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Frohes Neues Jahr 2012!

22. Januar 2012

Diese Neujahrsgrüße kommen ja etwas spät. Trotzdem, besser spät als nie. Also, hiermit an all meine Leser, mit denen ich dieses Jahr noch nicht persönlich Kontakt hatte: Ein frohes und gesundes neues Jahr 2012!

 

Wobei, so inaktuell ist dieser Gruß gar nicht. Heute, am 22. Januar, findet nämlich sozusagen das Chinesische Silvester statt. Am 23. Januar beginnt mit dem Frühlingsfest in China das neue Jahr, zumindest nach dem Mondkalender. Im Moment befinden wir uns im Jahr des Hasen, danach folgt das Jahr des Drachen. Dementsprechend viel ist auch nicht nur in Guangzhou, sondern in ganz China los. In China hat das Frühlingsfest, also das Chinesische Neujahrsfest, ungefähr den Stellenwert wie bei uns Weihnachten. Es ist das größte und wichtigste Fest im Jahr und wird im Kreise der Familie gefeiert. Da die jungen Leute oftmals vom Land, beziehungsweise aus kleineren Städten und ärmeren Provinzen in die großen Städte ziehen, um dort ihr Glück zu finden und Karriere zu machen, gibt es vor und nach dem Frühlingsfest riesige Reisewellen in ganz China. Es ist die Hauptreisezeit im Jahr, dieses Mal werden zwischen Mitte Januar und Mitte Februar (dem Ende des 15-tägigen Festes) schätzungsweise 230 Millionen Menschen quer durchs Land unterwegs sein. Die Züge, so es denn noch ein Ticket gibt (und wenn dann meistens auch nur für einen Stehplatz), sind krachvoll. Die, die es sich leisten können, fliegen lieber. Doch auch die Tickets sind meistens schon ausgebucht, die übriggebliebenen sind unverschämt teuer. Tja, und der liebe Alex nimmt sich in dieser Zeit gleich zweimal vor zu verreisen. Doch dazu später mehr…

Zuerst möchte ich noch mal einen kurzen Rückblick machen, da der letzte Eintrag schon so lang her ist. Damals hatte ich angekündigt, dass mich meine Familie und meine Freundin besuchen werden. Es waren sehr, sehr schöne zweieinhalb Wochen. Mit meiner Familie zusammen habe ich Weihnachten gefeiert, meine Freundin und ich hatten einige Zeit für uns, wir haben alle zusammen Silvester in Shanghai gefeiert, und ich konnte ihnen mein Guangzhou und mein China zeigen. Es war ein volles, aber schönes Programm, und ich glaube, ich konnte meinem Besuch hier und da faszinierende Sachen dieses schönen Landes zeigen und sie auch dafür begeistern. Am Ende war der Abschied natürlich umso schwerer, da nun ja die eigentlich lange Trennung bevor stand (bis Weihnachten drei Monate, nach Weihnachten 7,5). Aber ich glaube, die nächste Zeit wird doch schneller vorbei sein als gedacht, und in null Komma nichts bin ich zurück in Deutschland. Und vielleicht kommt mich Alex nochmal besuchen.

Nach so intensiven zwei Wochen mit den Liebsten ist die direkte Zeit danach natürlich erst einmal von einer gewissen Leere ausgefüllt. Doch es blieb mir nicht zu viel Zeit, um in dieser Leere zu versinken. Denn unmittelbar danach haben Katharin, Mila und Timo (Freiwillige aus Kunming, Shanghai und Wuxi nahe Shanghai) uns Freiwillige in Guangzhou besucht. Dementsprechend gab es natürlich immer etwas zu tun, vor allem abends, wo wir ihnen die kantonesischen, uighurischen und arabischen kulinarischen Schätze unserer Stadt näherbringen konnten.

Zusammen mit meiner Mentorin und einem befreundeten Paar von ihr reiste ich direkt im Anschluss an diesen Besuch für vier Tage nach Xiamen. Xiamen, ehemals Amoy genannt, ist eine Küstenstadt in der Provinz Fujian, ebenfalls Südchina, rund 800-1000 km östlich von Guangzhou. Geschichtlich gesehen war sie, ähnlich wie Guangzhou, Shanghai und viele andere chinesische Küstenstädte, Vertragshafen gemäß den Verträgen von Nanjing. Das bedeutet, dass die Imperialistischen Mächte das Recht hatten, in diesen Städten Handel zu treiben und Niederlassungen zu errichten. In Xiamen taten sie dies auf der Xiamen vorgelagerten Insel Gulangyu (sprich “Gulangjü”). So hatte z.B. das Deutsche Kaiserreich von 1870 bis 1918 dort eine Handelsmission und ein Konsulat. Lustigerweise übernachteten wir in einem Hostel, das sich genau neben dem ehemaligen Konsulat befand. Heutzutage befindet sich dort ein nettes Café, indem es “German Cheese Cake” gibt, der aber am Ende dann doch nicht so German geschmeckt hat. Durch die Jahrzehnte lange Anwesenheit der Westmächte plus Japan, ist natürlich die Architektur auf der Insel sehr westlich geprägt und man findet überall Anwesen und Bauten im imperialen Stil des 19. Jahrhunderts bis Anfang des 20. Jahrhunderts. Eigentlich ist das für Europäer ja nichts Besonderes. Dennoch ist die Insel sehr niedlich und süß und bekommt ihren besonderen Charme durch die kleinen Gässchen, Mäuerchen und Sackgassen, die z.B. auf der Insel Shamian in Guangzhou (ebenfalls ehemaliges Gebiet der Kolonialmächte) eher fehlen. Leider hatten wir am Anfang aber mit dem Wetter nicht so viel Glück. Es war stark bewölkt und nieselte immer mal wieder und machte es z.T. ziemlich ungemütlich – typisches Herbstwetter. Nach zwei Tagen auf der Insel zogen wir in die Innenstadt von Xiamen. Jetzt spielte auch das Wetter wieder mit, und wir hatten bis zu 22°C bei herrlichem Sonnenschein. In Xiamen besuchten wir die obligatorische Zhongshan Lu (Sun Yat-Sen Straße), eine normale Einkaufsstraße wie in jeder anderen Stadt, den Nanputuo-Tempel, die schöne Universität von Xiamen und das Meer, an dem ein sehr schöner Holzpfad entlang führt, und wo man Tandem fahren kann. An einem Tag machten wir einen Ausflug in die nahe gelegenen Hakka-Dörfer. “Hakka” ist der Name einer Chinesischen Minderheit, die ursprünglich aus dem Norden Chinas kommt. Interessanterweise kommt das Wort “Hakka” aus dem Kantonesischen und bedeutet “Gäste”. So haben sich die Hakka selber genannt, denn sie sind damals (vor einigen hundert Jahren) in den Süden gekommen, um den Kriegen im Norden aus dem Weg zu gehen. Für sie war immer klar, dass sie eines Tages zurückkehren werden. Deshalb gründeten sie ihre eigenen Dörfer und isolierten sich von der Außenwelt, da sie sich nicht zu sehr assimilieren wollten. Deshalb bauten sie riesige Häuser, meistens rund, mit dicken Wänden und wenig Fenstern, um sich gut verteidigen zu können. Heutzutage leben immer noch rund 40 Familien in so einem Haus. In einem Haus, sagte uns die Reiseführerin, lebten bereits 29 Generationen. Für mich war dieser Ausflug nicht nur interessant, sondern insofern auch etwas Besonderes, als dass ich zum ersten Mal aus einer größeren Stadt herausgekommen bin und das Land sehen konnte. Es roch schon ganz anders, die Hühner liefen frei auf dem Boden herum und man wurde als Ausländer wie ein Marsmensch bestaunt – wie im Film eben.

 

Jetzt bin ich erst mal für eine Woche in Guangzhou. Heute werde ich zusammen mit meiner Mentorin und ihrer Familie das Chinesische Neujahr feiern. Danach nutze ich die Zeit, um mir das “frühlingsfestliche” Guanzhou anzusehen, meine Sachen wieder etwas zu ordnen und Dinge zu erledigen. Nächsten Samstag geht es dann in den hohen Norden. Zuerst werde ich nach Harbin gehen, wo zwischen Ende Dezember und Mitte Februar das weltberühmte Eisskulpturen-Festival stattfindet. Dann geht es über Changchun, wo man unter anderem auch Skifahren kann, nach Peking. Dort werde ich Moni, ebenfalls eine Mitfreiwillige, besuchen. Nach ein paar Tagen geht es dann wieder von dort ins heimische, warme Guangzhou. Nur zur Information: Die Fahrt nach Harbin dauer etwa 37 Stunden und dort sind es gerade -26°C. Worauf lass‘ ich mich da bloß ein? :D Aber die Eisskulpturen sollen sich wirklich lohnen, also muss ich da durch!

Bis die Tage! Dann mit dem Bericht über das Frühlingsfest!

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3400 km in 15 Tagen (Teil II)

21. Dezember 2011

Und hier, wie versprochen, der zweite Teil meines Reiseberichts. Er ist vielleicht ein bisschen zerstückelt, aufgrund dessen, dass das ZWS in Hangzhou dazwischen liegt. Das sollte aber kein allzu großes Problem sein.


