Die Qual der Wahl!

uuund wieder ist eine Woche herum!

Am Wahlsonntag hatten wir uns abends darauf geeinigt, ins „Rainers“ zu gehen, weil dort die Wahlergebnisse übertragen werden sollten. Dafür ist Richard extra aus Telawi zu uns nach Tbilisi gekommen. Bevor es jedoch so weit war, schlief ich aus um später im Museum of Modern Arts zu Laetitia und Vera hinzuzustoßen. Dort gab es die Ausstellung „Charlie Chaplin in Tiflis“ von Zurab Tsereteli, einem ziemlich bekannten georgischen Künstler (dessen Name keiner von uns etwas sagte), und die Ausstellung „nullity is the only revolt“ von Iv Toshain zu sehen.
Abends gingen wir dann tatsächlich ins „Rainers“ und trafen dort auch Lara und Gabriel und verfolgten gespannt die ersten Wahlergebnisse. Später gingen wir noch zu uns und hatten weiter ein Auge auf die Zahlen und verglichen die Ergebnisse auch mit unseren vorherigen Wahlwetten… ganz falsch getippt!

Ausstellung „Charlie Chaplin in Tiflis“

Montag ging es dann bei strahlendem Sonnenschein in die Altstadt von Tbilisi. Nachdem wir einen Kaffee getrunken und eine Kleinigkeit gegessen hatten, sahen wir uns den Uhrenturm Tbilisis und die Friedensbrücke mit dem dazugehörigen Park an. Von dort liefen wir dann, immer in Begleitung von einigen Straßenhunden (davon gibt es hier wirklich wirklich viele!!) bergauf zur Sameba- Kathedrale, die zu dieser Zeit in goldenem Licht angestrahlt wurde. Diese orthodoxe Kathedrale ist die größte im ganzen Kaukasus- und ließ uns alle ehrfürchtig innehalten. Von dort hatte man auch einen echt schönen Blick über die Stadt. Zurück sind wir mit der Metro gefahren- nur eine Station! Dabei waren wir ganz schön lange gelaufen…. Gegessen haben wir an diesem Abend gleich zweimal: erst Falafel Wraps (nur waren wir zu neunt und es gab nur noch 6 Wraps) und danach Khinkali (wir sind richtige Fans!).

Uhrenturm

Friedensbrücke

Sameba- Kathedrale

Der nächste Morgen startete für mich wieder ganz entspannt, denn im Gegensatz zu einigen meiner Mitbewohner, sollte ich nicht am Onlineunterricht meiner Schule teilnehmen. Auch Richard reiste an diesem Vormittag wieder nach Telawi ab. Nachmittags immernoch etwas träge, entschied ich mich dazu doch noch zum Mtatsminda- Park, einem Attraktionspark hier, hochzulaufen. Dieser liegt auf einem der Berge die Tiflis umgeben, deshalb hatte man auch von dort einen schönen Blick über die Stadt. Von noch weiter oben als von der Kathedrale vom Vortag. Nachdem Spaziergang durch den zugegebenermaßen sehr ausgestorben wirkenden Attraktionsparkes, schaute ich mir auch das Pantheon an. Dort sind viele wichtige georgische Persönlichkeiten (vor allem Dichter), aber auch Stalins Mutter, begraben. Um 18 Uhr traf ich mich mit Nathalie vor der Metrostation Rustaveli und zusammen fuhren wir zum Schildkrötensee, an dem es tatsächlich keine Schildkröten gibt (oder ich hab einfach keine gesehen- war ja dann schon dunkel). Wir liefen ein paar Runden um den See, unterhielten uns dabei, setzten uns dann in ein Restaurant und machten später auch noch Bilder. Als ich wieder zuhause war, war ich ganz schön erschöpft.

