Arbeitsladen.

Ich bin‘s wieder :) Jetzt geht es auch nicht mehr um den ganzen Gefühls- und Erwartungskram, sondern um die nackte Realität. Zumindest das Vorbereitungsseminar. Wie nackte Realität fühlte es sich so allerdings nicht an. Auch wenn offiziell das Seminar zur Dienstzeit zählt und die nackige Realität kurz vor der Tür stand (wie uns tagtäglich versprochen und angedroht wurde) war es mehr eine Art Bildungslager, das etwas aus den Fugen geriet. Über die wirklichen Ausmaße machte ich mir natürlich vorher keine Gedanken, aber eine Vorahnung davon, zehn Tage mit 320 Gleichgesinnten zusammen zu wohnen und zu lernen bekam ich bereits beim ersten Snack auf dem Seminargelände. Alle kennenlernen ? Unmöglich, auch wenn das vielleicht irgendwie mein Anspruch war.

Zwangsläufig führte das auch zu einer gewissen unverbindlichen Art der Sozialisierung. Dafür sorgten schon allein die schmucken Namensschildchen, auf denen unser Name, Organisation und Einsatzland prangte und den obligatorischen Fragen „Wie heißt du ?“ „Wohin gehst du eigentlich ?“ vorbeugen sollte. Dass wir alle zumindest ähnlich denken, ähnlich ausgerichtet sind und ähnliche Interessen teilen wurde spätestens nach dem Startschuss bei der Begrüßung klar. Nach Erhalt des Treuen Begleiters (der Kulturweit-Flasche) ging es nämlich direkt in die erste „Homezone-Einheit“. Unter diesem etwas seltsamen Namen fasste die Seminarleitung immer etwa 12-14 Leute zusammen, die in ähnliche Einsatzregionen fuhren. In meinem Fall lebte so die historische Allianz Polen-Litauen wieder auf und ich fand mich als einziger Junge mit zwölf gleichverrückten Mädchen wieder. In dieser Runde teilten wir in zahlreichen offiziellen Sitzungen nicht nur wichtige Diskussionen, Fragen und Probleme. Sondern auch in vermutlich noch zahlreicheren inpffiziellen Sitzungen die gleichen Dinge nebst unserer Schokolade, unserem Wein und unserer Begeisterung für das Wizardspielen.

Natürlich Bestand das Seminar aber nicht nur aus „Homezones“. Die Gelegenheit, auch andere Teilnehmer kennenzulernen hatte auch bei einer umfangreichen Exkursion nach Berlin die sich lobenswerterweise von klassischem Sightseeing distanzierte. Dazu kamen zahlreiche „Workshops“ und Seminareinheiten unserer Organisationen, die zum Teil zurecht hinterfragt wurden, zum Teil jedoch (wie ich aus meiner bereits begonnenen Arbeit berichten kann) ein echtes Ergebnis bereithielten. Und obgleich auch die von den Trainern angebotenen „Workshops“ und „Räume“ wesentlich angenehmer waren, so stöhnten doch bald viele über deren schiere Anzahl und die zahlreich neu angesetzten Wahlen.

Nach der Abschlussfeier die noch bis in die Morgenstunden tobte, nahm das Seminar schließlich Am Nachmittag des 10. September ein sehr müdes und unruhiges, aber erwartungsvolles offizielles Ende. Zugegeben, es kam sehr plötzlich. Hatten am Abend noch alle miteinander gefeiert und getrunken, so gingen jetzt alle in alle Winkel der Welt auseinander, jeder für sich allein.

Mein Fazit:

Was ich aus dem Seminar mitgenommen habe sind neben guten Bekanntschaften und schwerem Gepäck vor allem Gedanken. Input, Denkanstöße, die wir uns teilweise gegenseitig gaben oder die uns von Trainern gegeben wurden. Ich habe viel reflektiert über Fragen, wie „Wie funktioniert Diskriminierung ?“ „Auf welchen Ebenen ?“ „Wie macht sich Diskriminierung in meiner Sprache bemerkbar ?“. Ja ich habe sogar in Frage gestellt, ob ich diesem Blog weiterschreiben möchte. Ich habe hinterfragt, was ich mit kulturweit überhaupt erreichen will, und ob es nicht eine gewisse Art der Bequemlichkeit ist, ausgerechnet in Polen meinen Freiwilligendienst zu absolvieren. Für mich war das Vorbereitungsseminar wertvoll. Und ja: da ich diesen Artikel mittlerweile aus meinem Einsatzland schreibe, behaupte ich, das Seminar hat mich tatsächlich vorbereitet. Wenn auch nicht in dem Sinne, in dem ich es wollte.

Danksagung:

Neben den sympathischen Mädels aus meiner Homezone ist mir noch wichtig, die Besonderheit des Seminargeländes hervorzuheben. Der sozialistisch-nostalgische Charme eines ehemaligen Pionierlagers gepaart mit brandenburgischer Idylle ergibt ein so hervorragendes Ambiente, dass ich mich schon jetzt auf das Nachbereitungsseminar freue. Mehr dazu auf den Bildern.

An euch Trainer und das Orgateam, falls das jemand liest: Ihr mach einen verdammt guten Job, macht den bitte weiter so gut ! Vor allem Danke an Vanessa aus der Homezone !

Zuletzt möchte ich noch allen Leuten danken die ich auch nur flüchtig kennengelernt habe. Ihr habt mit zu einer tollen Zeit beigetragen.

Danke Trainer !

Danke Mädels (#homezone19)!

Danke Alle !

Euer Moritz.

2 Gedanken zu „Arbeitsladen.

  1. Wenn du vorort Zeit findest, schreibe bitte ein Buch, ich finde deinen Schreibstil einfach nur gut.
    Ich freue mich schon von neuen Erfahrungen aus deinem Einsatz zu hören.

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