Kunstprojekt – 30 Jahre Mauerfall

Hier endlich der Artikel zu meinem ersten eigenen Projekt, das schon im November stattfand.

Das Kunstprojekt war eine Kooperation meiner Schule, der Hauptschule Nr. 1, mit der Kunstschule Chambarak, an dem insgesamt 16 Schülerinnen und Schüler teilgenommen haben.

Anlässlich zum 30-jährigen Jubiläum des Mauerfalls wollte ich eine kleine Kunstausstellung organisieren. Ich ging also mit Absprache mit Emma und Eline, durch die Klassen und erklärte was ich vorhatte, um Kinder für das Projekt anzuwerben. Da viele von ihnen keine Ahnung von der Thematik hatten, erklärte ich auch diese und versuchte zusätzlich, die Gefühle zu vermitteln, die ich in der Ausstellung ausgedrückt zu sehen wünschte.

Emma sprach auch noch mit der Direktorin der Kunstschule, wie so viele Menschen in Chambarak eine ehemalige Schülerin von ihr, und ich erklärte es den interessierten Kindern auch dort noch einmal. Es wurden zusätzlich Bilder vom Mauerfall gezeigt, an denen sie sich orientieren konnten.

 

Über die Herbstferien haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemalt, wovon ich leider nur die Anfänge mitbekam, da ich in der Türkei war. Drei Jugendliche, die nicht mehr in der Kunstschule sind, haben ebenfalls am Projekt teilgenommen und es mit Hilfe des Kunstlehrers der 1. Hauptschule Chambarak, Novik, selbstständig durchgeführt.

 

Über die Herbstferien wurden die Bilder vervollständigt, sie wurden einige Tage in der Schule ausgestellt, bis sie dann nach Eriwan gebracht und im Goethe-Zentrum ausgestellt wurden.

Im Goethe-Zentrum wurde die Ausstellung von mehreren Schulklassen besucht, die sich über Mauerbau und Mauerfall informiert haben.

Auch die Teilnehmer sind im Dezember zusammen mit einem Lehrer der Kunstschule, Novik und mir hingefahren, um ihre Bilder ausgestellt zu sehen.

Höhlenmenschen

Heute profitieren wir davon, dass Sophia in Gyumri mit einem Armenier zusammenlebt: Zu ihrem 19. Geburtstag lädt sie uns ein, mit zu einem Ausflug zu kommen, eine Höhle im Süden Armeniens besichtigen. Sowohl ihr Mitbewohner Artyum als auch sein Cousin sind auf diesem Trip unsere Guides.

Auf dieser Ebene wurden die Autos abgestellt: Die höchste Stelle, die man so noch erreichen kann

Gegen 9Uhr fahren wir aus Gyumri, wo wir am Vorabend Sophias Geburtstag gefeiert haben, los, machen einen Zwischenstopp in Yerevan und kommen etwa um 15.00Uhr an dem Berg an, auf dem die Höhle ist. Der Eingang ist mit dem Auto allerdings nicht zu erreichen, weswegen wir eine kleine Schneewanderung steil den Berg hinauf unternehmen. Nach kurzem werde ich als Langsamste, da ich mit meinen Schuhen oft im Schnee ausrutsche, ganz nach Vorne geschickt, weswegen der Fußmarsch wohl etwas länger dauert als gewöhnlich. Dafür werden wir jedoch mit einem fantastischen Ausblick über das Winterwunderland der Berge belohnt.

In der Höhle selber lassen wir unsere Jacken im Eingangsbereich, denn innen ist es warm genug, besonders, wenn man herumklettert. Wir sehen kopfüber hängende und schlafende Fledermäuse, die aussehen wir Puppen, doch schon bald beginne ich mich unwohl zu fühlen, so tief im Berg.

Ich hatte nie das Gefühl gehabt, klaustrophobisch zu sein, doch die Enge und das Bewusstsein, wenn etwas passieren sollte, hier unten eingesperrt zu sein lassen mich zusehends panischer werden. Nach etwa einer halben Stunde klettern und kriechen und an einer besonders engen Stelle, die wir hochklettern sollen, weigere ich mich. Auch Nourian muss wegen einer Verletzung passen und so machen wir beide uns mit etwas Proviant auf den Rückweg und warten in der Eingangshalle auf die anderen. Zwischendurch können wir noch einmal die atemberaubende Aussicht auf die umliegenden Berge genießen, aber weil keiner von uns sein Handy mit oben hatte – in der Höhle ist ja sowieso kein Empfang – müssen wir diesen einzig in unseren Köpfen festhalten.

