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Salzige Küsse…

… so hieß der Titel des Buches meiner persönlichen Favoritin beim regionalen Vorlesewettbewerb der Deutschen Schulen Puerto Montt, Punta Arenas, Frutillar und Puerto Varas, den ich am 26. Juni bei uns in der Schule ausgerichtet habe. Natürlich eine von meinen persönlichen Schützlingen – gewonnen hat sie allerdings leider nicht. Und das nach wochenlangem bis 16, 17, 18 Uhr in der Schule bleiben um zu üben, stundenlangens Lippenverdrehen bei dem Versuch, den Buchstaben „ü“ auszusprechen, Verknotete Zungen bei Fischers Fritze, Panikattacken und gemeinsamen Yogasessions nach getaner Arbeit und vor dem Wettbewerb. Nicht einer hat gewonnen, gegen die Allmacht Puerto Montts kamen wir einfach nicht an. 5 der 6 Siege aus den verschiedenen Kategorien gingen an Puerto Montt, einer an Frutillar. Wir sind am Boden zerstört.

Ich hatte trotzdem viel Spaß, das ganze zu organisieren. Bücher gefallen mir nun einmal, und dann die Texte für Schul- und Regionalwettbewerb aussuchen zu dürfen sowie mit den Schülern lesen zu üben war für mich keine Arbeit, sondern purer Spaß. Das hat sicher auch mit an meinen Kleinen gelegen – die waren alle so motiviert, dass ich ihnen den Sieg definitiv gegönnt hätte. Und der größte Vorteil des Ganzen war, dass Caro mit zwei Schülern aus Punta Arenas angereist kam und zwei Nächte bei mir verbracht hat, was wir auch ordentlich mit Pichanga, Pisco-Sourmachen (bzw. aufgrund des mangelnden Sours Pisco-Sour-Washabenwirdennnoch-ahMangosaftkonzentrat – Mango) und Fußballfrühstück am Sonntag gewürdigt haben. Ich durfte bei ihrer Ankunft auch gleich an meinen Krisenmanagementskills arbeiten, da der Taxifahrer, der dort auf sie warten sollte, nicht aufgetaucht ist. Hat aber alles noch geklappt. Auch noch einmal vielen Dank an die Gastfamilien, ihr seit super.

Der Rest des langen Wochenendes bestand dann aus dem autentischsten aller Feste – Festival de Lluvia, wo Rebecca und ich der Regenschirmparade im strömenden Regen ohne Schirm beigewohnt haben, und danach noch endlich mit Gabriel unseren Plan, zum Vulkan Osorno hochzufahren, umgesetzt haben. Vielleicht ist das nicht der allerbeste Plan gewesen, angesichts des Wetters und der Tatsache, dass Gabriels Auto doch recht klein ist (ich war am Freitag davor auch fest davon überzeugt, dass es sich um einen Zweitürer handelt, da ich mir bei der Größe gar nicht vorstellen konnte, dass man da irgendwie vier Türen unterbringen kann. Habe einige komische Blicke geerntet, als ich dann die Vordertür aufgemacht habe und über den vorgeklappten Vordersitz auf den Rücksitz gekrabbelt bin), aber wir hatten viel Spaß, wenn auch nicht gerade das, was man Aussicht oder Entspannung nennen könnte. Effektiv sind wir hochgefahren, zwischenzeitlich aus dem Auto gesprungen (mit Ausnahme von Rebecca, die ihre Schuhe ausgezogen hatte), haben Fotos von Nebel und Sturm und den dahinter versteckten Bäumen gemacht und sind wieder ins Auto gesprungen. Oben beim geschlossenen Café war es dann so windig, dass wir leichte Bedenken hatten, ob der Wagen denn stehen bleiben würde, und sind schnell wieder runtergefahren. Aber immerhin waren wir endlich da.