Wie ich bereits erwähnt habe, hat uns die Kälte in Shanghai eiskalt überrascht. Wie sich herausstellen sollte, würde sie uns die nächsten zwei Wochen begleiten (ja, auch Hangzhou war nicht wirklich besser). Aus deutscher Sicht waren es im Prinzip mit zwischen 3 und 6°C normale Temperaturen für einen Winter. Wenn man aber am Tag vor der Abreise in Guangzhou bei 26°C in kurzen Hosen noch schnell warme Sachen für den hohen Norden kaufen geht, ist man die Temperaturen einfach nicht mehr gewöhnt.
Im Hostel mussten wir noch ein bisschen auf unser Zimmer warten, da es noch gereinigt wurde. Da wir noch nichts gefrühstückt hatten, nutzten wir die Zeit die Gegend um unser Hostel und vor allem die Shanghaier Küche zu erkunden. In einem kleinen Restaurant sind wir auch fündig geworden, jedoch handelte es sich um ein hunanesisches Restaurant (Hunan ist eine Provinz in China, genau nördlich von Guangdong). Trotzdem war es wie gewohnt sehr lecker und sättigend. Aber irgendwie haben Clara und mich die Jiaozi nebenan (zur Erinnerung: gefüllte Teigtaschen) nicht losgelassen. Sie waren gebraten, relativ groß und mit Sesam oben drauf und haben so lecker gerochen. Wir konnten einfach nicht widerstehen! Alex, in voller Vorfreude auf eine geschmackliche Extase, beißt natürlich mitten rein – und saut sich total ein! Denn, was der gierige Alex nicht wusste: Die Besonderheit der Shanghaier Jiaozi ist die Füllung mit Suppe/Brühe. Man beißt ein kleines Loch hinein und schlürft dann den Inhalt heraus – das habe ich dann hinter erfahren. Fürs Erste war meine frisch gewaschene Hose, meine Jacke und mein Gesicht mit heißer, fettiger Brühe übersäht, das Jiaozi ist nämlich beim Reinbeißen sozusagen explodiert. Naja, als ich dann alles mehr oder weniger abgewischt habe und ich mich wieder voll und ganz meinen verbleibenden Jiaozi zuwenden wollte, ist die Nächste dran: Auch Clara hat es geschafft. Danach fühlte ich mich wenigstens nicht mehr ganz so wie der Depp.
Nach unseren ersten kulinarischen Bekannschaften haben wir schnell unser Zimmer bezogen und sind dann sofort wieder los getigert. Erstes Ziel: Der Bund. Wem dieser Begriff nichts sagt: Der Bund, so wird die berühmte Flussuferpromenade in Shanghai genannt, er ist das bekannteste Motiv der Stadt in Fernsehen, Filmen und Werbung. Auf der einen Seite stehen entlang der Promenade alte, westliche Gebäude aus der Kolonialzeit. Sie stammen aus der Zeit, in der Shanghai noch in Konzessionen der (westlichen) Kolonialmächte eingeteilt war und von ihnen de facto regiert wurde. So lassen sich Gebäude vor allem französischen und britischen, aber auch deutschen, amerikanischen und japanischen Ursprungs finden. Darin befanden sich entweder die „Regierungssitze“, Banken, Geschäfts- oder Clubhäuser. Am anderen Ufer des Flusses befindet sich der Stadtteil Pudong. Pudong ist eine Sonderwirtschaftszone, was bedeutet dass es hier für Unternehmen besonders günstig ist Business zu machen. Dementsprechend neu und modern sieht es auch aus. Der Teil direkt gegenüber des Bundes besteht eigentlich nur aus Hochhäusern. Das berühmte Motiv mit den ganzen Hochhäusern ist der Blick vom Bund auf Pudong. Es ist ganz schön atemberaubend, wenn man zum ersten Mal die Promenade des Bundes betritt. Klar, es sind auch nur Hochhäuser, wie in jeder anderen x-beliebigen Großstadt der Welt. Und doch  kennt man dieses Panorama von Bildern oder aus dem Fernsehen, wo es die große weite Welt symbolisiert. Und auf einmal steht man selber da und kann es erstmal nicht fassen. Nach einigen Minuten und tausend Fotos später ist die Begeisterung schon wieder fast weg. „Ja. Man steht jetzt hier, schön.“ Ziemlich schade, dass man solche Momente, auf die man sich so lange gefreut hat, nicht konservieren kann und dass man so schnell vergisst solche Erlebnisse und Dinge wertzuschätzen.
Als nächster Punkt in einem typischen Touri-Programm, steht der Besuch der Französischen Konzession. Wie es der Name schon vermuten lässt, hat das irgendetwas mit Frankreich zu tun. Für alle die nicht wissen, was eine Konzession ist: Die Französische Konzession war wie ein abgetrenntes Viertel der Stadt, das zu Frankreich gehörte. Es wurde natürlich Französisch gesprochen und es galt das französische Recht. Dennoch waren die Einwohner zu 90% Chinesen. Man kann es mit einer großen Botschaft vergleichen. Heutzutage ist das natürlich längst nicht mehr so, Französisch spielt dort keine Rolle mehr. Dennoch ist vor allem die Architektur und der Aufbau des Viertels sehr französisch/europäisch (westlich). Ihr seht, wie zusammenfassend meine Beschreibung des Ganzen ist. Zum Einen, weil für Chinesen alle (weißen) Ausländer gleich sind. Damit natürlich auch ihr Essen, ihre Architektur und natürlich ihre Sprache: Alle Ausländer müssen(!) Englisch sprechen können. Generell wird man so gut wie in allen Fällen erstmal für einen Amerikaner gehalten. Zum anderen ist die Beschreibung aber auch deshalb so schwammig, weil sich für mich selber alles europäische/westliche vermischt und ich nicht mehr wirklich auseinander halten kann, was jetzt französisch, was deutsch und was britisch ist. Generell habe ich mich wie in einem „chinesischen Chinatown“ gefühlt, will heißen eine Art Chinatown, aber für westliche Ausländer in China.
Man sollte sich auf jeden Fall die Zeit nehmen und nach Sonnenuntergang auf einen der Towers in Pudong gehen, um die beleuchtete Skyline bei Nacht zu bestaunen. Wir waren auf dem Shanghai World Financial Center Tower – kurz der „Flaschenöffner“. Warum er so genannt wird, das seht ihr auf den Bildern. Dank unserem kulturweit-Ausweis sind wir um ein Drittel günstiger hoch gekommen. Es gibt zwar noch den günstigeren Jinmao-Tower nebenan. Dafür ist er aber nicht ganz so hoch und vor allem fehlt ihm ein besonderes Feature: Der Skywalk. Das ist eine Brücke zwischen den beiden Turmenden auf 430 m Höhe. Der Boden ist verglast und man kann an manchen Stellen die 430 m nach unten schauen. Es ist unglaublich zu sehen, wie riesig diese Stadt ist. Selbst im entferntesten Punkt waren noch Lichter und Siedlungen zu erkennen, kein Ende war in Sicht. Und dabei soll sie noch weiter wachsen. Wahnsinn. Doch dank eines „objektiven“ Einführingsfilms am Fuße des Towers erfährt jeder Besucher, dass Shanghai mit seinen 18 Mio. Einwohnern zwar viel größer als New York („8 Mio.“) und Tokyo („8 Mio.“!!!) ist, dafür aber von den drei Städten die meisten U-Bahn-Kilometer, die wenigsten Autos und die geringste Bevölkerungsdichte hat.

Ein anderer Tag stand, zumindest zunächst einmal, ganz im Zeichen deutscher Technik. Wir haben uns nämlich zum Ziel gesetzt, mit dem Transrapid, bzw. Maglev zu fahren. Für alle, die nichts mit den Begriffen anfangen können: Der Transrapid ist eine in Deutschland entwickelte und gebaute Magnetschwebebahn, die ihren einzigen kommerziellen Einsatz in Shanghai als Express zwischen der Innenstadt und dem Pudong International Airport hat. Das Wort „Maglev“ ist das englische Wort für Magnetschwebebahn. Es ist eine Kombination der beiden Wörter „magnetic levitation“ (Magnetisches Schweben). Auch in München war geplant eine solche Verbindung zwischen dem Hauptbahnhof und dem Flughafen zu bauen. Vielleicht erinnert sich der Ein oder Andere noch an die, sagen wir nicht optimal gelaufene, Rede vom damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber. Eigentlich sollte in dieser Rede das Projekt beworben werden, jedoch war die Verwirrung und Unklarheit über das Projekt nachher bei vielen Menschen noch viel größer. Letztendlich wurde das Programm aufgrund immer höher werdender Kosten nicht realisiert.
Zufällig waren wir genau zu rechten Zeit am rechten Ort, um die Tickets zu kaufen. Denn nur zweimal am Tag fährt die Bahn für jeweils 1,5 Stunden mit der (gedrosselten) Höchstgeschwindigkeit von 431 km/h die 27 km lange Strecke entlang. In der restlichen Zeit fährt sie „nur“ 300 km/h. Ein Hin- und Rückfahrtticket kostet 80 Yuan, umgerechnet ungefähr 9,50€. Für eine solche Fahrt der besonderen Art finde ich den Preis in Ordnung. In nur 10 Minuten legt die Bahn die Strecke zurück. Dementsprechend schnell fühlen sich auch die 430 km/h an. Ein Flugzeug fliegt zwar doppelt so schnell, jedoch kommt es einem nicht so vor, da kein Bezugspunkt vorhanden ist. Sitzt man aber in dieser „Raumkapsel“ (so kam es uns zumindest ein wenig vor) fliegen die Gebäude, Parks, usw. nur an einem vorbei. Selbst die Autos auf der Autobahn kommen einem wie Schnecken vor. Umso größer ist dann der Schock, wenn es ohne irgendeine Vorankündigung laut knallt. Genau, es ist die andere Bahn, die einem ungefähr auf der Hälfte der Strecke entgegenkommt, wo die Geschwindigkeit aber bereits wieder verringert ist. Es wirkt also ein Luftzug auf die Kabine, der durch die entgegengesetzte Fahrtrichtung im Verhältnis etwa 700 km/h schnell ist. Klar, dass der nicht geräuschlos an einem vorübergeht. Man erschrickt fast zu Tode beim ersten Mal. Bei der Rückfahrt wussten wir zwar, dass er kommt, jedoch nicht genau wann. Auch meine Warnung, dass ich die Lichter des anderen Zuges sehe, hat nicht viel geholfen. Denn innerhalb von 1-2 Sekunden ist er schon vorbeigezischt.
Danach dann das totale Kontrastprogramm. Eher durch Zufall stießen wir in einem anderen Stadtteil auf ein Gebäude (chinesische Architektur), auf dem ein großes Kreuz angebracht war. Zuerst konnten wir es nicht richtig glauben. Doch als wir hineingingen, wurden unsere Vermutungen bestätigt: Bei dem Gebäude handelte es sich um eine Kirche. Wir hatten kaum Zeit uns umzusehen, da wurden wir schon freundlich die Treppe hoch geschickt, in einen noch größeren Saal geführt und gebeten auf den Bänken Platz zu nehmen. Nach einer kurzen Zeit fing der Gottesdienst auch schon an. Im Prinzip lief es wie in einem westlichen (evanglischen/katholischen) Gottesdienst ab. Es wird gemeinsam gesungen, der Pfarrer hält eine Predigt, es gibt Orgelmusik, der Chor singt und das Vater Unser wird gesprochen. Natürlich alles auf Chinesisch. Das Vater Unser habe ich sogar zum Teil verstanden. Da hat aber auch eine Rolle gespielt, dass ich wusste, wie der Text auf Deutsch geht und was als nächstes kommen müsste. Deshalb war mein Ohr schon mental vorbereitet. Trotzdem hört man sich so langsam rein und man erkennt plötzlich Wörter wie 耶稣 oder 阿们. Was, nicht erkannt? Ok kleine Hilfe, hier die Lautschrift: YeSu und  AMen. Jetzt dürfte es aber klar sein. Gemeint sind natürlich Jesus und das Amen. Dieses Erlebnis war so unerwartet und plötzlich, ich war danach richtig geplättet. Vor allem ist das eine Seite von China, mit der man nicht rechnet, nicht kennt und die so gar nicht in das Chinabild passt. Ich bin immer wieder erstaunt, wie facettenreich doch dieses Land ist.

