Die Schlösser und Burgen Transsilvaniens

Aufgrund aktuell akutem Aufmerksamkeitsdefizit angesichts mehr als achtstündiger Anfahrt über Nacht durch deutlich mehr als das halbe Land gibt es diese Woche keinen geschriebenen Beitrag. Hier stattdessen nur ein paar Bilder von einigen von den unzähligen Burgen und Schlössern Transsilvaniens (noch war ich zu dickköpfig um meinen Wochenrhythmus aufzugeben):

Schloss Peleș in Sinaia:

Festung Făgăraș:

Festung Câlnic (sogar UNESCO-Weltkulturerbe):

Burg Corvinilor in Hunedoara:

Nächste Woche gibt es dann wieder schriftliche Ergüsse meinerseits – dann erspare ich euch alle angehäuften Alliterationen wieder.

Die Erklimmung des Roten Berges

Fynn² sind mit dem Auto unterwegs. Was? 

Ich, Fynn, den Namen solltet ihr euch mittlerweile gemerkt haben, bin mit einem anderen Fynn, auch kulturweit-Freiwilliger aus Bukarest und stolzer Besitzer eines Führerscheins, über ein langes Wochenende unterwegs. In einem rumänischen Mietwagen (Dacia sollte den meisten etwas sagen) machen wir uns auf den Weg raus aus der Walachei und Bukarest in das zentral gelegene Transsilvanien, um in Deva den Geburtstag einer anderen Freiwilligen zu feiern. Schlafen tun wir in den Karpaten im Auto bei knapp über 0° Celsius (es dauert Stunden die beschlagenen Fenster frei zu kriegen) und bei einem Bekannten (dem großen Netz der Freiwilligen in Rumänien sei Dank). 

Nette Aussicht am Schlafplatz in den Karpaten

Den Ort, dem dieser Blogeintrag gewidmet ist, erreichen wir nach einer hastigen Fahrt über einen Feldweg, wir wollen das schwindende Tageslicht ausnutzen, auf Tipp des in Sebeș lebenden Freiwilligen: den Râpa Roșie, den Roten Berg. 

Nachdem wir das Auto auf einem Parkplatz am Ende des Feldwegs neben dem einzigen anderen Auto abgestellt haben (es wird auf Schildern gemahnt, die Autos abzuschließen) sehen wir erstmal nicht viel. Hinter einigen Bäumen und Gestrüpp leuchtet es jedoch vielversprechend und man sieht die oberen Ansätze des außergewöhnlichen Abhangs des “Roten Berges”. Das genügt uns dreien natürlich nicht und wir stürzen uns in das Gestrüpp, einem schlecht zu erkennenden Pfad folgend. Es geht ein paar mal steil auf- und abwärts, der Boden ist lehmig und noch sehr nass und rutschig, bis es irgendwann nur noch bergauf geht und man mit immer besseren Blicken durch das Gestrüpp hindurch auf den Berg belohnt wird. 

Noch lässt sich nicht so viel erahnen

Irgendwann lichten sich die Büsche und man kann den Râpa Roșie immer besser erkennen: Viel mehr als ein Berg ist es eigentlich eher der Abhang eines steilen Hügels, der allerdings beeindruckende Formationen und Farben aufweist. Ein bröckeliger Pfad führt uns immer höher, trotz neben uns steil abfallendem Gelände lassen wir die durch stundenlanges Autofahren aufgestaute Energie durch teilweise waghalsiges den-Berg-hochrennen raus. Und der Aufstieg lohnt sich: Als eine Mischung aus Marslandschaft und Grand Canyon präsentiert sich der Rote Berg im Abendlicht von seiner besten Seite und macht seinem Namen alle Ehre. 

Nach etwas schwitzen folgt die Belohnung
Zwischen Mars und Grand Canyon

An den mutmaßlichen Besitzerinnen des anderen Autos vorbei (zwei posierende Instagram-Fotos schießende junge Frauen) erklimmen wir den steilen letzten Teil des Abhangs und stehen sozusagen genau über dem “roten” Teil des Roten Berges. Das Tageslicht schwindet und wir können in der Ferne Sebeș mit seinen großen Industriegebieten und nach und nach erglimmenden Lichtern erkennen. 

Das letzte Sonnenlicht
Und die beeindruckende Kulisse

Wir machen unseren Weg entlang der oberen Kante des Abhangs, die tolle Aussicht immer neben uns, unwissend ob es auf der anderen Seite auch wieder einen Weg runter gibt. Glücklicherweise schaffen wir den Abstieg ohne größere Zwischenfälle (Übermut führte zu Ausrutschen und einem dreckigen Hosenboden) und kriegen noch ein paar andere schöne Perspektiven auf den Berg zu sehen. Nach einem letzten Sprint den letzten Hügel hinunter stehen wir wieder vor dem Auto (es war ganz brav abgeschlossen) und fahren zufrieden zurück nach Sebeș, wo uns noch ein entspannter Abend mit Skat und Bier erwarten sollte. 

