich werde nicht schreiben was ich gekauft habe. Soll ja ne Überraschung sein.

In dem Päckchen, dass ich bekommen habe waren selbstgemachte Marmelade, Plätzchen und Schokolade von denen alles, ein paar und nichts mehr übrig ist. Meine kostbare, wunderschöne Marmelade hüte ich noch eine Weile. Spätestens beim Plätzchen backen übermorgen wird sie dann aber wohl benutzt werden. Die Plätzchen waren sehr lecker. Danke Papa!

Auf meinen Schatzsuchen habe ich versucht auch immer neue Wege zu gehen. Langsam wird das ganz schön schwer. Zumindest im Zentrum bin ich schon sehr viele Wege gelaufen. Jedoch habe ich tatsächlich, nachdem mir Lina die Freiwillige, die vor mir hier war, einen Tag zuvor geschrieben hatte, dass es einen Unverpackt Laden gibt, den Laden zufällig entdeckt! Von außen sah er schonmal vielversprechend aus. Von innen muss ich ihn auch noch auschecken.

Etwas, dass noch sehr schön und positiv am grauen, tristen Wetter ist: die Farben der Häuser, Garagen und Kleider der Menschen leuchten viel stärker und farbenfroher. Ich habe wirklich viel Spaß dabei Menschen zu beobachten.

Am Samstag war ich mit Nilyay verabredet zum Kochen. Ein Grund mal wieder meine Wohnung aufzuräumen. Wir waren gemeinsam auf dem Markt einkaufen. Sehr praktisch, denn vor Lidl und Billa sind jetzt manchmal Schlangen, weil nicht so viele Menschen in den Laden dürfen. Bis 10:30 Uhr dürfen auch nur Leute über 65 einkaufen. Das habe ich herausgefunden, als ich ganz selbstverständlich in den Billa hereinspaziert bin und den Altersdurchschnitt daurch rapide herabgesetzt habe. Leider wurde ich ganz schnell wieder rausgeschmissen, dabie hatte ich doch so hunger! Es musste also meine letzte Mandarine herhalten.

Zurück zu meiner Kochsession mit Nilyay. Da sie es genauso sehr mag Leute zu stalken wie ich, hat sie sich ausführlich in meiner Wohnung umgeschaut, während ich den Gemüsereis versalzen habe. Gutes Teamwork. Da sie darauf bestanden hat nicht mit leeren Händen bei mir aufzukreuzen und mir Apfelsaft und Orangen mitgebracht hat, konnten wir das versalzene Essen gut mit Saft herunterspülen. Obwohl wir die ganze Zeit auf Englisch gesprochen haben, habe ich ausversehen irgendwann angefangen auf Deutsch zu sprechen. Ich glaube wir waren beide verwirrt von dem Sprachgewisch. Wir haben uns nämlich abwechselnd deutsche, bulgarische, aber auch rumänische und englische Musik gezeigt. Wirklich interessant so das andere Land kennenzulernen. Ich habe viel gelacht, da sie mir keine qualitativ hochwertige Musik zeigen konnte und die Musikvideos manchmal wirklich verstörend waren, aber wir haben versucht uns das meiste zu übersetzen. Für Nilyay hört sich „weißt du?“ auf Deutsch schön an. Das haben wir herausgefunden nachdem sie mir ein deutsch-bulgarisches Lied gezeigt hat. Um die Verwirrung noch perfekt zu machen haben wir ein Video von einem Bulgaren, der seinem nicht bulgarischen Freund bulgarische Musik gezeigt hat angeschaut. Da saß also eine Bulgarin, die einer Deutschen, ein Video von einem Bulgaren, der einem Vietnamesen bulgarische Musik zeigt, gezeigt hat. Eine absurde Situation. Die Zeit verging so schnell. Zum Abschied habe ich ihr noch ein Geburtstagsgeschenk überreicht, dass sie aber erst an ihrem Geburtstag öffnen soll. Da bin ich nicht in Shumen, deshalb hat sie es jetzt schon bekommen. Sie war zu Tränen gerührt. Sehr süß.