Die Zeit danach war sehr vom Seminar des Goethe-Instituts geprägt. Es ging darum, wie man den DaF-Unterricht (Deutsch als Fremdsprache) gestalten und verbessern kann. Vom Seminar selber konnte ich einige Anregungen für den Unterricht an meiner Schule mitnehmen. Seien es Tipps und Tricks, Methoden oder spezifische Spiele im Unterricht. Ich hoffe die neugewonnen Kenntnisse auch in der Praxis gut umsetzen zu können. Freizeittechnisch war natürlich auch wieder Einiges los. Das Sightseeing war zum Großteil abgehakt, es hatte eigentlich jeder die wichtigsten Sachen gesehen oder gemacht. Bis auf die Longhua Pagode mit einer sehr interessanten Buddhistischen Tempelanlage (siehe Fotos), haben wir nichts Größeres unternommen oder gesehen. Es standen eher die Geheimtipps der Shanghaier Freiwilligen auf dem Plan. So habe ich mir z.B. beim Stoffmarkt für 100 Yuan (~11,50€) ein Hemd maßschneidern lassen. Ein Preis, bei dem ich mit dem Risiko leben kann, dass es nichts wird. Das Endresultat war in Ordnung, hat mich aber nicht vom Hocker gehauen. Allerdings war die Zeit des Auswählens und Anprobierens zu kurz. Nimmt man sich dafür mehr Zeit, steckt da auch denke ich mehr drin. Letztendlich habe ich ein neues Hemd, der Preis ist z.B. günstiger als bei H&M.
Außerdem haben wir diverse kulinarische Geheimtipps ausgetestet (Shanghaier Küche, ein türkisches Restaurant, leckeres Essen im Kaufhaus,…) und wurden nie enttäuscht. Wer ein gutes Preis- Leistungsverhältnis haben möchte, geht am besten zu IKEA. Da aber nicht von den Hotdogs allzu viel erwarten. Als Belag gibt es nur Ketchup – keine Röstzwiebeln, keine Gürkchen. Im Restaurant ist das Essen aber genau so wie zu Hause in Deutschland (ich sage nur Köttbullar!).
Abends stürzten wir uns dann meistens, nach guter alter Hangzhou-Manier, ins Shanghaier Nachtleben. Dabei kommt man als normaler Jugendlicher (Westlich wohl bemerk!) in Clubs, in die man in Deutschland entweder nur über Kontakte oder erst ab einem bestimmten Einkommen hineinkommen würde – und das ohne Eintritt! So muss man sich bei Einigen zwar vorher anmelden, um auf die Gästeliste geschrieben zu werden. Ist das aber getan (geht immer ohne Probleme), kann man einfach kommen und ohne Eintritt den Club betreten. So waren wir zum Beispiel im M1NT, einer Disco, in der es ein 10 m langes Haifischbecken gibt. Oder in der Bar Rouge, von deren Dachterasse man einen unvergleichlichen Blick auf die Skyline von Shanghai hat. Meistens sind wir aber nach einer kurzen Zeit woanders hingegangen, da die Stimmung nicht so besonders war und die Preise viel zu hoch. Tja, irgendwie muss man ja den fehlenden Eintritt kompensieren. Trotzdem war es ziemlich cool, mal in so einem Etablissement gewesen zu sein und die Aussicht auf die Skyline genossen haben zu dürfen.

Abschließend muss ich sagen, dass die beiden Wochen zwar ziemlich intensiv, anstrengend, kalt und von viel Schlafentzug begleitet waren. Es sich aber definitv gelohnt hat und es eine geile Zeit mit den ganzen Leuten war! Vielen Dank euch allen, hat echt richtig Spaß gemacht!

Nun, jetzt ist ja nicht mehr so lange hin bis Weihnachten. Hier bei mir ist es schon der 22., d.h. nur noch 2 Tage bis Heilig Abend. Aber ich werde ihn nicht allein verbringen: Am Freitag kommt meine Familie für 2 Wochen zu Besuch und am Montag meine Freundin hinterher, ebenfalls für 2 Wochen. Wir werden ein ganz schön straffes Programm haben. Unter anderem steht das Besichtigen von Guangzhou auf dem Plan, meine Familie wird für 3 Tage ins nahegelegene Hongkong fahren und über Silvester geht es wieder nach Shanghai. Ich freue mich schon riesig drauf! Ich kann es noch gar nicht realisieren, dass ich in weniger als zwei Tagen meine Eltern und meine Schwester wiedersehen werde. Und das hier in China, in „meinem“ Guangzhou.
Aber der Schulleiter meiner Schule hat mich ein wenig auf Weihnachten eingestimmt. Gestern hat er nämlich, zusammen mit den beiden Vize-Direktoren und meiner Abteilungsleiterin die drei „Westler“ an der Schule zum Essen eingeladen. Die drei Westler sind der Neuseeländische Englischlehrer, die deutsche Austauschschülerin und ich. Passend zum Anlass ging es in ein westliches Restaurant, wo es leckeres Steak gab. Er sagte uns, dass sie glauben, dass für westliche Leute das Weihnachtsfest genauso wichtig ist wie für Chinesen das Chinesische Neujahrsfest. Dabei haben sie das Abendessen aber nicht am 24. gemacht, da sie diesen besonderen Tag uns selber überlassen wollten.
Eine sehr schöne Geste, wie ich finde.

Da ich vermutlich vor Weihnachten und womöglich auch vor Silvester nicht mehr dazu kommen werde, einen neuen Blogartikel zu schreiben, möchte ich hier vorab allen Leserinnen und Lesern ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2012 wünschen! Ich drücke allen die Daumen, dass es Weiße Weihnachten geben wird. Bei mir wird es das dieses Jahr auf keinen Fall geben – darüber bin ich schon ein wenig traurig. Aber das Wichtigste sind die Menschen mit denen man zusammen feiert, und die kommen ja zum Glück.
In diesem Sinne also tschüs und bis bald!

PS: Es war übrigens herrlich wieder im warmen Guangzhou aus dem Flieger zu steigen und die Jacke auszuziehen. 😉

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3400 km in 15 Tagen (Teil I)

18. Dezember 2011

Nach gut zweieinhalb Monaten war es soweit: Das Zwischenseminar in Hangzhou vom 05.12. bis zum 09.12. stand an. Hinzu kam direkt im Anschluss ein „Vorbereitungs“-Seminar des Goethe-Instituts in Shanghai zum Unterrichten von Deutsch als Fremdsprache (DaF). Ich werde in folgendem Blogeintrag versuchen zum Einen so viel und facettenreich wie möglich, zum Anderen aber auch so kompakt wie möglich von den vergangenen Tagen und Erlebnissen zu berichten. Wie euch vielleicht aufgefallen ist, steht in der Überschrift der Zusatz „Teil I“. Ich habe mich nämlich entschlossen das Erlebte in zwei Teile aufzuteilen, um den jeweils unterschiedlichen Seminaren (damit auch unterschiedlichen Teilnehmern und Lokalitäten) genügend Raum in meinen Erzählungen zu gewähren. Sonst würde meiner Meinung nach die Gefahr bestehen alles in einem Atemzug runterzuschreiben und dabei wesentliche Dinge auszulassen. Das wollen weder ihr noch ich. Daher müsst ihr euch also vorerst mit dem Seminar in Hangzhou begnügen. Der zweite Teil sollte bald folgen (sehr bald, ich versprech’s!).

