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Tag 134 – Perle

Sechs Uhr dreißig. So früh klingelt heute mein Wecker, bzw. alle drei. Doch wer was erleben will, muss leiden – und ich will heute etwas erleben! Also rein in die Klamotten und raus auf die Straße. Eine kurze Stressphase beim Suchen der richtigen Straßenbahnhaltestelle und dann noch ein zweites Mal auf der Suche nach dem richtigen Bus. An einer vielversprechend aussehenden Menschenansammlung frage ich einen Mann: „Fährt hier der Bus nach Varaždin?“, und werde geholfen. Nicht nur dass er mir die Haltestelle zeigt, nein, er passt auch genau auf, dass ich in den richtigen Bus einsteige und einmal in Varaždin angekommen auch wieder aus. Ein Hoch auf die kroatische Freundlichkeit! Beim Einsteigen fällt mir auf, dass der Bus über Bjelovar fährt, das Städtchen in dem Arne wohnt. Als wir dann aber tatsächlich durchfahren, bin ich schon längst eingedöst.*

Dafür habe ich allerdings Varaždin gesehen. Und zwar ganze zehn Stunden! In Deutschland kennt Varaždin kein Mensch. Oder höchstens aus der Operette „Gräfin Mariza“ (und das sind auch nur die Klugscheißer). Höchste Zeit, dass sich das ändert! Denn wer Varaždins Altstadt betritt, kann nicht anders, als sich wohlzufühlen: Kleine, pastellfarbene Häuschen mit stuckverzierten Fassaden in (zumindest heute) sonnendurchfluteten Gassen, ab und zu ein Platz voller Kaffeetrinker und überall Kirchen jeder pastellcoleur. Meine Füße tragen mich zuerst zum Rathaus (einem der ältesten Europas), dann zum Grünmarkt. Liebevoll liegt dort das Gemüse aufgereiht. Und den Kava gibt es schon für vier Kuna (50 Cent)! Anstelle von Essen und Trinken zieht es mich allerdings in den Second Hand Shop an der Ecke gegenüber. Ein Pulli später schlender ich wieder durch die Straßen und lande schließlich beim Varaždiner Schloss. Was für eine Perle!

Ich umrunde es auf dem Damm und werfe einen schnellen Blick in den Hof, dann ist es auch schon an der Zeit mich mit Birgit zu treffen.
Birgit ist auch bei der ZfA und war Teil unserer glorreichen Weinwanderung an meinem allerersten Wochenende in Kroatien. Und heute hat sie mich zum Mittagessen eingeladen. Auf dem Weg zu ihr halten wir noch einmal beim Markt, dann wird geschnippelt und gekocht. Kurz darauf blubbert die Bolo in ihrem Topf und wir schlagen uns die Bäuche voll. Abgerundet wird das Ganze durch Torte von Varaždins bester Konditorei, einer Tasse Kaffee und einem Gespräch über Camus, Karriere und Kroatien. Gestärkt und mit voll geladenen Akku geht es für mich schließlich zurück auf das sonnige Pflaster – Kirchhopping ist angesagt!

Eigentlich wollte ich auch in das ein oder andere Museum hineinschauen, aber die haben leider zu. Nun ja, das Wetter wäre sowieso zu gut, um es irgendwo drinnen zu vertun.

Am Ende lande ich wieder auf der kleinen Anhöhe beim Schloss. Ein guter Platz um diese Zeilen zu tippen und ein Buch zu lesen. Wie zur Bestätigung fliegt mir ein Marienkäfer an die Stirn. Ein Paragleiter segelt über das Schloss und ein älterer Herr macht Fotos vom Sonnenuntergang.

Als die Sonne verschwunden ist, laufe ich zum Second Hand Laden Nr. 2. Varaždin – ich kann es jedem nur empfehlen!

Übrigens: Am Schönsten soll es hier Ende August sein, wenn das traditionelle, zehntägige Špancirfest-Festival stattfindet. Der Name kommt von spazieren – denn für das Festival kommen die Leute aus ganz Kroatien angelaufen 😉

 

*Wie sich später herausgestellt hat, ist der Bus gar nicht durch Bjelovar gefahren, sondern durch Belovar (ein Vorort von Zagreb) – puhhh, noch einmal Glück gehabt!

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