Von Fremden zu Freunden und von Sofia nach Gabrovo

über neue Freundschaften zu Gemüsehändlern und Freiwiligen und einen Wochenendtrip in die lustigste Stadt Bulgariens 

Während es zu Beginn der zweiten Woche hier auf meinem Esstisch noch so aussah,

fühlte sich in meinem Inneren alles schon etwas geordneter an. So langsam hat man das Metronetz im Kopf, den Weg zum Lidl in der Tasche und einige aufschlussreiche Kilometer durch Sofia in den Beinen.

Genug eingelebt, um endlich meinen ersten Gast zu empfangen. Die liebe Karla kam am Dienstag aus Schumen hierher nach Sofia, um sich von der unendlichen Schönheit Sofias und meiner Wohnung zu überzeugen. Während ich den Tag über in der Schule verbrachte, machte sie sich ein eigenes Bild von der Stadt (nicht wörtlich zu nehmen, Karla ist nämlich zu faul, um Fotos zu machen) und abends zogen wir dann gemeinsam durch die Straßen.

Sofia Richtung Norden
Sofia Richtung Süden
Karla und Josi

Wir haben Lifehacks entdeckt (Joghurt und Wasser ist wie Milch), Secondhandläden besucht und auch lebensnotwendige Dinge wie meinen Toaster gekauft. Wer mich kennt, weis, dass ich kein Freund von schnellen Entscheidungen bin. Wenn man jedoch im Toasterladen steht, auf ein zufälliges Gerät zeigt und dann die sehr professionelle Verkäuferin sagt: „this is the best one“, ich meine was muss man dann noch lange überlegen. Zu meinen neusten Errungenschaften gehören jetzt übrigens auch ein Nudelsieb, eine Wasserfilterkanne (nach dem zweiten Einkauf nun auch mit Filtern) und eine wunderschöne aber eher unpraktische handgetöpferte Schüssel vom Ladies Market.

Ich toaste echt gerne

Bei unserem ersten Schumensko auf dem Balkon wurden wir uns dann aber auch einig, dass Alltag einfach anstrengend ist. Jede kleine Besorgung ist ihr eigenes Abenteuer und wird durch die (immer noch vorhandene) Sprachbarriere nicht gerade erleichtert. Auch das üben von Ja und Nein mit der entsprechenden Bewegung (genau umgekehrt wie in Deutschland) ist mühsam und manchmal auch verwirrend.

Jedoch lohnen sich diese Anstrengungen auch immer öfter. Habe ich mich diese Woche endlich zum Stand meines lokalen Gemüsehändlers getraut und versucht mich mit Bulgarischbrocken durchzukämpfen, hat er mir sofort mit bestem Schulenglisch meinen Beutel mit Leckereien befüllt und diese dann später wiederum auf seiner manuellen Messingschalen-Gewichtswaage abgewogen. Dieses Spiel der Gegensätze, das Sofia hier gerade eindeutig gegen mich gewinnt, ist also noch nicht vorbei. E-Scooter auf alten Ausgrabungsstätten und Pferdekutschen als Fortbewegungsmittel vor meiner Haustüre, diese Bilder sind hier Realität.

Lime trifft auf Stein

Am Freitagnachmittag hieß es dann mal wieder „Hajde, Hajde“ und ein Wochenendtrip nach Gabrovo stand an. Laut internen Informationen ist das die lustigste Stadt Bulgariens. So ganz nebenbei ist sie auch 28 km lang und hatte das erste Mädchengymnasium in ganz Bulgarien. Karla hatte es irgendwie geschafft, Tickets zu kaufen für einen Bus dorthin und einem Treffen mit allen Freiwilligen stand nichts mehr im Weg. 3 Stunden Busfahrt und keine Ticketkontrolle später standen wir dann tatsächlich in der 50.000 – Einwohner Stadt in Zentral Bulgarien. Es war leicht überfordernd, Leute zu begrüßen, die man zwar von zehn Tagen Online Seminar kennt, jedoch noch nie in echt gesehen hat. Aber wenig später saßen wir dann fast vollständig bei Pestonudeln und einer lokalen Bierverkostung in der Wohnung von Tom und Connor, zwei Jungs die dort ihr FöJ machen.