Nun gut, fangen wir an. Wie schon erwähnt stand zunächst einmal das Zwischenseminar (ZWS) von kulturweit in Hangzhou an. Für alle Nicht-Kulturweitler: Das ZWS ist ein Seminar von kulturweit, das nach ungefähr 2,5-3 Monaten im Gastland/in der Gastregion abgehalten wird. Es spielt dabei keine Rolle ob man 6 oder 12 Monate bleibt. Bei unserem ZWS waren alle Freiwilligen aus China (18) und der Mongolei (2), die im September 2011 ausgereist sind. Hinzu kam noch Phillip, ebenfalls Freiwilliger in China, der im März 2011 ausgereist ist. Er war bei uns mit dabei, weil er bei „seinem“ ZWS damals nicht teilnehmen konnte. Hangzhou ist eine in China sehr bekannte, alte Stadt gut 200 km südwestlich von Shanghai entfernt. Doch dazu später noch mehr.
Wie gelangt man also nach Hangzhou? Richtig! Mit dem 19 h Nachtzug von Guangzhou. Wobei, wir – das sind Nuri, Clara, Franzi und ich – sind nach Shanghai gefahren. Das hatte damit etwas zu tun, dass das andere Seminar erst ziemlich kurzfristig bekanntgegeben wurde und wir nicht wussten, dass wir nach Hangzhou so oder nach Shanghai kommen würden – zumindest Nuri, Clara und ich. Deshalb hatten wir schon lange davor geplant, dass wir jeweils das Wochenende vor und nach dem ZWS im nahegelegenen Shanghai verbringen würden.
So hieß es also am Freitag, den 02. Dezember: Auf zum Bahnhof, rein in den Zug und ab nach Shanghai! Das war wirklich ein Erlebnis. Drei Betten übereinander, 6 Betten in einem „Abteil“. Die Anführungszeichen deshalb, weil es keine Türen, Vorhänge oder Ähnliches gab. Es läuft also jeder an den Betten vorbei und kann hineingucken. Das hört sich aber alles viel schlimmer an, als es in Wirklichkeit ist. Niemand schaut blöd rein, man liegt ja nachher selber so in seinem Bett und außerdem sind die Leute es gewöhnt auf diese Art zu reisen. Das Einzige, was für mich gewöhnungsbedürftig war, war der Platz in den Betten. Das bezieht sich sowohl auf die Länge und Breite, als auch auf die Höhe des Bettes. Ich hätte, ohne mir einen Wirbel zu verrenken oder mein Genick zu brechen, nicht aufrecht sitzen können. Man muss es sich dann eben in seiner Koje kuschelig machen und einfach die Fahrt vorbei an sehr schönen Landschaften genießen. Man hört Musik, spielt Karten, redet miteinander und in China natürlich besonders wichtig: Isst. So gehen dann auch schnell ein paar Stunden um, bis es Schlafenszeit ist. Von einer Sekunde auf die andere wird das Licht ausgemacht, ohne Vorankündigung. Persönliche Leselampen gibt es natürlich nicht. Wer so einen Luxus braucht kann in die Erste Klasse gehen, zu den Soft Sleepern. Dort gibt es neben den Lampen nur vier Betten und eine Tür pro Abteil. Wir finden unser Hard-Sleeper-Abteil aber völlig ausreichend und sind glücklich dort schlafen zu können. Am nächsten Morgen wacht man anderthalb Stunden vor Shanghai auf. Während man also süße Träume – bzw. Schlafschwierigkeiten aufgrund der engen, harten Betten – hatte, rollte der Zug weiter die insgesamt 1800 km Srecke entlang Richtung Ziel. Das nenne ich effizientes Reisen! Bei all meiner Euphorie über das Zugfahren habe ich eine Sache aber fast vergessen. Uns hat nämlich seit unserer Abreise in Guangzhou eine ungewöhnliche Gruppe von Männern begleitet. Einer von ihnen hatte Handschellen und Fußfesseln um. Wir vermuten, dass er ein Häftling war und die anderen drei seine Begleiter/Aufpasser. Auch im Zug wurden die Ketten nicht abgenommen, es hielten alle drei abwechselnd Wache. Dennoch kam es für uns so rüber, dass die Begleiter ein lockeres, manchmal sogar fast freundschaftliches Verhältnis pflegten. Das äußerte sich in gemeinsamen Reden und Lachen. Ich muss sagen, es war schon ein mulmiges Gefühl, einen Häftling in Handschellen in seinem Abteil zu haben. Zum Einen, weil man natürlich nicht weiß, was er getan hat. Ich meine, theoretisch könnte er auch ein Mörder sein. Aber wirklich Angst hatte ich nicht, er wurde ja bewacht. Zum Anderen aber auch, weil mir es total unangenehm war, wie der Mann zur Schau gestellt wurde… Aber zurück zum Zugfahren.
Beim Aussteigen dann der Schock: Kälte! Bei unserer Abfahrt in Guangzhou war uns schon klar, dass wir in den „hohen“ Norden fahren würden und es dort auch kälter sein würde. Dafür hatten wir ja extra davor noch wärmere Sachen eingekauft. Und außerdem war es ja auch in Guangzhou kälter geworden. Am Tag vor unserer Abreise war ich abends bei 26°C in kurzen Hosen einkaufen gewesen. Aber das was uns in SH erwartet hat, war nicht abzusehen und einfach eine pure Qual für uns wärmeverwöhnte „Südchinesen“. Noch im Bahnhof habe ich meinen Koffer aufgemacht, um mir Schal und Handschuhe herauszuholen. Dann gleich das erste Taxi genommen, in dem es Gott sei Dank warm war, um ins Hostel zu gelangen. An dieser Stelle möchte ich den Bericht über das erste SH-Wochenende vorerst zurückstellen und mit der Reise nach Hangzhou fortfahren. Aber keine Sorge, ich werde SH nicht vergessen 😉

Nach zwei Tagen SH machten wir uns auf den Weg nach Hangzhou zum ZWS. Was gäbe es da Schöneres als mit dem CRH3 (fast baugleich mit dem ICE 3) mit 300 km/h in der komfortablen Kabine durch die chinesischen Lande zu düsen. Nach nicht einmal ganz einer Stunde ist man auch schon am Ziel angelangt. In den Bus eingesteigen und die letzte Etappe nehmen. Doch da steht man erst einmal eine Weile. Der chinesische Verkehr/Stau schlägt wieder einmal zu…Letztendlich waren wir fast genauso lang im Bus für 5 km unterwegs, wie im Zug für 200 km. Trotzdem. Irgendwann sind auch wir angekommen, auch wenn mit leichter Verspätung.
Es war echt cool in den Raum rein zu kommen und alle Gesichter aus China und der Mongolei auf einen Schlag zu sehen. Ich muss sagen, das war insgesamt das Tollste an den zwei Wochen, nämlich die ganzen Leute vom Vorbereitungsseminar (VBS) wieder zu treffen, sich mit ihnen auszutauschen und ihre Erfahrungen und lustige Geschichten zu hören. Beim Seminar ging es nicht primär um die individuelle Arbeit an den Einsatzstellen eines jedes Einzelnen, sondern eher um unsere Rolle als Freiwilliger im Gastland und der Situation von zu Hause weg zu sein. Es gab viel Zeit zum Austausch, zur Selbstreflexion, zum Planen unserer Langzeitprojekte und natürlich zum Erkunden der Stadt.
Ich hatte vorhin bereits erwähnt, dass Hangzhou (杭州 – immer wieder die Schriftzeichen für die Liebhaber der Chinesischen Sprache ;)) in China sehr bekannt ist. Die Stadt ist dehalb bekannt, weil sie, vor allem wegen des Westsees, als Schönheitsideal für eine jede alte chinesische (japanische, koreanische) Stadt galt. Der besagte See ist sogar auf der Rückseite des 1 Yuan Scheins abgebildet. Es gibt in China, Japan und Korea heutzutage immer noch 36 Kopien des Sees. Manche davon in etwas abgewandelter Form, manche kleiner als das Original, aber alle am Vorbild von Hangzhou. Zudem kommt noch eine schöne Altstadt und hübsche renovierte Fußgängerzonen und Flaniermeilen rund um den See. Man kann das Ambiente vielleicht entfernt mit Konstanz und dem Bodensee oder Zürich und dem Zürichsee vergleichen, nur eben chinesischer. Abends gab es natürlich auch Einiges zu erleben. Johanna, eine Mitfreiwillige, deren Einsatzstelle in Hangzhou ist und sie sich dort deshalb natürlich bestens auskennt, hat uns gleich am ersten Abend ins Coco geführt. Die Disco sollte für die nächsten vier Tage unser „Stammlokal“ werden – wir hatten eine Menge Spaß. Hier ein Gruß zurück an Sebastian, ein Freiwilliger in Ulaanbaatar (Hauptstadt der Mongolei), in dessen Blog ich auch einen Platz bekommen habe 😉 Auch in der gemütlichen Burton Bar in der Nähe vom Coco war gute Stimmung, spätestens wenn wir gekommen sind. Die Zeit verging wie im Fluge, plötzlich war es Freitag. Das Positive aber war, ich musste mich nur von einer Person endgültig verabschieden, nämlich Mila, die in Kunming wohnt und leider nicht am zweiten Seminar in Shanghai teilnehmen konnte. Alle anderen habe ich wieder in Shanghai getroffen. Dennoch, bevor uns wieder zurück in die Big City machten, nutzte eine kleine Gruppe noch das wunderschöne Wetter aus, um noch einmal zum Westsee zu fahren und die wunderschöne Landschaft zu bestaunen. Wie ihr auf den Bildern seht, hat es sich gelohnt.

An dieser Stelle haben wir das Ende von Teil I erreicht. Nach dem wunderschönen Seespaziergang sind wir auf direktem Wege zum Hotel, Sachen geholt, dann zum Bahnhof und wieder zurück nach Shanghai. Um auf meinen Titel zurückzukommen: Mittlerweile haben wir 2200km geschafft (1800 GZ-SH, 200 SH-HZ und 200 HZ-SH). Wie es weitergeht erfahrt ihr im nächsten Teil. Fortsetzung folgt.

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Was es so Neues gibt…

23. November 2011

Wie immer habe ich unendlich Sachen zu erzählen. Das würde aber, wie ihr euch denken könnt, den Rahmen meiner Zeit und natürlich auch eurer Lesebereitschaft sprengen. Hinzu kommt, dass die meisten dieser Sachen inzwischen schon so alltäglich für mich geworden sind, dass sie einfach nicht mehr erwähnenswert sind. Deshalb beschränke ich mich auf die wenigen, wichtigsten Geschehenisse.

