Was sonst noch geschah…..

Abschied – ein Wort, das ich wirklich lange nicht auf dem Schirm hatte ist mir jetzt doch allgegenwärtig. Ganz langsam hat es sich langsam angeschlichen und mir plötzlich eine riesengroßen Schrecken eingejagt. Kein Wunder: Schließlich ist soviel passiert, dass ich mit dem Schreiben kaum hinterher gekommen bin. Und da mein letzter Artikel zu meiner Arbeit in Polen schon sehr lange zurück liegt, möchte ich gerne etwas Klarheit schaffen im Lauf der Dinge, die sich ab Ende März ereigneten.

Gehen wir weit zurück: Ende März endeten (endlich) die anspruchsvollen DSD-Prüfungen, die einen sehr großen Teil meiner Arbeit ausmachten. Das bedeutete nun, dass sowohl für die Schüler, als auch für die Lehrer eine entspanntere Zeit beginnen sollte, da immerhin noch die staatlichen Abschlussprüfungen für Gymnasium und Grundschule anstanden. Da gebot es sich der Lehrerseite offensichtlich, die Schüler im Deutschunterricht etwas zu entlasten. Des Weiteren wurde der April aus einem anderen ganz politischen Grund ein sehr ruhiger Monat für mich.

Die Lehrer in Polen streikten. Fast einen ganzen Monat lang, und das zu ihrem guten Recht. Schaut man sich als Deutscher die Gehalts- und Arbeitsverhältnisse polnischer Lehrer an, kann es einem schonmal schnell schwindelig werden. Fatalerweise liegen die Lehrer in unserem Nachbarland bei 18 Wochenstunden in der Schule mit etwa 700€ monatlich noch unter dem nationalen Gehaltsdurchschnitt. Auch die öffentliche Anerkennung des Lehrerberufs ist gelinde gesagt nicht besonders hoch. Aus diesem Grund wurde fast einen ganzen Monat lang hart gestreikt für bessere Löhne, Arbeitsbedingungen und mehr Anerkennung.

Für mich hieß das natürlich wenig Arbeit und viel Nichtstun. Dennoch ging ich fast jeden Tag in die Schule, um meine Kollegen mental zu unterstützen und ein paar kleine Aufgaben zu erledigen. So schnell ich also immer mehr und intensiver in den polnischen Schulalltag eingetaucht war, so schnell war das leider auch schon wieder vorbei. Ein paar Vorteile hatte es trotzdem: Ich hatte ständig ein freies (akustisches) Klavier zum Üben und bekam in dieser Zeit auch Besuch von sehr vielen Freunden, mit denen ich zusammen Kraków noch etwas entdecken konnte.

Außerdem füllte ich mir die Zeit mit Teilnahme an der Jury von „Jugend debattiert international“ und mit der Realisierung eines gemeinsamen Projektes von – wer hätte es gedacht – Emil aus Zielona Góra.

Er hatte sich schon lange stark gemacht, erkundigt und organisiert für eine deutsch-polnische Jugendbegegnung in Wrocław. Dabei gelang es ihm, sowohl unser alte Schule, das St. Benno-Gymnasium Dresden, als auch seine Einsatzstelle, ein Liceum in Zielona Góra an einen Tisch zu bringen. Auch ich hatte das Glück, ein Teil davon zu sein. Und so fuhren wir vom 04.-06.04. nach Wrocław, wo wir drei sehr lustige und sprachintensive Tage verbrachten. Auch hatten wir die Möglichkeit, unsere alte Lehrerin im Fach Polnisch Frau Manitz, die sich sehr zufrieden und erfreut über unsere erworbenen Polnischkenntnisse zeigte.

