prägende Ereignisse – Rückblick Monat Zwei

Ich habe das Gefühl, dass diesen Monat drei sehr prägende beziehungsweise wichtige Dinge passiert sind.

In chronologischer Reihenfolge:

Wie ich in meinem letzten Post schon kurz erwähnt habe, war ich in den Herbstferien mit meiner Gastfamilie in Bucerias, einem Ort in der Nähe von Puerto Vallarta. Dort, wo das salzige Wasser des Pazifiks an den Strand trifft.

Und als ich dort so im Meer stand. Umgeben von den hohen Bergen und Palmen, verspürte ich nicht nur das Gefühl von unglaublicher Dankbarkeit, sondern auch Vertrauen.

Denn so poetisch und bescheuert, wie es auch klingt: Jedes Mal, wenn mich eine der großen Wellen hochriss und ich den Boden nicht mehr unter den Füßen spürte, konnte ich mir trotzdem sicher sein, dass ich wieder sicher auf dem Boden abgesetzt werde. Egal, wie hoch die Welle und egal, wie sehr ich es wollte oder nicht. Und in diesem Moment dachte ich mir, wieso nur der Welle trauen und nicht gleich dem ganzen Leben. Wieso mir den Kopf zerbrechen, wenn ich auch einfach tief durchatmen und mir sicher sein kann, dass am Ende des Tages schon irgendwie alles gut sein wird. Und um ehrlich zu sein hat mir diese Denkweise bis jetzt so viel Gutes, Zuversicht und innere Ruhe gebracht.

Wie zum Beispiel bei „Geschehnis“ Nummer zwei.

Ich will meinen Blog offen gestalten. Nicht jeder Tag meines Lebens in Mexiko ist perfekt, auch wenn ich hier sehr glücklich bin. Es gibt wie im Ozean, wie eine Welle immer Höhen und Tiefen und ich gebe zu, dass ich letzte Woche ein kleines Tief hatte. Beziehungsweise einfach etwas, dass mich sehr beschäftigt hat.

An einem Sonntagmorgen (um genau zu sein den 27. Oktober) hatte ich, nach einer gewissen Partynacht zu der ich später noch kommen werde, ein Gespräch mit meiner Gastfamilie.

Es ging hauptsächlich um das bekannte Problem mit meinem Gastbruder, welches ich schon etwas in dem Blogeintrag über meine Gastfamilie (Klick!) erwähnt habe. Im Folgenden möchte ich keinen als schuldig darstellen, sondern will lediglich das Gespräch und meine Emotionen dabei schildern.

Meiner Gastfamilie war nämlich auch aufgefallen, dass irgendetwas nicht richtig bei meinem Gastbruder und mir hinhaut. Ich erklärte ihnen die Situation, dass ich manchmal das Gefühl hätte, dass er Angst vor mir hätte und mich einfach nicht mag. Zu hören, dass dies stimme, war hart für mich. Insbesondere das Gespräch, was dann folgte, indem mein Gastbruder toll dargestellt wurde und mir das Gefühl gegeben wurde, dass alles mein Fehler ist und sie total enttäuscht von mir sind, war sehr überraschend für mich… ein bisschen wie ein Schlag in Gesicht. Schließlich hatte ich davor all meinen Freunden und meiner Familie berichtet, wie klasse meine Familie ist, wie super wir uns verstehen und das ich nicht mal Heimweh habe! Zu hören, dass sie nicht dasselbe fühlen, hatte mich sehr getroffen. Grund dafür waren unter anderem, dass ich viel in meinem Zimmer bin und mich zu wenig im Familienleben integriere und dass ich mehr mit Samuel Deutsch üben und ihn ansprechen soll. Auch wenn ich froh war, dass sie es mir gesagt hatten, musste ich diesen Kloß an Negativem erstmal verdauen.

Samuel war bei dem Gespräch nicht anwesend, sondern bei meiner Gasttante. Nachdem Gespräch sind meine Gasteltern mehr oder weniger vom Frühstückstisch aufgesprungen und ihn abholen gefahren und ich stand da wie ein begossener Pudel. Ich wusch das Geschirr ab und dachte über das nach, was mir gerade passiert ist und konnte nicht anders als zu weinen. Ich war immer noch so überrascht, wie ich mich so hatte täuschen können.

Ich rief meine Familie in Deutschland kurze Zeit später an und erklärte ihnen, was passiert ist. Das was mir eigentlich schon klar war, stand nach dem FaceTime-Gespräch fest: Ich musste nochmal mit meiner Gastfamilie über alles reden.

Wie ich so war verbrachte ich viel Zeit mit nachdenken, reflektieren und überlegen, was und wie ich es am besten sage.