Zuerst einmal wäre da die Schülergruppe aus Deustschland zu erwähnen. In vorherigen Artikeln hatte ich ja bereits erwähnt, dass deutsche Austauschschüler für zwei Wochen an unsere Schule kommen werden. Nun ja, jetzt sind sie auch schon fast eine Woche da, nämlich seit letzten Donnerstag.
Die Ankunft war, sehr untypisch für Deutsche, sehr chaotisch. Die Einzige Information, die wir hatten, war die Ankunftszeit des Fluges, 21:20 Uhr. Flugnummer, Airline und Abflugsort waren uns gänzlich unbekannt. Wie sollten wir sie also finden? Auf gut Glück sind wir dann in Halle A gegangen, um dort herauszufinden, dass nichts los war. Also einmal quer durch den Flughafen zurück in Halle B. Wie durch ein Wunder steht die ganze Gruppe genau vor uns, als wir gerade nach ihnen suchen wollten. Es stellte sich heraus, dass sie über Hongkong geflogen sind. Der Flug stand lustigerweise erst eine halbe Stunde nach ihrer Ankunft auf dem Flugplan. Mein neues Schlagwort für solch „organisierte“ Ereignisse und Situationen: China.
Wie dem auch sei. Wir waren alle froh sie gefunden zu haben und haben sie natürlich erst einmal willkommen geheißen. Für mich war dieser Besuch beim Flughafen wie so eine Art Zwischenbilanz. Als ich ankam dachte ich sofort an meine Ankunft in China acht Wochen vorher. Seitdem hat sich schon viel verändert. So zum Beispiel die Sprachkenntnisse. Auch wenn mein Chinesisch (noch lange nicht!) perfekt ist, habe ich doch schon einige Fortschritte gemacht und bin hoffentlich weiterhin auf einem guten Weg. Insgesamt hatte ich einfach das Gefühl schon deutlich eingelebter und angepasster zu sein. Das ist auch nicht sonderlich verwunderlich, trotzdem aber schön wenn es einem auffällt. Verstärkt wurde der Eindruck durch die vielen Fragen der Deutschen. Im Bus meinte einer dann: „Boar, guck mal wie der da drüben fährt! Ist der verrückt oder was?!“ Hätte er das nicht gesagt, wäre mir das überhaupt nicht aufgefallen…Jetzt bin ich auf jeden Fall bis nächsten Mittwoch so ein bisschen als Stadtführer, Helfer und Begleiter für die Deutschen zuständig. Da nebenher noch unterrichtet wird, ist das zum Teil echt stressig. Das hätte ich vorher nicht gedacht. Aber es macht auch Spaß Fremden „meine“ Stadt zu zeigen und so komme ich zum Beispiel auch in den Genuss eine Einführung in die Kunst des Taiji und der chinesischen Kalligrafie zu bekommen.

Am Freitag war ich Juror beim schulinternen Englisch-Freisprech-Wettbewerb. Da habe ich mich wirklich wie ein V.I.P. gefühlt: Vorne in der ersten Reihe, hinter mir 1.000 Zuschauer, ein Schild auf dem „Juror“ stand und ein Schüler, der immer wieder Wasser nachreicht. Die Beiträge an sich waren auch sehr interessant anzuhören. Das Thema war „Teamwork“ bzw. „My Hero“. Was mich stark verwundert hat, dass in einem kommunistischen Land, in dem Facebook gesperrt ist Beispiele wie Apple und Facebook genannt wurden und als persönliche Helden bezeichnet wurden. Sehr unerwartet. Eine Kandidatin erfüllte dann jedoch meine Erwartungen. Sie berichtete drei Minuten langen über ihren Helden: Den ehemaligen Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Chinas Mao Zedong. Am Ende wurden dann kurzer Hand ich und der Neuseeländische Englischlehrer Chris auf die Bühne gezogen um für das Foto der Urkunden-Übergabe Hände zu schütteln und in die Kamera zu lächeln. Alles in allem sehr erfolgreich.

Im Großen und Ganzen war es das eigentlich schon. Wie ihr wisst werde ich am kommenden Sonntag bei der Feier zum 30. Jubiläum der Schule Walzer tanzen, vor gut 1.000 – 2.000 Leuten. Wie ich aber jetzt erfahren habe darf ich am Montag gleich nochmal ran – Zuschaueranzahl gleich. Das wird ein heiden Spaß sag ich euch…

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Ein Ausflug auf die Shangxiajiu Lu

16. November 2011

Die Shangxiajiu Lu (上下九路) ist eine der bekanntesten Einkaufsstraßen in Guangzhou. Sie ist vor allem für ihre Schnäppchen und zum Teil sehr günstigen Preise bekannt – nicht selten weil es Fälschungen sind.

Auf der einen Seite ist die Schangxiajiu Straße typisch Chinesisch. Überall sind bunte, grelle Leuchtreklamen mit Blinklichtern und werben für die unzähligen Geschäfte. Der eigentliche Sinn der Leuchttafeln, nämlich aufmerksam zu machen, geht dabei natürlich verloren. An seine Stelle treten manchmal eher Verwirrung und Nervosität, die durch die ständig zuckenden und wechselnden Farben hervorgerufen werden.
Deshalb haben sich die Ladenbesitzer zusätzlich etwas einfallen lassen: Einfach einen oder zwei Angestellte an die Tür stellen und sie wie Marktschreier alle Angebote und Vorteile dieses Geschäfts rufen lassen. Dazu immer schön im Takt klatschen, damit die Kunden auch ja aufmerksam werden. Nur wird so ein angestellter auch irgendwann müde, wenn er zum tausendsten Mal „买一送一 (mai yi song yi) – Kauf‘ eins, krieg‘ eins geschenkt“ geschrien hat. Dementsprechend enthusiastisch hört sich dann natürlich auch seine Stimme an. Das größte Problem aber, die anderen Läden haben sich das auch überlegt. So läuft man die kilometerlange Straße entlang und vor jedem Laden wird im Takt geklatscht und der gleiche Satz immer und immer wieder in einer monotonen, einschläfernden Art und Weise heruntergerattert.
Kommt dann ein Ausländer wie ich entlanggeschlendert, bekommt dieser sofort „Hello, hello Sir. Welcome. Come in, come in“ zu hören. Manche lassen nicht locker, stellen sich in den Weg und versuchen einen richtig energisch in den Laden zu kriegen. Am Anfang hat mich das wahnsinnig gemacht, vor allem weil ich mich „gemütlich“ umsehen und für mich sein wollte. Letztendlich war ich total gestresst und bin immer nur von einem zum nächsten Laden gehetzt. Mittlerweile habe ich mich aber ziemlich an die Verkäufer, das Geklatsche, die Lautstärke, das Anschauen der Leute und die Menschenmassen gewöhnt. Sogar der Gestank des Tofu, der auf eine bestimmte Art zubereitet wird und als Delikatesse gilt, haut mich nicht mehr ganz so um. Im Westen ist das Gericht als „stinkender Tofu“ bekannt, ziemlich treffend meiner Meinung nach. Als ich ihn das erste Mal gerochen habe, dachte ich es sei der Geruch von Fäkalien aus der Kanalisation. Dann sagte man mir aber, dass es vom Tofu kommt. Auch wenn ich den „Geruch“ jetzt kenne, bin ich mir nicht sicher, ob ich ihn in naher Zukunft, oder überhaupt einmal probieren werde…Aber wie heißt es doch so schön: „Probieren geht über studieren.“ Vielleicht gebe ich mir ja mal nen Ruck.

Auf der anderen Seite ist die Straße total Westlich. Überall findet man McDonald’s, KFC, Pepsi, Nike, Adidas, usw. Die Produkte, die verkauft werden, könnten größtenteils auch in den Regalen unserer Kaufhäuser und Geschäfte stehen. Aber eigentlich ist die Betrachtungsweise falsch. Weil eigentlich werden „unsere“ Produkte genau dort produziert. Warum ist es also so komisch, wenn sie auch dort verkauft werden wo sie herkommen? Es ist eigentlich sogar ziemlich logisch, meiner Meinung nach. Da merkt man erst aus welch verschiedenen Perspektiven die Welt betrachtet wird. Das Interessante dabei ist, dass ich zwischen den beiden Perspektiven bin und diese sich für mich  zu einer Neuen mischen.
Auf dem großen Bildschirm am Hauptplatz der Straße werden Nachrichten gezeigt, ein Beitrag über eine chinesische Stadt wird gezeigt. Im nächsten Moment lächelt mich unsere Bundeskanzlerin Frau Merkel, die eine Pressekonferenz im Bundeskanzleramt gibt, von der überdimensionalen Leinwand an. In der Werbepause wirbt Mercedes-Benz für die neue S-Klasse und den hervoragenden Service. Unten links wird währenddessen „年125汽车发明! – 125 Jahre Erfindung des Automobils!“ eingeblendet. Ich muss zugeben, so fernab der Heimat schlägt dann mein deutsches, aber vor allem auch baden-württemberger Herz höher. In Stuttgart steht zwar das Mercedes-Benz-Museum, dass das Auto im Ländle erfunden wurde wissen eigentlich auch die Meisten. Aber was das wirklich heißt, welche Bedeutung diese Erfindung für die Welt hat und wie sie sie verändert hat merkt man erst richtig, wenn man über 9000km entfernt in einer chinesischen Stadt auf einem Platz steht und Werbung für ein Auto sieht, das ein paar Kilometer vom eigenen Heimatort entfernt gebaut wird und das Symbol für den Wohlstand in der Region und in ganz Deutschland darstellt.

