Ein Monat in der Fremde!

Erst einen Monat bin ich hier in Tbilisi- dabei fühlt es sich schon viel länger an.

Letzte Woche Sonntag bin ich mit den anderen Freiwilligen noch einmal zum Mtatsminda- Park hochgelaufen… diesmal aber einen anderen Weg. Leider hatten wir nicht besonders schönes Wetter, weshalb eigentlich alle Fahrgeschäfte zu waren als wir oben ankamen und uns auch zunehmend kälter wurde. Und Hunger hatten wir auch!! Nachdem wir uns nicht dazu durchringen konnten, oben etwas zu essen, liefen wir wieder herunter und ich zeigte den Mädchen noch das Pantheon (an dem ich ja vor zwei Tagen oder so schon gewesen war). Dort wurde uns zu viert von einem Ortskundigen etwas über eine heilige Höhle dort erzählt und dann gerieten wir in eine Messe hinein (deshalb blieben wir erstmal in der Kirche, der Ausgang war nämlich ein bisschen blockiert). Die Jungs warteten draußen ungeduldig auf uns. Sobald wir wieder unten waren, setzten wir uns in ein Restaurant, um dort etwas zu Essen. Für die meisten von uns gab es Ajapsandali- wirklich sehr lecker! Danach machten wir einen kurzen Abstecher in einen nahen Second- Hand- Laden und liefen dann nach Hause- am nächsten Morgen sollte ja die Schule losgehen!

Das Riesenrad auf dem Mtatsminda

Achterbahn im Mtatsminda- Park

Das Restaurant, in dem wir gegessen haben

Montag- früh aufstehen. So früh, dass die Straßen und die Straßenunterführungen noch ganz leer waren. An meinem ersten Tag bin ich natürlich besonders früh losgegangen, um nicht zu spät zu kommen. Mit Erfolg! Ich war ungefähr 20 Minuten vor Schulbeginn dort- aber am ersten Tag hatte ich das Gefühl, vor allem im Weg herumzustehen. So richtig zu wissen, in welchen Unterricht ich jetzt mitgehen sollte, schien aber auch niemand anderes. In der dritten Stunde war ich dann mit bei Tamuna in der vierten Klasse. Die Kinder dort lernen erst seit einem Jahr Deutsch. Ich habe mich vorgestellt und dann mit Ihnen „Wer bist Du?“, „Wie alt bist Du?“ und „Wie heißt du?“ geübt. Die kleinen Mädchen haben mich mit ganz großen Kulleraugen angeschaut- total niedlich! Später war ich dann mit Inga in einer sechsten und achten Klasse, auch das war süß und witzig. (Ich muss aber dringendst georgisch lernen- so richtig kommunizieren kann ich mit den Kindern nämlich nur über dir Lehrerinnen!) Weil dann noch ganz schönes Wetter war, war ich noch spazieren und habe mich dann abends mit den anderen Freiwilligen zum „Muhudo Monday“ getroffen- am Falafelstand unseres Vertrauens.

Meine Schule

Am nächsten Morgen stand ich wieder früh auf- laut dem am Vortag zusammengestellten Stundenplan sollte ich heute in einer dritten und einer achten Klasse beim Unterricht dabei sein. Von dort, wo ich morgens den Bus nehme, fahren eigentlich die meisten in Richtung meiner Schule. Nur guckte ich an diesem Morgen nicht nach- und nahm prompt den falschen Bus. Auf einmal war ich auf der anderen Seite der Kura- ganz falsche Richtung! Ich dachte, dass ich zu spät kommen würde- aber ich war so früh losgegangen, dass ich es trotz des Umwegs noch rechtzeitig schaffte. Dann war ich in der dritten Klasse. Die Schüler*innen dort waren einfach 10 Jahre jünger als ich- irgendwie verrückt. Danach sollte ich eigentlich mit in eine achte Klasse gehen, aber leider habe ich den Raum und Inga einfach nicht gefunden, weshalb ich dann schon frei hatte. Badri holte mich von der Schule ab und nach ’nem kleinen Spaziergang wollten wir bei Sveta eine Gitarre holen, die eigentlich ihm gehört (darüber hab ich mich total gefreut!!!). Dort angekommen spielten wir mit Sveta und ihrem Bruder noch eine Runde Poker. Die anderen Freiwilligen waren zu der Zeit in der Prinz- Bar und spielten dort Tischtennis- nachdem unsere Pokerrunde beendet war stießen wir zu ihnen dazu und spielten auch noch etwas mit.

