Einsame Maschinen zwischen Bett und Schreibtisch

Dieser Blogeintrag wird etwas ungewöhnlich dafür, dass er eigentlich ein Reiseblog ist. Aber ich finde man muss dieses Thema ansprechen, vor allem weil ich mich als früherer Schüler mit betroffen fühle.

Nicht alle sind privilegiert

„Eine andere Formulierung, die ich fast schon arrogant finde ist ‚doch nach fast einem Jahr digitalen Unterricht sollte jede/r einen Weg gefunden haben, per Video am Unterrichtsgeschehen teilhaben zu können.‘ Damit wird vermittelt, dass jede/r, der/die noch technische Probleme (…) selbst Schuld ist und das ist einfach ignorant. Nur weil wir auf dieser Schule sind heißt das nicht, dass alle gleich privilegiert sind.“ – Schüler:in 1

Es geht um den ständigen Leistungsdruck unter dem viele Schüler in deutschen Schulen in dieser Zeit besonders leiden. Eine Schüler Initiative der Tempelhofer Oberschule in Berlin hat dem Frust, der Panik, dem Leid und der Verunsicherung in einer digitalen Form Luft gemacht. Die Initiatoren hatte den Schüler zwei simple Fragen gestellt. „Wie geht es mir?“ & „Was können Schule, die Lehrer:innnen oder auch wir verändern, damit es uns besser geht?“ Das Padlet (eine digitale Pinnwand) war erst gar nicht öffentlich, doch als die Pinnwand so viele Reaktionen bekam und so viel Verzweiflung beschrieben wurde hat die Berliner Zeitung einen Artikel darüber geschrieben, ihr findet ihn am Ende des Eintrags.

Panik, einfach nur Panik

„Am Anfang macht man einmal keine Aufgaben, weil man sie nicht abschicken muss oder sie nicht verständlich sind. Nach spätestens einer Woche wird plötzlich alles total viel. Man traut sich nicht sich zu melden, man kommt nicht mehr hinterher und bekommt Stress da die Lehrer einem Sagen, dass das so nichts wird mit einem guten Zeugnis. Die Arbeitsmaterialien und Hausaufgaben total durcheinander. Jetzt kommen Arbeiten über den Stoff vom Homeschooling. Panik, einfach nur Panik!“ – Schüler:in 2

Ich habe mein Abitur im Jahr 2019/2020 gemacht und hoffte, dass mein Abitur an die aktuelle Situation angeglichen wird. Es liefen Petitionen und wir schrieben unsere Abiturprüfungen und Klausuren ohne Maske in einem sehr gut belüfteten Raum mit wenig Mitschülern. Trotz der Schwierigkeiten hatten wir eine ausgezeichnete Vorbereitung auf das Abitur und ich bin stolz es geschafft zu haben.

4-5 Kaffees am Tag

„4-5 Kaffees am Tag und abends nicht schlafen können durch Panik, Angst und Herzrasen. Angst haben sich zu „melden“, Angst haben drangenommen zu werden. Unglücklich werden. Keine Zeit mehr haben um über dich selber nachzudenken, glücklich zu sein. Wir müssen funktionieren wie Maschinen. (…) Sind wir eine ganze Generation, die unvorbereitet und ohne Schutz auf eine Schlucht zu laufen.“ – Schüler:in 3

Als ich mich dann dafür entschieden habe ins Ausland zu gehen, dachte ich das wird nicht leicht, neues Leben in einem anderen Land, neue Menschen kennenlernen, neue Freundschaften schaffen, neue Sprachen lernen. Aber ich konnte mir nicht ausmalen, was es für meinen Nachfolger Jahrgang bedeuten muss inmitten einer Pandemie ihr Abi zu schreiben oder sich darauf vorzubereiten, ohne Präsenzunterricht, ohne gute Vorbereitung, sondern mit Videokonferenzen, 5 Tage die Woche und dann noch Hausaufgaben zu machen.

Wozu etwas Ordentliches anziehen?

„Ich habe keine Motivation mehr, mich richtig fertig zu machen und etwas ordentliches anzuziehen. Ich werde sowieso keine Zeit haben, rauszugehen und jemand anderen als meine Eltern zu sehen. (…) Jeder Lehrer meint, frische Luft sei wichtig für unsere Gesundheit aber was sollen wir denn machen ?? Manchmal kommt es mir in den Sinn, das Abi hinzuschmeißen weil ich es aufgrund meiner momentanen Noten eh nicht schaffe.“ – Schüler:in 4

Klar zum Abitur hat man viel zutun und ist gestresst das war ich auch, aber ich hatte zumindest die Möglichkeit am Wochenende feiern zu gehen, ich konnte Freizeit haben, habe Freunde am See getroffen. Das ist für die jetzige Generation einfach nicht möglich. Sie sitzen 24/7 vor dem PC und „lernen“ für ihre Zukunft. Sie können nicht was anderes machen und den einzigen sozialen Kontakt den sie haben unter der Woche ist das kleine Kamera Fenster mit ihren Freunden, die sie seit mindestens 2 Monaten nicht mehr in Person gesehen haben. Jetzt habe ich aufgrund des Artikels nur die Situation der Schüler beschreiben können, ich kann mir aber gut vorstellen, dass die Lehrer genauso gut am Ende sind und nicht mehr den „Distanzunterricht“ bewerkstelligen können. Vor allem wenn man dazu nimmt, dass viele Kulturweit-Freiwillige gerade versuchen als Lehrer in diesen Zeiten zu unterrichten.

Steht wieder auf und kämpft!

„Das ist für viele Jugendliche wahrscheinlich eine der schwersten Zeiten in ihrem Leben und trotzdem bitte ich euch bleibt stark! (…) Jeder darf mal weinen! Jeder darf mal verzweifelt auf dem Bett liegen. Aber steht wieder auf und kämpft.“ – Schüler:in 5

Auch wenn dieser Blog sehr in einer Nische ist und wahrscheinlich nicht wirklich unter die Augen von irgendwelchen offiziellen Personen oder Behörden kommt würde ich mich freuen, wenn die Politik in Deutschland, in Europa oder wo auch immer, Schüler:innen und Lehrer:innen mit in ihre Berechnungen aufnehmen und zeigen, dass es nicht selbstverständlich ist, was sie dort leisten.

Wenn ihr mehr erfahren wollt, hier der Artikel der Berliner Zeitung: https://www.berliner-zeitung.de/lernen-arbeiten/verzweifelte-oberschueler-wie-einsame-maschinen-pendeln-vom-bett-zum-schreibtisch-li.143531

100 Tage Bulgarien & 66 Stunden Rumänien

Es ist schon eine gewisse Zeit her, dass ich den letzten Blogeintrag geschrieben habe.

Es ist viel passiert, wir haben alle zusammen Weihnachten gefeiert und kurz darauf Silvester in einer viel zu kleinen Wohnung für 10 Leute in Bansko.

Bansko von oben.

Bansko ist DER Skifahrtsort in Bulgarien, es gibt schlechte Fußgängerwege, weil dort niemand läuft sondern mit seinem 50.000 Euro teueren SUV durch die Gegend kurvt. Vom Busbahnhof zu unserer Wohnung in einem Aparthotel, mit SPA dauerte es gut 30 Minuten. Auf dem Weg dahin reihten sich Hotels an Hotels, sogar ein Kempinski mit schönen Ausblick war zu erkennen. Nachdem wir eingecheckt sind und die Wohnung in Augenschein genommen haben, hatten wir direkt den Plan wieder abzureisen weil die Wohnung spärlich eingerichtet war und wirklich sehr klein war. Nach einer Runde im SPA hatten wir unsere Meinung geändert und wollten das beste daraus machen. Das hat auch gut funktioniert, wir waren am nächsten morgen auf dem Wichren Berg, einer der höchsten Berge im Nationalpark Pirin. Wir sind mit der Gondel hoch und standen dann in einem Skikessel ohne Skier. Weiter höher ging es nur mit Skiern.

Manchmal vergisst man die Pandemie in Bulgarien..
Manchmal vergisst man die Pandemie in Bulgarien..

Im Wald haben wir nach einer Tortur durch den Tiefschnee ein paar verlassene Bungalows entdeckt und sind auf eine abenteuerliche Erkundungtour gegangen.

Zurück im Aparthotel gab es zu Silvester eine dicke Feier in der 30 Quadratmeter Wohnung. Und schönes Feuerwerk. Am Neujahrstag ging es dann auch wieder zurück und unser Sprachkurs hat am Montag begonnen. Nach einer Intensiv Woche haben wir jetzt jede Woche zwei Einheiten. Es läuft, aber bulgarisch ohne russische Vorkenntnisse ist gar nicht so einfach.

Am Mittwoch wurden wir (Josi, Pius & Ich) nach einem Zoom Meeting zur deutschen Botschaft eingeladen und haben uns dort über die Karrierechancen informiert und konnten beim Bau der neuen Botschaft zusehen. Die Botschaft hat noch Look der DDR, ich habe da leider keine Fotos machen können, weil wir unsere Handys ausmachen und in einen Schrank legen mussten.