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Post aus Deutschland

13. November 2011

 

Eines Freitagmorgens gehe ich wie gewohnt ins Büro und entdecke einen Zettel auf meinem Schreibtisch. Das Einzige, was ich lesen kann ist mein Name: „Alex Knorr“, der Rest ist natürlich Chinesisch. Da es anscheinend um mich geht möchte ich natürlich herausfinden, was auf dem Zettel steht und gehe zu Irene. „Das ist von der Post, es ist ein Paket für dich angekommen. Du kannst es abholen.“ Ein Paket, für mich?! Voller Vorfreude gehen wir also zusammen nach der Schule hin, um es abzuholen. Am Schalter halte ich meinen Zettel hin und kann es kaum erwarten zu erfahren wer mir etwas schickt und vor allem was drin ist.
Letztendlich bekomme ich es natürlich nicht…Ich muss meinen Reisepass mitbringen, um mich auszuweisen. Die Kopie reicht leider nicht. Zwar ein bisschen genervt, aber trotzdem beruhigt, dass nicht einfach jeder kommen kann und meine Post mitnehmen kann, verlasse ich das Postamt. Heute also nochmal hingegangen, diesmal mit Pass. Es läuft alles ohne Probleme ab, ich zeige den Zettel und den Pass, unterschreibe und bekomme das Paket.
Der Absender ist Familie Knorr aus Bietigheim, die Zollerklärung lautet „chocolate“. Wurden mir da etwa leckere deutsche Qualitätssüßigkeiten geschickt?? Das ist nämlich eine Sache, die man sehr schnell hier in China vermisst. Es gibt zwar ein Haufen Süßigkeiten, auch westliche, aber die sind entweder viel zu teuer oder sind amerikanische Schokolade à la Hershey’s, die einen ja auch nicht umhaut. Kinderschokolade und Ferrero Rondnoir schmecken auch anders als bei uns. Kurzum, ich habe mich also richtig auf den Inhalt und ein Stück Heimat gefreut. Dennoch hatte ich Bedenken, ob denn alles heil angekommen ist. Das Paket sah nämlich ein wenig in Mitleidenschaft gezogen aus.
Zu Hause habe ich es gleich geöffnet und hab mich riesig gefreut: Knoppers, Goldbären, Mozartkugeln, Schoko-Dominosteine, Giotto, Salamistangen und sogar ein Stück Käse – also weit mehr als nur Schokolade vorzufinden. Vielen Dank! Besonders die Salami und den Käse vermisse ich hier. Aber erstmal schauen, ob der Käse überhaupt noch genießbar ist nach zwei Wochen in nem Paket ohne Kühlung. Aber auch wenn nicht, die Geste und die schöne Überraschung zählen.

In zwei Wochen findet ja die Feier zum 30-jährigen Jubiläum der Schule statt. Mittlerweile hat sich auch herausgestellt worum es in der Aufführung, in der ich mitwirken soll, geht. Ich werde zusammen mit der deutschen Austauschschülerin Walzer tanzen. Zum Glück muss ich nicht die komplette Choreographie machen, sondern komme in der Mitte des letzten Abschnitts auf die Bühne. Wir sollen dann, begleitet von den anderen Schülern, das „große Finale“ tanzen. Bin ja gespannt wie das wird. Die Schritte sind nicht besonders schwer, trotzdem wird das noch einmal ganz anders, wenn hunderte Leute einem zuschauen und nichts schiefgehen darf. Aber das wird schon, beim Abschlussball des Tankurses hat es ja auch geklappt.

Ab Donnerstag kommen deutsche Austauschschüler von einer Berufsschule aus Hof für zwei Wochen an unsere Schule. Schüleraustausch nach China, auch nicht schlecht. Wie sie die Schule und den Alltag hier finden werden? Wird auf jeden Fall interessant. Ansonsten aus dem Osten nichts Neues.

 

Bis die Tage!

PS: Hier fängt übrigens langsam die „Weihnachtsstimmung“ an. Dafür sind maßgeblich Starbucks und co. verantwortlich, die ihre Becher mit Wintermotiven à la Schneemänner, Schlittenfahren, Eislaufen und Schneeflocken bedrucken – und das bei immer noch 20°C draußen…An die Weihnachtsmusik habe ich mich aber schon längst gewöhnt. Die dudelt das ganze Jahr über zu sämtlichen Anlässen und allen Orten – so wird z.B. in der Mittagspause der Schulhof mit Mariah Careys „All I want for Christmas is You“ beschallt und die Straßenkehrmaschine kündigt ihre Ankunft mit „Jingle Bells“ und „Happy Birthday“ an. Das sind nun mal die bekanntesten Lieder aus dem Westen und der ist in. Die Bedeutung ist eher zweitrangig, Hauptsache die Melodie ist schön.

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Nansha und chinesisches Halloween

31. Oktober 2011

Mittlerweile hat es sich im Großen und Ganzen „ausgesightseeingt“. Das Wichtigste, Bekannteste und Besonderste hat man alles gesehen und es kehrt Normalität in diese neue Stadt für mich ein. Natürlich gibt es noch so viel zu entdecken. Aber ich finde gerade die kleinen, unscheinbaren und unverhofften Entdeckungen machen sehr viel Freude, weil man auch viel mehr Zeit hat diese zu erkunden und zu genießen und nicht von einer Attraktion zur nächsten rennt. Außerdem will ich nicht gleich am Anfang alles schon gesehen haben, da ich mir ein paar Sachen gerne für später aufbewahren möchte – immerhin bin ich noch fast ein ganzes Jahr hier.

Dennoch, vorletztes Wochende ging es in die Außenbezirke von Guangzhou, in den Bezirk Nansha. Dort wohnt und arbeitet nämlich Clara. Es war schon seit längerem geplant sie zu besuchen, aber es hat sich erst jetzt richtig ergeben. Sie wohnt nämlich sehr weit außerhalb, wenn man bedenkt, dass sie immer noch in der „Stadt“ Guangzhou wohnt. Die Stadt Guangzhou, muss man nämlich wissen, ist mehr als 1,5 mal so groß wie das komplette Saarland. In China ist alles etwas größer: „Landkreise“ sind so groß wie Bundesländer, Provinzen so groß wie ganze Länder und Städte eben so groß wie mehrere Landkreise (deutsche) zusammen bzw. kleine Bundesländer.
Zusammen mit Franzi wollte ich also Claras Reich mal kennenlernen und herauskriegen, ob es denn wirklich so weit entfernt und abgelegen ist, wie sie es uns immer erzählt hat. Immerhin hat sie Metroanschluss, so waren wir nur gute 1,5h vom Stadtzentrum aus unterwegs. Aber allein die Fahrt, der Abstand zwischen den Stationen und die sich immer weiter leerende Bahn zeigte wirklich, wie weit weg wir vom Zentrum aus schon waren. Irgendwann sind wir aber doch angekommen und warteten auf Clara. Die meldete sich telefonisch und meinte das Taxi, dass sie gerufen hat sei nicht gekommen. Sie müsse also laufen und es dauere noch ein bisschen. In der Tat, es war weit und breit nur ein Taxi zu sehen, nämlich das, das direkt vor uns am Ausgang des Bahnhofs stand. Im Zentrum von GZ wäre es undenkbar ein Taxi zu bestellen, es fahren überall haufenweise welche rum und man bekommt (zu mindest tagsüber und wenn es nicht regnet) innerhalb weniger Sekunden ein Taxi. Die achtspurigen Straßen waren kaum bis gar nicht befahren, die Fußgängerampeln funktionierten aber alle schon. Auch da, wo noch keine Straße war. Es wird viel gebaut: Straßen, Wohnungen und der Hafen wird erweitert, wenn ich es den Plakaten richtig entnommen habe. Man rüstet sich wohl für das vorausgesagte Wachstum in den nächsten Jahren.
Letztendlich haben wir ihre Schule erreicht. Dabei musste ich feststellen, dass sie, bis auf den Fakt, dass sie sehr modern und neu aussieht, sich von meiner Schule nicht besonders unterscheidet: Das Verwaltungsgebäude liegt ziemlich zentral, drumherum befinden sich die Unterrichtsgebäude und am Rand die Wohnheime, wo auch ein Mauer das ganze Gelände abgrenzt. Einen kleinen Unterschied gab es dennoch: Es gibt auch ein Lehrerwohnheim. Dort ist es wirklich nötig, da die Lehrer sonst ewig zu und von der Arbeit bräuchten. Meine Schule hat nur Schülerwohnheime (mit ein paar Zimmern für uns Ausländer), da die Schule relativ zentral liegt und die Lehrer alle zu Hause wohnen.
Zum Mittagessen zeigte uns Clara das kleine Dörfchen gegenüber ihrer Schule. Kaum zu glauben, dass man so eine Siedlung unmittelbar vor den Toren einer neugebauten Fremdsprachenschule findet. Es schien wirklich, als ob die Zeit stehen geblieben wäre. Die Alten saßen auf dem Dorfplatz und spielten im Schatten der Bäume Mahjiang – ein chinesisches Brettspiel – oder schauten zu. Das Essen selbst war auch mal wieder ein Highlight. Es stehen ein paar nennen wir es „Tische“ vor dem was man Küche, bzw. Garküche oder was auch immer nennen soll, auf beiden Seiten der staubigen Straße, wo hin und wieder ein Motoroller durchheizt. Eine Speisekarte gibt es nicht, es liegen die rohen Zutaten auf einem Holztisch in kleinen Schalen, um die auch ein paar Fliegen herumschwirren. Dann stellt man sich sein eigenes Gericht zusammen und es wird gekocht. In der Zwischenzeit geht man zum Nachbarladen und kauft sich etwas zu trinken. Nach einer Weile kommt man wieder, setzt sich an einen Tisch und bekommt bald sein Essen. Dazu gibt es wie immer Fotos. Natürlich hat Clara das alles gemanaget, sie kannte sich damit ja schon gut aus.
Am Abend sind wir dann wieder nach Downtown GZ gefahren und haben es uns am Perlfluss ein wenig gemütlich gemacht.