Die Qual der Wahl

Nach wenig Schlaf und vielen Gesprächen ging es am nächsten Tag mit Sergey, der Ansprechperson der Jungs, die, aufgrund ihrer super offenen und netten Art, von uns auch liebevoll Ehrensergey genannt wird, in das Etara Dorf. In diesem Freilichtmuseum etwas außerhalb der Stadt kann man viel über das historische und damals wasserbetriebene Handwerk der lokalen Bulgaren lernen. Man kann aber auch sehr gut das schöne Wetter, die Natur und die Leute erleben. Weniger gut kann man Boza genießen. Dieses beliebte bulgarische Getränk ist wohl nicht nur in Gabrovo nicht ganz nach meinem Geschmack…

schmeckt so semi

Nach einem netten Mittagessen mit Spüli-Limo und Knoblauchbrot ohne Knoblauch ging es dann ohne Sergey aber dafür mit den nachgereisten Pius den Berg hinauf, zum Kloster Sokolski. Mal wieder kamen wir aber mit der bulgarischen Wegbeschreibung nicht zurecht und fanden uns wenig später mitten im Wald, ohne einen blassen Schimmer des Weges, wieder. Man muss aber dazu sagen, dass es ein sehr schöner Wald war. Dieser Faktor und die fehlende Motivation veranlassten uns dazu, einfach weiter querfeldein zu gehen. Wenig später erreichten wir dann aber sogar ein kleines Dorf und wurden von den hiesigen Bauarbeitern auch gleich mit einem: „Look, Beton, Beton“, empfangen.

Der Weg zum Kloster war dann nur noch kurz, die Pause vor Ort ziemlich entspannend und die Atmosphäre wunderbar angenehm.

schöne Kirche
immernoch schöne Kirche
nette Truppe

Nach einem Gruppenfoto und einigen Meinungsverschiedenheiten über den Rückweg, kamen wir dann irgendwann wieder unten an. Mit einem Eis in der Hand gings dann über die Bushaltestelle und einigen Minuten des Wartens wieder zurück in die Stadt. Den Abend ließen wir mit leckerer Linsensuppe, süffigen Bier und einem aufregenden Barbesuch enden. Am letzten Tag/Sonntag/Abreisetag ging es dann über mehrere lustige Zwischenstopps (Frühstück auf dem Billa Parkplatz, Museum des Humors und verpasste Busse) nach Hause. Nach Hause…Also nach Sofia. Klingt verrückt oder?

immernoch nette Truppe

Bis ich diesen Artikel zu Ende verfasst habe, ist schon wieder super viel passiert. Angefangen bei einem nervenaufreibenden Ausflug zu Decathlon bis hin zur Schnäppchenjagd bei Lidl (die Kruscht-Ecke wird mir immer sympatischer!). Aber auch die Ungewissheit, wie es mit der Corona Situation weitergeht hat mich die letzten Tage hier beschäftigt. Die Schüler ab der 8.Klasse müssen wieder ins Homeoffice und die Zahlen steigen stetig an. Ich versuche hier jeden Tag zu genießen und zu hoffen, dass es weiterhin so schön bleibt…

Aber Kopf hoch, muss ja irgendwie weitergehen! Hajde, Hajde

Josi

Eine kleine Weltreise nach Gabrovo

Von Sprüchen wie „Pack ma’s bevor es uns packt!“ (Josi, 24.10.20) bis zu Stau auf der Rückfahrt, hier erfahrt ihr alles von unserer kleinen Weltreise in die bulgarische Mitte, namens Gabrovo.

