sicher-lich

Ich glaube, das erste, was einem in den Sinn kommt, wenn man an Mexiko denkt ist: Tequila, Tacos und alle möglichen Sicherheitsbedenken. Tja und was bleibt mir anderes übrig als zu sagen, dass diese Klischees tatsächlich wahr sind.

Ich muss aber auch dazu sagen, dass mir bis jetzt noch nichts passiert ist. Dennoch war ich am Anfang sehr paranoid. Während ich in Deutschland immer gesagt habe, dass schon alles gut wird, schließlich gibt es hier auch Menschen, die ganz normal ihr Leben leben, war ich doch etwas panisch als ich in Mexiko ankam. Ich erinnere mich noch daran, wie ich einmal durch einen Park auf dem Weg zu einem Shopping-Center gegangen bin und mir nicht getraut habe, eine Sonnenbrille aufzusetzen oder Musik zu hören, weil ich Angst hatte, nicht zu hören oder zu sehen, was um mich herum passiert. Und um ehrlich zu sein ist diese Art von Paranoia sehr ungewohnt für mich. Ich würde mich sogar tatsächlich als naiv einschätzen und kann mir nicht vorstellen, dass mir irgendwer etwas Böses antun könnte.

Ich vermute allerdings, dass diese ganze Sensibilisierung, dass etwas passieren könnte, tatsächlich etwas Gutes hat. Denn ich muss nun mal hier in Mexiko aufpassen. Ich kann nicht leugnen, dass ich mit meinen blonden Haaren und blauen Augen nicht auffalle. Und ich gebe zu ich habe mich immer noch nicht daran gewöhnt, dass sich Leute auf ihren Fahrrädern nochmal umdrehen, wenn sie an mir vorbeifahren oder ich, wenn ich gerade mal zwei Minuten irgendwo sitze direkt angesprochen werde und dann den mittlerweile klassischen Spruch höre, was ich für schöne Augen hätte und dass meine Haare aussehen als wären sie aus Gold. In Begleitung von anderen Mexikanern, bin ich relativ unauffällig und werde nicht unbedingt beachtet.

Es gibt ein paar Sicherheitsregeln, die es einem aber leichter machen und mittlerweile habe ich mich daran auch schon gewöhnt. Zum Beispiel:

  1. Wenn ich das Haus ohne meine Gastfamilie verlasse, muss ich ihnen immer über WhatsApp meinen Standort schicken, damit sie wissen wo ich bin.
  2. Fahre ich mit einem Uber (eine Art Taxifirma) muss ich gucken, ob das Kennzeichen richtig ist, die Farbe und Marke des Autos, sowie der Name des Fahrers.
  3. Nicht alleine im Dunkeln draußen sein und einsame Gegenden meiden.
  4. Alles, wo ich ein ungutes Gefühl habe oder mir nicht sicher bin vermeiden.
  5. Ich muss Personen, die ich kennenlerne, mindestens einen Monat kennen, bevor ich zu ihnen nach Hause gehe, weil sie mich ausnutzen oder belästigen könnten.
  6. Geld nicht sichtbar zeigen oder zählen. Gleiches gilt für das Handy. Dieses sollte insbesondere nicht nah an Straßen benutzt werden, da Motorradfahrer es im Vorbeifahren aus der Hand reißen können.
  7. Immer beobachten, was um dich herum passiert. Auch auf der anderen Straßenseite.
  8. Keinen auffälligen oder viel (Gold-)Schmuck tragen.
  9. Und das, was für mich am härtesten ist: „Traue niemandem“

Generell wird gesagt, dass das Stadtzentrum Guadalajaras gefährlicher ist und man aufpassen soll. Die Vororte wie Zapopan gelten als relativ sicher. Dennoch gibt es natürlich immer Ecken, die man meiden sollte.

Ich bin dennoch der Meinung, dass man ganz gut selber einschätzen kann, wie man sich verhält oder verhalten muss. Ich gehe auch ganz normal und benutze dabei mein Handy und gehe mittlerweile auch durch den Park mit Sonnenbrille und Musik auf den Ohren. Ich treffe mich mit fremden Leuten und ich bin auch nach 20 Uhr außer Haus. Trotz aller Warnungen, Ängste und Vorurteile muss man sich trotzdem sagen, dass Guadalajara eine ganz normale Stadt ist, mit ganz normalen Leuten und das alles, was mir hier passieren könnte, auch in Deutschland passieren kann. Man muss halt einfach nur vorsichtig sein.

Aber das Thema Sicherheit spielt nicht nur eine Rolle in Sachen Kriminalität, sondern auch in der Gesundheit.

So darf man beispielsweise auf gar keinen Fall das Wasser aus der Leitung trinken, oder an zwielichtigen Straßenständen essen. Ich habe tatsächlich von zwei Mädchen gehört, die aktuell im Krankenhaus liegen, weil sie sich daran nicht gehalten haben und die jetzt nahezu todkrank sind (wenn auch wieder auf dem Weg der Besserung… trotzdem nichts, was man erleben will/muss).

Hinzu kommt das erhöhte Risiko von Krankheiten, die durch Mücken übertragen werden. Eine Krankheit die in Guadalajara sehr oft vorkommt (insbesondere in der ärmeren Bevölkerungsschicht) ist das Dengue-Fieber. Leider, kann man sich dagegen kaum schützen. Um das Risiko zu verringern kann man jedoch (hochwertigen!) Mückenschutz auftragen, viel trinken, and allen Fenstern und Türen Mückennetze anbringen und was meine Gastfamilie und ich machen, sind Vitamin B Tabletten einzunehmen, die angeblich helfen (Genau habe ich das Prinzip aber immer noch nicht verstanden). Symptome wären beispielsweise: Lichtempfindlichkeit, grippeartige Erscheinungen, schmerzende Augen und Gliederschmerzen. Das Fieber kann leider auch tödlich ausgehen. Die passiert aber, dank der guten medizinischen Versorgung selten. Malaria ist in Mexiko kaum verbreitet.

Wieso habe ich also diesen komischen Titel „sicher-lich“ gewählt? Klar, muss ich hier mehr beachten. Zumindest mehr als das, was ich bewusst in Deutschland beachten musste. Dennoch fühle ich mich „irgendwie sicher“ hier. Quasi sicher mit Sternchen.

 

 

 

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