Besuch bei der dt. Botschaft, Hr. Kleeve zeigte uns die Botschaft.

Am Wochenende war eigentlich ein Trip mit einem Mietwagen zum Rila Kloster geplant. Das Auto haben wir auch bekommen und sind dann mit guter Musik über die Straßen Bulgariens gebrettert. Leider wurden wir kurz vor unserem Ziel von einem Polizisten aufgehalten, der uns verständlich machte, dass die Zufahrtsstraße für die nächsten 2 Wochen gesperrt war. Er versuchte uns eine Lawine zu verdeutlichen.

Nachdem der Ausflug nach Rila scheiterte ging es nach Stob.

Als die nächste Woche begann war auch schon mein Geburtstag und ich hatte nach einer halben Ewigkeit mal wieder Sushi gegessen. Der Geburtstag war sehr schön und ich habe viele praktische Geschenke bekommen. Die restliche Woche verging wie im Flug und dann saß ich auch schon im Bus nach Russe.

Ab da begann ein kleines Spontan-Abenteuer. Ich wollte mich mit einer Mitfreiwilligen zum Zwischen-Seminar in der Stadt an der Donau und Rumänischen Grenze treffen, jedoch wurden meine Pläne durch eine Behörde durchkreuzt. Sophia musste einen Schrieb abholen und konnte somit nicht wie geplant am Samstag nach Russe. Um trotzdem mit ihr Zeit zu verbringen habe ich mich kurzerhand mit dem Bus auf den Weg nach Bukarest gemacht und bin dann mit dem Zug weiter nach Brasov gefahren. Die Hauptstadt von Rumänien ist sehr groß und prunktvoll hat sehr viele große Plätze und das Parlament in der Mitte ist sehr schwer zu übersehen.

Das „Zentrum“ von Bukarest wo der Busfahrer mich abgesetzt hat.
Die Züge in Rumänien sind sehr schön, aber ähnlich langsam wie in Bulgarien.

Die Züge sehen im vergleich zu Deutschland, alt, aber sehr cool aus und es ist sehr angenehm mit ihnen durch die Gegend zu reisen. In Brasov angekommen habe ich den Sonntag mit einer Wanderung auf die Zinne genossen und am Montag bin ich ins Zwischenseminar gestartet.

Blick von der Zinne, in Brasov (Kronenstadt).

Um das Zwischenseminar nicht zu verpassen haben wir unsere Rückreise nach Russe in die Nacht verlegt, so sind wir am Abend nach Bukarest und am frühen Morgen um 04.30 mit dem Bus wieder nach Bulgarien. Es war eine sehr schnelle Fahrt und die Grenze war sehr schnell passiert, da der Grenzbeamte  mit frischen Brötchen und Kaffee „bestochen“ wurde.

Unser „Bus“ nach Russe.

In Russe fing es dann auch an richtig zu schneien und wir konnten sogar einen Schneemann bauen. Die Donau war nicht weit weg und in den Pausen des Zwischenseminars hatten wir immer einen schönen Spaziergang zur Donau. An einem Tag konnten wir sogar den Sonnenuntergang genießen.

Donau, mit Block auf Rumänien.
Donau, mit Block auf Rumänien.

Zurück nach Sofia hat man wieder gemerkt wie schlecht der Straßenbelag in Bulgarien ist und wie wenig Bulgaren sich darum kümmern eine Maske auf engstem Raum zu tragen. In der Hauptstadt geht es weiter mit der Arbeit und es wird auch langsam wieder wärmer, zum Wochenende erwarten wir 14 Grad.

Bis bald.

 

 

Zwei Monate, ein Blo(ck)g

 

Hallo Zusammen,

zwei Monate ist es nun her, dass Ich in Deutschland meine Koffer gepackt  und mich auf  die Reise nach Haskovo, Bulgarien gemacht habe. In diesen zwei Monaten ist viel passiert und Ich habe ebenso viel erlebt, definitiv zu viel für einen Blogeintrag.

Zum jetzigen Zeitpunkt weiß noch nicht welches Format meine Beiträge hier annehmen und in welcher Regelmäßigkeit sie erscheinen werden, denn für ein „Tagebuch seit Tag eins“ ist die Deadline irgendwie abgelaufen und auch für die „Wochen-Highlights-Haskovos“ bin nach zwei Monaten spät dran. Aber was solls.  Besser spät als nie. Und deswegen gibt es jetzt einen mit Sicherheit unvollständigen Kurzüberblick über die vergangenen zwei Monate, Oktober und November.

Mitte Oktober bin Ich im spätsommerlichen in Haskovo angekommen und habe in anderthalb aufregenden Wochen die Stadt, neues Essen und viele neue Gesichter, Namen und Leute flüchtig kennengelernt. Dann kam ein verlängertes Wochenende in Plovdiv- einer sehr sehenswerten Stadt- und in der, aus der Retrospektive betrachtet, logischen Konsequenzen dieses Wochenendes, ein positiver Covid-19 Test und damit  14 Tage Quarantäne mit Paula und Josi in Sofia, einer genauso sehenswerten Stadt.  Der unfreiwillige Verzicht auf Geschmacks und Geruchssinn durch Covid-19 hat während der Quarantäne und auch darüber hinaus keinen Spaß gemacht, vor allem da beide Sinneswahrnehmungen nur sehr langsam zurückkehrten. Auch keinen Spaß machen die Landesweiten, auch durch Covid-19 bedingten, Schulschließungen, denn Sie machen mich quasi „Arbeitslos“. Ursprünglich war es meine Aufgabe die Deutschlehrerinnen am Fremdsprachengymnasium im Präsenzunterricht unterstützen und mit den Schülern und Schülerinnen die mündliche Kommunikation zu üben. Nun sind die Schulen geschlossen und Ich nehme nur sporadisch am Online-Unterricht teil, weil Ich auf der einen Seite die sich für mich ergebende freie Zeit mit all den Freiheiten die Ich aktuell in Bulgarien noch habe auskosten möchte und auf der anderen Seite, weil Ich finde, dass die Rolle der Freiwilligen an meiner Schule nur mir starken Abstrichen in den Onlineunterricht zu verlegen ist. Ich habe an in Punkt ein kleines Dilemma zwischen „Freiheiten auskosten“ und  „meine Rolle als Freiwilliger ausfüllen“.  Covid-19 wird voraussichtlich mit dem neuen Jahr nicht verschwinden und ebenso wenig mein kleinesDilemma, deswegen gilt es für mich einen Kompromiss zu finden, der beide Aspekte gleichermaßen berücksichtigt. Einfacher gesagt als getan , aber das wird schon!

So wie nämlich alles in Bulgarien irgendwie wird. Nach zwei Monaten Aufenthalt ist folgendes meine Beobachtung: Nicht alles ist so korrekt ordentlich und strukturiert wie in Deutschland, muss es aber auch nicht, denn wie Ich mit meinen eigenen Augen und teils auch unter  Verwunderung und mit Erstaunen feststelle läuft alles, irgendwie.

 

Haide, Ciao!

 

Schnee wie Puderzucker

Ich wache auf. In meinem Zimmer ist es warm wie in einer Sauna, aber ich mag es. Mein erster Griff geht an mein Handy und fast schon automatisch wird die DLF-Audiothek geöffnet.

Piep, Pieeep, Pieeeeep, 8.30 die Nachrichten… 

 

Dann sehe ich es, die Balkone meines Nachbarhauses sind weiß! Als ich aus dem Fenster gucke freue ich mich immer mehr. Es liegt endlich Schnee! Und gar nicht mal so wenig! Ich mache direkt ein Foto und freue mich weiter wie ein kleines Kind. Im Hintergrund läuft weiter mein Morgenprogramm.

Zuerst die Meldungen im einzelnen, Attentat auf Iranischen Atomphysik-Wissenschaftler, Iran schwört auf Rache, Bund plant nationale Gesundheitsreserve…

Während leise die Nachrichten in meinem Kopf ankommen begebe ich mich in Richtung Bad, um mich fertig zu machen. Als ich am Frühstückstisch sitze läuft ein Gespräch mit einem Nahost-Experten der dem Radiomoderatoren die Folgen des Mordes erklärt. Ich verspeise mein Müsli und mache mich auf den Weg ins Goethe Institut. Auf dem Weg mache ich mir den BBC Global News Podcast an.

Hello, this is the global news podcast from the BBC world service, reports and analysis from across the world latest news 7 days a week…

Kleine Schneeflocken spüre ich auf der Nase, es müssen noch -5 Grad sein. Die Busanzeige verrät mir, es sind -7. Ich bin froh so gut von meinen Eltern ausgerüstet worden zu sein. Der Schnee ist eigentlich perfekt für eine Schneeball schlacht nicht zu frisch aber auch nicht zu nass. Leider habe ich dafür keine Zeit. Im Park fahren manche Kinder mit ihren Eltern von kleinen Hügeln Schlitten.