 

Diesen Samstag war ich auf einer chinesischen Halloween-Party. Ich weiß nicht an was ihr bei dem Wort Party denkt, aber sicher etwas mit verkleiden, gruselige Stimmung und Disco. Nun ja, davon bin ich auch ausgegangen…
Verkleidet waren die meisten auch. Manche etwas seltsam, was meiner Meinung nach nicht wirklich zusammengepasst hat aber gut. Es stellte sich jedoch heraus, dass es keine „Party“ nach meinem Verständnis (Musik und tanzen) war, sondern es wurden Spiele gespielt. Meistens musste man in einer kurzen Zeit seine Teamkollegen finden. Alle Teilnehmer hatten eine kleine Tüte bekommen, in der verschiedene Utensilien vorhanden waren, etwa Sticker, Bonbons und eine Kürbis-Lampe. Die Dinge hatten verschiedene Symbole oder Zahlen. In jedem Spiel mussten sich dann die neuen Gruppen finden. Zum Beispiel zuerst alle, die eine 0 auf dem Kürbis haben, dann alle, die eine 7 in der Teilnehmernummer haben usw. Da Coca Cola das Ganze mitfinanziert hat, gab es in jeder Ecke eine Kühltruhe voll mit Coke Zero, die man sich gratis nehmen konnte.
Alles in allem war es auf jeden Fall witzig zu sehen, wie eine andere Nation Halloween feiert und was für sie Party heißt. Dennoch glaube ich nicht, dass mein Humor und Empfinden für „lustig“ nicht ganz den chinesischen Geschmack trifft, bzw. andersherum.

In der Schule gab es keine besonderen Vorkommnisse. Ab heute wird lediglich die Winter-Schuluniform getragen. Das heißt schwarzes Jacket, weißes Hemd, schwarze Weste und und schwarze Hose. Die Mädchen tragen Fliege, die Männer Krawatte. Da ich das vorher nicht wusste war ich heute morgen ein wenig geschockt als ich wie immer ganz normal gekleidet auf den Schulhof komme und die Schüler bei ihrer Morgengymnastik im Anzug sehe. Ich dachte im ersten Moment es wäre heute ein wichtiger Tag oder Anlass und ich war der einzige, dem man nichts gesagt hatte. Aber zum Glück wurde ich schnell aufgeklärt und alles war wieder im Lot. Trotzdem komisch, wenn man Deutschunterricht in einer Ball-Atmosphäre gibt. A propos besonderer Anlass, demnächst haben wir wirklich einen. Am Sonntag den 27. November feiert die Schule ihr 30-jähriges Jubiläum. Die Lehrer meiner Abteilung, inklusive mir, werden dazu eine Aufführung machen. Was genau weiß ich auch nicht, ich wurde heute dazu herzlich von Franky, einem Lehrer, eingeladen. Es geht also rund hier.
Ich hoffe zu Hause ist es nicht allzu kalt und ihr müsst nicht frieren. Bei mir kühlt es jetzt langsam ab, es sind tagsüber nur noch maximal 25°C, abends könnte ich schon ab und zu mal einen Pulli gebrauchen. So kann es von mir aus gerne eine Weile bleiben.

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Feier zum 3. Oktober

17. Oktober 2011

Welch ereignisreiche Tage liegen wieder hinter mir, ich werde versuchen von allem schön chronologisch zu berichten.

Donnerstag:
Da gab es anlässlich der 21. Jahrestags des 3. Oktobers einen Empfang des Deutschen Generalkonsulats Kanton. Die Feier fand erst jetzt statt, da am 3. Oktober selbst die chinesischen Nationalfeiertage waren und auch das Konsulat in dieser Zeit geschlossen war. Dazu waren viele Vertreter aus Politik und Wirtschaft und unter anderem auch die Einsatzstellen der kulturweit-Freiwilligen eingeladen. So ging ich also zusammen mit dem Schulleiter und einer Lehrerin dorthin. Wir wurden von einem Fahrer der Schule von der Schule direkt zum Hotel, wo die Feier stattfand gefahren. Gerade als wir eingestiegen sind, fing ein Regen an, der die nächsten fünf Stunden und mehr nicht aufhören sollte, wie sich später herausstellen sollte. Aber dazu später mehr…
Der Abend wurde von einer kleinen Rede des Generalkonsuls eröffnet. Anschließend konnte man sich am Büffet bedienen. Hier gab es vorwiegend deutsche Spezialitäten wie Knödel, Gulasch, Apfelstrudel, Kuchen, und dazu natürlich deutsches Brot. Aber auch ein paar chinesische Leckereien wie die Peking-Ente haben nicht gefehlt. Eine nette Abwechslung, wenn man sonst eher Chinesisch isst. Man hatte die Gelegenheit ein paar Leute kennenzulernen und Gespräche zu führen. So habe ich unter anderem die Mentorin von Clara und den Chef von Franzi kennengelernt.
Nach gut zwei Stunden neigte sich der Abend auch schon dem Ende. Wir blieben noch etwas und sind ein wenig später losgegangen um ein Taxi zu nehmen. Doch da erwartete er uns wieder, der Regen. Aber mittlerweile goss es einfach nur noch, buchstäblich wie aus Eimern. Auf der Straße stand das Wasser knöchelhoch, an manchen Stellen sogar bis zu den Knien. Klar dass bei diesem Wetter der Bedarf an Taxis erheblich zunimmt. Also reihten wir uns in die Schlange der Wartenden ein, wo wir noch etwa eine Stunde stehen sollten. Letztendlich sind wir auch nur noch mit einem „inoffiziellen“ Taxi mitgekommen, um ein Vielfaches teurer versteht sich. Obwohl ich bis dahin trocken geblieben war, reichten die etwa 100 Meter vom Taxi bis zum Eingang des Wohnheims um mich von oben bis unten komplett nass zu machen. In der Regenzeit von April/Mai bis September soll es so gut wie jeden Tag so regnen, vielleicht nicht ganz so lang und so heftig, dafür aber immer wieder. Bis dahin sollte ich mir auf jeden Fall ein gutes Paar Gummistiefel besorgen!

Freitag:
Nach der Schule habe ich erstmal mithilfe einer Chinesin, die mir freundlicherweise ihre Hilfe angeboten hat und sehr gut Englisch gesprochen hat, mein Handyguthaben wieder aufgeladen. Im Prinzip läuft es wie in Deutschland: Man bekommt einen Code, man muss bei einer Nummer anrufen und sie eintippen. Dazu muss man aber verstehen was die Dame sagt, sie sagt nämlich die Menüpunkte an und man muss den richtigen auswählen („Für … drücken sie die 1“ usw.). Ich habe mir aber die Tastenkombination gemerkt und es sollte das nächste Mal klappen.
Am Abend bin ich mit Franzi zu einem Couchsurfer-Treffen mitgegangen, wo man Einheimische und andere Ausländer in Guangzhou trifft. Das ist ganz praktisch, wenn man neu in der Stadt ist und ein paar Tipps braucht oder jemanden, der einem die Stadt zeigt. Am Ende sind wir dann noch mit einem der Anwesenden in einen Club gegangen, wo wir noch andere Couchsurfer getroffen haben. So ein chinesischer Diskobesuch war schon ganz lustig, draußen sitzen die Männer und spielen Würfelspiele – wer verliert muss trinken – und drinnen tanzen die Frauen. Obwohl, so chinesisch war das Ganze nicht. Es war ein Ausländeranteil von ungefähr 75%. Die Preise sind ziemlich deutsch/westlich. Wir hatten aber trotzdem unseren Spaß, vor allem haben wir noch ein paar neue Leute kennengelernt.

Samstag:
Am Samstag lies ich es ein bisschen ruhiger angehen. Da ich am Vorabend erst spät nach Hause gekommen bin, habe ich erstmal ausgeschlafen. Dann habe ich noch Diktate und ein paar Hausaufgaben korrigiert, bevor ich mich mit Clara und Franzi zum vietnamesisch Essen getroffen habe.  In der Metrostation ist uns aufgefallen wie viele Menschen unterwegs waren, vor allem ausländische. Die Erklärung ist einfach: Seit Samstag findet wieder die Canton Fair statt. Sie findet zweimal jährlich statt, jeweils etwa drei Wochen und ist die größte In- und Exportmesse Chinas, bei der viele in- und ausländische Aussteller und Firmen vertreten sind.
Den Vietnamesen habe ich bei einem Spaziergang neulich entdeckt. Da er ziemlich gut aussah wollte ich ihn mal austesten. Dort angekommen erwartete uns ein Platz voller wartender Menschen, vermutlich warteten alle auf einen Platz im Restaurant. Dennoch durften wir drei (Westler) sofort eintreten und haben gleich einen Platz bekommen. Wie sich herausstellte, war es ein sehr bekanntes Restaurant, das sogar in mehreren Reiseführern erwähnt und empfohlen wird. Das Essen war wieder einmal vorzüglich, was bei der wartenden Menschenmenge zu erwarten und zu erhoffen war. Es hat wie eine Mischung aus Chinesisch und Indisch geschmeckt, die Zutaten eher Chinesisch (Nudeln,…) und die Gewürze eher Indisch (Curry,…). Der Reis in einer überbackenen Kokosnuss war nicht nur lecker, sondern sah auch verdammt gut aus (siehe Bild).
Danach wollten wir noch die berühmte Ping-Pong-Bar, von der uns schon so viel erzählt wurde, ausprobieren. Uns wurde empfohlen bis zu einer bestimmten Metrostation zu fahren und von dort aus ein Taxi zu nehmen. Dort kannten die meisten Leute, inkl. Taxifahrer, die Adresse (Chinesisch!) nicht. Wir überlegten uns schon Alternativmöglichkeiten als wir einen Fahrer gefunden haben, der es kannte. Der wollte aber sein Taxometer nicht anmachen und sagte von Anfang an 40. Solche Angebote sind meist der doppelte oder dreifache Preis, aber wir wollten ja unbedingt hin. Und umgerechnet 1,50€ für jeden war da auch verkraftbar. Dort angekommen wollte er dann unsere ganzen 20er, 10er und 5er nicht annehmen, weil er meinte es sei Falschgeld, die haben wir aber gerade erst vom Restaurant zurückbekommen. Zum Glück hat er dann meinen 50er akzeptiert, den ich ihm genervt hingehalten habe. Er hat auch 10 wieder herausgegeben, also 40 so wie vereinbart.
Jetzt mussten wir aber erst wieder die Bar finden, die versteckt in einem Hinterhof lag. Vorbei an unzähligen Wächtern, die wir alle fragten, dunklen Gassen und Ratten haben wir sie letztendlich gefunden, wenn auch erst zwei Stunden nachdem wir vom Vietnamesen losgegangen sind. Die Bar ist ganz nett, cool eingerichtet und die Preise für die Drinks halten sich im Rahmen. Aber der Aufwand um dorthin zu kommen war schon nervig.