Als die anderen zurückkehren zeigen sie uns die Fotos, die sie gemacht haben und Artyum macht noch für einige Minuten etwas Musik an, doch die Temperaturen beginnen merklich zu sinken und wir machen uns schnell wieder auf den Rückweg, auf dem wir um einiges schneller vorankommen als den Berg hinauf.

Auch wenn ich wahrscheinlich nicht mehr so schnell in eine Höhle gehe, das ist eine Erfahrung, die ich so schnell nicht vergessen werde.

Der Weihnachtsmarkt

Als letztes Projekt vor den Weihnachtsferien hat sich Paula, die Freiwillige aus Sardarapat, etwas besonders Schönes ausgedacht: Für die Schüler und Schülerinnen an den PASCH-Schulen in Chambarak, Sardarapat, und Gyumri wird ein Weihnachtsmarkt organisiert.

 

Es handelt sich dabei allerdings nicht um einen klassischen Weihnachtsmarkt mit Verkaufsständen und Kinderpunsch, sondern wir acht Freiwilligen bereiten jeweils kleine Workshops vor, wo die Kinder deutsche Weihnachtslieder singen, Dekoration und Karten basteln, Plätzchen backen oder Weihnachtsgeschichten hören konnten.

Die Aktion beginnt in Chambarak und Goethe gönnt eine Privatmaschrutka für die anderere Freiwilligen, die gegen 12.00Uhr bei mir

ankommen. Obwohl Samstag ist, sind die Schüler sehr motiviert und wir haben in den folgenden zwei Stunden viel zu tun: Auf jeden Fall ein gelungener Auftakt des Weihnachtsmarktes!

Besonders der „Bastelraum“, wo die Kinder unter meiner Anleitung Weihnachtskarten und unter Almas -dekoration basteln können, ist gut besucht; die älteren Schüler sind vor allem Spiele spielen (natürlich auf deutsch!;))

Advent, Advent

Eine Süßigkeit aus Rüben: Auch im Lehrerzimmer kommt die besinnliche Zeit durch

Es ist soweit! Die schönste Zeit des Jahres ist angebrochen (bzw. die Zweitschönste; als Rheinländerin gilt meine Loyalität natürlich immer noch der fünften Jahreszeit).

Passend zum ersten Schultag im Dezember, wird Chambarack unter eine dicke Schneeschicht gelegt; aus dem Wohnzimmerfenster bietet sich mir der Blick auf verschneite Berge, vor denen etwas melancholisch die armenische Flagge weht: Ein echtes Winterwunderland.

Natürlich hat der Advent eine ganze Menge Möglichkeiten zu bieten, zumal Weihnachten in Armenien gar nicht mal so groß gefeiert wird. Wenn ich die Schüler frage, wann bei ihnen das Weihnachtsfest stattfindet, bekomme ich meistens statt dem 6.1., den 31.12. als Datum zu hören. Und so habe ich Spaß daran, ihnen von Adventskränzen und -kalendern, Weihnachtsmärkten, Zimtsternen und Glühwein zu erzählen.

Manchmal kommt es auch vor, dass eine der Lehrerinnen eine Flasche Granatapfelwein mit zur Schule nimmt.

Mit den Sechsten bastele ich außerdem etwas Weihnachtsdeko, alle Klassen ab der Siebten wichteln und im Deutschkabinett habe ich einen kleinen Adventskalender aufgehängt.

Für jeden Tag habe ich mir eine andere, kleine Weihnachtsaktion ausgedacht, zum Beispiel Schneeflocken aus Papier basteln, Weihnachtslieder singen oder auch kleine Spiele spielen, und die Klassen, zu denen die tägliche Aktion passt (die Neuntklässler verdamme ich nicht dazu, kleine Fensterdeko zu basteln), besuche ich ungefähr die letzten zehn Minuten der Stunde und wir arbeiten kurz zusammen.

Auch in der Deutsch-AG ist alles auf Weihnachten ausgerichtet: Mit der achten Klasse habe ich am Montag Arbeitsblätter zum Advent bearbeitet und am Freitag werden wir einen Adventskranz zusammen basteln; mit der Fünften lese ich eine Weihnachtsgeschichte und auch bei den Anderen behandeln wir das wichtigste deutsche Fest.