We begin in Iran where a state funeral has taken place. The Nation has honored the prominent nuclear scientist…

Ich bin voll in meinen Gedanken da nimmt mich fast ein Schneeräum-Truck mit. Das letzte Mal als ich so viel Schnee gesehen habe war zwar letzten Winter, aber das war auf 2300 m Höhe zum Skifahren, zählt also nicht. Also das letzte Mal, dass ich so viel Schnee gesehen habe und ich in einer Stadt war, war in Leipzig vor mindestens 7 Jahren. Dementsprechend habe ich mich so sehr über die weiße Überraschung gefreut.

Es ist wirklich kalt gewesen, hat man auf jeden Fall schon am aufsteigenden Atem gemerkt, wenn man durch die Stadt gestreunt ist. Nach der Arbeit im Institut war ich dann noch mit ein paar Freunden auf dem deutschen (!) Weihnachtsmarkt. Es wirklich ein deutscher Weihnachtsmarkt, organisiert von der deutschen Botschaft gibt es so kleine Hütten, wo Punsch, Eierkuchen oder Bratwurst drauf steht. Der Glühwein ist aber leider nur warmer Wein und gar nicht mit richtigem Glühwein vergleichbar.

This was the global news podcast from BBC. Thank you for listening! 

 

3 Tage in Plovdiv und 14 Tage in Birkenstocks

Geheimtipps der Kulturhauptstadt 2019 und zur möglichst effektiven Infizierung mit Corona (Obacht: Ironie)

Die Blätter fallen von den Bäumen, die Mützen sitzen auf den Köpfen und die Sonne geht um sechs Uhr schon unter…na, nach was hört sich das für euch an? Richtig nach Herbstferien! Deshalb packte ich Ende Oktober vorfreudig meinen Rucksack, machte den Kühlschrank leer und sagte Tschüss zu meinem neuen Zuhause. Über die Kulturhauptstadt 2019 Plovdiv, die sich 3h Zugfahrt Süd-Östlich von Sofia befindet, sollte es mit Zwischenhalt in Veliko Tarnovo nach Schumen und danach ans Schwarze Meer gehen. Aber wie sagt man so schön… Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Aber dazu später mehr.

Nach einem für mich typisch bulgarischen Nicken-Kopfschütteln-Desaster fand ich schlussendlich noch einen freien Platz im einigermaßen überfüllten Zug Richtung Plovdiv. Der „Daumen nach oben“ einer Mitpassagierin versicherte mir dann auch, dass ich im richtigen Zug saß. Eine junge Familie bei mir im Abteil war fast noch spannender als mein Buch. Während sie ihrem kleinen Jungen englische Kinderlieder vorspielten, wurden Windeln und Schokoriegelverpackungen einfach aus dem Zugfenster geworfen. Schon wieder winken die Gegensätze. Müll einfach aus dem fahrenden Zug zu werfen, nach dem Motto: „Aus den Händen, aus dem Sinn“, unvorstellbar in meiner Welt. Oder in meiner Blase.

Vor Ort hatten wir eine ziemlich coole Wohnung gemietet (Danke an Elias), die sogar über eine Waschmaschine, einen Staubsauger und überdurchschnittlich viele Ikea Möbel verfügte.

Im Laufe des Abends trudelten dann auch die restlichen Freiwilligen in der gemieteten Wohnung ein. Es fühlt sich immer schon wie eine kleine Familie an, wenn wir alle so am Tisch abends unser Schumensko Bier schlürfen. Umso komischer, dass wir uns alle erst ein paar Male gesehen haben. Nach einer süffigen, durchtanzten und langen Nacht ging es dann am nächsten Tag zur Free Walking Tour Plovdiv. Ein bisschen Kultur muss ja auch sein.  Und Plovdiv ist es allemal wert. Wir waren überrascht von dem westlichen Flair, das in der Innenstadt ausgestrahlt wird. Doch neben einem WMF-Haushaltswarenladen steht dann eine wunderschöne Moschee, deren Mauern von großen Palmen geziert werden und in der Mitte der beiden Welten liegen alte Ausgrabungen eines römischen Stadions.

 

Der 1. Mc Donalds in Bulgarien

Plovdiv ist übrigens eine der ältesten Städte Europas und wird seinem Ruf als Kulturhauptstadt alle mal gerecht. Nachdem wir die Tour alle mehr oder weniger aufmerksam verfolgt haben, ging es über ein Mittagessen in der Stadt auf einen der nahegelegenen 7 Hügel. Auf ihm prangert ein kommunistisches Denkmal. Zufällig konnten wir dort oben noch die untergehende Sonne genießen, Fotos machen und den endlos scheinenden Blick über die Stadt wertschätzen.

Am Sonntag ging es nach einem weiteren netten Abend nach Assenovgrad, einem kleinen Ort mit einer beachtlich gelegenen Burg ca. 30 Minuten Zugfahrt von Plovdiv entfernt. Rechtzeitig zum Zug loszulaufen und sich über Preise und Abfahrtsgleise frühzeitig zu informieren, wäre ja wirklich etwas zu erwachsen gewesen. Dennoch haben wir es dann noch rechtzeitig in den Zug geschafft. Bei strahlendem Sonnenschein ging es dann für uns zu Fuß zum Ausflugsziel.

 

Die Strecke wurde uns – mehr oder weniger verständlich – netterweise von der Dame am Ticketschalter erklärt. Eine gute Stunde und einen schönen Spaziergang später kamen wir jedoch wirklich am Ziel an und verbrachten ein paar schöne Stunden zwischen alten Mauern und wunderschöner Aussicht. Zurück in Plovdiv ging es für einen Teil wieder in die Heimatstädte zurück.

Nele, Paula und Pius wollten erst am Montag nach Sofia und für mich ging es von dort aus weiter nach Veliko Tarnovo. Die Zugfahrt dorthin war gleichermaßen aufregend wie anstrengend. Zu meiner Erleichterung traf ich aber gleich zu Beginn eine Französin, die in Veliko Tarnovo wohnt und auch über das Wochenende in Plovdiv war. Mit ihr ging die Zugfahrt schnell vorbei und wir hatten einige schöne Gespräche. Vom Bahnhof in Tarnovo fand ich dann schlussendlich auch einen richtigen Bus, der mich in Richtung des Hostels gebracht hat. Nach einer kurzen Verzweiflung vor verschlossenen Türen des Hostels lag ich ein Telefonat später aber trotzdem im warmen Bett. Kommunikation und Nachfragen bringt wirklich fast immer Licht ins Dunkel. Das habe ich schon mal gelernt.

Am nächsten Tag stand die zweite Free walking tour in 3 Tagen an. Zusammen mit einer super netten Einheimischen und zwei Rumänen ging es dann, von pessimistischen Nieselregen umgeben, durch die Hauptstadt des 2. Bulgarischen Königreiches.

Die ist wirklich sehr pittoresk, vor Allem wenn ein tiefhängender Nebel die Festung der Stadt mystisch ummantelt und man sich wie in einem Mittelalterfilm fühlt. Mein Mittagsessen bekam ich von sehr netten Gastgebern und vor wunderschöner Aussicht in einem kleinen Lokal serviert. Auch etwas was ich gelernt habe: Alleine Essen zu gehen ist gar nicht so schlimm. Nur ein Bisschen 😉

Nachmittags ging es dann noch auf die besagte Festung, die ich dank des Wetters und der aktuellen Situation fast für mich alleine hatte. Die „Kirche“ hoch oben auf dem Berg wurde in Zeiten des Kommunismus restauriert. Dementsprechend werden alle Erwartungen und Klischees beim Betreten dieses Gebäudes widerlegt. Nichts, was irgendwie an ein Gotteshaus erinnern könnte. Dafür Malereien und eine Stimmung, die mich nachhaltig beeindruckt hat.

Abends wurde dann alles etwas chaotisch: Am Wochenendende haben sich anscheinend Einige von uns mit Covid infiziert, was sich nach einem Schnelltest in Sofia herausstellte. Deshalb ging es am nächsten Morgen für mich nicht weiter Richtung Schwarzes Meer sondern direkt wieder in die Heimat nach Sofia, zum Testlabor und dann in meine Wohnung. Und auch ich war schlussendlich positiv. Zwei Wochen Quarantäne mit Paula und Pius in meiner Wohnung hier lagen vor uns. Meine erste Reaktion war Lachen. Recht surreal schien mir da noch alles. Nach einigen organisatorischen Telefonaten betrachteten wir dann alles etwas nüchterner. Zwei Wochen nicht raus, in Abhängigkeit von anderen leben und natürlich auch noch krank sein. Aus der Retroperspektive vom heutigen Tag 10 haben wir die ersten Tage mit Tee trinken, Husten und Wifi Einrichtungsversuchen verbracht. Die Kochversuche klappten alle so semi, was aber gar nicht so schlimm war, da wir sowieso nichts schmecken. Zu dritt kommen wir aber noch echt gut aus und gesundheitlich sind wir auch alle auf dem Weg der Besserung. Was mich nur stört ist diese ständige Abhängigkeit von Menschen, das Fragen und Bitten und natürlich auch die anhaltende Monotonie des Tages. Direkt nachzufragen lohnt sich aber (habe ich ja schon gelernt), wenn man bis halb 12 schläft, geht der Tag auch schneller vorbei und jede Beschäftigungsmöglichkeit muss vollkommen ausgenutzt werden… Das waren nur einige unserer Erkenntnisse aus der Quarantäne.