Am Mittwoch hatte ich Unterricht in einer siebten, sechsten, achten und dritten Klasse. Ein großer Unterschied zum deutschen Schulsystem ist mir dann aufgefallen: für den Deutschunterricht schreiben die Schüler*innen jedes Jahr eine Vergleichsarbeit, nach der sie dann in A-, B- und C- Gruppen unterteilt werden. In A sind die leistungsstärksten, in C die eher leistungsschwachen Schüler. So war die siebste Klasse, in der ich war, eine leistungsschwache, die achte Klasse dagegen eine leistungsstarke Gruppe. In der achten Klasse hatte ich deshalb auch die Möglichkeit, konstruktive Kritik an den wirklich sehr guten Hausaufgabens- Texten der Schüler*innen zu üben und mit ihnen am paraphrasieren und Synonyme finden zu arbeiten. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht!
Nachmittags war ich dann in einem Park, in dem wie in der Netflix- Serie „Das Damengambit“ die ganzen georgischen Opas Schach spielen. Total cool, nur fehlen da irgendwie die Frauen…Um 18 Uhr hatten wir zu acht, für die meisten das erste Mal einen Sprachkurs. Gleich für zwei Stunden! Es hat mir ziemlich viel Spaß gemacht, auch wenn man sich zurück in die erste Klasse versetzt fühlt. Abends gab es dann bei uns zuhause eine Khinkali Großbestellung. Lecker!

Donnerstagabend waren wir abends zu Lara und Gabriel eingeladen worden. Nach meinem Schultag in einer siebten, vierten und fünften Klasse, fragten mich die Zwölftklässerinnen meiner Schule, ob ich am Freitag zu ihnen in den Unterricht kommen würde. Dem habe ich natürlich zugestimmt! Bevor wir zu Lara und Gabriel fuhren, schauten wir uns noch im Goethe Institut die Eröffnung der Fotoausstellung „…auf dem Dach ein Wald“ an, in der es um die aus Abchasien geflüchteten Georgier*innen ging. Diese Ausstellung stimmte mich doch ziemlich nachdenklich. Bei Lara und Gabriel aßen wir dann gutes Selbstgekochtes und ließen so den Abend ausklingen.

Blick von Lara und Gabriels Balkon

Vormittags fuhr ich wieder in die Schule, um dort am Unterricht der zwölften Klasse teilzunehmen. Danach traf ich mich mit Badri und einem Freund von ihm im Park und wir gingen noch etwas essen. Abends kamen Helly und Paulina aus Kutaissi wieder in Tbilisi an. Nachdem wir uns, noch zu sechst, Pizzen bestellt hatten, kamen die anderen Freiwilligen zu uns. Das Ziel: der Club Khidi. Um 2 Uhr morgens hatten wir es durch die Einlasskontrollen geschafft und waren endlich drinnen. Eine ganz schöne Lichtshow konnte man dort mehr oder weniger bewundern (war doch auch ganz schön anstrengend für die Augen) und zu Techno tanzen. Entgegen meiner ursprünglichen Erwartung fand ich es tatsächlich ziemlich cool. Wir waren erst spät wieder zuhause, der Samstag wurde ein ziemlich verschlafener Tag. Nur abends war ich nochmal Billiard spielen- und habe sogar mal gewonnen.

Im Khidi- Club

4 Uhr morgens vorm Club

Auch heute war ich sehr träge, die Pläne, die ich hatte, habe ich wegen Bauchschmerzen (schon wieder!!) streichen müssen.

