Laut Wikipedia kommt der Begriff „Korso“ vom italienischen „corso“, dass soviel wie Lauf, Laufbahn, Hauptstraße bedeutet und womit vor dem 18. Jahrhundert Wettrennen reiterloser Pferde bezeichnet wurden. Weiter bei Wiki: „Später wurde der Begriff auf das langsame Durchfahren der Hauptstraßen einer Stadt in geschmückten Kutschen angewandt.“ Einigen dürfte sonst auch der Autokorso nach gewonnenen Fussballspielen bekannt sein: man fährt hupend im Schritttempo hintererinander durch die Straßen.
Dass das ganze auch ohne irgendeine Art von Fortbewegungsmittel stattfinden kann, konnte ich in Podgorica beobachten. Da wird nämlich jeden Tag ab 17 Uhr eine der Hauptstraßen im Zentrum gesperrt. Und dann beginnt das Spektakel: man flaniert von einem Ende zum Anderen, macht auf dem Absatz kehrt und flaniert wieder zurück… unendliche Wiederholungen möglich. Es ist ein Sehen und Gesehenwerden. Im Hausanzug würde sich hier wohl keiner hin trauen. Hier eine Gruppe von drei jungen Mädels, die in ihren Highheels kaum laufen können, dort eine Gruppe älterer Herren, die den Mädels hinterherschauen, dazwischen zwei junge Männer, die Ausschau halten, ab und zu ein junges Pärchen, die Frau schiebt entweder einen Kinderwagen oder ist schwanger. Man zeigt bzw. präsentiert sich, tauscht Neuigkeiten aus, …
Mittlerweile habe ich erfahren, dass Korso auch in vielen serbischen Städten praktiziert wird, ebenso wie in den meisten Städten Montenegros. Ob dafür immer die Hauptstraße gesperrt wird, weiß ich nicht, aber eins ist laut meiner Mitbewohnerin klar: sowas gibt es nur in kleinen Städten, wo sonst nichts los ist…
Auf jeden Fall eine amüsante Angelegenheit, die man sich nicht entgehen lassen sollte, auch wenn der Lonely Planet sagt, dass man Podgorica bei einer Reise durch Montenegro ruhig links liegen lassen kann.