Am Freitag Nachmittag ging es schon los, ich sagte bei meinen Kollegen im Goethe-Institut bescheid, dass ich etwas früher schluss machen muss, damit ich den Bus nach Gabrovo bekomme. Die Reaktion war gemischt, zwei haben sich gefreut, dass ich mir ein neues Bild von Bulgarien mache, die anderen zwei meinten zu mir, dass die Gabrovos (ich habe keine Ahnung wie die Einwohner aus Gabrovo heißen) sehr speziellen Humor haben, aber darauf komme ich noch später zurück. Wir haben uns also um 15:30 am Busbahnhof in Sofia getroffen und ich habe mich entschlossen bei dem schönen Wetter einfach hinzulaufen, vom Goethe-Institut sind das so ca. 25 min Fußweg. Sobald man aus der Innenstadt  rauskommt und auf den großen Straßen am Fußweg läuft sieht man immer mehr Sinti & Roma, die hier Gypsies genannt werden und immernoch öffentlich von der Gesellschaft diskriminiert werden. Sie tragen schmutzige Kleidung, sitzen auf einem Hausvorsprung und machen schöne Musik, ich pausiere meine Musik und höre ihnen gespannt zu, am Ende werfe ich ihnen 2 Leva (ca. 1 Euro) in ihren Hut und mache mich auf dem Weg zum Bus. Am Busbahnhof angekommen warten schon Josi und Karla auf mich. Nele kommt in wenigen Minuten auch dazu. Wir warten in der warmen Sonne (wohlbemerkt Mitten im Oktober und wir hatten 24 °C) auf den Bus. An unserem Busgleis Nummer 32 kommt ein blauer Bus zum stehen, ein Busfahrer mit der Maske bis zur Nase steigt aus dem Bus und öffnet die Kofferraumklappe, wir können einsteigen. Ich halte noch mein wie ein Kassenbon aussehendes Ticket dem Busfahrer unter die Nase aber der winkt ab und macht mir verständlich einfach einzusteigen. Sonst wird das Ticket auch nicht kontrolliert, es kommt nur eine Frau kurz in den Bus um nachzuzählen, wieviele Leute im Bus sind.

Sobald sich der Bus in Bewegung setzt, ergattern sich manche Fahrgäste leere Sitzreihen und die Sitzsituation wird etwas entspannter. Wir brauchen ungefähr eine halbe Stunde bis wir alle Vororte Sofia’s abgefahren haben und uns auf eine Autobahn begeben. Da Sofia in einem Tal liegt und unser Ziel ca. 150 Kilometer östlich und etwas höher liegt erwarten uns direkt die Berge mit wunderschönen herbstlichen Wäldern. Im Bus dann wird ein bisschen gequatscht, bis wir beide (Nele und Ich) auf den Konsens kommen, dass wir beide von der Woche sehr geschafft sind. Ich wähle mich in das Bus-Wlan ein und genieße Musik aus meinen Kopfhörern, dabei genieße ich draußen die Landschaft. Es gibt noch sehr viele Grüne Bäume aber manche verfärben sich auch schon gelb. Nach einiger Zeit fahren wir durch zwei Tunnel, wovon noch einer gebaut wird und wir wegen der Ampelschaltung kurzzeitig im Stau stehen. Dann fahren wir von der Autobahn ab und begeben uns auf eine Art Landstraße, diese hat deutlich mehr Schlaglöcher und der (deutsche) Bus quietscht und rüttelt immer mehr. Nicht, dass ich Angst hatte, dass er auseinander fallen würde, aber ich hab mich schon gewundert, was denn passieren würde, wenn man mit einem Reisebus mitten in Bulgarien liegen bleibt. Bevor ich mich versah waren wir auch schon bei unserem ersten Stop. In einer kleinen Stadt namens Sevlievo, dort sah man tolle alte Plattenbauten, mit verblätterter Fassade, die in den Landesfarben gestrichen. Der Busbahnhof ist klein und unser Stopp beträgt auch nur 5 Minuten, dann geht es weiter auf die letzten 30 Kilometer Richtung Gabrovo.

3 Priesen wiegen so viel wie ein Ostfriese – Tom, 23.10.20

Angekommen in Gabrovo sehen wir uns Freiwillige (bis auf Pius) zum ersten Mal. Es ist komisch, weil irgendwie kennen wir uns schon, aber irgendwie auch nicht. Wir haben uns alle schon 10 Tage am Stück über Zoom gesehen und viel miteinander gequatscht. Aber uns so in Person zu sehen und zu staunen wie groß oder auch klein manche sind. Als wir dann alle beisammen haben (Paula kam 10 Minuten später als wir an) machten wir uns auf den Weg zur Wohnung von Tom und Connor, die in Gabrovo leben und ihr FÖJ an dem lokalen Nationalpark machen. Auf dem Weg kommen wir an einem Supermarkt vorbei, wo wir uns mit Bier und Wein eindecken, gerade als wir los wollen kommt ein Security Mann aus dem Laden und fragt uns wo wir denn wohnen. Wir sind ganz perplex und geben die Adresse von Tom und Connor durch, er meint okay, dann könnt ihr ja die Flaschen später wieder herbringen. Es gibt also doch ein Pfandsystem, aber ich blicke es noch nicht ganz richtig. Bei Tom und Connor angekommen gab es ersteinmal Nudeln mit Pesto, da Pius noch nicht da war passte auch alles mit den Tellern und Löffeln. Danach gab es noch ein paar Bier und am Ende (um genau zu sein gegen 11 Uhr Nachts) noch Eierkuchen.