Sebeș in der Ferne

Hamburger Regenwetter in București

Eigentlich soll es in diesem kleinen Blog um all jene Orte gehen, denen ich während meines (hoffentlich) sechsmonatigem Lebensabstechers nach Rumänien begegne und die etwas in mir auslösen, mich inspirieren, mir einfach gut gefallen, ich schlicht und einfach mit anderen teilen möchte.

Passend dazu soll dieser erste Eintrag keinem spezifischen Ort gewidmet sein, da ich nun viel zu lange schon über einen möglichst passenden, repräsentativen Ort für diesen ersten Eintrag nachdenke, der natürlich auch noch in Bukarest sein sollte, weil hey, hier wohne ich schließlich jetzt. Umso passender ist dafür der Zeitpunkt um den es gehen soll: Mein erster ganzer Tag in Bukarest, nach einer Nacht, deren Schlaf sich aus einmal vor Erschöpfung um 5 auf dem Bett einnicken, vier Stunden zufriedenstellenden Schlafes in geteiltem Bett und nach der Notaufnahme einer anderen, nächtlich in Bukarest gestrandeten Freiwilligen bloß noch aus herumwälzen bestand.

Und was macht man an so einem Tag Besseres, als sich die neue Stadt, in der man nun ein ganzes halbes Jahr verbringen soll, etwas ausführlicher zu Gemüte zu führen. Natürlich stilecht unter einem wunderbar hamburgerisch grauem, nieseligen Wolkenhimmel. Aber es konnte nicht bei diesem Nieselregen bleiben und schnell steigerte sich die Aktion in ein immer nässeres Kennenlernen der rumänischen Hauptstadt. Das tat aber dem Erkundungswillen von mir und meiner reizenden Begleiterin, der gestrandeten Sachsin und zukünftigen Craiovaerin (bestimmt genau das richtige Wort), kaum Abstrich. Und somit stand der Regen für mich nimmer sinnbildlicher für die Herausforderung, die es definitiv ist, Bukarest kennenzulernen.

Bukarest macht es Mensch nicht immer einfach es schön zu finden

Tritt man aus dem Haus, wohlgemerkt wohne ich ziemlich zentral, 15-20 Minuten Fußweg in die Altstadt und in einem guten Viertel, stechen sofort die Kabel, die scheinbar ausschließlich oberirdisch verlegt werden, ins Auge. Zusammen laufen sie in teilweise riesigen Bündeln an Pfählen, wer da die Übersicht behält, dem gebührt Respekt.

Ein typisches Kabelknäuel

Je mehr wir uns der Innenstadt nähern, rennen wir von Gegensatz zu Gegensatz: Zwischen den notorischen Plattenbauten eines ex-sozialistischen Staates gibt es extrem viele schöne Altbauten (vom kleinen Mietshaus bis zur luxuriösen Villa) voller Stuck und Verzierungen und inklusive bröckelnder und abblätternder Fassade, und immer wieder die modernen Glas-Beton-Riesen einer millionenstarken Hauptstadt. Man merkt der Stadt ihre Geschichte und extremen Narben mehrerer intensiver Weltkriege deutlich an.

Die schönen…
und weniger schönen Ecken Bukarests

 

 

 

 

 

 

 

Überwindet man aber einen letzten 70er Hotelturm steht man vor der pittoresken Universität und Altstadt. Hier sollte nun eigentlich das liegen, was als Kulisse für 90% der Instagram-Posts aus Bukarest dient: Schöne, gut restaurierte Prachtbauten des Jugendstils und der Renaissance, gepflasterte Fußgängerzone, orthodoxe Kirchen mit goldenen Kuppeln und die Restaurants und Cafés mit auch für deutsche Verhältnisse hohem Preisniveau.

Der Universitätsplatz
…und weitere Kuppeln

Davon kriegen meine Begleiterin und ich allerdings nicht mehr übermäßig viel mit, da wir mittlerweile hauptsächlich unter geteiltem Regenschirm von Regenschutz zu Regenschutz laufen. Das intensivere Kennenlernen der Altstadt sollte mir noch für einen sonnenreicheren Tag erspart bleiben. Und so machten wir uns ziemlich schnell wieder auf den Rückweg, trotz des Regens gut gelaunt, allerdings mehr durch interessante Gespräche und das Weglachen der Situation als durch die berauschende erste Dosis Bukarest.