So endete eine schöne Reise schließlich in meinen Birkenstocks zu Hause. Eine Wendung, die sich so natürlich niemand gewünscht hat, schlussendlich aber auch keiner richtig beeinflussen kann. Wir sind einfach froh, dass es uns den Umständen entsprechend gut geht und ich noch ein paar Netflix Serien runtergeladen hatte.

Aber muss ja weiter gehen. Noch 5 Tage, Hajde, Hajde.

Josi

 

 

 

 

Plovdiv – die (bisher) schönste Stadt Bulgariens!

Für das dritte (!) Wochenende in Bulgarien haben wir uns wieder fast alle zusammen in Plovdiv verabredet. Da es Halloween war und wir nicht recht wussten, ob die Bulgaren das beliebte Fest voller „Süßes oder Saures“ feiern haben wir uns in der Stadt Plovdiv verabredet, die etwa ca. 3,5 h mit dem Zug von Sofia entfernt ist. Mit dem Bus ist es kürzer, aber ich wollte mal so richtig die Landschaft genießen und einfach mal ein bisschen Abwechslung vom Bus. Leider fuhr mein Zug erst gegen 6 Uhr abends. Hier geht die Sonne durch den Wintereinbruch und der geringeren Entfernung zum Äquator leider schon früher unter. Hieß also ich habe nur das Rosa der Sonne mitbekommen, in welches Sofia mit jedem Abend getränkt wird. Danach ging es auch schon los, der Zug ähnelt einem alten IC, ich schätze es sind keine deutschen Züge, sondern vielleicht Tschechische oder Polnische. Aber auf jeden Fall ähnlich zu den IC Modellen in

Sieht ein bisschen so wie der IC in Deutschland aus.

Deutschland. Der Zug fährt in der Stadt oder in den Vorgebieten ziemlich langsam, maximal 60 km/h. Sobald er es aus allen Vororten rausgeschafft hat legt er richtig los und kommt auf fast das doppelte. Auf der Fahrt spielte ich Karten mit einer Praktikantin aus dem Goethe Institut und ihrem Freund, die beiden hatten uns die Idee für Plovdiv gebracht. Danke an India und Marcel :).  Nachdem ich dann so gegen 9 Uhr in Plovdiv angekommen bin geht es mit einem 20 Minuten Fußmarsch zum Airbnb, wo ich uns eine Unterkunft gemietet hatte. Die anderen sind schon da und erwarten mich. Als ich dann endlich angekommen bin und ich am Frühstückstisch sitze merke ich schon, dass die anderen schon gut dabei sind. Nach einer Stunde kommen Connor und Tom noch vorbei und so sind wir 7 von 8 Kulturweitfreiwilliger in einer Wohnung in Plovdiv. Damit wir unsere Nachbarn nicht stören verlassen wir gegen 12 Uhr nochmal die Wohnung und schauen uns nach einer Feier Möglichkeit um, durch die steigenden Corona Zahlen sind aber alle Clubs geschlossen und nur eine Bar ist offen. Die Bar ist gut gefüllt und zu unserem erstaunen gibt es einen deutschen „Moderator“ auf der Bühne, er hat wahrscheinlich nur das Mikro bekommen, um seinem Freund zum Geburtstag zu gratulieren. Als der „Moderator“ auf Deutsch zu Jubeln beginnt macht der der DJ neben ihm den Hitler Grüß. Ich bin entsetzt, wir alle gucken ihn erschrocken mit großen Augen an. Die restlichen Gäste scheint es nicht zu kümmern, manche von uns gehen nach vorne und versuchen unter der lauten Musik dem DJ klar zu machen, dass sowas total unangebracht ist, ich schätze es war als Witz gemeint, weil er deutsch redete. Aber das ging eindeutig zu weit, überall hier in Bulgarien findet man auf den Straßen Hakenkreuz Graffities und Beschmierungen. Das ist wirklich nicht toll und komplett unnachvollziehbar. Nach einer halben Stunde verlassen wir die Bar und machen uns auf den Weg nach Hause. Gegen 4 Uhr fallen wir ins Bett.

Am nächsten Morgen klingelt unser Wecker schon um 09.30, wir möchten um 11 Uhr bereits in der Innenstadt sein. Bis wir uns aber alle geduscht haben dauert es und deshalb klingelt der Wecker so früh. Auf dem Weg in die Innenstadt holen wir uns alle noch einen Kaffee. Dann kommen wir auch schon in der Innenstadt an und sehen die Leiterin unserer FreeWalkingTour. FreeWalkingTours sind Stadt Sightseeing Touren von Einheimischen, der Eintritt ist zwar frei, aber man gibt meist ein Spendengeld von 2 – 5 Euro. Die Stadt ist sehr schön, es gibt neben dem Stadtzentrum, wo eine der

Ein Blick in das Hipsterviertel.

ältesten Moscheen steht ein kleines Hipster Viertel mit schönen Graffities. Dann geht es einen kleinen Berg hoch, wo man das geschichtliche Stadtzentrum sehen kann. Plovdiv ist für 400.000 Einwohner relativ groß, vom höchsten Berg der Stadt kann man über die Stadt schauen und staunen. Nachdem die Tour vorbei ist suchen wir uns alle etwas zu essen und holen noch ein paar Nachzügler ab, die erst ein paar Stunden später angekommen sind. Nach dem Essen gehen wir erstmal alle nach Hause, um uns etwas zu entspannen.

Hier sieht man das erste McDonalds Geschäft in Bulgarien und ein Einkaufszentrum, welches in der sozialistischen Zeit erbaut wurde, Bulgarien ist wirklich ein Land der Gegensätze.

Es ist Halloween, aber hier wird das nicht so groß geschrieben, keine Kürbise vor den Türen und bis wir wieder auf den Straßen sind keine Kinder, die bei uns klingeln und lautstark mit „süßes oder saures“ auf bulgarisch Süßigkeiten einfordern, als hätten wir welche gehabt, oder hergegeben. Bevor wir alle wieder draußen sind und wir uns fertig machen probiert unser Nachbar seine 7.1 Soundanlage aus und lässt mit seinem Bass unsere leeren Gläser auf dem Tisch klirren. Als wir es dann endlich auch geschafft haben, dass alle fertig geworden sind haben wir uns wieder auf den Weg in die Innenstadt gemacht und haben sogar noch ein paar offene Bars gefunden. Angekommen gab es leckere Drinks und ein paar Tischkicker Runden. Die Bar ist voll und man bekommt kaum noch einen Platz. Wegen der Corona Auflagen schließt die Bar gegen 23.30, wir ziehen also aus dem Laden gegen 23.00 ab und schaffen es  alle nach Hause zu bringen.

Am nächsten Tag geht es nach Assenowgrad, einer kleinen Stadt, mit dem Zug ca. 30 Minuten von Plovdiv entfernt. Der Zug ist einer dieser deutschen Bahn Regionalzüg

Dieser Ausblick ist von den Ruinen auf die Kapelle und auf die schönen Berge, die neben der Festung sind.

e der etwas älteren Generation, dieser ist gut bemalt mit künstlerischen Meisterwerken. Angekommen in Assenowgrad teilt sich die Gruppe wieder, eine geht noch gut frühstücken (meine Gruppe), die andere macht sich zu Fuß auf den Weg in Richtung Berg, wo uns eine Festungsruine erwarten soll. Ungefähr zeitgleich kommen wir auf dem Berg an und genießen alle zusammen die schöne Landschaft und den Ausblick. Das einzig erhaltene Gebäude der Festung ist die Kapelle, wo noch Originale

Die Kapelle in Assenowgrad, noch sehr erhalten.

Wandmalereien zu finden sind, das interessante dabei, es gibt nicht so wie in Deutschland keine Glasscheibe davor oder so. Es ist einfach so ausgestellt, ohne dass die Leute Angst haben, dass es kaputt gehen könnte. Es zeugt eine allgemeine Akzeptanz darüber, dass Gotteshäuser nicht verschandelt werden, ich find das gut. Nachdem wir wieder unten in der Stadt sind, gibt es noch etwas zu trinken und was kleines zu essen und dann geht auch schon mein, Marcel und India’s Bus zurück nach Sofia. Bevor wir in den Bus einsteigen können müssen wir noch in das Ticket Büro, ich habe zwar die Tickets Online gekauft, aber sie müssen trotzdem noch einmal ausgedruckt werden, wenn man dann in den Bus einsteigt behält der Busfahrer einfach das Ticket, komisch aber sonst wäre ich nicht nach Hause gekommen. Als ich dann nach 2,5 Stunden wieder am Busbahnhof in Sofia angekommen bin, gönne ich mir mal ein Taxi nach Hause und siehe da, gar nicht so teuer, gerade mal 4 Leva für meinen Heimweg. Danach geht es noch schnell einkaufen, ein weiterer Vorteil der Großstadt, die Läden haben jeden Tag in der Woche offen.