 

 

Altstadt in Wrocław

 

Integrationsspiele der deutschen und polnischen Gruppe

Der Unterricht begann erst wieder nach Ostern, was ich in Ermangelung von Familie und Freunden, die alle weggefahren waren allein feiern musste. Sad. Da war mir doch die Arbeit, die wieder fahrt aufnahem als Ablenkung sehr gelegen, da auch nun viel mehr Freiheit in der Arbeit mit den Schülern da war. Alle Dinge, für die man in der Prüfungsvorbereitung keine Zeit hatte: Filme drehen, singen, Brettspiele spielen…. Waren nun möglich und entspannten mich und die Schüler sichtlich nach der harten Lernphase

Aber auch das „entspanntere Arbeiten“ erübrigete sich angesichts anderer Aktionen bald. Da war zunächst mal unser gemeinsamer Kurzurlaub auf der polnischen Seite der hohen Tatra mit ein paar anderen Freiwilligen Anfang Mai. Darüber habe ich aber einen gesonderten Artikel geschrieben.

(„Waren Sie schonmal in Zakopane ?“)

Auch stand noch unser Schüleraustausch mit der Peter-Vischer-Schule in Nürnberg an , zu dem ich liebenswerterweise eingeladen war. Ein seltsames Gefühl war es schon, in einem Freiwilligendienst im Ausland einen Ausflug ins Heimatland zu machen, neben all den Schülern, für die das nun wieder das Ausland war. Alles in allem saß ich aber am 27. Mai voller Vorfreude im ICE, war ich doch vorher noch nie in Nürnberg gewesen. Ich freute mich besonders darauf, eine neue Stadt (und eine andere Schule) kennenzulernen, und auch die Organisationslehrer der Deutschen Seite wiederzutreffen, mit denen ich immer sehr gut verstanden hatte.

Eine Woche hatte nun darum allerlei zu tun, um meinen Erwartungen gerecht zu werden.Filmabende, Grillabende, Nürnberger Altstadt, viel Geschichte und natürlich ordentlich Nürnberger Lebkuchen futtern war alle teil des Programms.Gesondert hervorheben möchte hier noch einmal meine überaus nette Gastfamilie, die mir eine unglaublich nette Zeit und das leckerste Essen bescherte.

Blick über die mittelalterliche Altstadt von Nürnberg

 

Der polnische Teil der Austauschgruppe + Lehrer

Zurück in Kraków ging es dann direkt weiter mit der Organisation einer Wohltätigkeitsveranstaltung. Hierbei wurde bei einen Programm verschiedener Aufführungen, einem Kuchenbasar und Flohmarkt Geld für Stipendien gesammelt. Diese kamen wiederum Schülern zu Gute, die entweder aus schwierigen finanziellen Verhältnissen kommen, oder die besonders hart gearbeitet haben. Hierbei kam mir die Rolle zu, gemeinsam mit einer Schülerin den künstlerischen Teil des Programms zu moderieren. Allerdings mit vertauschten Sprachen. So wurde uns nun auch zum ersten Mal die Ehre zuteil, im Stress der Anwesenheit eines großen Publikums eine Fremdsprache zu sprechen. Keine einfache Erfahrung, aber eine lohnenswerte.

Weiter in der „Irregularität“ der Ereignisse verschlug es mich nach einem kurzen Wochenendtrip zu Anja (der Freiwilligen in Przeworsk bei Rzeszów im Südosten Polens) in die Zielona Szkoła. Diese sogenannte „grüne Schule“ ist die Bezeichnung für das, was in Deutschland mit „Klassenfahrt“ oder „Landheim“ bezeichnet wird. Mit der 4. Klasse meiner Mentorin durfte ich so als Betreuer vier Tage in den Schlesischen Beskiden verbringen. Im Schutze der Malerischen Berge und eines Sees konnte ich mich nun für eine 15-köpfige Jungsgruppe verantwortlich fühlen. Eine Tatsache die mir einmal mehr vor Augen führte, wie be- und entlastend die Arbeit mit Kindern sein kann, und dass mich gerade das fasziniert. Kommunikationssprache während der ganzen Fahrt: Polnisch. Vermutlich war das auch der Grund, warum ich nach der Fahrt wie ein Stein ins Bett fiel, stolz, vier Tage quasi kein deutsch (oder englisch) gesprochen zu haben.