Und ja: ich hab den Samstag nicht zum Blog schreiben nutzen können… aber heute geht ja auch noch! Solange sich das jetzt nicht so ganz einschleift…

Bis ganz bald, ნახვამდის
Clara

Essen bis der Arzt kommt?!

Jetzt bin ich schon fast 2 Wochen hier in Tbilisi! Verrückt, wie schnell die Zeit vergeht.

Letzte Woche Freitag kamen die anderen Freiwilligen, die auch in Georgien eingesetzt sind, nach Tbilisi. Abends sollte nämlich ein Treffen mit der Fachberaterin Angela Schmidt der ZfA stattfinden. Einer der drei Freiwilligen, die nicht hier in Tbilisi wohnen, Richard, kam deshalb am Freitag Nachmittag zu uns. Mit ihm zusammen fuhren wir dann mit der Metro zur „Fabrika“- dem Kreuzberg von Tbilisi (damit haben wir es zumindest verglichen). Dort schauten wir uns die Läden an, quetschen uns zu siebt in einen Fotobus und aßen etwas- bis der Regen losging. Und wie es regnete! Das hatte ich schon lange nicht mehr so gesehen. Leider hatten nur Laetitia und ich an einen Regenschirm gedacht- Gruppenkuscheln auf einem ganz neuen Level. Klitschnass kamen wir wieder zuhause an.

besagter Fotobus in der „Fabrika“

Zum Glück war das Restaurant in dem wir uns später mit Frau Schmidt treffen wollten nicht weit entfernt- nur fünf Minuten zu Fuß! Im „Rainers“ trafen wir dann auch die beiden Freiwilligen aus Kutaissi, Paulina und Heléne, aber auch Gabriel und Lara zum ersten Mal nicht digital. Beim gemeinsamen Essen lernten wir uns dann noch weiter kennen- es war total cool, sich nach dem digitalen Vorbereitungsseminar auch endlich mal in echt zu sehen!
Mit Frau Schmidt und der ständigen Vertreterin des deutschen Botschafters besprachen wir Ideen und Projekte, die gerade Unterstützung brauchen beziehungsweise an denen wie teilnehmen könnten. Außerdem haben wir viel über Georgien aus der deutschen Perspektive erfahren- vor allem was sämtliches Herumreisen im Land betrifft. Nach diesem Treffen kamen die anderen noch mit zu uns und so ließen wir den Abend gemeinsam ausklingen.

„Rainers“

Samstag hatte ich geplant, mich mir den Lehrer*innen meiner Schule zu treffen. Um 15.30 Uhr holte mich meine Ansprechpartnerin Inga von zuhause ab. Wir fuhren zu einem Restaurant, welches etwas weiter entfernt vom Zentrum ist und direkt an der Kura, Tbilisis Fluss, liegt. Dort lernte ich (fast) alle meine Kolleginnen kennen und wurde herzlich von ihnen begrüßt. Etwas später kam auch der deutsche Lehrer meiner Einsatzstelle dazu.
Aufgetischt wurden alle möglichen georgischen Spezialitäten- von Chatschapuri über Khinkali bis Mtsvadi. Ich war von 16 bis 20 Uhr mit Ihnen in dem Restaurant. Vier Stunden- VIER! Ich war danach so satt, dass ich nicht einmal mehr Wasser trinken konnte, ohne dass mir schlecht wurde.

Essen mit meinen Kolleginnen!

Abends gingen wir dann wieder in den Park, in dem wir schon vor ein paar Tagen gewesen waren und trafen uns dort mit den Georgiern. Wir spielten Karten und redeten- es war echt lustig.

Den nächsten Tag reiste Richard wieder nach Telawi ab. Mir ging es leider nicht so gut, ich hatte ganz schöne Bauchschmerzen. Vielleicht vom Essen des Vortages?

Mit diesem Unwohlsein ging es am Sonntag los und endete erst am Donnerstag wieder so richtig. In dieser Zeit habe ich leider nicht viel gemacht, einfach weil es mir nicht gut genug ging, um viel zu laufen.