Und nun möchte ich noch einmal eine originalgetreuer Widergabe einer chilenischen Radioübertragung eines Deutschlandspiels darstellen:

rrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrSchweinsteiGERrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr

rrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrLUkasPodolskIIIIIIIrrrrrrrrrrrrrrrrrr

rrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrALEMANIA!!!!rrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr

rrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrGOOOOOOOLGOOOOOOOOOOOOOOOOOOOLG

OLALEMANIAGANAALEMANIAUNOZEROGOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOLrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr

rrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrMillERrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr

Es folgen diese Woche noch: Eintrag über mein essreiches Wochenende bei einer chilenischen Familie auf Chiloé und endlich der lang erwartete Kocheintrag, inklusive Fotostrecke der Zubereitung eines Curantos. Und Mama, ich muss dir etwas sagen: Ich esse Fisch. Zwar nur Sushi und Lachs, aber es ist Fisch. Ich weiß, dass kommt jetzt als ein Schock für dich. Deine Tochter, die 25 Jahre ihres Lebens die Nase gerümpft hat, wenn auch nur das Wort „Fisch“ fiel, die sich in ihrem Zimmer eingeschlossen hat, wenn ihr Kochfisch in der Küche gemacht habt, die sich in Fischrestaurants eisern durch ihr zähes Wiener Schnitzel gequält hat. Ich essen Fisch. Und was soll ich sagen – eine ganze Tomate roh schaffe ich immer noch nicht, aber so als Beilage ist die gar nicht so schlecht.

Freiwillige vor!

Wenn man schon als offizielle Berufsbezeichnung „Freiwillige“ hat, kann man sich immer so schwer aus Sachen die ebendiese erfordern ziehen. So kommt es, dass ich am Freitag, der offizielle „Dia del Alumno“, also Tag der Schüler ist, wohl bei den Liedern „High School Musical“ (Titelsong) sowie „I’m a single Lady“ mit einigen anderen Lehrerinnen meine heißen Latina-Tanzkünste zum Besten geben darf. Ich musste bei den Proben dann feststellen, dass das gar nicht so einfach ist, aber das wird schon. Videos, die in irgendeiner Form aufgenommen werden könnten, werden sofort gnadenlos der „conquistatora alemana“ (nicht nachfragen, wie es zu dem Namen gekommen ist, ich weiß es selber nicht mehr so genau. Hatte glaube ich etwas mit Keksen zu tun) zum Opfer fallen, das Beste, worauf ihr hoffen dürft, sind einige verschwommene Fotos von einer Handykamera.

Als Zweites werde ich mich dann Freitag abend am Colegio Alemán einfinden (das nennt man engagiert, sogar Freitag abend bei der Arbeit) und mit einigen anderen Lehrern und ein paar Schülern einen Bus besteigen, über Nacht in das nördlich gelegene Los Angelés (de Chile! Das andere wäre mit einem Bus über Nacht nur schwerlich zu erreichen) fahren und dort ein Wochenende lang via Techo para Chile („Verpflichtung!“ – so heißt tatsächlich der offizielle Titel dessen, was wir tun, also auf Deutsch, wohl gemerkt…) Aufbauhilfe bei einer vom Erdbeben schwer geschädigten Schule leisten. Um ehrlich zu sein freu ich mich schon riesig drauf, da ich das ganze Wochenende Spanisch sprechen werde und das sicher auch noch mal eine gute Art und Weise ist, sich mehr mit den Kollegen, die man noch nicht so gut kennt, anzufreunden. Und natürlich auch der gute Zweck. Ich bin schon ganz gespannt. Als erstes wurde ich gefragt, ob ich denn auch Werkzeuge mitbringen könnte. Mist. Genau die habe ich am Flughafen zu Hause gelassen, als klar wurde, dass ich nur ein Gepäckstück mitnehmen könnte. Sonst fahr ich ja nie ohne meine Säge weg.

Ganz freiwillig bin ich auch am Samstag mit der Rebecca nach Cochamó, das Kletterparadis Chiles (es wird im Lonely Planet als das „neue Yosemite“ bezeichnet, wobei da habe ich dann doch meine Bedenken), gefahren. Und was mache ich so in einem Kletterparadis?

Reiten! Da mein Knie immer noch nicht wieder komplett in Ordnung ist, und Rebecca die geniale Idee hatte, in Cochamó einen Tagesausflug auf Pferden zu buchen, habe ich mich dem spontan mal angeschlossen und bin am Samstag mit ihr da hingetuckert. Habe ich mir auch ehrlich verdient, nach dieser Woche – ich habe nicht mehr mitgezählt, wie viel Unterricht ich gegeben habe, ich weiß nur, dass ich inzwischen Expertin in Sachen spontan-mir-irgendwas-ausdenken-damit-die-Schüler-beschäftigt-sind-und-am-besten-noch-Deutsch-lernen bin. Auf der anderen Seite durfte ich dank meiner Unabhängigkeit vom Lehrplan meine kreative Seite mal ein bisschen ausleben und habe den Schülern Peter Fox, Fußball in Deutschland und Lola rennt nahe gebracht, was mir selber glaube ich noch mehr Spaß gemacht hat als den Schülern (Wer brauch Hörverständnisaufgaben zu „Stadtaffe“, „Glücklich“ oder „Fußball ist immer noch wichtig“? Ich habe auch spanische Übersetzungen zu sämtlichen umgangssprachlichen Ausdrücken).

