Tag 3 – Plötzlich volles Haus hier

Dobry wieczór meine Freunde,

tag 3 ist angebrochen und obwohl ich erst so kurz hier bin kann ich sagen das war der beste Tag bis jetzt!

Erster Schultag

Heute sollte mein erster Schultag sein, ich war sehr gespannt.
Aber nix früh aufstehen sondern meine liebe Anna, die ich beim Deutschunterricht begleiten sollte, hat freitags nur zwei Stunden. und zwar von 12 bis 14:30…
Das soll jetzt nicht enttäuscht klingen, immerhin darf ich ausschlafen, yay.

Also wieder ein bisschen Morgensport – diesmal joggen und ein bisschen auf Entdeckungstour in Końskie gehen (btw: immer wenn ich wo neu bin nutz ich den morgendlichen Run um mir den Ort anzugucken und mir meine persönlich super optimierte Route zurechtzulegen) – duschen und mir ein absolut deliziöses Frühstück machen.

Ich habe hier im Supermarkt so getrocknete Reisflocken gefunden, die man so ähnlich wie Porridge im Topf mit Milch kocht, das hab ich also gleich mal ausprobiert und ich kann’s nur empfehlen, das schmeckt einfach Hammer. Wenn man kein Zucker dazu tut isses zwar null süß aber da kommt die reife Banane ins Spiel, schön zermantscht damit die Brei-Konstistenz nicht verloren geht.
Okay jetzt kam wieder der Fitness Coach in mir hervor, genug über’s Essen.

Dann ging’s also um 12 zur Schule. Es waren gefühlte minus 20 grad draußen. Aber ich wohne nur 10 Minuten zu Fuß von Stadnicka Wola Grundschule entfernt – ein Kinderspiel.

Zuerst eine kleine Tour durch die Schule bekommen und jetzt schon an tausend lächelnden Kindergesichtern vorbeigekommen. Das macht mich happy 🙂

[edit: in de ersten Stunden sollten die Schüler mich erstmal kennenlernen und durften mir alle Fragen, die sie hatten, stellen]

Aber das sollte nicht alles sein, denn die erste Stunde war bei einer wirklich neugierigen super lieben vierten Klasse, die zwar nur zwei Sätze Deutsch konnten dafür zehn mal so motiviert waren darin mir unendlich Fragen zuzurufen. Durfte dann auch so Fragen hören wie „Hast du einen Freund“ oder „stehst du auch auf jüngere Jungs“ … da hatte sich doch ein kleiner Neunjähriger in mich verguckt… oder er wollte nur ein bisschen Aufmerksamkeit.

Either way… ich habe die Viertklässler direkt in mein Herz geschlossen. Nur die Kommunikation ohne Anna als lebendige Übersetzerin wird etwas schwer.

Weiter zur nächsten Stunde: siebte Klasse, volle Kanne in der Pubertät, jeder muss den Clown spielen. Das kenne ich ja von meinem Bruder (15 Jahre).
Die Klasse war zwar mega laut aber mit der Zeit tauten sogar die Jungs aus der letzten Reihe auf und stellten ein paar Fragen. Ich durfte sogar damit prahlen, dass ich n paar Skate-Tricks kannte, hehe.

War also sehr positiv überrascht von meinem ersten Tag.
Hatte sogar schon ein Treffen nach der Schule mit der Siebten und ein TikTok-Videodreh mit der Vierten (die sind ja alle absolut TikTok-verrückt hier, wurde gleich beide Male direkt anfangs gefragt ob ich denn die süchtig machende App kenne und nutze. Ich bin natürlich schon lange Opfer des neuen Trends…) ausgemacht. Wie schön 🙂

Zurück in ein volles Haus

Ich wurde dann zurück nach Hause chauffiert, und kam an in ein wunderbar riechendes volles Haus. Die Kinder des älteren Ehepaars – die Wilks – bei denen ich lebe waren mit ebenfalls ihren Kindern zu Besuch und würden das ganze Wochenende bleiben. Das macht mich sehr glücklich. Ich liebe so viel Gewusel und Kinder im Haus und OBENDRAUF können zwei der neuen Besucher sogar deutsch. Was ein Glück!
(auch der Wlan-Router wurde endlich gefixt, ich darf jetzt auch mal mein Daten-Roaming ausstellen…)

Ich wurde ganz herzlich mit einem ziemlich leckeren Drei-Gänge-Menü-Mittagessen empfangen. Sofort wusste ich dass dieses Wochenende super wird. Zusammen mit einer Großfamilie essen, das mag ich.
Ich konnte mich auch endlich mal mit Leuten hier im Haus unterhalten.
Und dann waren da noch die zwei absolut süßen Jungs (ich schätz mal so 5 und 7 Jahre alt??) – und wer mich kennt weiß: ich liebe Kinder einfach.
Also ergriff ich gleich meine Chance und startete eine Riesen-Kissenschlacht mit den beiden. Genau das richtige für diese Energieballen.

Und jetzt gleich zu meiner wunderschönen Erkenntnis des Abends: 
Kinder sind einfach Engel. Bei all den Menschen die ich bisher traf gab es kleine Probleme wegen der Sprachbarriere. Erwachsene schaffen es einfach nicht einfache Dinge zu umschreiben. Ganz oft verstand ich ein Wort nicht und mein Gegenüber wusste nicht besser als es ständig zu wiederholen. „Sach mal ich versteh dich nich, kapierst du das nich?“. 
Mit den beiden Jungs war ich gleich auf einer ganz anderen Ebene. Wir verstanden uns durch das Spiel. Wir lachten, machten Bewegungen, stießen Laute aus und hatten echt viel Spaß. Es wurde weder ein Wort Polnisch noch ein Wort Deutsch gesprochen. Und trotzdem wussten wir genau was der andere sagen wollte.

Ebenso später: Wir haben zusammen angefangen zu malen. Zunächst einfach Kritzeleien, Tiere, Muster, ganz besonders oft Spider Man und weitere Superhelden, von denen die Jungs ganz große Fans waren. Dann fing ich an die polnischen Wörter für unsere Kunstwerke zu erfragen und schrieb sie dazu. Dann brachte ich den Jungs die deutschen Wörter dafür bei.
So hab ich an diesem Abend mehr neue Wörter gelernt als die letzten drei Wochen mit meiner Sprach-Lern-App. Kann außerdem schon bis zwölf zählen auf polnisch, hehe.
Alles mithilfe der zwei Jungs. <3

Polnische Straße hier in Konskie – die Polen sind übrigens sehr brav im Bezug auf Benutzung der Zebrastreifen

Die Kritzeleien & ich lerne Zahlen auf Polnisch

Die Kritzeleien numero 2 & ich lerne Tiere auf Polnisch

Polnisches Bier – nicht ansatzweise so gut wie bayerisches. Aber dafür der Beeren-Vodka den’s gab. Konnte man sogar pur trinken.

Also Fazit:
Man merkt einfach so sehr wie wichtig die Großfamilie hier ist. Allein, dass man  einfach so über’s Wochenende zusammen kommt und zusammen isst und quatscht. Die ganze Stimmung ist einfach wunderschön. Ich hab mich echt Teil davon gefühlt und wünschte ich wär’s wirklich.

Es war ein sehr bereichernder Abend.

Und damit dobranoc! meine Freunde.

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