Blick vom Mtatsminda

Mittwoch holten Laetitia und ich zusammen die anderen wieder ein, die sich zum Essen in einem türkischen Restaurant eingefunden hatten. Nachdem auch wir etwas gegessen hatten, trennten sich unsere Wege wieder. Vera, Laeti und ich gingen erst in eine kleine moderne Kunstgallerie, in der die beiden vor ein paar Tagen schon gewesen waren, und zogen dann zu einem Second- Hand- Laden weiter. Nach dem ersten Laden, der wirklich sehr versteckt war, gingen wir in eine Halle, in der an einzelnen Ständen auch Second- Hand- Ware verkauft wurde. Für manche der Himmel auf Erden, für mich erst einmal vollständige Überforderung: viel zu viel Auswahl! Aus der Halle wieder raus kauften wir auf dem umliegenden Markt noch Gewürze- bei einem Händler, der nur Georgisch und Russisch konnte. Verhandlung mit Händen und Füßen! Zurück zuhause hatten wir einen der Georgier, Badri, und seine Freunde zum Pokern eingeladen. Es war wieder einmal ein schöner Abend mit gutem Essen (bedurfte besonderer Hervorhebung, weil wir jetzt Kochtage eingeführt haben: an dem Tag war Friedrich mit einem Curry dran!).

Für den Donnerstag war ich mit Inga und den anderen Lehrer*innen in der Schule verabredet. Nachdem ich den richtigen Bus genommen hatte (was gar nicht so einfach war) und an der richtigen Haltestelle ausgestiegen war (noch schwieriger, schließlich alles auf Georgisch), lief ich das erste Mal zu meiner Schule. Dort angekommen war ich überrascht: ganz anders, als ich es mir vorgestellt hatte! Die Flure waren mindestens doppelt so breit, wie das, was ich aus meinen Schulen gewohnt war…. In der Schule bekam ich dann die Bücher für den Lesefüchse- Wettbewerb (bei dem meine Schule in diesem Jahr übrigens bis ins internationale Finale gekommen ist!!!) und wurde per Schnelltest getestet. Außerdem begrüßte mich der Schulleiter in der Schule. Von dort lief ich dann bis in den Mziuri- Park, in dem ich mich mit Badri traf und wir noch spazieren gingen, bis mir so kalt war, dass ich nach Hause wollte. Am Nachmittag waren Paulina und Heléne aus Kutaissi bei uns angekommen. Auch an diesem Abend gab es sehr leckeres Essen (Couscous mit Ratatouille, Köchin: Vera!).

unweit von dort, wo meine Schule liegt

Paulina, Heléne, Lara, Laeti und ich gingen den nächsten Tag erst Schminke kaufen und dann noch einmal in den Second- Hand- Laden in dem wir schon vor zwei Tagen gewesen waren. Wieder sehr erfolgreich! Von dort liefen wir dann zur Fabrika, um dort einen Kaffee zu trinken. Als wir wieder zuhause ankamen, waren Luis, Johannes, Friedrich und Gabriel schon versammelt. Laeti machte sich ans Abendessen, diesmal gab es Nudeln (für 10 Leute!!!) mit Feta- Tomatensauce.

Innenhof der Fabrika

Heute war dann hier in Tbilisi Wahltag: Kommunalwahlen. Diese sind vor allem deshalb wichtig, weil sie darüber entscheiden sollen, ob es nächstes Jahr vorgezogene Parlamentswahlen gibt. Mit Protesten vor dem Parlament sollten wir rechnen. Als wir heute früh nach dem Brunch zum Parlament liefen, war dort alles ruhig. Es war vermutlich einfach noch zu früh, die Wahlergebnisse noch nicht da. Nach diesem Spaziergang und einem kurzen Ausflug in die Mall am Freiheitsplatz, liefen wir zurück nach Hause und verabschiedeten uns dann auch schon von Paulina und Helly. Die Jungs gingen Fußball spielen, wir machten erstmal Pause: erst abends gingen Vera und ich los, um einkaufen zu gehen. Da wir immernoch Nudeln übrig hatten, sollte es eine vegetarische Bolognese geben. In der Zwischenzeit hatte Laeti die Heizung angemacht. Endlich nicht mehr frieren!! Als wir alle wieder zuhause waren, wurde wie immer mit Musik gekocht und im Anschluss gut gegessen.

Abzuwarten bleibt jetzt, was die politische Situation in den nächsten Tagen so bringt… Von Unruhen ist auszugehen (immerhin wurde der ehemalige Präsident und Oppositionsführer verhaftet und wir haben den ARD gesehen, der berichtet!)

Bis ganz bald,
Clara
(Montag geht die Schule hier endlich in Präsenz los! Ich bin schon aufgeregt!!)

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