All das macht mir wirklich unglaubliche Vorfreude auf Weihnachten selbst, das ich Zuhause in Deutschland verbringen werde. Auch unter den Freiwilligen ist ein kleines Fest am 4.Advent geplant, da Lena und ich Heiligabend ja nicht da sind, und auch wir wichteln zusammen.

Winterliche Grüße aus Chambarack:)

Lucy

Schattentheater in Georgien

Im Südkaukasus kommt es gerne vor, dass man sich in einer Situation wiederfindet, die man noch eine Stunde davor nicht hätte erwarten können. Und so passiert es, dass ich zehn vor sieben am Donnerstagabend in einer Kunstschule nahe der Grenze zu Südossetien sitze und dem Schattentheater vier georgischer Kinder zuschaue. Wie kommt es dazu?

Etwa zweieinhalb Monate nach Beginn des Freiwilligendienstes, nach der Hälfte für diejenigen, die ein halbes Jahr bleiben, kommen die Freiwilligen aus derselben Region zusammen zum Zwischenseminar. In unserem Fall findet es in Georgien statt, genauer gesagt in Saguramo, einem kleineren Ort in der Nähe von Tbilissi und zusammen mit den vier Freiwilligen aus der Türkei, den elf aus Georgien, der einzigen Freiwilligen aus Aserbaidschan und uns, acht Armeniern.

Um die Woche, die wir ohnehin in unserem schönen Nachbarland verbringen werden, auch voll auszunutzen, fahren wir bereits am Donnerstagabend mit dem viel gelobten Nachtzug von Yerevan aus nach Tbilissi. Dieses Mal haben wir auch mehr Glück: Der Zug fährt, allerdings habe ich mir wohl an irgendetwas den Magen verdorben und muss die Fahrt noch leicht fiebernd antreten. Obwohl wir nur Holzklasse fahren sind die Betten komfortabel genug: Direkt nach der Abfahrt richten wir uns zum Schlafen ein und trotz anderthalbstündiger Unterbrechung an der Grenze kommen wir morgens immerhin einigermaßen ausgeruht in Georgiens Hauptstadt an. Ich begleite noch Eliane, eine weltwärts-Freiwillige, zu ihrem Hostel und schließe mich den anderen in der Wohnung von Julia und Tabea an, die sich, zusammen mit Merrit und Christa, dazu bereit erklären, uns für das Wochenende aufzunehmen. Nachdem wir uns bei Tee etwas ausgetauscht haben, geht es erst zu einem Kunstmarkt, dann auf zu einem Sight-Seeing-Trip; hoch zur Mother Georgia und zur Narikala-Festung: Von hier aus genießen wir einen Blick über die gesamte Stadt.

Den Abend verbringen wir entspannt in der WG bei gemeinsamem Kochen und Tabu-Spielen, ein wenig erschöpft von dem Tag nach der doch nicht ganz so erholsamen Nacht.

Dementsprechend beginnt auch der Samstag eher entspannt: Erst gegen 13.00Uhr machen wir langsam los besichtigen die Sameba Kathedrale, eine beeindruckende Kirche, die erst im Jahr 2004 fertiggestellt wurde, und werden dabei sogar zufällig Zeugen einer Hochzeit. Da unsere Gruppe doch mittlerweile sehr groß ist, teilen wir uns auf; ich gehe zusammen mit Julia, Lena, Georg, Tabea und Emely zu einem Streetfoodmarkt, wo wir den ersten Glühwein des Jahres genießen und ein paar Lari an den kleinen Handwerksständen lassen.

Den Abend verbringen wir wieder alle zusammen in einem kleinen, georgischen Restaurant, wo wir riesige Mengen an Khinkali und Khatchapuri verdrücken. Sehr satt ziehen die anderen noch weiter zu ein paar Bars, Lena und ich machen es uns bei Tabea und Julia zuhause gemütlich.

Sonntag kommen die Freiwilligen aus der Türkei an und aufgrund der Größe der Gruppe fühlen wir uns langsam wirklich wie auf Klassenfahrt. Es geht hoch zum Mtatsminda Park, wo wir Achterbahn fahren und anschließend ins Teehaus, bevor die Gruppe sich wieder teilt; mit 17 Personen gemeinsam etwas zu unternehmen ist eben doch ein wenig anstrengend.