Ich möchte lieber über das Wochenende schreiben, das war nämlich doch spannender. Tratsächlich ist das Wetter momentan genial (also verhältnismäßig. Ich möchte mich hier nicht mit meinen Kollegenen in der Karibik vergleichen, aber im Gegensatz zu letzter Woche sind 17°C und strahlender Sonnenschein einfach herausragend), sodass wir Samstag frohen Mutes um 8 Uhr den Bus nach Cochamó bestiegen haben, um um 10.30Uhr unsere Reittour im Campo Aventura anzutreten. Ich hatte mich, als ich meine Einsatzstelle erfahren habe, auch ziemlich darauf gefreut, hier mal klettern zu gehen und schon mit diversen lokalen Kletterern Kontakt aufgenommen, aber wie das Leben so spielt ist mein Knie dann immer noch dagegen. Aber man kann hier auch unheimlich viele andere Sachen machen, unter anderem halt Ein- bis Neuntagestrips auf einem dicken Pferd.

Schon alleine der Weg zum Campo Aventura versprach schon einiges an Abenteuer (wilde Hängebrücke über wildes Wasser), als wir dann ankamen und unseren Gaucho Francisco sahen war man dann auch direkt in seinem Stereotypendenken: Sombrero und Poncho, braungebrannt, halblange Haare, sprach nur Spanisch. Wir haben erst mal Kaffee und selbstgebackene Kekse bekommen, dann wurden wir mit den Pferden bekannt gemacht und mir wurde erklärt, wie das eigentlich geht. Reiten hier ist ein wenig entspannter als in Deutschland, so hält man die Zügel nur in einer Hand und die Pferde reagieren recht schnell auf Bewegungen und Druck von den Beinen. Nicht, dass ich so viel Ahnung von Reiten in Deutschland hätte, meine Vorerfahrungen beschränken sich auf Ponyreiten auf dem Jahrmarkt. Nevertheless, ich hatte viel Spaß – man nimmt die Landschaft um sich herum doch anders wahr, wenn man nicht selber laufen muss. Auch wenn mein Hintern am Ende ziemlich weh tat, und der Muskelkater am nächsten Tag sich einmal durch den ganzen Rücken zog. Was spannend war, war der Teil im Wald, wo wir tatsächlich Flüsse durchkreuzt haben und Schlammberge hochgeklettert sind. Beim Runterreiten hatte ich doch teilweise ein bisschen Panik. Mein Pferd hatte dazu noch eine gewisse Abneigung gegen Wasser, sodass man ihm immer noch einmal nett (oder weniger nett) sagen musste, dass es doch bitter weitergehen sollte, sobald ein Fluss oder Schlammpfützen auftraten. Allgemein war es aber natürlich das beste Pferd der Welt, schließlich hat es mich sicher wieder nach Hause getragen, ohne, dass ich gefallen wäre oder sonstigen Schaden davon getragen hätte.

Wieder im Campo haben wir die indische Besitzerin kennen gelernt, selbstgebackenen Kuchen gegessen, uns mit sämtlichen Farmtieren bekannt gemacht und sind dann schließlich wieder nach Puerto Varas zurück getuckert. Da waren wir dann mit Sasha, meiner einen amerikanischen Mitbewohnerin, die letzte Woche einfach mal so aus dem Nichts aufgetaucht ist, Pichanga essen (das wird bei mir grad recht regelmäßig) und die Nacht habe ich herausragend geschlafen.

War auch wichtig, am nächsten Tag war auch KUCHENDAY! Oder so. In Ensenada gab es die Fería de Murta, das ist eine lokale Frucht (siehe hier),deren Existenz einmal im Jahr an einem Wochenende mit dem Verkauf von viel Kuchen, Eis, Marmelade und was man noch so alles aus Murta herstellen kann, gefeiert wird. Dazu kam noch eine Band von halbwüchsigen Jungs, deren Hüftschwung es noch ein wenig an Übung fehlt, der aber definitiv zu dem Charme ihres eher unbeholfenen Auftritts beigetragen hat. Da das Wetter so schön war, sind wir vorher noch zu den Saltos de Petrohue gefahren (Wasserfälle) und dort ein wenig herumgewandert, und haben am Ende am Strand des Sees gegessen. Fast wie Sommer, wenn man davon absieht, dass es nachts immer noch richtig kalt wird. Aber immerhin wird jetzt geheizt. Meistens zumindest.