 

 

 

Oh wie schön ist Bulgarien!

Von meiner neu entfachten Liebe zu Toastern, über die kreativsten Möglichkeiten an WLAN zu gelangen und einem facettenreichen Bulgarien.

Drei Wochen Bulgarien. Drei Wochen, die nicht unterschiedlicher hätten sein können. In meinem süßen kleinen Shumen, (es fühlt sich an wie ein großes Dorf, weil ich immer wieder die selben Menschen auf der Straße treffe) in dem es von M wie Militärschule, über M wie Monument, bis M wie Moschee wirklich alles gibt, fühle ich mich mittlerweile wirklich sehr wohl und heimisch. Das liegt vielleicht auch an: „Mittwoch ist Kehrwoche!“ Fühlt sich an wie zuhause… In der ersten Woche habe ich mich hier eingelebt und keinen persönlichen Kontakt zu jemandem aus Deutschland gehabt. In der zweiten Woche dafür umso mehr. Von absolut alles fremd und neu, zu deutscher Blase in weniger als 8 Tagen. Es fühlt sich an, als ob ich Teil zweier komplett unterschiedlichen Welten bin. Jetzt, in der dritten Woche, nachdem ich mich nach meinem Ausflug nach Sofia und Gabrovo tatsächlich sehr auf meine eigene Wohnung gefreut habe und es war als ob man wirklich nach Hause kommt, bin ich dabei meine Eindrücke zu verarbeiten. Es klingt seltsam aber tatsächlich fällt es sehr schwer sich Zeit zu nehmen um alle neuen Reize zu verarbeiten, da ständig etwas neues passiert. Ich bin also reif für den Wald. Den habe ich nun schon über eine Woche nicht gesehen und fange an, ihn langsam zu vermissen. Generell ist die Natur hier so vielfältig und wunderschön. Auf jeden Fall den ein oder anderen Besuch wert.

Also wenn man hier kein Gesicht erkennt…

Im Moment sitze ich im Lehrerzimmer der Deutschlehrerinnen an meiner Schule und arbeite an ein paar Projekten und Aufgaben, die ich meinen Schülern geben möchte. Warum ich hier sitze? Nun hier gibt es WLAN! Ein wirklicher Unterschied zu jeder Schule in Deutschland auf der ich war. Eine andere Möglichkeit an WLAN zu kommen sind übrigens die Busse hier. Nachdem Josi und ich auf einer dreistündigen Fahrt noch darüber gescherzt haben, dass auf dem Bus „freewifi“ steht und wir später von Elias aufgeklärt wurden, dass es tatsächlich WLAN gibt, freue ich mich jetzt schon auf die nächste Fahrt.

Der Kontrast zwischen meinem Leben alleine hier in Shumen, meiner Arbeit und den Ausflügen mit den anderen Freiwilligen muss ich wirklich erst in mir zu einem Bulgarien verbinden. Die erste Verbindung zwischen diesen zwei Welten stellt mein neu erworbener Toaster dar. Ich möchte nicht angeben, aber ich habe mich mindestens genauso schnell für einen entschieden wie Josi. Allerdings muss ich dazu sagen, dass es in meinem Laden auch nur ein Modell gab.

So, jedenfalls bin ich im Moment sehr viel beschäftigt. Die Lehrer wurden auch erst einen Tag vorher darüber informiert, dass es jetzt online Unterricht gibt, deshalb ist alles noch ein bisschen chaotisch. Ich freue mich aber schon sehr darauf, besonders mit den 8.Klässlern, die erst seit diesem Jahr deutsch lernen, Projekte zu machen. Es klingt schwieriger als man denkt deutsche Worte zu erklären.

Ich hoffe nach dieser Pause, in der ich meine Gedanken zu Papier gebracht habe, bin ich noch in der Lage ein paar Dinge vorzubereiten und dann wisst ihr ja wo ich zu finden bin:

Von Fremden zu Freunden und von Sofia nach Gabrovo

über neue Freundschaften zu Gemüsehändlern und Freiwiligen und einen Wochenendtrip in die lustigste Stadt Bulgariens 

Während es zu Beginn der zweiten Woche hier auf meinem Esstisch noch so aussah,

fühlte sich in meinem Inneren alles schon etwas geordneter an. So langsam hat man das Metronetz im Kopf, den Weg zum Lidl in der Tasche und einige aufschlussreiche Kilometer durch Sofia in den Beinen.

Genug eingelebt, um endlich meinen ersten Gast zu empfangen. Die liebe Karla kam am Dienstag aus Schumen hierher nach Sofia, um sich von der unendlichen Schönheit Sofias und meiner Wohnung zu überzeugen. Während ich den Tag über in der Schule verbrachte, machte sie sich ein eigenes Bild von der Stadt (nicht wörtlich zu nehmen, Karla ist nämlich zu faul, um Fotos zu machen) und abends zogen wir dann gemeinsam durch die Straßen.

Sofia Richtung Norden
Sofia Richtung Süden
Karla und Josi

Wir haben Lifehacks entdeckt (Joghurt und Wasser ist wie Milch), Secondhandläden besucht und auch lebensnotwendige Dinge wie meinen Toaster gekauft. Wer mich kennt, weis, dass ich kein Freund von schnellen Entscheidungen bin. Wenn man jedoch im Toasterladen steht, auf ein zufälliges Gerät zeigt und dann die sehr professionelle Verkäuferin sagt: „this is the best one“, ich meine was muss man dann noch lange überlegen. Zu meinen neusten Errungenschaften gehören jetzt übrigens auch ein Nudelsieb, eine Wasserfilterkanne (nach dem zweiten Einkauf nun auch mit Filtern) und eine wunderschöne aber eher unpraktische handgetöpferte Schüssel vom Ladies Market.

Ich toaste echt gerne

Bei unserem ersten Schumensko auf dem Balkon wurden wir uns dann aber auch einig, dass Alltag einfach anstrengend ist. Jede kleine Besorgung ist ihr eigenes Abenteuer und wird durch die (immer noch vorhandene) Sprachbarriere nicht gerade erleichtert. Auch das üben von Ja und Nein mit der entsprechenden Bewegung (genau umgekehrt wie in Deutschland) ist mühsam und manchmal auch verwirrend.

Jedoch lohnen sich diese Anstrengungen auch immer öfter. Habe ich mich diese Woche endlich zum Stand meines lokalen Gemüsehändlers getraut und versucht mich mit Bulgarischbrocken durchzukämpfen, hat er mir sofort mit bestem Schulenglisch meinen Beutel mit Leckereien befüllt und diese dann später wiederum auf seiner manuellen Messingschalen-Gewichtswaage abgewogen. Dieses Spiel der Gegensätze, das Sofia hier gerade eindeutig gegen mich gewinnt, ist also noch nicht vorbei. E-Scooter auf alten Ausgrabungsstätten und Pferdekutschen als Fortbewegungsmittel vor meiner Haustüre, diese Bilder sind hier Realität.

Lime trifft auf Stein

Am Freitagnachmittag hieß es dann mal wieder „Hajde, Hajde“ und ein Wochenendtrip nach Gabrovo stand an. Laut internen Informationen ist das die lustigste Stadt Bulgariens. So ganz nebenbei ist sie auch 28 km lang und hatte das erste Mädchengymnasium in ganz Bulgarien. Karla hatte es irgendwie geschafft, Tickets zu kaufen für einen Bus dorthin und einem Treffen mit allen Freiwilligen stand nichts mehr im Weg. 3 Stunden Busfahrt und keine Ticketkontrolle später standen wir dann tatsächlich in der 50.000 – Einwohner Stadt in Zentral Bulgarien. Es war leicht überfordernd, Leute zu begrüßen, die man zwar von zehn Tagen Online Seminar kennt, jedoch noch nie in echt gesehen hat. Aber wenig später saßen wir dann fast vollständig bei Pestonudeln und einer lokalen Bierverkostung in der Wohnung von Tom und Connor, zwei Jungs die dort ihr FöJ machen.