Montag beginnt schließlich das Zwischenseminar; und zwar erst mal mit Kaffee und Kuchen, etwas, was sehr bezeichnet ist für die dort verbrachte Zeit. Wir sind nicht direkt in Tbilissi, sondern in Saguramo, und zwar in der „Nature School“. Diese sei so ähnlich wie Waldorfschulen aufgebaut wird uns erklärt, jedenfalls ist es sehr gemütlich hier: Unsere Betten stehen in Klassenzimmern und in beinahe jedem Raum ist ein Klavier.

Der Seminarinhalt ist für uns leider weniger relevant: Es gibt weniger Input und mehr Austausch; den wir allerdings in unseren drei Tagen in Tbilissi und vorher in der Türkei schon ziemlich ausführlich hatten. Die Stimmung ist dafür umso besser. Den ganzen Tag ist Klaviermusik zu vernehmen, denn Basti, ein Freiwilliger aus Georgien, nutzt die freie Zeit zum Üben.

Aus Armenien haben wir Granatapfelwein mitgenommen, Simon hat einen Chaikocher und viel türkischen Tee gebracht und die Georgier verwöhnen uns mit Chacha.

Mittwochnachmittag wurde sich dann schließlich genug ausgetauscht: Wir fahren nach Mzcheta, der ehemaligen Hauptstadt Georgiens, begleitet von Dato, dem Leiter der Schule und Experte für die Geschichte der Region.

 

Donnerstag stellt sich nun gänzlich das „Klassenfahrtsfeeling“ ein: Vormittags gehen wir Wandern, am Nachmittag steht ein Besuch im Museum an. Leider spielt das Wetter nicht ganz mit: Zwar ist es nict allzu kalt, doch über den Bergen hängen dicke Nebelschwaden.

Um 14.30Uhr machen wir schließlich in Richtung Gori los, eine Kleinstadt, die sich damit rühmt, die Geburtsstadt eines der brutalsten Diktatoren der jüngeren Geschichte zu sein: Josef Stalins.
Von Julia, Tabea und Christa hören wir schon, dass das Stalin-Museum, welches wir besuchen wollen, wohl nur bedingt historische Informationen enthält, also gibt Simon uns auf der Busfahrt hin noch ein kurzes Briefing, indem er eine Lesung des Wikipediaartikels veranstaltet.

Das Museum selber ist eher als eine Dokumentation von Personenkult in totalitären Systemen zu sehen, als als neutrale Quelle. Nur einmal wird auf Stalins „Säuberungen“ eingegangen; jedoch werden dabei lediglich berühmte georgische Persönlichkeiten als Opfer genannt. Der Rest der Ausstellung sieht ungefähr so aus:

Schließlich sollen wir uns noch die Grenze zu Südossetien ansehen (hier finden sich einige Informationen zum Südossetien-Konflikt: http://www.bpb.de/internationales/weltweit/innerstaatliche-konflikte/54599/georgien), wo erst einmal fünf Leute nach ihren Pässen gefragt werden; für den Fall, dass wir verschleppt werden. Ich denke nicht, das danach jemand von uns erwartet hätte, in einer Kunstschule zu landen, wo ein Bischof uns begrüßt und wir ein Schattentheater von georgischen Schülern erleben dürfen. Wir erfahren, dass an diesem kleinen, unscheinbaren Ort jährlich ein Filmfestival stattfindet, zu dem sogar Studenten aus Deutschland kommen. Zum Abschluss müssen wir als Gruppe noch etwas Deutsches vorsingen, bevor wir uns wieder auf den Rückweg nach Saguramo machen.

Auch wenn das Seminar an sich nicht unbedingt informativ oder hilfreich war, ist es eine tolle Erfahrung gewesen, die anderen wiederzutreffen; manche von ihnen zum letzten Mal, und noch einmal das schöne Klassenfahrtsgefühl zu erleben.

Hadschorutsjun!

Lucy

Türkiye

Was ein Trip…

Die Herbstferien stehen vor der Tür und damit die erste freie Woche, zumindest für uns kulturweitler, die wir an Schulen sind. Natürlich sind alle mehr als begierig darauf, umherzureisen und diesen Teil der Welt kennenzulernen. Auch wenn wir in Armenien selbst längst noch nicht alles gesehen haben, diese ganzen 9 Tage, die uns zur Verfügung stehen, möchten wir richtig ausnutzen. Und so machen wir uns am Donnerstagabend vor den Ferien zu fünft auf zu einer Reise in die Türkei; über Tbilisi nach Ankara, dort zwei Tage bleiben und schließlich weiter nach Istanbul.