Die letzte Woche, die nun anbrach können im Großen und Ganzen mit letzten Schultagen in Deutschland gleichgesetzt werden, da quasi kein Unterricht mehr stattfand und nur noch geputzt oder Filme gezeigt wurden. Die „Abschlusszeremonie“ jedoch hatte es in sich. Diese kann man tatsächlich mit nichts vergleichen, was wir in Deutschland kennen. An den beiden letzten Schultagen hatte jede Klassenstufe ihre eigene Abschiedszeremonie im Vorraum der Schule, wozu alle auf das Beste angezogen erschienen und in Reihen Platz nahmen. Spezielle „Standartenträger“, Schüler in rot-weißen Schärpen und mit weißen Handschuhen, trugen die Schulstandarte zu den Klängen der Nationalhymne auf die Bühne, während die gesamte strammstand und sang. Hierbei zierte eine Seite der Standarte die polnische Nationalflagge und die andere Seite die Schulflagge. In Polen hat jede Schule so eine eigene Schule so eine eigene Schulflagge. Zusätzlich hat meine Schule auch noch eine eigene Schulhymne, die zum Auszug der Standarte geschmettert wurde. Zwischen Ein- und Auszug fanden zahlreiche Ansprachen wichtiger Leute statt, sowie unzählige Preisverleihungen für gute Leistungen, Verdienste der schule und Platzierungen in schulischen und zwischenschulischen Wettbewerben.

Obwohl ich keinen Preis erhielt, war ich trotzdem sehr angespannt und auch sehr emotional gerührt, denn alle diese Zeremonien bedeuteten vor allem eines: Ende des Schuljahres: Abschied. Der fiel mir auch reichlich schwer, zumal viele Schüler noch einmal persönlich bei mir vorbeikamen, um mir zu danken, alles gute zu wünschen und zu mich umarmen, was mich sehr bewegte. In einem persönlichen Gespräch mit meinen vier Kolleginnen aus der Fachschaft Deutsch musste ich dann auch ein paar Tränchen verdrücken angesichts der vielen lieben Worte, Wünsche und schönen gemeinsamen Erinnerungen.

Schließlich hatte ich auch den Raum, mich in einer selbstgeschriebenen Rede von Schulleitung und Schulkollegium auf der „großen Bühne“ zu verabschieden, was etwas sehr schmerzhaft endgültiges in sich hatte.

Reichlich Tränen flossen auch beim Abschlussball meiner 3. Klasse des Gymnasiums, der noch am gleichen Abend stattfand. Beim gemeinsamen Lachen, Feiern, Essen und ausgelassen Tanzen lernte ich auch viele Schüler und Lehrer noch von einer ganz anderen Seite kennen. Der absolute Dauerbrenner unter den Tänzen in Polen, die Belgijka durfte natürlich auch nicht fehlen und als diese um 00:00 als Abschlusstanz gespielte, schaute ich in unzählige glückliche und begeisterte Gesichter. Das gehörte definitiv zu den glücklichsten und traurigsten Momenten meiner Zeit hier in Polen.

Ausgelassene Stimmung auf dem Abschlussball

So schnell geht also die Zeit in der schule,doch ich bleibe vorerst in Kraków. Noch sind meine Tage hier nicht gezählt und ich habe noch reichlich Gelegenheit, mich mit ehemaligen Kollegen und Schülern ganz leger in der Freizeit zu treffen. Ab und zu engagiere ich mich noch im Juli im JCC, dem jüdischen Gemeindezentrum in Kazimierz mit meiner Mitfreiwillligen Juli. Gemeinsam haben wir auch noch einiges in Kraków mit Katsia zu entdecken, bis es wieder nach Deutschland geht. Darum wirds hier auch nicht langweilig ;)

Der nächste Artikel wird ein großer Bilanzartikel zu Polen,

Bis denne,

Moritz

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