Hamburger Regenwetter in București

Eigentlich soll es in diesem kleinen Blog um all jene Orte gehen, denen ich während meines (hoffentlich) sechsmonatigem Lebensabstechers nach Rumänien begegne und die etwas in mir auslösen, mich inspirieren, mir einfach gut gefallen, ich schlicht und einfach mit anderen teilen möchte.

Passend dazu soll dieser erste Eintrag keinem spezifischen Ort gewidmet sein, da ich nun viel zu lange schon über einen möglichst passenden, repräsentativen Ort für diesen ersten Eintrag nachdenke, der natürlich auch noch in Bukarest sein sollte, weil hey, hier wohne ich schließlich jetzt. Umso passender ist dafür der Zeitpunkt um den es gehen soll: Mein erster ganzer Tag in Bukarest, nach einer Nacht, deren Schlaf sich aus einmal vor Erschöpfung um 5 auf dem Bett einnicken, vier Stunden zufriedenstellenden Schlafes in geteiltem Bett und nach der Notaufnahme einer anderen, nächtlich in Bukarest gestrandeten Freiwilligen bloß noch aus herumwälzen bestand.

Und was macht man an so einem Tag Besseres, als sich die neue Stadt, in der man nun ein ganzes halbes Jahr verbringen soll, etwas ausführlicher zu Gemüte zu führen. Natürlich stilecht unter einem wunderbar hamburgerisch grauem, nieseligen Wolkenhimmel. Aber es konnte nicht bei diesem Nieselregen bleiben und schnell steigerte sich die Aktion in ein immer nässeres Kennenlernen der rumänischen Hauptstadt. Das tat aber dem Erkundungswillen von mir und meiner reizenden Begleiterin, der gestrandeten Sachsin und zukünftigen Craiovaerin (bestimmt genau das richtige Wort), kaum Abstrich. Und somit stand der Regen für mich nimmer sinnbildlicher für die Herausforderung, die es definitiv ist, Bukarest kennenzulernen.

Bukarest macht es Mensch nicht immer einfach es schön zu finden

Tritt man aus dem Haus, wohlgemerkt wohne ich ziemlich zentral, 15-20 Minuten Fußweg in die Altstadt und in einem guten Viertel, stechen sofort die Kabel, die scheinbar ausschließlich oberirdisch verlegt werden, ins Auge. Zusammen laufen sie in teilweise riesigen Bündeln an Pfählen, wer da die Übersicht behält, dem gebührt Respekt.

Ein typisches Kabelknäuel

Je mehr wir uns der Innenstadt nähern, rennen wir von Gegensatz zu Gegensatz: Zwischen den notorischen Plattenbauten eines ex-sozialistischen Staates gibt es extrem viele schöne Altbauten (vom kleinen Mietshaus bis zur luxuriösen Villa) voller Stuck und Verzierungen und inklusive bröckelnder und abblätternder Fassade, und immer wieder die modernen Glas-Beton-Riesen einer millionenstarken Hauptstadt. Man merkt der Stadt ihre Geschichte und extremen Narben mehrerer intensiver Weltkriege deutlich an.

Die schönen…
und weniger schönen Ecken Bukarests

 

 

 

 

 

 

 

Überwindet man aber einen letzten 70er Hotelturm steht man vor der pittoresken Universität und Altstadt. Hier sollte nun eigentlich das liegen, was als Kulisse für 90% der Instagram-Posts aus Bukarest dient: Schöne, gut restaurierte Prachtbauten des Jugendstils und der Renaissance, gepflasterte Fußgängerzone, orthodoxe Kirchen mit goldenen Kuppeln und die Restaurants und Cafés mit auch für deutsche Verhältnisse hohem Preisniveau.

Der Universitätsplatz
…und weitere Kuppeln

Davon kriegen meine Begleiterin und ich allerdings nicht mehr übermäßig viel mit, da wir mittlerweile hauptsächlich unter geteiltem Regenschirm von Regenschutz zu Regenschutz laufen. Das intensivere Kennenlernen der Altstadt sollte mir noch für einen sonnenreicheren Tag erspart bleiben. Und so machten wir uns ziemlich schnell wieder auf den Rückweg, trotz des Regens gut gelaunt, allerdings mehr durch interessante Gespräche und das Weglachen der Situation als durch die berauschende erste Dosis Bukarest.

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