Die Qual der Wahl

Nach wenig Schlaf und vielen Gesprächen ging es am nächsten Tag mit Sergey, der Ansprechperson der Jungs, die, aufgrund ihrer super offenen und netten Art, von uns auch liebevoll Ehrensergey genannt wird, in das Etara Dorf. In diesem Freilichtmuseum etwas außerhalb der Stadt kann man viel über das historische und damals wasserbetriebene Handwerk der lokalen Bulgaren lernen. Man kann aber auch sehr gut das schöne Wetter, die Natur und die Leute erleben. Weniger gut kann man Boza genießen. Dieses beliebte bulgarische Getränk ist wohl nicht nur in Gabrovo nicht ganz nach meinem Geschmack…

schmeckt so semi

Nach einem netten Mittagessen mit Spüli-Limo und Knoblauchbrot ohne Knoblauch ging es dann ohne Sergey aber dafür mit den nachgereisten Pius den Berg hinauf, zum Kloster Sokolski. Mal wieder kamen wir aber mit der bulgarischen Wegbeschreibung nicht zurecht und fanden uns wenig später mitten im Wald, ohne einen blassen Schimmer des Weges, wieder. Man muss aber dazu sagen, dass es ein sehr schöner Wald war. Dieser Faktor und die fehlende Motivation veranlassten uns dazu, einfach weiter querfeldein zu gehen. Wenig später erreichten wir dann aber sogar ein kleines Dorf und wurden von den hiesigen Bauarbeitern auch gleich mit einem: „Look, Beton, Beton“, empfangen.

Der Weg zum Kloster war dann nur noch kurz, die Pause vor Ort ziemlich entspannend und die Atmosphäre wunderbar angenehm.

schöne Kirche
immernoch schöne Kirche
nette Truppe

Nach einem Gruppenfoto und einigen Meinungsverschiedenheiten über den Rückweg, kamen wir dann irgendwann wieder unten an. Mit einem Eis in der Hand gings dann über die Bushaltestelle und einigen Minuten des Wartens wieder zurück in die Stadt. Den Abend ließen wir mit leckerer Linsensuppe, süffigen Bier und einem aufregenden Barbesuch enden. Am letzten Tag/Sonntag/Abreisetag ging es dann über mehrere lustige Zwischenstopps (Frühstück auf dem Billa Parkplatz, Museum des Humors und verpasste Busse) nach Hause. Nach Hause…Also nach Sofia. Klingt verrückt oder?

immernoch nette Truppe

Bis ich diesen Artikel zu Ende verfasst habe, ist schon wieder super viel passiert. Angefangen bei einem nervenaufreibenden Ausflug zu Decathlon bis hin zur Schnäppchenjagd bei Lidl (die Kruscht-Ecke wird mir immer sympatischer!). Aber auch die Ungewissheit, wie es mit der Corona Situation weitergeht hat mich die letzten Tage hier beschäftigt. Die Schüler ab der 8.Klasse müssen wieder ins Homeoffice und die Zahlen steigen stetig an. Ich versuche hier jeden Tag zu genießen und zu hoffen, dass es weiterhin so schön bleibt…

Aber Kopf hoch, muss ja irgendwie weitergehen! Hajde, Hajde

Josi

Eine kleine Weltreise nach Gabrovo

Von Sprüchen wie „Pack ma’s bevor es uns packt!“ (Josi, 24.10.20) bis zu Stau auf der Rückfahrt, hier erfahrt ihr alles von unserer kleinen Weltreise in die bulgarische Mitte, namens Gabrovo.

Am Freitag Nachmittag ging es schon los, ich sagte bei meinen Kollegen im Goethe-Institut bescheid, dass ich etwas früher schluss machen muss, damit ich den Bus nach Gabrovo bekomme. Die Reaktion war gemischt, zwei haben sich gefreut, dass ich mir ein neues Bild von Bulgarien mache, die anderen zwei meinten zu mir, dass die Gabrovos (ich habe keine Ahnung wie die Einwohner aus Gabrovo heißen) sehr speziellen Humor haben, aber darauf komme ich noch später zurück. Wir haben uns also um 15:30 am Busbahnhof in Sofia getroffen und ich habe mich entschlossen bei dem schönen Wetter einfach hinzulaufen, vom Goethe-Institut sind das so ca. 25 min Fußweg. Sobald man aus der Innenstadt  rauskommt und auf den großen Straßen am Fußweg läuft sieht man immer mehr Sinti & Roma, die hier Gypsies genannt werden und immernoch öffentlich von der Gesellschaft diskriminiert werden. Sie tragen schmutzige Kleidung, sitzen auf einem Hausvorsprung und machen schöne Musik, ich pausiere meine Musik und höre ihnen gespannt zu, am Ende werfe ich ihnen 2 Leva (ca. 1 Euro) in ihren Hut und mache mich auf dem Weg zum Bus. Am Busbahnhof angekommen warten schon Josi und Karla auf mich. Nele kommt in wenigen Minuten auch dazu. Wir warten in der warmen Sonne (wohlbemerkt Mitten im Oktober und wir hatten 24 °C) auf den Bus. An unserem Busgleis Nummer 32 kommt ein blauer Bus zum stehen, ein Busfahrer mit der Maske bis zur Nase steigt aus dem Bus und öffnet die Kofferraumklappe, wir können einsteigen. Ich halte noch mein wie ein Kassenbon aussehendes Ticket dem Busfahrer unter die Nase aber der winkt ab und macht mir verständlich einfach einzusteigen. Sonst wird das Ticket auch nicht kontrolliert, es kommt nur eine Frau kurz in den Bus um nachzuzählen, wieviele Leute im Bus sind.

Sobald sich der Bus in Bewegung setzt, ergattern sich manche Fahrgäste leere Sitzreihen und die Sitzsituation wird etwas entspannter. Wir brauchen ungefähr eine halbe Stunde bis wir alle Vororte Sofia’s abgefahren haben und uns auf eine Autobahn begeben. Da Sofia in einem Tal liegt und unser Ziel ca. 150 Kilometer östlich und etwas höher liegt erwarten uns direkt die Berge mit wunderschönen herbstlichen Wäldern. Im Bus dann wird ein bisschen gequatscht, bis wir beide (Nele und Ich) auf den Konsens kommen, dass wir beide von der Woche sehr geschafft sind. Ich wähle mich in das Bus-Wlan ein und genieße Musik aus meinen Kopfhörern, dabei genieße ich draußen die Landschaft. Es gibt noch sehr viele Grüne Bäume aber manche verfärben sich auch schon gelb. Nach einiger Zeit fahren wir durch zwei Tunnel, wovon noch einer gebaut wird und wir wegen der Ampelschaltung kurzzeitig im Stau stehen. Dann fahren wir von der Autobahn ab und begeben uns auf eine Art Landstraße, diese hat deutlich mehr Schlaglöcher und der (deutsche) Bus quietscht und rüttelt immer mehr. Nicht, dass ich Angst hatte, dass er auseinander fallen würde, aber ich hab mich schon gewundert, was denn passieren würde, wenn man mit einem Reisebus mitten in Bulgarien liegen bleibt. Bevor ich mich versah waren wir auch schon bei unserem ersten Stop. In einer kleinen Stadt namens Sevlievo, dort sah man tolle alte Plattenbauten, mit verblätterter Fassade, die in den Landesfarben gestrichen. Der Busbahnhof ist klein und unser Stopp beträgt auch nur 5 Minuten, dann geht es weiter auf die letzten 30 Kilometer Richtung Gabrovo.

3 Priesen wiegen so viel wie ein Ostfriese – Tom, 23.10.20

Angekommen in Gabrovo sehen wir uns Freiwillige (bis auf Pius) zum ersten Mal. Es ist komisch, weil irgendwie kennen wir uns schon, aber irgendwie auch nicht. Wir haben uns alle schon 10 Tage am Stück über Zoom gesehen und viel miteinander gequatscht. Aber uns so in Person zu sehen und zu staunen wie groß oder auch klein manche sind. Als wir dann alle beisammen haben (Paula kam 10 Minuten später als wir an) machten wir uns auf den Weg zur Wohnung von Tom und Connor, die in Gabrovo leben und ihr FÖJ an dem lokalen Nationalpark machen. Auf dem Weg kommen wir an einem Supermarkt vorbei, wo wir uns mit Bier und Wein eindecken, gerade als wir los wollen kommt ein Security Mann aus dem Laden und fragt uns wo wir denn wohnen. Wir sind ganz perplex und geben die Adresse von Tom und Connor durch, er meint okay, dann könnt ihr ja die Flaschen später wieder herbringen. Es gibt also doch ein Pfandsystem, aber ich blicke es noch nicht ganz richtig. Bei Tom und Connor angekommen gab es ersteinmal Nudeln mit Pesto, da Pius noch nicht da war passte auch alles mit den Tellern und Löffeln. Danach gab es noch ein paar Bier und am Ende (um genau zu sein gegen 11 Uhr Nachts) noch Eierkuchen.

Am nächsten Morgen klebte ein Zettel in deutscher Schrift an der Tür, mit dem Hinweis, dass wir wohl zu laut waren und dies nur ein Hinweis war, weil sie wohl bei dem nächsten Mal die Polizei rufen werden. Kurz nachdem wir dann auch aufgestanden waren, stand schon die Ansprechperson von Tom und Connor vor unserer Tür, er war gekommen um uns abzuholen und mit uns in das Dorf Etara zu fahren, wo es ein Open-Air ethnographisches Museum über Bulgarien gab. Bevor wir den Bus genommen haben, zeigte er uns ein wenig die Stadt und erklärte uns die Geschichte. Nach einer halben Stunde sitzen wir im Bus nach Etara, es geht durch die Vororte Gabrovo’s.