Am nächsten Morgen klebte ein Zettel in deutscher Schrift an der Tür, mit dem Hinweis, dass wir wohl zu laut waren und dies nur ein Hinweis war, weil sie wohl bei dem nächsten Mal die Polizei rufen werden. Kurz nachdem wir dann auch aufgestanden waren, stand schon die Ansprechperson von Tom und Connor vor unserer Tür, er war gekommen um uns abzuholen und mit uns in das Dorf Etara zu fahren, wo es ein Open-Air ethnographisches Museum über Bulgarien gab. Bevor wir den Bus genommen haben, zeigte er uns ein wenig die Stadt und erklärte uns die Geschichte. Nach einer halben Stunde sitzen wir im Bus nach Etara, es geht durch die Vororte Gabrovo’s.

 

Ich frage Sergej nach der seiner Meinung wie er zur EU steht und was er von den Protesten hält. Er erzählt mir, dass er die Proteste sehr wichtig findet, weil Bulgarien sich bereits seit 11 Jahre in einer Übergangsphase befindet. Der jetzige Premier wurde eigentlich schon seit sehr langer Zeit abgewählt, kann sich aber immernoch irgendwie an der Macht halten. Er erzählt mir von dubiosen Versicherungsfirmen mit denen der Premier seine Millionen macht. Er schüchtert wohl seine eigenen Mitbürger ein und versucht ihnen dann eine überteuerte Versicherung anzudrehen. Dabei kennt er wohl keine Grenzen. Sergej findet es zwar gut, dass Bulgarien der EU beigetreten ist, aber er findet es sollte auch etwas passieren, das System sei wohl noch korrupter geworden, als es vor dem EU-Beitritt war. Und es ändere sich nichts, weil Bulgarien ein wichtiger Geopolitischer Partner und die Konservative EVP-Partei im Europäischen Parlament unterstütze. Der Premier sei sogar im Gefängnis gewesen, in Tschechien, verurteilt wegen Prostitution und Drogenhandel. Sergej meint zu mir, viele hier mögen die EU, aber sie wollen dass sich was ändert und sie merken, dass sich nichts ändert, deshalb gehen sie seit mehr als 100 Tagen auf die Straße und fordern seinen Rücktritt und vorgezogene Neuwahlen. Ich habe ihn noch gefragt, was er denkt wenn jetzt Wahlen sind, er meinte zu mir er hofft, dass es freie Wahlen sind und es einen Machtwechsel gibt.

Die bulgarische Waschmaschine.

Mit den letzten Worten unseres Gespräches waren wir auch schon in Etara. Und liefen in Richtung des Museums. Am Museum angekommen zeigt er uns verschiedene Häuser mit großen Wasserrädern an der Seite, die Bulgarien benutzten oder benutzen heute noch die Kraft von Bergflüssen um ihre Maschinen anzutreiben, abgesehen von Wassermühlen benutzen sie die Wasserräder fürs Waschen und Schnitzen von Gegenständen. Das  Museum hatte zwar Ticket-Büros aber alle waren geschlossen, als wir an diesen vorbeikamen. Nachdem wir eine Runde durch das Museum gemacht haben dürften wir ein malziges Getränk namens Bouza ausprobieren. Es schmeckt so wie Kraftmalz hat aber noch einen sauren Nachgeschmack, nicht wirklich lecker aber hier wirklich das Lieblingsgetränk. Danach gab es  Mittag essen, da kam dann auch Pius dazu, der den Bus aus Haskovo am frühen morgen genommen hat.

