Kolumbien

Eigentlich kurz nachdem meine Oma gestorben ist, machte ich mich auf den Weg zum einwöchigen Zwischenseminar in Kolumbien.

Wer meinen Flug nach Mexiko verfolgt hat, kann beruhigt sein… Es hat alles reibungslos und ohne Probleme geklappt!

Nach fünfzehn Stunden Flug landeten Valentin (ebenfalls ein kulturweit-Freiwilliger aus Guadalajara) und ich also auf dem sehr kleinen Flughafen im Norden Kolumbiens in Santa Marta.

Ich hatte mich zwar über das Wetter informiert (stetige 30°C wie in Guadalajara), war dann aber doch wie erschlagen von der feuchtwarmen Hitze.

Valentin und ich beschlossen auf die nach uns eintreffenden Freiwilligen zu warten und die Zeit an dem kleinen Strand zwanzig Meter vom Flughafen entfernt zu überbrücken.

Mit dem Taxi fuhren wir später alle Richtung Hostel durch kleinere Dörfer, Straßen, die den Blick auf das karibische Meer freigaben und über üppige, grün bewaldete Berge. Ein wahrhaftiges Paradis.

Die darauffolgenden Tage verbrachten wir in Seminaren und in geselligen Runden, wo wir uns über die letzten Monate austauschen konnten.

Wir machten eine Tour auf Schwimmreifen durch den „Rio Buritaca“, einem Fluss in Mitten des Dschungels und lernten Leute aus aller Welt kennen.

Unteranderem lernten wir einen Mann kennen, der als Teil eines indigenen Volkes aufwuchs und uns viel über seine Kultur, Herkunft und Lebensweise erzählte. Leider, habe ich nur die Hälfte verstanden und kann mich nach fünf Monaten auch nicht mehr an alles erinnern. Also, falls einer der anderen Freiwilligen dies liest und etwas nicht ganz stimmt, dann schreibt es gerne in die Kommentare!

 

Der Mann berichtete uns, dass er in seinem Stamm aufgewachsen ist. Seit einigen Jahren, lebt er mit seiner Familie in der Stadt und möchte seine indigene Kultur auch an seine Söhne weitergeben.

Ich glaube, wie bei vielen von uns, ist die Herkunft ein prägender Teil und er möchte, dass dieser nicht in Vergessenheit gerät.

Ein aktuelles Thema und Problem ist auch die Gebiete, die von den Stämmen im Tayrona Park bewohnt werden dürfen. Oft kommt es dort zu Auseinandersetzungen.

Außerdem erzählte er uns über die Bräuche seines Volkes.

Mit Eintritt in das Erwachsenen Alter muss man beispielsweise vierzehn Tage über alles negative und vierzehn Tage über alles Positive nachdenken. Oder wenn ein Mädchen erstmals ihre Periode bekommt, muss sie drei Tage in einem Raum spinnen.

Ein weiterer Programmpunkt war das Müllaufsammeln an den Stränden von Santa Marta. Eine tolle Aktion, wären wir nicht in der Mittagssonne losgegangen, schweißtropfend und am Ende nur in Badelatschen, weil meine Turnschuhe irgendwie in einen Müllsack geraten waren und weggeworfen wurden.

Nichtsdestotrotz hatte sich der Ausflug alleine schon für den tollen Ausblick und die angenehme Abkühlung im Karibikwasser gelohnt.

Unschön war allerdings das ständige „Cat-Calling“ (eine Form von Belästigung im öffentlichen Raum, die vor allem sexuell ist und sich in unerwünschten und unangenehmen Kommentaren, Gesten, Geräuschen wie Pfeifen, Hupen, etc., äußert). Eine Freundin erzählte mir, dass ihr dies in Mexiko auch öfter, insbesondere auf Dörfern passiere, aber mir war so etwas kaum und noch nie so penetrant passiert.

Ich glaube zu sagen, dass es absolut unangenehm war, ist noch eine Untertreibung. An jeder Ecke und sogar von Polizisten wurden wir pervers angemacht. Klar, hatte es bestimmt etwas mit unserem „typisch-europäischen“ Aussehen zu tun, aber das ist keine Ausrede. Einmal wehrte sich eine Freundin und schrie die Typen an, sofort schrillten bei mir alle Alarmglocken und ich wollte, dass sie aufhörte. So gerne ich auch genau dasselbe getan hätte. Denn, obwohl es irgendwie bescheuert war und definitiv an einen Stereotyp behaftet war, wusste man nie wer diese Leute waren und ich wollte nicht jemanden gegen uns aufhetzen, der uns am Ende auch noch körperlich verletzen konnte. Denn es tat auch so weh. Ich fühlte mich eklig, obwohl ich wusste, dass sie es waren die eklig waren. Ich fühlte mich hilflos, ängstlich, wehrlos und irgendwann konnte ich gar nicht mehr lächelnd durch die Straßen gehen und versuchte durch meine Mimik mein Missfallen auszudrücken.

Ich weiß, dass sexuelle Belästigungen nicht nur in Lateinamerika ein Problem sind und ich denke, dass jedem, der diesen Blogeintrag liest, das auch bewusst ist. Vermutlich kann jede weiblich aussehende Person mindestens eine Situation nennen, in der sie sexuell belästigt wurde.

Nichtsdestotrotz, freute ich mich ungefähr genauso wieder zurück nach Mexiko zu fliegen, wie auf diese Woche „Auszeit“ in Kolumbien.

Denn ich hatte beschlossen nach meiner Rückkehr bei meiner Gastfamilie auszuziehen.

 

Hier noch ein paar Fotos:

Am Flughafen in Santa Marta

Weiße Kleidung, als Kennzeichnung der Indigenen in Tayrona Park.

Spaghetti-Eis, was eigentlich eine Packung Reibekäse war (???)

Mittagspause 🙂

Hängebrücke auf dem Weg zum Seminarraum

Mückennetze um vor Krankeheiten zu schützen

 

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