 

Ich frage Sergej nach der seiner Meinung wie er zur EU steht und was er von den Protesten hält. Er erzählt mir, dass er die Proteste sehr wichtig findet, weil Bulgarien sich bereits seit 11 Jahre in einer Übergangsphase befindet. Der jetzige Premier wurde eigentlich schon seit sehr langer Zeit abgewählt, kann sich aber immernoch irgendwie an der Macht halten. Er erzählt mir von dubiosen Versicherungsfirmen mit denen der Premier seine Millionen macht. Er schüchtert wohl seine eigenen Mitbürger ein und versucht ihnen dann eine überteuerte Versicherung anzudrehen. Dabei kennt er wohl keine Grenzen. Sergej findet es zwar gut, dass Bulgarien der EU beigetreten ist, aber er findet es sollte auch etwas passieren, das System sei wohl noch korrupter geworden, als es vor dem EU-Beitritt war. Und es ändere sich nichts, weil Bulgarien ein wichtiger Geopolitischer Partner und die Konservative EVP-Partei im Europäischen Parlament unterstütze. Der Premier sei sogar im Gefängnis gewesen, in Tschechien, verurteilt wegen Prostitution und Drogenhandel. Sergej meint zu mir, viele hier mögen die EU, aber sie wollen dass sich was ändert und sie merken, dass sich nichts ändert, deshalb gehen sie seit mehr als 100 Tagen auf die Straße und fordern seinen Rücktritt und vorgezogene Neuwahlen. Ich habe ihn noch gefragt, was er denkt wenn jetzt Wahlen sind, er meinte zu mir er hofft, dass es freie Wahlen sind und es einen Machtwechsel gibt.

Die bulgarische Waschmaschine.

Mit den letzten Worten unseres Gespräches waren wir auch schon in Etara. Und liefen in Richtung des Museums. Am Museum angekommen zeigt er uns verschiedene Häuser mit großen Wasserrädern an der Seite, die Bulgarien benutzten oder benutzen heute noch die Kraft von Bergflüssen um ihre Maschinen anzutreiben, abgesehen von Wassermühlen benutzen sie die Wasserräder fürs Waschen und Schnitzen von Gegenständen. Das  Museum hatte zwar Ticket-Büros aber alle waren geschlossen, als wir an diesen vorbeikamen. Nachdem wir eine Runde durch das Museum gemacht haben dürften wir ein malziges Getränk namens Bouza ausprobieren. Es schmeckt so wie Kraftmalz hat aber noch einen sauren Nachgeschmack, nicht wirklich lecker aber hier wirklich das Lieblingsgetränk. Danach gab es  Mittag essen, da kam dann auch Pius dazu, der den Bus aus Haskovo am frühen morgen genommen hat.

Sergej hat uns zum Mittag dann verlassen, er hatte nach andere Pläne, wir haben uns alle bedankt. Zum Mittag gab es ein Knoblauch Brot und gerollte Weinblätter mit Reis. Nachdem wir alle gestärkt waren ging es los zum Wandern, wir gingen sogar bei einem markierten Weg hinein hatten aber nach wenigen Minuten schon den Weg wieder verloren und gingen dann einfach Quer-Feld-Ein. Nach ca. 40 minuten kamen wir in ein sehr süßes kleines Kloster mit Kirche. Es gab eine wunderschöne Aussicht. Das Quellwasser aus dem Brunnen hat uns bei einer wohl verdienten Pause geholfen und auf dem Rückweg haben wir sogar den richtigen Wanderweg

Unser Mittag-Essen

gefunden. Zurück im Museum fiel uns auf, dass sie gleich schließen wollten, also haben wir uns wieder auf den Rückweg gemacht und an der Bus Haltestelle auf einen Bus gewartet. Aus den Fahrplänen wurden wir nicht so richtig schlau, also haben wir kurz Sergej angerufen und er hat uns gesagt, dass der Bus in 7 Minuten kommen sollte. Als der Bus da war, haben wir Tickets am Busfahrer geholt und waren innerhalb 15 Minuten wieder in der Innenstadt, dann haben wir uns aufgeteilt, ich war beim Busbahnhof um mir Tickets für die Rückfahrt am Sonntag zu besorgen, leider konnte man diese erst am Tag der abfahrt erwerben, aber wir wussten auf jeden Fall wann wir zurück fahren wollten.

Ich mag die Limonade, ich glaube ich habe das gleiche Spüli – Karla 23.10.20 (unsere Limonade sah aus wie Spüli)

Weinblätter, aber nicht ansatzweise so lecker wie bei Teta.

Zurück zuhause gab es dann Eintopf und schon ein oder zwei Bier. Da wir nicht mehr zuhause so laut sein konnten waren wir noch ein bisschen in der Stadt unterwegs. Da es in Gabrovo wohl kaum Clubs gibt und alle aufgrund der aktuellen Umstände geschlossen sind haben wir ein Paar gefragt und wurden an eine Bar namens Allegro, am Rathaus verwiesen. Kurz danach  wurden erstmal mit von der Polizei aufgehalten. Sie konnten kein Englisch und wir kein Bulgarisch uns wurde verstänlich gemacht, dass Alkohol auf der Straße nicht erlaubt ist. Danach sind wir zum Rathaus und haben die Bar gesucht, nach vergeblichen suchen haben wir laute Musik gehört und sind der gefolgt. Aus dem roten Audi dröhnt „Losing It“ von Fisher, wir fragen nach wo die nächste Bar ist und landen 5 min darauf in einer Shisha Bar mit tiefen Sofas. Dort hatten wir ein paar Drinks und tolle Gespräche, dann ging es wieder zurück und wir sind alle ins Bett gefallen.

Mein Honig Glas für 10 Leva.

Am nächsten Morgen nahmen wir uns vor in das Humor-Museum zu gehen, leider hatten wir nix zum frühstück da und hatten uns dementsprechend in der Stadt etwas suchen wollen. Leider gibt es keine Mentalität wie in Sofia, da sind auch alle Läden am Sonntag geöffnet. Wir hatten Glück, der Markt, ein Imker und der Billa hatte noch offen. Also habe ich mich für 10 Leva beim Imker mit Honig eingedeckt und dann sind wir zum Billa etwas essbares ergattern. Nachdem wir was gegessen hatten haben wir schon Pius und Paula zum Bus bringen müssen. Danach waren wir im Museum, es

alle Models am shooten

war nicht wirklich ein Humor Museum, sondern eher ein Kunst-Cartoon-Witze Museum, also eigentlich alles was sie da haben. Es gab sogar ein Spiegel Kabinett. Danach ging es auch schon wieder zu den Jungs und dann zum Busbahnhof, wo wir uns alle verabschiedet haben. Auf dem Rückweg sind wir noch in den Regen und Stau geraten. Regen in der Nähe von Bergen sieht so in interessant aus, weil die Wolken so sehr über den Bergen hängen.

Es war eine schöne Zeit mit allen, aber auch anstrengend. Wieder „zuhause“ in Sofia zu sein ist auch ein komisches Gefühl, aber man gewöhnt sich daran. Immerhin freut man sich, wenn man wieder

Kunst im Museums des Humors

in seine Wohnung kommt.

Hajde, Hajde und die wachsende Sehnsucht nach einem Nudelsieb

Wie es das „bulgarische Vamos“ in meinen Wortschatz schaffte und warum ich mir bald ein Nudelsieb zulegen werde – die erste Woche in Sofia, Bulgarien

Sodala… Am Montag den 12.10.2020 ging es für mich los. Vom Provinzflughafen Memmingen brachte mich ein Flieger in die Metropole Sofia. Der Abschied von Freunden und Familie war schwer und die Rucksäcke und Taschen, die an mir hingen und als Handgepäck getarnt waren, waren es ebenfalls. Angekommen in Sofia, mit massig Aufregung im Gepäck, wurde ich vom Schulleiter persönlich abgeholt. Der folgende Roadtrip durch Sofia (Andere würden es als „den Weg vom Flughafen zu meinem neuen Wohnort“ beschreiben) war gleichermaßen interessant wie überfordernd. Ehe ich mich versah, stand ich mit Sack und Pack im Sekretariat der „Deutschen Schule Sofia“ und wusste nicht, wo ich zuerst hinschauen sollte. Nach einer herzlichen Begrüßung wurde ich in meine Wohnung geleitet und musste erstmal durchatmen. Alleine zu wohnen ist krass, krass cool aber auch krass anstrengend. Den ersten Abend verbrachte ich mit einer Free Walking Tour in Sofia und mit ersten Schwierigkeiten im Metronetz.