Sergej hat uns zum Mittag dann verlassen, er hatte nach andere Pläne, wir haben uns alle bedankt. Zum Mittag gab es ein Knoblauch Brot und gerollte Weinblätter mit Reis. Nachdem wir alle gestärkt waren ging es los zum Wandern, wir gingen sogar bei einem markierten Weg hinein hatten aber nach wenigen Minuten schon den Weg wieder verloren und gingen dann einfach Quer-Feld-Ein. Nach ca. 40 minuten kamen wir in ein sehr süßes kleines Kloster mit Kirche. Es gab eine wunderschöne Aussicht. Das Quellwasser aus dem Brunnen hat uns bei einer wohl verdienten Pause geholfen und auf dem Rückweg haben wir sogar den richtigen Wanderweg

Unser Mittag-Essen

gefunden. Zurück im Museum fiel uns auf, dass sie gleich schließen wollten, also haben wir uns wieder auf den Rückweg gemacht und an der Bus Haltestelle auf einen Bus gewartet. Aus den Fahrplänen wurden wir nicht so richtig schlau, also haben wir kurz Sergej angerufen und er hat uns gesagt, dass der Bus in 7 Minuten kommen sollte. Als der Bus da war, haben wir Tickets am Busfahrer geholt und waren innerhalb 15 Minuten wieder in der Innenstadt, dann haben wir uns aufgeteilt, ich war beim Busbahnhof um mir Tickets für die Rückfahrt am Sonntag zu besorgen, leider konnte man diese erst am Tag der abfahrt erwerben, aber wir wussten auf jeden Fall wann wir zurück fahren wollten.

Ich mag die Limonade, ich glaube ich habe das gleiche Spüli – Karla 23.10.20 (unsere Limonade sah aus wie Spüli)

Weinblätter, aber nicht ansatzweise so lecker wie bei Teta.

Zurück zuhause gab es dann Eintopf und schon ein oder zwei Bier. Da wir nicht mehr zuhause so laut sein konnten waren wir noch ein bisschen in der Stadt unterwegs. Da es in Gabrovo wohl kaum Clubs gibt und alle aufgrund der aktuellen Umstände geschlossen sind haben wir ein Paar gefragt und wurden an eine Bar namens Allegro, am Rathaus verwiesen. Kurz danach  wurden erstmal mit von der Polizei aufgehalten. Sie konnten kein Englisch und wir kein Bulgarisch uns wurde verstänlich gemacht, dass Alkohol auf der Straße nicht erlaubt ist. Danach sind wir zum Rathaus und haben die Bar gesucht, nach vergeblichen suchen haben wir laute Musik gehört und sind der gefolgt. Aus dem roten Audi dröhnt „Losing It“ von Fisher, wir fragen nach wo die nächste Bar ist und landen 5 min darauf in einer Shisha Bar mit tiefen Sofas. Dort hatten wir ein paar Drinks und tolle Gespräche, dann ging es wieder zurück und wir sind alle ins Bett gefallen.

Mein Honig Glas für 10 Leva.

Am nächsten Morgen nahmen wir uns vor in das Humor-Museum zu gehen, leider hatten wir nix zum frühstück da und hatten uns dementsprechend in der Stadt etwas suchen wollen. Leider gibt es keine Mentalität wie in Sofia, da sind auch alle Läden am Sonntag geöffnet. Wir hatten Glück, der Markt, ein Imker und der Billa hatte noch offen. Also habe ich mich für 10 Leva beim Imker mit Honig eingedeckt und dann sind wir zum Billa etwas essbares ergattern. Nachdem wir was gegessen hatten haben wir schon Pius und Paula zum Bus bringen müssen. Danach waren wir im Museum, es

alle Models am shooten

war nicht wirklich ein Humor Museum, sondern eher ein Kunst-Cartoon-Witze Museum, also eigentlich alles was sie da haben. Es gab sogar ein Spiegel Kabinett. Danach ging es auch schon wieder zu den Jungs und dann zum Busbahnhof, wo wir uns alle verabschiedet haben. Auf dem Rückweg sind wir noch in den Regen und Stau geraten. Regen in der Nähe von Bergen sieht so in interessant aus, weil die Wolken so sehr über den Bergen hängen.

Es war eine schöne Zeit mit allen, aber auch anstrengend. Wieder „zuhause“ in Sofia zu sein ist auch ein komisches Gefühl, aber man gewöhnt sich daran. Immerhin freut man sich, wenn man wieder

Kunst im Museums des Humors

in seine Wohnung kommt.