Gestern haben wir lange ausgeschlafen und sind dann nachmittags zum Mziuri- Park gelaufen in dem eine Preisverleihung des ZfA stattfinden sollte. Ausgezeichnet wurden Lehrerinnen (mit dem DSD- Gold) und Schülerinnen (für die erfolgreiche Teilnahme am Lesefüchse- Wettbewerb und das Engagement als Schuljournalisten für die Kaukasische Post).
Nach der kleinen Zeremonie unterhielten wir uns noch mit den Lehrer*innen und liefen dann noch durch den Park. Um uns wieder aufzuwärmen tranken wir in einem Café einen Tee und machten uns dann auf den Weg, um Khinkali zu essen (die anderen hatten diese nämlich noch nicht unbedingt probiert!). Nach dem Essen gingen wir wieder nach Hause, wir hatten uns für den nächsten Morgen um 10 Uhr mit Lara und Gabriel am Bahnhof Didube verabredet, um einen Ausflug zu machen. Das bedeutete früh ins Bett gehen!

Mziuri- Park

„Frühes“ Ins- Bett- Gehen, früheres Aufstehen! Wir holten uns eine Kleinigkeit beim Bäcker, um diese auf dem Weg Essen zu können. Nach einer kurzen Metro- Fahrt trafen wir Lara und Gabriel. Mit einer Marschrutka wollten wir nach Mtskheta, der ehemaligen Hauptstadt Georgiens, fahren. Diese Minibusse waren aber gar nicht so leicht zu finden! Zum Glück spricht Lara Russisch und konnte sich nach dem richtigen Weg erkundigen, sodass wir nicht Taxi fahren mussten. Nach einer kurzen Busfahrt waren wir in Mtskheta angekommen. Das erste was wir machten: in einem Café am Ufer eines Flusses einen Tee oder Kaffee trinken. Danach liefen wir weiter ins Zentrum der kleinen Stadt, in der eine Kathedrale steht. Um in die Kirche hineinzugehen, ist es hier üblich, dass sich die Frauen den Kopf, zum Beispiel mit einem Tuch, bedecken. Nachdem wir uns das Gebäude von innen angesehen hatten und irgendwie in eine Hochzeitszeremonie geraten waren (eine von Fünfen, die wir heute gesehen haben!!) gingen wir auch von außen noch einmal um die Kirche.

Swetizchoweli- Kathedrale

Gestern hatte uns einer der Lehrer bei der Veranstaltung erzählt, dass man von einem Kloster, dass auf einem Berg liegt, einen fantastischen Blick über die Stadt und die Flüsse, die in ihr zusammenfließen, hat. Deshalb machten wir uns auf den Weg zu diesem Kloster. Nach dem Stapfen durch hohes Gestrüpp, Begegnungen mit Hunden, der Unterquerung der Autobahn (ich glaube nicht, dass es das Wort gibt, aber wir sind durch einen Tunnel auf der anderen Seite der Autobahn herausgekommen) und einer Sackgasse, hatten wir es doch zum Kloster geschafft. Auch dort fanden wir uns plötzlich als „Gäste“ einer Hochzeit wieder, konnten den Ausblick aber trotz Wind und der dann leider fehlenden Sonne genießen.

Dschwari

Nach der Wanderung hungrig geworden, fuhren wir mit dem Taxi zurück ins Tal und kehrten dort im ‚House of Beans‘ ein. Und wieder gab es Unmengen an Essen!

Erschöpft und vom guten Mittag gefüllt, nahmen wir die Marschrutka zurück nach Tbilisi.
Zuhause angekommen (nach noch einer Metro- Fahrt und einem kurzen Einkauf), war klar, dass jetzt die Zeit für Entspannung gekommen war. Genug für heute!

Sprachen- Update:
Sehr verwunderlich, ich weiß: Ich kann immernoch kein Georgisch! Ich muss wirklich anfangen es zu lernen, dass stört mich nämlich ganz schön…

Bis ganz bald,
Clara
(die gerne noch so ungefähr 10 weitere Bilder hinzugefügt hätte, aber glaubt, dass das dann vielleicht doch etwas zu viel des Guten wäre…)