 

 

 

 

 

 

Um das ganze hier mal etwas abzukürzen gibt’s die nächsten Tage bis zum Wochenende im Schnelldurchlauf: Dienstag stand der Coronatest an, der, zu meiner Erleichterung, negativ war. Ab Mittwoch wurde ich schon in die unendlichen Weiten der Grundschule eingeführt und fand mich wenig später von super offenen und freundlichen Kindern umgeben im Klassenraum wieder. Das tolle an Kindern ist, dass sie so neugierig sind und ehrlich. „Willkommen an der Schule, Frau Anna“ von einer 2.Klässlerin zu hören ist wunderschön und tut echt gut. Übrigens habe ich mich weder als Frau noch als Anna vorgestellt, doch ist mein Zweitname anscheinend leichter auszusprechen 😉 Zwischen Schule und Einkäufe erledigen bleibt wenig Platz für Langeweile oder Nachdenken, was ich wirklich als positiv empfunden habe. Zwischen Wohnung putzen, Umgebung auschecken und in der Schule mithelfen habe ich natürlich auch schon die ein oder andere Ecke Sofias erkundet.

sehr alte Kirche neben sehr modernen Souvenierladen

 

Obwohl ich wirklich Angst hatte vor einer richtigen Großstadt, bin ich begeistert von der Vielfalt und Diversität der Architektur, den vielen Ausgrabungen, antiken Schätzen mitten im Zentrum und dem Spagat zwischen Balkan und „Westen“, in dem Sofia sich befindet.

 

 

 

 

Aber eben diese krassen Gegensätze machen mir auch zu schaffen. Während die High-Society Sofias in Rooftopbars flaniert und mit fetten Autos durch die Gegend düst, gibt es Menschen hier, die haben wirklich gar nichts. Überall Müll, Straßenhunde, bettelnde Kinder in der Innenstadt, Geschäftskonzepte wie Schuheputzen und Kartoffeln verkaufen auf der Straße oder im Stop&Go Fensterscheiben von PKWs putzen. Eindrücke, an die ich als privilegiertes, deutsches Mädchen nicht gewohnt bin und mich auch nicht gewöhnen werde. Die richtige Mischung aus FsJ und Welt verbessern muss ich erst noch finden, jedoch schwirren mir solche Eindrücke noch lange im Kopf herum…

Die Nationalfarben wird man hier oft sehen

Außerdem geht hier in Sofia gerade politisch ziemlich die Post ab. Jeden Abend sind Protest vor dem Parlament und aufgebrachte Bürger schreien Forderungen, die ich natürlich nicht verstehe. Was ich aber verstehe ist, dass die Leute gegen ihre Regierung auf die Straße gehen und wirklich was ändern wollen.

Am Freitag hatte ich dann die ersten fünf Tage hinter mir. Fünf Tage die sich angefühlt haben wie eine Ewigkeit. Ich habe Alles mitgenommen was geht und mein Körper gab mir langsam zu verstehen, dass es so nicht weitergeht. Also endlich mal wieder Durchatmen, Duschen und Nudeln kochen. Verbrannte Finger beim Abgießen mit Alibi-Topfdeckel-Sieb (Nudelsieb die 1.), extreme Müdigkeit und viel zu viele Eindrücke für so eine kurze Zeit, machten mir dann auch leicht zu schaffen und ein leises Gefühl von Leere und Heimweh schlich sich ein. Ich denke, es ist wichtig, dass man sich Zeit lässt. Ich habe in der ersten Woche definitiv zu viel auf mich genommen und schlussendlich konnte ich dem Ganzen dann auch nicht mehr standhalten.

Große Stadt mit vielen Bäumen

Nach 13 Stunden Schlaf ging es mir dann aber schon besser und ein Brunch mit den anderen Freiwilligen in Sofia stand an. Auf dem Hinweg zum Restaurant versuchte ich noch meine kaputtgegangene Uhr zur Reparatur zu bringen. Jedoch wurde in den meisten Läden mein „Imam problem“ (Ich habe Problem) und das Zeigen meiner Uhr nur mit einem wiaschtem „He“ (also Nein) gekontert. Schlussendlich fand meine Uhr dann in einem kleinen Laden am Ende der Einkaufsstraße, eingeklemmt zwischen zwei alten, dickbäuchigen Bulgaren und ihrem kleinen Arbeitstisch, Obhut. Der amerikanische Rock Gesang, der aus den Lautsprechern dröhnte und das nette Lächeln des einen Mannes stimmen mich zuversichtlich, obwohl ich kein Wort verstanden habe. Das mit der Verständigung hier ist sowieso nochmal eine ganz andere Erzählung. Zumindest kann ich aber mittlerweile die wichtigsten Wörter und für einen Besuch im Restaurant hat es auch gereicht.

Mit den anderen Freiwilligen Elias und Nele und einer Praktikantin vom Goethe-Institut hier in Sofia, schlug ich mir mit „Shopska Salat“ und „Tarator“ den Bauch voll.

Shopska Salat.

 

Auf dem Gipfel – naja fast…

Kurz danach ging es auf den Vitosha Berg. Der Hausberg der Sofioter ist gut mit Metro und Bus zu erreichen und bietet auch

Ausblick vom Vitosha Berg

Mitte Oktober spektakuläre Aussichten und Wanderungen. Querfeldein ging es für uns nach Oben, was den Weg als etwas schwieriger gestaltete unsere     Abenteuerlust jedoch nicht hemmte. Da man vom Berg aus einen guten Ausblick auf den IKEA in Sofia hat (Ich sag doch, Gegensätze…), machten wir noch einen kleinen Abstecher dorthin. Und was soll man sagen, ist halt IKEA… Zurück nahmen wir ein Taxi, was für mich zwar auch eine völlig neue Erfahrung ist, aufgrund der niedrigen Preise jedoch wohl öfters zum Zuge kommen wird. Wenigstens war der Taxifahrer bulgarischer Box Champion, wie er uns mittels Google Übersetzter während der Autofahrt auch gerne mitteilte. Am Abend machten wir noch das Nachtleben Sofias unsicher, beziehungsweise machte uns das Nachtleben unsicher und wir zogen durch ein paar Bars.

Der Sonntag und somit der letzte Tag der ersten Woche stellte sich als kleines eigenes Abenteuer heraus. Mit zwei anderen Wahl-Sofiotern war ein Ausflug nach Koprivshtitza geplant. Dieses Dorf ist bekannt für traditionelle und gut erhaltene Architektur und war allemal einen Besuch wert. Die Hinfahrt bestritten wir mit dem Zug (offensichtlich ein alter DB Zug) bis nach Anton. Knapp 77 km und 2h für 5 Leva, also ca. 2,50 Euro. Von Dort aus ging es weiter zum Bahnhof von Koprivshtitza, der, wie sollte es doch auch anders sein, 8km weit weg vom eigentlichen Dorf liegt. Nach einigen bulgarischen Ansagen des voll besetzten Busses, dass wir hier raus müssen, standen wir also vor einem Bahnhof Mitten im Nirgendwo umgeben von Bergen, Bauarbeiten und Straßenhunden.

Wir fahren mit dem Bus
Akzeptanz des Ungewissen

In 30 min sollte ein Shuttle in das Dorf gehen und nach einigen „Hajde-Rufen“ ging es 45 min später auch wirklich los. Das Dorf erkundeten wir dann im Schnelldurchlauf, also Hajde! Viele schöne Häuser, in denen viele wichtige Personen geboren wurden. Die Museumskarte für 3 Leva haben wir uns auch noch gegönnt, noch Einiges gesehen und den Touristen an diversen Souvenirständen raushängen lassen. Der Shuttle ging dann auch wieder zurück und tatsächlich ging vom Bahnhof Koprivshtitza ein Zug zur Sofia Central Station. Zu Hause angekommen wurden dann erstmal Nudeln gekocht und die Hände verbrannt (Nudelsieb die 2.).

 

Und hier noch eine kleine Liste von mehr und weniger interessanten Eindrücken und Erlebnissen:

  • Das Leitungswasser hier ist bei Weitem nicht so gut wie daheim und Wasserflaschen schleppen ist richtig scheiße!
  • Auch wenn du kein bulgarisch sprichst, reden die Bulgaren einfach immer weiter, mit der kleinen Hoffnung, dass du doch irgendwas verstehst
  • Beim Metro fahren kenne ich mich mittlerweile so gut aus, dass ich mich richtig cool fühle, wenn ich ohne Hilfe von A nach B komme
  • Wasserhähne hier kennen nur „Tropfen“ und „Fontäne“ und auch nur „eiskalt“ und „kochend heiß“
  • Jedes Bahnhofhäuschen ist gelb gestrichen und draußen stehen Mitarbeiter mit lustigen Hüten, die manuell die Erlaubnis zum Weiterfahren erteilen. Die Pausen sind mal länger und mal kürzer, aber auf jeden Fall lang genug für eine Zigarette

Das war so grob meine erste Woche in Sofia. Viele kleine Abenteuer habe ich gar nicht erzählt und einige behalte ich auch einfach nur für mich.

Also Hajde, Hajde!

Eure Josi