Hajde, Hajde und die wachsende Sehnsucht nach einem Nudelsieb

Wie es das „bulgarische Vamos“ in meinen Wortschatz schaffte und warum ich mir bald ein Nudelsieb zulegen werde – die erste Woche in Sofia, Bulgarien

Sodala… Am Montag den 12.10.2020 ging es für mich los. Vom Provinzflughafen Memmingen brachte mich ein Flieger in die Metropole Sofia. Der Abschied von Freunden und Familie war schwer und die Rucksäcke und Taschen, die an mir hingen und als Handgepäck getarnt waren, waren es ebenfalls. Angekommen in Sofia, mit massig Aufregung im Gepäck, wurde ich vom Schulleiter persönlich abgeholt. Der folgende Roadtrip durch Sofia (Andere würden es als „den Weg vom Flughafen zu meinem neuen Wohnort“ beschreiben) war gleichermaßen interessant wie überfordernd. Ehe ich mich versah, stand ich mit Sack und Pack im Sekretariat der „Deutschen Schule Sofia“ und wusste nicht, wo ich zuerst hinschauen sollte. Nach einer herzlichen Begrüßung wurde ich in meine Wohnung geleitet und musste erstmal durchatmen. Alleine zu wohnen ist krass, krass cool aber auch krass anstrengend. Den ersten Abend verbrachte ich mit einer Free Walking Tour in Sofia und mit ersten Schwierigkeiten im Metronetz.

 

 

 

 

 

 

Um das ganze hier mal etwas abzukürzen gibt’s die nächsten Tage bis zum Wochenende im Schnelldurchlauf: Dienstag stand der Coronatest an, der, zu meiner Erleichterung, negativ war. Ab Mittwoch wurde ich schon in die unendlichen Weiten der Grundschule eingeführt und fand mich wenig später von super offenen und freundlichen Kindern umgeben im Klassenraum wieder. Das tolle an Kindern ist, dass sie so neugierig sind und ehrlich. „Willkommen an der Schule, Frau Anna“ von einer 2.Klässlerin zu hören ist wunderschön und tut echt gut. Übrigens habe ich mich weder als Frau noch als Anna vorgestellt, doch ist mein Zweitname anscheinend leichter auszusprechen 😉 Zwischen Schule und Einkäufe erledigen bleibt wenig Platz für Langeweile oder Nachdenken, was ich wirklich als positiv empfunden habe. Zwischen Wohnung putzen, Umgebung auschecken und in der Schule mithelfen habe ich natürlich auch schon die ein oder andere Ecke Sofias erkundet.

sehr alte Kirche neben sehr modernen Souvenierladen

 

Obwohl ich wirklich Angst hatte vor einer richtigen Großstadt, bin ich begeistert von der Vielfalt und Diversität der Architektur, den vielen Ausgrabungen, antiken Schätzen mitten im Zentrum und dem Spagat zwischen Balkan und „Westen“, in dem Sofia sich befindet.

 

 

 

 

Aber eben diese krassen Gegensätze machen mir auch zu schaffen. Während die High-Society Sofias in Rooftopbars flaniert und mit fetten Autos durch die Gegend düst, gibt es Menschen hier, die haben wirklich gar nichts. Überall Müll, Straßenhunde, bettelnde Kinder in der Innenstadt, Geschäftskonzepte wie Schuheputzen und Kartoffeln verkaufen auf der Straße oder im Stop&Go Fensterscheiben von PKWs putzen. Eindrücke, an die ich als privilegiertes, deutsches Mädchen nicht gewohnt bin und mich auch nicht gewöhnen werde. Die richtige Mischung aus FsJ und Welt verbessern muss ich erst noch finden, jedoch schwirren mir solche Eindrücke noch lange im Kopf herum…

Die Nationalfarben wird man hier oft sehen

Außerdem geht hier in Sofia gerade politisch ziemlich die Post ab. Jeden Abend sind Protest vor dem Parlament und aufgebrachte Bürger schreien Forderungen, die ich natürlich nicht verstehe. Was ich aber verstehe ist, dass die Leute gegen ihre Regierung auf die Straße gehen und wirklich was ändern wollen.

Am Freitag hatte ich dann die ersten fünf Tage hinter mir. Fünf Tage die sich angefühlt haben wie eine Ewigkeit. Ich habe Alles mitgenommen was geht und mein Körper gab mir langsam zu verstehen, dass es so nicht weitergeht. Also endlich mal wieder Durchatmen, Duschen und Nudeln kochen. Verbrannte Finger beim Abgießen mit Alibi-Topfdeckel-Sieb (Nudelsieb die 1.), extreme Müdigkeit und viel zu viele Eindrücke für so eine kurze Zeit, machten mir dann auch leicht zu schaffen und ein leises Gefühl von Leere und Heimweh schlich sich ein. Ich denke, es ist wichtig, dass man sich Zeit lässt. Ich habe in der ersten Woche definitiv zu viel auf mich genommen und schlussendlich konnte ich dem Ganzen dann auch nicht mehr standhalten.