Wir alle stehen mit Vorfreude auf den Nachtzug nach Tbilisi am Bahnhof. 20€ kostet dieser zwar, dafür soll es eine Erfahrung sein, die sich definitiv lohnt. Aber – wie so oft hier in Armenien – es läuft nicht alles wie geplant.
„Der Zug fällt aus“, wir sollen ein Sammeltaxi nehmen; zum selben Preis. Wir haben keine andere Wahl, am nächsten Morgen um 9.00Uhr fährt unser Bus Richtung Ankara, auch wenn das bedeutet, dass wir schon um vier Uhr morgens in Tblisi ankommen.

Die restliche Hinfahrt – 24h Reisebus – ist ebenso anstrengend, jedoch weitgehen ereignislos.

Ankara

„Wieso wollt ihr nach Ankara? Fahrt direkt nach Istanbul!“ Das durften die anderen Freiwilligen und ich uns vor dem Urlaub oft anhören und so komme ich in die Stadt, mit dem leisen Vorurteil, dass sie nicht besonders viel zu bieten hat. Zwar freue ich mich darüber, Hannah und Vincent, die wir auf dem Vorbereitungsseminar kennengelernt haben, wiederzusehen, doch vor allem sehe ich Ankara als zweitägigen Zwischenstopp vor Istanbul. Selten wurde ich in meinen Erwartungen so sehr enttäuscht!

Das liegt wahrscheinlich auch an dem jungen, etwas alternativen Viertel, in dem wir untergebracht sind, und an den freundlichen Menschen die wir treffen, doch Ankara zeigt uns ein strahlendes Lächeln bei unserem Besuch. Wir essen Falafeln, besichtigen das Atatürkmuseum, die Altstadt und die Burg und gehen Hannah und Vincent damit auf die Nerven, dass wir an den – im Vergleich nach Deutschland immer noch sehr günstigen – Preisen herummäkeln und alles in Armenische Dram umrechnen.

Zum Glück hat Karl seine Kamera mitgenommen, sodass ich dieses Mal tatsächlich Fotos in einer guten Qualität präsentieren kann.

 

Istanbul

Am Montag geht es dann mit dem Zug weiter in die größte Stadt, die ich jemals betreten habe: Istanbul, 15Millionen Einwohner. 5x Armenien, 15x Köln und fast 900x meine Heimatsstadt Remagen. Dementsprechend überfordert bin ich am ersten Tag auch, selbst die Aussicht vom Galataturm kann ich wegen Schwindel nicht richtig genießen. Erst gegen Abend, als wir von einer Mitarbeiterin des Goethe-Instituts und ihrem Mann in einen Pub eingeladen werden, komme ich etwas besser mit dem rauschenden Leben der Stadt klar.

Dienstagmorgen folgt auch schon mein persönliches Highlight unseres Trips: Das türkische Frühstück, ein Brunch in einem Café, der so satt macht, dass man bis abends nichts mehr essen muss. Ich probiere auch Sahlep, eine Gewürzmilch, die ähnlich wie Grießbrei schmeckt und stark an Weihnachten erinnert. Den Rest der Tage verbringen wir mit dem Must-See-Programm: eine Bootstour und die Hagia Sophia, die Festlichkeiten zum Nationalfeiertag (mit sehr vielen Flaggen und einem Feuerwerk, dass wir mit unserem super Timing leider verpassen, weil wir gerade in der Metro sind), eine weitere Moschee, der Bazar und außerdem eine exklusive Führung von Simon und Richard durch das Deutsche Archäologische Institut. Unfreiwillig machen wir eine weitere Bootsfahrt, als wir uns zu den Inseln aufmachen wollen und uns die Zeit vorher nicht ausrechnen, doch so bekommen wir auch noch einmal einen anderen Blick auf die riesige Stadt.

Bald kommt auch der Abschied: Freitagmorgen um 10.00Uhr machen wir uns auf zur Busstation, wo unsere 27,5h lange Fahrt beginnt. Wenigstens unsere Busbegleiterin ist etwas freundlicher, auch wenn Sie weder englisch noch russisch versteht. In Tblisi agekommen (Samstag um 16.30Uhr) trenne ich mich von den anderen: Sie wollen am folgenden Tag nach Yerevan trampen, ich steige für 25$ in ein Sammeltaxi und falle 7h später vollkommen fertig in der WG ins Bett.

