Wie schnell die Zeit vergeht und was ich schon so gelernt habe

Wie schnell die Zeit vergeht und was ich schon so gelernt habe

Man merkt schon daran, dass ich seltener einen Blogeintrag über neue Erlebnisse schreibe, dass ich so langsam wirklich angekommen bin. Das bin ich natürlich auch schon früher, nicht erst nach sechs Wochen, aber mittlerweile gibt es in meinen Alltag immer weniger Situationen, die mich verwundern, die ich dann in dem Blog hier teilen könnte. Wobei das auch wiederum nicht ganz stimmt. Besonders in der Schule gibt es noch viele, kleine Situationen, die in Deutschland so auf keinen Fall vorkommen und die mich verwundern, genauso wie in der Stadt oder bei Gesprächen. Aber die Situationen oder Erlebnisse sind halt nicht mehr so „außergewöhnlich oder besonders“ wie am Anfang.

Das heißt aber natürlich nicht, dass mein Leben hier langweilig ist und ich nichts erlebe, aber ich bin, glaube ich, einfach an dem Punkt angekommen, wo meine Tage genauso aufregend oder halt weniger aufregend sind wie zu Hause in Deutschland. Mit dem kleinen Unterschied, dass ich eben nicht in Deutschland bin, sondern in der Ukraine.

Und das muss ich mir auch immer wieder bewusst machen, wenn ich nach der Schule nichts mehr unternommen habe. Dann bekomme ich schnell das Gefühl, die Zeit hier im Ausland nicht so auszunutzen, wie ich es könnte. Aber unter der Woche sind vor allem die SchülerInnen, aber auch die Studenten einfach beschäftigt, und schließlich soll ich ja das Leben in der Ukraine miterleben, da gehört es dann wahrscheinlich dazu, dass man sich unter der Woche oft nicht verabredet. In Deutschland ist das ja auch nicht anders, aber hier habe ich halt mehr freie Zeit als zu Hause und als die anderen hier. Und das sollte mich dann nicht davon abhalten die freie Zeit, die ich dann eben alleine verbringen muss, zu genießen, auch wenn nicht immer etwas besonderes passiert. So viel freie Zeit werde ich wahrscheinlich die nächsten Jahre nie wieder haben.

Es gibt gute Tage und auch Tage, die weniger gut laufen. Tage, an denen ich im strömenden Regen nach Hause laufen muss (das ist hier tatsächlich etwas anderes als in Deutschland, durch die vielen Schlaglöchern auf den Bürgersteigen und den teilweise nicht asphaltierten Wegen wird der Schulweg zum „Parkourlauf“, meine hellen Schuhe sind mittlerweile dunkel grau/braun geworden). Zu Hause angekommen, ich habe mich schon total auf einen Tee und etwas Warmes zu essen gefreut, bemerkte ich, dass der Strom ausgefallen ist. Also sitze ich mehr oder weniger im Dunklen in meinem Zimmer, da das Tageslicht, besonders wenn draußen kein gutes Wetter ist, bei weitem nicht ausreicht. Ein Vorteil hatte das ganze aber: Da auch das WLAN nicht funktioniert hat, hab ich die Zeit einfach (gezwungenermaßen) für die Dinge genutzt, die ich vor mir her geschoben habe.

Ich musste dann noch einmal im strömenden Regen zur Schule und zurück, um im Endeffekt nichts im Unterricht machen zu können, weil die Klassen zusammengelegt wurden und eine Stillarbeit schreiben mussten. Aber auch hier hätte ich am Anfang davon totales Heimweh bekommen, was ich am Anfang immer bekommen habe wenn etwas schlecht gelaufen ist, und hätte mich den Rest des Tages darüber geärgert. Diesmal war ich zwar etwas schlecht gelaunt, aber habe mich ziemlich schnell damit abgefunden, es abgehackt und versucht noch das beste aus dem Tag zu machen, was auch nicht ganz funktioniert hat. Auch das zeigt mir wieder, dass die Anfangszeit, die teilweise schon echt hart war, etwas gebracht hat, ich gelernt habe und daran gewachsen bin. Somit hatte der Tag dann doch wenigstens etwas Gutes.

Da ich keine Lust hatte bei dem Wetter im Stadion zu trainieren, habe ich mich dazu entschieden, einfach mal das Schwimmbad auszuprobieren, das ganz in der Nähe von meinem Zuhause liegt. Das Schwimmbad befindet sich in einem Sportzentrum, sodass ich, als ich hineingegangen bin, in einer großen Halle stand und gar keinen Überblick hatte. Nach kurzer Orientierungslosigkeit habe ich auf meinem Handy „Ich möchte Schwimmen gehen“ übersetzten lassen und einer Frau am Schreibtisch gezeigt. Sie hat mir dann einen Zettel geschrieben mit der Uhrzeit und dem Preis. Und sie hat mit Pantomime dargestellt, dass ich eine Schwimmkappe brauche. Damit war dann auch klar, dass das in den nächsten Tagen nichts wird mit dem Schwimmen, denn an eine Schwimmkappe habe ich in Deutschland natürlich nicht gedacht. Danach hat sie noch einige Minuten auf ukrainisch irgendetwas erzählt, obwohl ja eigentlich klar war, dass ich nichts verstehe… Ich habe gelächelt und genickt. Vor einem Monat wäre ich glaube ich, als ich gesehen hätte, dass das Schwimmen gehen doch etwas komplizierter ist, einfach wieder nach Hause gegangen. Dass ich ohne Überlegen einfach auf fremde Leute zu gehe ohne die Sprache zu können, ist eigentlich echt ungewöhnlich für mich, aber in der Situation habe ich überhaupt nicht darüber nachgedacht, sondern wollte einfach nur wissen, wo ich schwimmen kann. Da war ich selbst etwas überrascht von mir:)