Hat jemand von euch den Weg gesehen? – Abenteuer Bariloche, diesmal richtig

Der Plan: 2 Freiwillige aus Chile (Rebecca D. und Sonja L.) wollen die argentinische Grenze mit der legendären Cruce Andino (Schiff, Bus, Schiff, Bus, Schiff, Bus… für die Abwechselung) überqueren, dort auf den Freiwilligen der 1. Generation, Timon T. treffen und mit ihm den Gipfel des Trenadors erstürmen.

Die Realität: Sah auch ungefähr so aus. Nur mit einigen Schwierigkeiten.

Freitag, 2. April, 8.00

Stehen  an dem mit dem Taxi verabredeten Ort an der Straße. Kein Taxi. 15 Minuten bis Abfahrt des Busses der Cruce Andino, die uns jeweils 170€ gekostet hat.

8.05 Das andere Taxiunternehmen sagt, halbe Stunde, bis ein Taxi kommt. Nummer auf Voucher funktioniert nicht, erreichen Touristour nicht. Hm.

8.10 Laufe zurück zum Haus (ca. 5 Min) um Nummer aus dem Internet zu suchen. Funktioniert nicht. Leichte Panik steigt auf.

8.25 Finden heraus, dass man eine Null vorwählen muss. Ah. Dame an Telefon sagt, der Bus sei schon abgefahren und könnte uns auch nicht an der Stelle abholen, an der wir ständen. Wir müssten gucken, wie wir nach Petrohue kommen würden, da würde das Boot dann abfahren. In dem Moment passiert uns der Bus mit fett Turistour und „Cruce Andino“ aufgedruckt. Erzähle das leicht aufgebracht der Dame am Telefon (die zum Glück Englisch spricht), die sagt, wir sollten uns in 2 Minuten am Colegio Aleman einfinden, da würde uns ein anderer Bus abholen. Leider sind es zu Fuß zehn Minuten zum Colegio Aleman.

8.27 Bus nach Petrohue kommt auf uns zu. Halten den an, steigen ein, bezahlen lieber CH$2000 als zu riskieren, 170€ in den Sand zu setzen.

9.15 Sind schon in Ensenada, von hier aus nur noch 15km nach Petrohue. Jetzt kann ja nichts mehr schief gehen, das Schiff fährt um 10.30 ab.

9.30 Haben für die letzten 300m circa 10 Minuten gebraucht, da der Weg sich in Sand verwandelt hat. Hm. Landschaftlich herausragend, müssen noch mal wiederkommen.

9.45 Petrohue erreicht. Whoo-Peeh.

10.00 Mann auf Schiff leicht verwirrt, warum wir nicht mit dem anderen Bus gekommen sind. Hat auch nicht unsere Tickets. Klärt sich aber alles, wir dürfen mitfahren.

10.30-12.30 See. Insel. Vulkan. Insel. MEHR VULKAN. See.

12.30 Ankunft in Puella, wo wir knapp 3 Stunden Aufenthalt haben. Entscheiden uns gegen Actionaufenthalt mit Canopying und für entspannten Aufenthalt mit nicht so überteuert wie gedacht aber trotzdem teuerem Essen. Freunde mich beim Spaziergang mit sämtlichen Katzen der Insel an.

15.30 Weiterfahrt nach … irgendwo hin. Grenzpassierung problemlos. Ansonsten besteht die restliche Überfahrt aus Seen, Bergen, Vulkanen, Wäldern, Schiffen, Bussen.

20.00 Ankunft in Bariloche. Stellen fest, dass unsere Handys nicht funktionieren und wir Timon nicht kontaktieren können. Außerdem ist die Betreuerin der Cruce schockiert, dass wir kein Hotel haben, bei dem sie uns absetzen kann. Sind dann doch eher ungewöhnliche Passagiere.