Doch dieser Ausflug hat sich definitiv gelohnt!

Schulportrait

Ein eher kleineres, doch langsam sehr notwendiges Projekt: Das Schulportrait auf der pasch-net.de Website aktualisieren. Dort sind alle Pasch-Schulen gelistet, mit der Möglichkeit, sich dort vorzustellen. Auch die Hauptschule Nr. 1 in Chambarack ist dabei gewesen; dieses Schulportrait war allerdings schon sechs Jahre alt.

Also habe ich mir acht Schüler und Schülerinnen der 8. Klasse geschnappt, die ganz gut in Deutsch sind und motiviert genug, auch außerhalb der Schule ein bisschen zu arbeiten. Mit ihnen zusammen habe ich erst das alte Schulportrait gelesen und ein wenig erklärt worum es geht, danach durften sie sich aufteilen und eines der vier Themen, in die ich den Text unterteilt hatte (Chambarack, die Schule im Allgemeinen, der Deutschunterricht, die PASCH-Initiative und ihre Bedeutung für die Schule), wählen.

Eine Woche hatten sie Zeit, um Informationen zu sammeln, Fotos zu machen und einen kurzen Absatz zu ihrem Thema zu schreiben. Tatsächlich waren auch alle Gruppen, bis auf die drei Jungs, rechtzeitig fertig und ich konnte mich daran machen, die Texte zu korrigieren und sie in ein wenig geschliffeneres Deutsch zu bringen; eine Anforderung, die man 13-jährigen im Fremdsprachenunterricht nicht wirklich abverlangen kann.

Das Ergebnis findet sich unter: https://www.pasch-net.de/de/par/spo/eur/arm/3360417.html

Yes lav em

Die Tage gehen vorüber wie Perlen an einer Kette, fädeln sich auf zu Wochen, einer nach der anderen, und nun schon zu einem Monat…

Ein… interessant geformter Baum. Ich glaube immer noch, dass sich dort ein Portal verbirgt.

Ich muss vor allem eine Sache sagen: Es geht mir sehr gut hier. Besser, als ich es erwartet hätte. Yes schat lav em.

Meistens komme ich kurz nach dem Klingeln zur ersten Stunde in der Schule an. Dort korrigiere ich Tests, eine schön meditative Arbeit, die gut geeignet für die Morgenstunden ist, und plane meinen Tag. Manchmal hospitiere ich ein oder zwei Unterrichtsstunden, um zu sehen, welche Themen gerade durchgenommen werden, und auch um die Namen besser zu lernen. In der Pause zwischen der dritten und der vierten Stunde gibt es Kaffee im Lehrerzimmer. Ab und zu verpasse ich diesen jedoch leider, weil ich mit Schülern über etwas rede, sie an das nachmittägliche Treffen oder eine Aufgabe erinnern muss. Danach bereite ich meistens den Nachmittagsunterricht vor; zum Mittagessen gehe ich heim.

Am Sonntag: Wandern in Dilijan

Da ich momentan ein Projekt durchführe (mehr dazu bei Zeiten), verschiebt sich natürlich einiges, im Groben und Ganzen ist das jedoch das, was ich tagein tagaus so mache in der Schule. In der Realität ist es natürlich spannender als aufgeschrieben:

Die Fünftklässler erobern mit fleißigem Mitmachen und reingerufenen Komplimenten einen Platz in meinem Herzen; mit den Achtklässlern komme ich endlich dazu, am Schulportrait zu arbeiten und eine vierte Klasse, bei der ich vor ein paar Wochen Vertretungsunterricht gehabt habe, bittet Emma darum, dass ich wieder zu ihnen komme.

Am Abend gehe ich glücklich mit dem Tag ins Bett und am nächsten Morgen habe ich immer einen Grund mich zu freuen; ein Projekt kann in Angriff genommen werden, meine Lieblingsklasse ist heute dran oder der Wochenendsausflug nach Yerevan steht wieder bevor.

Dieser kleine Racker ist uns in Yerevan an zwei aufeinanderfolgenden Tagen hinterhergelaufen. Wir nannten ihn Fred.

Mit dem Armenischlernen mache ich leider etwas weniger Fortschritte; einen spontanen Test den ich schreibe bestehe ich mit genau der Hälfte der Punkte. Etwas mehr zu Lernen kann wohl nicht schaden.

Besonders genieße ich, wie die Arbeit in der Schule, die relativ ruhigen Nachmittage und Abende und die sprühenden Wochenenden in Yerevan sich abwechseln.