Leider habe ich diese Woche gar keine Bilder gemacht. Ihr müsst euch also Shumen bei Nebel und Regen selbst vorstellen.

Gestern Abend hatte ich dann noch das längste Telefonat meines Lebens. 5 Stunden!!! Es hat sich aber nicht so angefühlt, sondern wie ein wirklich schöner gemeinsam verbrachter Abend. Auch wenn Sophia in Deutschland ist und wir schon gescherzt haben, dass ich in der Zeit nach Deutschland und wieder zurück nach Bulgarien hätte fliegen können. Bei unserem Gespräch sind wir auch auf die wunderschöne Alliteration im Titel dieses Blogs gekommen. Die drei Dinge, die man jeden Tag bei Billa finden kann. Aus dem Grund, dass ich einkaufen gehe um Bananen zu kaufen und dann ohne Bananen wieder komme. Ich bin also jeden Tag bei Billa, meinem zweiten Zuhause.

Ich muss sagen, diese Woche allein hat wirklich sehr gut getan. Wieder ein bisschen Routine zu haben, in Gedanken zu schwelgen, mit alltäglichem beschäftigt zu sein und mich auf die Schüler, das korrigieren von Hausaugaben und das Einpacken von Geschenken zu konzentrieren.

Jetzt freue ich mich aber auch schon sehr auf die Gesellschaft von Jasmin und Soner. Das Backen wird ein Abenteuer mit meinem Ofen! Natürlich werde ich ausführlich berichten und vielleicht schaffe ich es sogar Bilder zu machen…

Dowisch dane!

 

Human of Shumen

Ich heiße Alexander und bin 17 Jahre alt. Ich lerne am Fremdsprachengymnasium in Schumen. In der Schule kann ich viele Erfogle aufweisen, auf die ich echt stolz bin. Hier lerne ich Deutsch seit der achten Klasse. Mein Interesse an dieser Sprache ist aufgrund meines Aufenhalts in Deutschland geweckt, wo ich meine in Deutschland geborene Cousine kennengelernt habe. Da hatte ich auch die Gelegenheit, noch verschiedene Leute kennenzulernen und interessante Orte zu besichtigen.

Mein Traum ist es, die größten Stadien Europas zu besichtigen. Vor 2 Jahren habe ich sogar das drittgrößte und zwar ,, Signal Iduna Park“ in Dortmund gesehen.

Ich empfinde Liebe zu dem Sport und vor allem zu Fußball. Ich habe Fußball eine gewisse Zeit in meinem Heimatort Schumen gespielt, als noch nicht festgestellt wurde, dass ich an Asthma leide.

Jetzt steht mir bevor, einen Führerschein zu machen und mein Interesse an den deutschen Autos hat sich verstärkt. Während meines Aufenthalts in Deutschland habe ich das Werk von Volkswagen besichtigt-VW Autostadt. Es ist wirklich eine Stadt. Ich war begeistert von den Maßstäben dieser Fabrik.

Mein Vorliebe für ein PKW ist BMW.

Mein Traumberuf ist Rechtsanwalt und dafür ist Deutsch auch sehr erforderlich.

Meine Heimat-Bulgarien hat eine lange Geschichte und vielfältige Natur. Falls man Bulgarien kennelernt, ist es unmöglich, sich nicht in Bulgarien zu verlieben.

Einer Sage nach, als Gott die Erde verteilt hat, hat sich jedes Volk einen Teil erworben. Dennoch hat sich der Bulgare verspätet, weil er bei der Arbeit war.

Später hat der Bulgare Gott um ein Stück der Erde gebeten. Gott war damit einverstanden, obwohl schon alles verteilt wurde. Dann hat Gott sich erinnert, dass seine eigene Erde noch zur Verfügung steht und diese haben die Bulgaren bekommen.

Aus diesem Grund behaupten manche Bulgaren, dass die bulgarische Erde heilig ist.

 

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