Den Tag darauf sprach ich also meine Gastmutter nach dem Abendbrot nochmal darauf an. Ich erklärte ihr, dass ich das Gefühl hätte sie enttäuscht zu haben und dass es mir leidtue. Der Grund, wieso ich bei geschlossener Tür in meinem Zimmer sei, hatte gar nichts damit zu tun, dass ich mich von meiner Gastfamilie belästigt fühle, sondern einfache Gründe wie meine fast immer offenen Fenster, wegen denen die Tür immer zu fiel, dass ich Spanisch übe und meine Gastfamilie nicht stören will oder ich insbesondere während des ersten Monats einfach k.o. von meinem neuen, langen und abwechslungsreichen Tagesablauf war. Ich erzählte, dass ich es einfach nicht gewohnt war, jeden Tag von früh bis spät beim „LaserTag“, Familientreffen, Restaurants oder Einkaufszentren zu sein. Meine Gastmutter verstand dies und meinte, dass sie sich einfach Sorgen gemacht hätten, dass ich Heimweh hätte. Insbesondere nach dem ersten Monat komme dies schließlich häufig vor. Ich erzählte ihr, dass das Gegenteil der Fall sei und ich mich ehrlich gesagt sehr wohl fühle und das Gespräch deshalb sehr überraschend für mich war. Was für mich auch noch ein wichtiger Punkt war, war das Thema „Samuel Deutsch beibringen“. Ich wusste, dass mein Gastbruder nicht der beste in Deutsch war und seine Lust und Laune die Sprache zu lernen, beziehungsweise die Zeit zu investieren auch eher gering. Ich bin keine ausgebildete (Deutsch-) Lehrerin und wenn meine Gasteltern mich bitten mit ihm Deutsch zu üben, ohne genau zu sagen was, kann ich keine Unterrichtsstunde mit perfekten Materialien her zaubern und weiß, wo seine Probleme sind. Ich helfe immer gerne und so gut ich kann, aber am Ende des Tages, muss mein Gastbruder selber die Vokabeln lernen, da kann ich noch so viele Vokabel-Memorys basteln und mit ihm spielen.

Wir einigten uns also darauf, dass ich die darauf folgende Woche mit Samuels Deutschlehrerin sprechen würde und mich über die Dinge, die nicht so gut laufen informiere und mit Samuel jeden Tag, wenn auch nur kurz, übe. Dass ich meiner Gastfamilie so viel wie möglich sage, was ich in meinem Zimmer mache, sowie einmal die Woche koche und das Haus fege und wische, weil die Haushaltshilfe nur montags und mittwochs kommt.

Ich bin froh, dass wir noch einmal darüber reden konnten, aber ich fühle mich sehr unter Druck gesetzt. Ich weiß jetzt, dass der einzige Grund, wieso ich bei meiner Gastfamilie lernen kann, der ist, dass ich meinem Gastbruder Deutsch beibringe. Hinzukommt, dass ich jetzt das Gefühl habe die ganze Zeit von ihnen beobachtet und analysiert zu werden, wodurch ich mich einfach nicht wie ich selber fühle und als wenn ich Dinge mache/sage/tue, weil ich es will, sondern weil ich sie machen muss. Auch wenn ich sie davor vielleicht ohne drüber nachzudenken gemacht hätte.

Auf die Frage meiner Freunde und Familie, ob ich nicht meine Gastfamilie wechseln oder ausziehen will, antworte ich immer mit nein. Denn ich mochte/mag meine Gastfamilie und hoffe einfach, dass dies nur eine Phase ist und bald wieder besser wird.

Kommen wir also zu Ereignis Nummer drei.

Mein neuer Freund! Ja, ich weiß es klingt total bescheuert, dass ich mich so darüber freue und es als Ereignis betitle. Aber so ist es nun mal. Leo habe ich über Tinder kennengelernt und bevor alle aufschreien: Er ist ganz normal und wir haben uns irgendwelche Hintergedanken kennengelernt. Ehrlich gesagt, haben wir eigentlich kaum gesprochen, bevor wir uns getroffen haben. Ich habe auf Tinder lediglich geschrieben, dass ich gerne ein paar Leute kennenlernen würde, wir haben gematched, uns kurz darüber unterhalten, was ich in Guadalajara mache und dann war erstmal wieder Sendepause. Er lud mich ein paar Wochen später zu einer Party ein, zu der ich aber nicht kommen konnte, weil ich ich im Urlaub war. Dann war wieder Ruhe und auf einmal fingen wir an zu schreiben und ich erzählte ihm, dass ich eine Liste hätte mit Museen zu denen ich gerne gehen würde und er bot mir an mitzukommen. Wir trafen uns also am Samstag im Hospicio Cabañas (einem sehr interessanten Museum, über die Geschichte Mexikos und ganz vielen tollen Kunstwerken von unfassbar begabten Menschen aus dem Norden Mexikos)  und ich war eigentlich sofort dankbar und begeistert von seinem Wissen über die mexikanische Kultur/Kunst und seinem sehr guten Englisch, auch wenn er dies immer abstreitet). Obwohl ich mir vor unserem Treffen gesagt habe, dass wenn es nichts ist, ich einfach nach dem Museumsbesuch wieder nach Hause und ihn nie wieder sehen muss, verstanden wir uns so gut, dass wir beschlossen durch die Stadt zu schlendern, in eine Bar zu gehen (wo ich gefühlt jedes existierende mexikanische Bier probiert habe) und danach feiern zu gehen. Ja, das alles war definitiv nicht geplant! Wir trafen uns direkt am Mittwoch nochmal und dann wieder am Samstag, wo ich seine Freunde kennenlernte und sind eigentlich ständig dabei zu schreiben und unser nächstes Treffen zu planen. Und tja, was soll ich sagen? Ich bin unglaublich froh und dankbar ihn hier zu haben. Bei dem ganzen Drama mit meiner Gastfamilie stand er mir immer zur Seite und ich kann mit ihm über jeden Käse reden und er wäre für mich da… und umgekehrt natürlich genauso. Wir können den ganzen Tag lachen, essen, schreiben, trinken, uns gegenseitig piesacken und die Ohren voll heulen und es würde trotzdem nie langweilig werden. Wer hätte gedacht, dass ich so schnell einen so tollen Menschen und besten Freund kennenlernen würde? Ein Glück hatte ich an diesem Samstag meine Paranoia zu Hause gelassen und einfach mal dem Leben vertraut 🙂

So viel von mir heute! Wie immer sind Fragen, Kommentare und Anregungen herzlich Willkommen… Bis bald!

 

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