Große Stadt mit vielen Bäumen

Nach 13 Stunden Schlaf ging es mir dann aber schon besser und ein Brunch mit den anderen Freiwilligen in Sofia stand an. Auf dem Hinweg zum Restaurant versuchte ich noch meine kaputtgegangene Uhr zur Reparatur zu bringen. Jedoch wurde in den meisten Läden mein „Imam problem“ (Ich habe Problem) und das Zeigen meiner Uhr nur mit einem wiaschtem „He“ (also Nein) gekontert. Schlussendlich fand meine Uhr dann in einem kleinen Laden am Ende der Einkaufsstraße, eingeklemmt zwischen zwei alten, dickbäuchigen Bulgaren und ihrem kleinen Arbeitstisch, Obhut. Der amerikanische Rock Gesang, der aus den Lautsprechern dröhnte und das nette Lächeln des einen Mannes stimmen mich zuversichtlich, obwohl ich kein Wort verstanden habe. Das mit der Verständigung hier ist sowieso nochmal eine ganz andere Erzählung. Zumindest kann ich aber mittlerweile die wichtigsten Wörter und für einen Besuch im Restaurant hat es auch gereicht.

Mit den anderen Freiwilligen Elias und Nele und einer Praktikantin vom Goethe-Institut hier in Sofia, schlug ich mir mit „Shopska Salat“ und „Tarator“ den Bauch voll.

Shopska Salat.

 

Auf dem Gipfel – naja fast…

Kurz danach ging es auf den Vitosha Berg. Der Hausberg der Sofioter ist gut mit Metro und Bus zu erreichen und bietet auch

Ausblick vom Vitosha Berg

Mitte Oktober spektakuläre Aussichten und Wanderungen. Querfeldein ging es für uns nach Oben, was den Weg als etwas schwieriger gestaltete unsere     Abenteuerlust jedoch nicht hemmte. Da man vom Berg aus einen guten Ausblick auf den IKEA in Sofia hat (Ich sag doch, Gegensätze…), machten wir noch einen kleinen Abstecher dorthin. Und was soll man sagen, ist halt IKEA… Zurück nahmen wir ein Taxi, was für mich zwar auch eine völlig neue Erfahrung ist, aufgrund der niedrigen Preise jedoch wohl öfters zum Zuge kommen wird. Wenigstens war der Taxifahrer bulgarischer Box Champion, wie er uns mittels Google Übersetzter während der Autofahrt auch gerne mitteilte. Am Abend machten wir noch das Nachtleben Sofias unsicher, beziehungsweise machte uns das Nachtleben unsicher und wir zogen durch ein paar Bars.

Der Sonntag und somit der letzte Tag der ersten Woche stellte sich als kleines eigenes Abenteuer heraus. Mit zwei anderen Wahl-Sofiotern war ein Ausflug nach Koprivshtitza geplant. Dieses Dorf ist bekannt für traditionelle und gut erhaltene Architektur und war allemal einen Besuch wert. Die Hinfahrt bestritten wir mit dem Zug (offensichtlich ein alter DB Zug) bis nach Anton. Knapp 77 km und 2h für 5 Leva, also ca. 2,50 Euro. Von Dort aus ging es weiter zum Bahnhof von Koprivshtitza, der, wie sollte es doch auch anders sein, 8km weit weg vom eigentlichen Dorf liegt. Nach einigen bulgarischen Ansagen des voll besetzten Busses, dass wir hier raus müssen, standen wir also vor einem Bahnhof Mitten im Nirgendwo umgeben von Bergen, Bauarbeiten und Straßenhunden.

Wir fahren mit dem Bus
Akzeptanz des Ungewissen

In 30 min sollte ein Shuttle in das Dorf gehen und nach einigen „Hajde-Rufen“ ging es 45 min später auch wirklich los. Das Dorf erkundeten wir dann im Schnelldurchlauf, also Hajde! Viele schöne Häuser, in denen viele wichtige Personen geboren wurden. Die Museumskarte für 3 Leva haben wir uns auch noch gegönnt, noch Einiges gesehen und den Touristen an diversen Souvenirständen raushängen lassen. Der Shuttle ging dann auch wieder zurück und tatsächlich ging vom Bahnhof Koprivshtitza ein Zug zur Sofia Central Station. Zu Hause angekommen wurden dann erstmal Nudeln gekocht und die Hände verbrannt (Nudelsieb die 2.).