20.45 Finden ein Locotorio, von dem aus wir Timon erreichen. Der hat am falschen Terminal auf uns gewartet und befindet sich auf dem Heimweg. Verabreden uns für eine halbe Stunde später. Schauen uns so lange Bariloche an. Fazit: Schokolade, Eis, Schokolade, Schokolade, Schokolade, Eis. Herzchenfenster.

21.30 Finden Timon, finden offenen Supermarkt mit Essen, finden ein Taxi für den Heimweg, pure Glückseeligkeit.

Samstag, 3. April 2010

7.00 Stehen gerade auf, als Timon klopft (wohnen in der Wohnung von Lotte, die grad nicht da ist). Pünktlicher Mensch. Zumindest heute.

8.30 Abfahrt zur Pampa Linda, von wo aus unser Trip losgeht.

11.30 Beginn Wanderung, alle noch guter Dinge. Begegnen auf dem Weg circa 5 Gruppen argentinischer Irgendetwas (können so schnell die Mützen nicht lesen). Überlegen, ob die mit dem Hubschrauber, der ständig über uns kreist, hochgebracht werden und jetzt das Bergrunterlaufen lernen müssen (werde diese These infolge des Muskelkaters, den ich mir beim Abstieg zugezogen habe noch einmal in ernsthafte Erwägung ziehen).

13.30 Stellen fest, dass wir anstelle des leichten Wanderwegs Teile des Weges für Autos gegangen sind, der mehr Strecke beinhaltet.

14.30 Beginn Caracoles (sehr steile, kleine Kurven zum hochlaufen). Möchte sterben.

15.00 Fin Caracoles. Habe das Gefühl, drei Stunden da hochgekrochen zu sein.

16.00 Betreten ein Geröllfeld. Weg ist ab hier nicht mehr wirklich erkennbar, orientieren uns an den weiß-roten Punkten, die eigentlich Gelb sein sollten. Weg nach einer Weile wieder erkennbar, führt aber circa 30cm neben einem circa 500m tiefen Abgrund entlang. Endlich Abenteuer.

16.30 Treffen andere Menschen, die auf dem Rückweg sind. Wie auch immer die das bis zur Pampa Linda (nächster Schlafplatz) schaffen wollen, bis die Sonne untergeht. Fragen, wie weit noch bis zum Refugio. Halbe Stunde. Sind also auf dem richtigen Weg.

17.00 Immer noch kein Refugio in Sicht. Dafür muss sich Timon, der seine Erkältung unterschätzt hat, alle paarhundert Meter hinsetzen.

17.30 Ankunft. Habe noch nie ein Haus so heimelig gefunden. Refugio steht direkt neben dem Gletscher, was ziemlich cool ist, im wahrsten Sinne des Wortes. Setzen uns erst einmal hin und beschließen, uns nie wieder zu bewegen.

18.00 Schaffen es, essen warm zu machen (noch nie haben Nudeln so gut geschmeckt). Liefern uns ein Kochduell mit Sandy, einer Amerikanerin, die 1.5 Stunden vor uns angekommen ist (bei gleicher Startzeit). Und alleine den Berg hoch. Verrückte Menschen gibt es. Stellen beim Blick aus dem Fenster fest, dass es noch verrücktere Menschen gibt, die im Zelt direkt neben dem Gletscher schlafen.

19.30 Normalerweise darf man nicht vor 20 Uhr hoch in die Schlafstätten. Timon scheint mit seiner auf dem Tisch schlaf-Aktion aber so viel Eindruck hinterlassen zu haben, dass er jetzt schon darf. Klingt, als würde er in zehn Minuten sterben. Wir beschließen noch ein wenig in der gemütlichen, mit einem Ofen beheizten Bar zu bleiben.

20.00 Freunden uns mit ein paar Argentiniern an, die ihren Wein großzügig mit uns teilen, und versuchen auf Spanglish über kulturelle Unterschiede zu kommunizieren. Scheitert an den unzureichenden Sprachkenntnissen beider Seiten.

21.00 Als der eine Argentinier bei einem Foto darauf besteht, mich zu küssen, beschließe ich, dass es Zeit ist, ins Bett zu gehen.

21.02 Gucke mit Rebecca noch mal romantisch Sterne. Macht doch einen Unterschied, ob man in einer Stadt ist oder im nichts.