Ein bisschen Alltag…

Nach meiner Reise nach Tiflis habe ich nun etwas Alltag hinter mir – unterbrochen von drei Tagen Yerevan – der sich für mich nicht unbedingt weniger spannend anfühlt.

Am Mittwoch arbeite ich das erste Mal seit langem wieder mit meinem Deutsch-Club, den nachmittäglichen Übungsgruppen. Eigentlich möchte ich mit den 8. Und 9. Klässlern ein neues Schulportrait in Angriff nehmen, doch sie bitten mich darum, ihnen bei einem Videoprojekt zu helfen, dass von Eike, einem der Lehrer aus Bremen, aufgegeben wurde. Die Stunde verbringen wir also damit, auf dem Schulhof 20 kurze Vorstellungsvideos auf Deutsch zu drehen, bevor sich die Jugendlichen nach und nach heim verziehen.

Ein Zeichen des Winters, das mir heute auffällt: Zweimal laufen mit in der Schule kleine Mäuschen über den Weg, die vor der einbrechenden Kälte von den Feldern fliehen. Süß aber… befremdlich.

Donnerstag ist die 6. Klasse dran, eine Stunde, auf die ich mich eigentlich gefreut habe… Doch es sind mehr Kinder da, als ich erwartet habe. Zwischen 15 und 20 kommen und wieso, weiß ich ehrlich gesagt nicht, denn als hätten sie besonders viel Lust auf freiwilligen Unterricht wirken sie nicht. Zwar machen viele von ihnen begeistert mit, hopsen, sich verzweifelt meldend, auf ihren Stühlen herum und geben auch meist richtige Antworten, doch grundsätzlich herrscht ein Lärmpegel in der Klasse, gegen den ich nichts ausrichten kann. Als kleinen Trost hole ich mir drei große Granatäpfel, für umgerechnet ca. 1,02€ und in hundertmal besserer Qualität, als alles, was ich je in Deutschland gefunden habe.

Hier ist meine reguläre „Woche“ auch schon vorbei, denn am Freitag heißt es wieder Yerevan. Mit einer Gruppe von 9. Klässlern fahren die Russischlehrerin und ich um 10.00Uhr los, um eine Ausstellung des Mathematikums in Aachen und des Goethe-Instituts zu besuchen: Mathematik zum Anfassen. (http://mathematik-zum-anfassen.de/)

Abgerundet wird der Ausflug mit einem Besuch in der Pizzeria, bevor die Gruppe sich am Nachmittag wieder auf den Heimweg macht, während ich zur etwa zwei Kilometer entfernten WG spaziere. Da dies mein erster Freitagabend in Yerevan ist, bekomme ich heute auch endlich einmal etwas vom Nachtleben der Hauptstadt mit: Nach einigen Gin Tonics in der Wohnung ziehen in eine Bar, danach ins „Basement“. Lange bleiben wir nicht, und so lassen wir den Abend ab 2.30Uhr noch bei einem Käffchen und dem Erstellen diverser Memes auf der Couch ausklingen.

Sonntag geht es weiter mit dem Alkoholkonsum: Von Botschaftsmitarbeitern werden wir zum „Herbstgrillen“ in einer ziemlich reichen Umgebung eingeladen. Grillen mit Armeniern; das bedeutet, dass spätestens um 15.00Uhr der Vodka zu fließen beginnt. Nicht nur der handelsübliche, zur Feier des Tages wurde extra selbstgebrauter, 80%iger mitgebracht, von dem ich jedoch die Finger lasse. Stattdessen begnüge ich mich mit Sekt, Wein und Kaffee mit Schuss, schließlich steht mir Montagmorgen die anstrengende Rückfahrt in der Maschrutka bevor.

Auch wenn viele Ausflüge dies unterbrechen: Ich habe mehr und mehr das Gefühl, in einen Rhythmus zu kommen. Die Arbeit fühlt sich schon alltäglich an, wenn ich über die Freiwilligen in Yerevan rede, sage ich meistens „meine Freunde“ und in der Schule fühle ich mich schon so heimisch wie seinerzeit im Rhein-Gymnasium. Meine Einlebungsphase, so scheint es, ist vorbei.

Lucy

 

*Ich hatte diese Woche kein spannendes Foto… Beitragsbild sind die Kaskaden in Yerevan, Quelle pixabay 🙂