Ich bin zwar in Deutschland immer mit dem Fahrrad zur Schule gefahren und das auch oft im Regen, aber zum einen ist meine Schulzeit mittlerweile auch schon etwas her (zumindest ist seitdem viel passiert) und zum anderen gab es in meinem letzten Schuljahr genug Freunde, die schon 18 waren und uns mit dem Auto zur Schule fahren konnten wenn es geregnet hat.

Hier in der Stadt mache ich alles zu Fuß. Busse fahren zwar, aber meistens bin ich zu Fuß schneller und eigentlich gehe ich auch sehr gerne zu Fuß. Da ich hier alles ganz gut erreichen kann, macht mir das grundsätzlich eigentlich gar nichts aus. Aber beim Einkaufen im Supermarkt, früh morgens zum Bahnhof gehen zu müssen, das beides relativ außerhalb liegen, oder wenn das Wetter mal richtig schlecht ist, vermisse ich schon ein bisschen das Auto. Mir war auch schon vorher bewusst, was es für ein Luxus ist, entweder gefahren zu werden oder seit ich 18 bin selbst zu fahren. Trotzdem wird mir das hier nochmal richtig bewusst, was eben die Konsequenzen sind, wenn man wirklich alles zu Fuß machen muss.

In der Schule ist es für mich im Moment sehr entspannt. Viele Lehrer sind auf Seminaren oder in Deutschland, sodass viel Unterricht ausfällt oder zusammengelegt wird, in den Stunden kann ich dann meistens nicht viel machen. Das genieße ich gerade, nach der Schule viel freie Zeit zu haben und in der Schule auch nicht so aktiv sein zu müssen. Aber das sollte natürlich kein Dauerzustand werden, aber eine Woche ist da mal ganz angenehm.

Nach den Herbstferien, die nächste Woche beginnen, bin ich noch zwei Wochen an der Schule, bis es für mich zum Zwischenseminar in einen Nachbarort geht. Danach finden die DSD-Prüfungen statt, in denen ich auch eingespannt sein werde, dementsprechend werden die Wochen bestimmt schnell herum gehen. Weniger als vier Wochen sind es dann noch nach dem Zwischenseminar bis ich für eine Woche über Weihnachten nach Hause fliege. Bis fast Mitte Januar sind an meiner Schule Winterferien, sodass ich noch knapp sechs Wochen an der Schule bin bis es für mich zum Nachbereitungsseminar nach Berlin geht. Mir war von Anfang an klar, dass ich nur sechs Monate gehen werde, und damit bin ich auch weiterhin aus verschieden Gründe zufrieden, aber dass meine Zeit hier irgendwie schon so „gezählt“ ist, hat mich dann schon sehr schockiert, als mir das in den letzten Tagen bewusst wurde. Aber umso mehr sollte ich die Zeit hier einfach genießen und nicht so viel darüber nachdenken, was ich vielleicht gerade falsch mache oder besser machen könnte.

Ich zweifel manchmal, ob ich in der Schule wirklich all das mache, was meine Aufgaben sind, ob die Lehrer zufrieden mit mir sind, ob ich andere oder mehr Sachen machen sollte. Aber ich hoffe und gehe auch davon aus, dass die Lehrerinnen sich bestimmt bei mir melden, wenn ich etwas anders machen soll. Ich kann ja auch nur aus „meinem Gefühl“ heraus handeln, konkret wurde uns ja nie gesagt, was wir an den Schule machen müssen.

Auch an dem Wetter wird immer jeden Tag bewusst, wie schnell die Zeit hier vergeht. Als ich angekommen bin, war noch alles grün und warm. Vor ein paar Wochen waren die Bäume dann voller oranger Blätter, und die Temperatur war noch recht sommerlich. Mittlerweile sind die Bäume kahl, es regnet immer öfters, es gibt immer weniger warme Tage. Aber im Moment finde ich das kalte Wetter nach den langen und sehr heißen Sommermonaten richtig schön, mal sehen wie lange das anhält.

Ich habe sowohl im Internet gelesen als auch von den Leuten hier gehört, dass es im Winter teilweise bis zu -20 Grad kalt wird. Aber trotzdem habe ich nicht damit gerechnet, dass es Ende Oktober anfängt zu schneien. Das war selbst für die SchülerInnen eine Überraschung, die haben sich aber über den Schnee total gefreut, ich etwas weniger. Der Schnee ist aber mittlerweile wieder geschmolzen, das Wetter ist zwar nicht unbedingt besser, aber das wird sich in den nächsten Monaten wahrscheinlich auch erst mal nicht ändern.

Für mich geht es jetzt zu meiner ersten Reise, die ich wirklich alleine mache. Wobei ganz alleine bin ich wiederum auch nicht, weil ich in Kiew ein paar andere Freiwillige treffen werde. Ich freue mich schon riesig und bin gespannt, was mich erwartet.

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