 

Und hier noch eine kleine Liste von mehr und weniger interessanten Eindrücken und Erlebnissen:

  • Das Leitungswasser hier ist bei Weitem nicht so gut wie daheim und Wasserflaschen schleppen ist richtig scheiße!
  • Auch wenn du kein bulgarisch sprichst, reden die Bulgaren einfach immer weiter, mit der kleinen Hoffnung, dass du doch irgendwas verstehst
  • Beim Metro fahren kenne ich mich mittlerweile so gut aus, dass ich mich richtig cool fühle, wenn ich ohne Hilfe von A nach B komme
  • Wasserhähne hier kennen nur „Tropfen“ und „Fontäne“ und auch nur „eiskalt“ und „kochend heiß“
  • Jedes Bahnhofhäuschen ist gelb gestrichen und draußen stehen Mitarbeiter mit lustigen Hüten, die manuell die Erlaubnis zum Weiterfahren erteilen. Die Pausen sind mal länger und mal kürzer, aber auf jeden Fall lang genug für eine Zigarette

Das war so grob meine erste Woche in Sofia. Viele kleine Abenteuer habe ich gar nicht erzählt und einige behalte ich auch einfach nur für mich.

Also Hajde, Hajde!

Eure Josi

 

Die erste halbe Woche in Sofia

Hey ich bin Elias und werde euch in diesem Blog aus Sofia berichten, ich bin als Kulturweit-Freiwilliger im Goethe Institut und versuche mich gerade ein wenig einzufinden. Ich bin 18 Jahre alt und habe gerade das CoronaAbi absolviert. Den Rest über mich könnt ihr in meiner Bio lesen, nun aber ab zum Beitrag für heute:

Nun bin ich hier, seid etwa 5 Tagen hier und habe schon so viel erlebt. In den ersten zwi Tagen war ich schon bei meiner Einsatzstelle im Goethe Institut in Sofia. Ich schätze ich habe es etwas zu ernst und auf die leicht Schulter genommen und hatte daraufhin am Freutag einen emotionalen Zusammenbruch. Es ging einfach nix mehr und nur das Telefonat mit den Eltern hat geholfen. Also falls es euch auch so geht, schaut hier im Kutlurweit-Blog vorbei oder ruft einfach mal zuhause an, eure Eltern freuen sich bestimmt!

Das Wochenende bis jetzt war intensiv, aber auch entspannend, gestern war ich mit zwei weiteren Kulturweit-Freiwilligen und einer Praktikantin vom Goethe Institut (alle kommen aus Deutschland) auf dem Vitosha Berg in der Nähe von Sofia. Dort hatten wir eine kleine Quer-Feld-Ein-Wanderung und danach einen Preisintensiven Besuch bei Ikea. Ich empfehle euch zu Ikea oder einem anderen Möbelgeschäft zu gehen, damit ihr euer Zimmer oder eure Wohnung ein bisschen personalisieren könnt. Ich habe mir (Ikea-treu) Teelichter, Messer, eine Decke, drei kleine Kakteen und ein paar Sachen für das Bad geholt. Es ist echt erstaunlich wie viel so kleine Dinge die Wohnung entfremden können. Ich fühle mich zwar noch  nicht 100 prozentig Wohl aber schonmal besser als vor noch 2 Tagen. Am Abend waren wir dann noch ein bisschen Bar Hopping und hatten einerseits die High-Society RooftopBar abgecheckt (wo wir aber auch nicht all zu lang geblieben sind, vorallem wegen den Preisen), andererseits eine ganz coole Kiez-Bar erwischt und eine sehr versteckte aber wunderschöne Alternative-Bar gefunden. Bei der letzteren gab es definitiv die besten Drinks.

Sonst hat mich die Stadt in ihren herbstlichen-Flair gezogen, die Parks sehen wunderschön aus und der Wind weht die ersten verblühten Blätter von den Bäumen, auch wenn ich den Sommer mehr mag als die kalten Herbst und Wintermonate, hat es doch was durch eine Stadt zu laufen wo es pro Person im Schnitt 11 Bäume gibt.