21.10 Umziehen wäre zu viel verlangt, die anderen werden morgen genauso riechen wie ich.

Sonntag, 4. April 2010 (Ostersonntag)

08.30 Alle anderen stehen langsam auf, ich auch. Zu hell, zu viel Lärm, muss auf Toilette.

09.00 Frühstück ist super. Dulce de Leche, mehr Dulce de Leche, mehr Dulce de Leche. Mhhh. Und sogar richtiger Kaffee. Timon ersteht von den Toten wieder auf, kann aber nicht sprechen, bis eine Schweizerin ihm Hammerschmerzmittel gibt.Danach ist er wieder top-fit. Ich frage mich, was da drin war.

10.30 Begeben uns zum Gletscher. Meine Kamera fällt aus, die mag die extra 3 Meter Höhe dann wohl doch nicht.

11.30 Abstieg. Begegnen nach ca. einer halben Stunde zwei Menschen, die behaupten, vor zwei Stunden von der Pampa Linda aufgebrochen zu sein. Glaube ihnen nicht, das würde mein Weltbild zerstören und vor allem mein Selbstbewusstsein (zur Erinnerung: haben selber 6 Stunden gebraucht).

13.30 Caracoles sind runter fast noch schlimmer als hoch. Hallo Muskelkater.

15.45 Kommen circa eine Stunde vor Abfahrt an der Pampa Linda an und setzen uns noch ein wenig in die Sonne. Mhhh. Sonne.Wettertechnisch war das Wochenende zumindest nicht zu überbieten.

17.00 Abfahrt. Fünf Leute müssen dagelassen und später geholt werden, weil der Bus zu klein ist. Wir sind es nicht. Busfahrer findet Kurven wohl nur spannend, wenn er sich so richtig reinlegt. Timon schläft erst neben uns, dann kommt ein „Wenn der so weiter macht, übergeb ich mich gleich.“ Suche vorsichtshalber nach einer Plastiktüte, habe aber keine dabei.

18.00 Wechseln den Bus, damit der andere die 5 zurück gebliebenen holen kann. Yay. Viel langsamer geht es jetzt nach unten.

21.00 Steak. Muss ich noch mehr sagen? Ich bin in Argentinien. Übrigens ist jetzt auch Lotte dabei, die aus Buenos Aires zurück gekehrt ist. Yay.Vorher übrigens noch geduscht, traumhaft. Ich rieche wieder gut.

23.00 Schlafen. Diesmal richtig.

Montag, 5. April 2010

08.00  Aufstehen, Frühstück (Bananenmilchshake!) in die Stadt, Bustickets und Schokolade kaufen.

10.00 Schokolade haben wir. Bustickets kann man nur am Busbahnhof kaufen, der 10-15 Minuten vom Zentrum entfernt liegt. Doof. Holen uns lieber erst mal Eis.

11.00 Auf zum Busbahnhof. Bekommen noch ein Ticket, setzen uns mit dem Sandwich etwas weniger idyllisch an die als Müllhalde missbrauchten Bahnschienen in die Sonne. Rebecca überlegt laut, ob sie dem armen weißen Straßenhund ihren Schinken dalassen soll (eigentlich Vegeratierin, wobei das hier doch zwangsweise leidet). Der hat das garantiert gehört und lässt uns nicht mehr in Ruhe.

12.00 Abfahrt. Betreibe interkulturelle Kommunikation mit dem Kind vor mir, indem wir uns gegenseitig die Zunge rausstrecken, „Hola“ zuschreien oder gemeinsam Musik auf der Scheibe und dem Sitz machen. Tauschen gegenseitig die Kekse, die wir als Verpflegung bekommen haben (neben dem Tee im Glas mit Strohhalm….). Muss dann erschrocken die Transformation des Kindes in ein Llama beobachten, während es sich vorbeugt und auf meinen Rucksack spuckt. Soviel andere Kultur muss ich dann doch nicht haben und mag das Kind ab jetzt nicht mehr.

14.00 Grenzübergang Chile. Werden zur Seite genommen und in ein anderes Gebäude gebracht, wo wir zu unserem offiziellen Status in Chile befragt werden, weil wir ein langfristiges Visum haben, aber noch keinen Pass. Löst sich zum Glück auf, sind im System gespeichert, sogar mit Foto. Puh.

14.30 Weiterfahrt. Der Rest verläuft ereignislos, bin um 17 Uhr rechtzeitig zu Hause, um vor dem Abendessen noch zu duschen und Schokoosterhasen zu verteilen.

Und zu guter Letzt: ein Stücken Heimat 😉

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