Sonntag:
Hier war ich ein wenig den Zhonghua Guangchang (中华广场 – China Plaza) auschecken, eine riesen Mall, wo man alles finden kann. Besonders gefreut habe ich mich über den Supermarkt, der sehr sauber angenehm eingerichtet ist. Das beste aber: Es gibt unzählige importierte Waren, auch viele aus Deutschland. Wenn ich also Goldbären, Ritter Sport, Paulaner oder Oettinger brauche, habe ich jetzt eine Anlaufstelle.
Abends war ich wieder beim Sprachkurs mit Clara. Davor sind wir noch in der Mall, die genau neben dem Sprachzentrum liegt, Japanisch Essen gegangen. An Auswahl jeglicher Art mangelt es hier also nicht.

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深圳 – Shenzhen

11. Oktober 2011

Endlich habe ich wieder ein bisschen Zeit gefunden um zu berichten. Seit Samstag sind die Feiertage vorbei und der Unterricht findet wieder statt, heute war bereits mein vierter Arbeitstag. Es wurden nämlich am Samstag und Sonntag die Stunden von Donnerstag und Freitag nachgeholt.

Am Donnerstag und Freitag haben Franzi und ich, nach Zhuhai, einen zweiten Ausflug unternommen, nämlich nach Shenzhen. Wir wollten uns ein wenig die Stadt anschauen und vor allem Nuri, die an einer Schule in Shenzhen arbeitet, besuchen. Dort hatten wir bereits ein Hostel für eine Nacht reserviert, am nächsten Abend sollte es auch schon wieder zurückgehen.
Donnerstag Mittag ging es mit dem Schnellzug, dessen Aussehen sowohl von außen als auch von innen sehr an einen ICE erinnert, von Guangzhou East los. Nach etwas mehr als einer Stunde waren wir auch schon da. Shenzhen liegt wie bereits erwähnt am Ostufer des Perlfluss-Deltas, genau an der Grenze zu Hongkong, etwa 150km von Guangzhou entfernt. Dort angekommen haben wir ohne Probleme die Metro gefunden und sind auch gleich an der richtigen Haltestelle zu unserem Hostel ausgestiegen.
Doch dann begann eine Odyssee ohnegleichen…Zuerst von den hohen Hausnummern verwirrt (überall waren 3000er-Nummern, wir suchten eine 2000er…) gingen wir einmal komplett um einen falschen Block. Dann zum Glück den richtigen Block gefunden, suchten wir weiter. Die gesuchte Nummer lautete „2057“. Es sah immer vielversprechender aus: „2083, 2077, 2071, 2067, 2065, 2061, 2055, 2053…- Halt Stop, was?! Ok nochmal zurück.“ Wir bemerkten einen Eingang zu einem Hinterhof zwischen der 2061 und der 2055, da musste ja die 57 sein – also rein. Es erwartete uns ein großes blaues Gebäude mit vielen Feuertreppen. Das sieht doch eigentlich nach einem Hostel/Hotel aus, oder? Ok, also um die Ecke und schauen ob dort der Eingang ist. Leider Enttäuschung, nur Restaurant an Restaurant. Inzwischen standen wir schon in einer anderen Straße, in der wir wie Marsmenschen angeschaut wurden. Es half nichts, allein würden wir es nicht finden, also mussten wir jemanden fragen. Lusitgerweise zeigte jeder, den wir fragten in eine andere Richtung, als wir nach dem „Hi Inn Hostel“ fragten. Mir wäre es von Anfang an lieber gewesen die Adresse und den Namen des Hostels auf Chinesisch dabei zu haben, aber es gab sie auf der Webseite, auf der ich das Hostel gebucht habe, einfach nicht. Irgendwann schienen uns die Leute zu verstehen: „Hayan Hotel, da lang“. Und tatsächlich, die Menschen zeigten alle in die gleiche Richtung. Wir wunderten uns zwar und fragten auch nach ob „Hayan“, nicht „Hi Inn“, denn stimmen würde. Aber alle waren sich sehr sicher und einer führte uns sogar direkt hin. Tatsächlich waren wir beim Hayan Hotel angekommen. Doch an der Rezeption merkten wir, dass es nicht unser Hotel ist und gingen wieder den ganzen Weg zurück. Nachdem wir dreimal um den Block gerannt waren, wir das Hostel angerufen haben und gefragt haben, ob sie uns eine Wegbeschreibung geben können landeten wir beim nächsten Hotel. Die freundliche Dame, die fast kein Englisch sprach machte sich die Mühe beim Hostel anzurufen und fand dadurch den chinesischen Namen heraus und schrieb ihn uns mit Schriftzeichen auf einen Zettel. Dann veranlasste sie den Empfangsjungen uns in die Straße des Hostels zu begleiten. Sie war uns inzwischen sehr vertraut, nach bestimmt fünfmal hoch- und runterrennen. Auch die Leute kannten uns schon gut, inzwischen war eine Stunde vergangen. Dann zeigte der Junge die Straße hinunter und meinte da müsse es sein – aber da waren wir doch schon!?! Ok, höflich bedanken, in die Richtung gehen und dann einfach ein anderes Hostel suchen. Wir wollten ja schließlich noch was von Shenzhen sehen! Aber einen Trumpf hatten wir ja noch: Die chinesischen Schriftzeichen! Also, letzter Veruch! Wir gehen zu einem Wächter, halten ihm den Zettel hin – er lacht und zeigt auf das große blaue Gebäude, wo wir am Anfang schon waren. Schriftzeichen an der Wand mit denen auf dem Zettel vergleichen…und Tatsache! Nochmal zu dem Gebäude, diesmal aus einer etwas anderen Richtung. Aber das sind doch nur Restaurants?! Erstes, zweites, drittes – und da! Irgendwo zwischen zwei Restaurants gab es einen kleinen Eingang über dem „Hi Inn Hostel – Welcome!“ stand. Wir haben es endlich gefunden!

Mit einer deutlichen Verspätung konnten wir dann endlich Shenzhen angucken und mit Nuri, die inzwischen zu uns gestoßen war, etwas unternehmen. Wir waren natürlich erstmal was essen, was denn auch sonst in China. Danach sind wir ein wenig durch die Gegend gefahren, haben uns dies und das angeschaut, haben bei Starbucks lecker Kaffee getrunken und sind abends noch ein wenig in unserer Gegend rumgeschlendert. Dort wollten wir uns eigentlich noch in eine Bar setzen. Doch der „Eintritt“, eigentlich viel mehr der Preis für einen Tisch, lag bei 1000 Yuan (so 115€). Das war es uns dann auch nicht Wert und außerdem kamen wir uns in unserem Touri-Outfit mit Rucksack etwas fehl am Platze vor.
Am nächsten Tag hat uns Nuri ihre Schule gezeigt, wir haben ein paar andere Ecken Shenzhens kennenglernt, waren lecker essen (bei der muslimischen Minderheit der Hui) und haben uns die Grenzgegend zu Honkgkong angeschaut, die ist jedoch nicht sonderlich spektakulär. Das liegt vor allem daran, dass nicht wie bei Macau die Stadt gleich auf der anderen Seite anfängt. Das Hongkong, das wir kennen, das mit den vielen Hochhäusern und der beeindruckenden Skyline, liegt hinter dem Hügel, wodurch wir nur grüne Berge sehen konnten. Was aber wirklich faszinierend war, war der Markt durch den wir gegangen sind. Nur etwas von der großen Straße weg gibt es kleine Gässchen, in denen sich das wahre Leben abspielt. Hier konnte man alles bekommen: Frühstück, „frisches“ Fleisch, Obst und Gemüse, Fisch, Meeresfrüchte, Schuhe, Kleidung, lebende Tiere, usw. „Frisches“ Fleisch deshalb, weil es ohne Kühlung, ohne Abdeckung einfach auf dem Holztisch lag. Ich hätte es nicht unbedingt essen wollen…Trotz der engen Gassen wird mit dem Moto-Roller gefahren und man wird oft zur Seite gehupt. Wenn das geschieht, sollte man schleunigst zur Seite hüpfen und aufpassen nicht überfahren zu werden. Der Markt war in dieser modernen Großstadt mit vielen Hochhäusern ein echter Kontrast und ein wahres Highlight.
Am Abend hat uns Nuri dann noch zum Bahnhof gebracht und wir sind wieder zurück nach Guangzhou gefahren. Insgesamt war es echt nett, v.a. Nuri mal endlich getroffen zu haben und mal nach Shenzhen gekommen zu sein.

Gerade bereite ich den Unterricht für morgen vor. Meine Mentorin ist nämlich die ganze Woche bei einer Fortbildung und ich übernehme den Unterricht in der 10. Klasse. Außerdem werde ich morgen zwei Stunden bei den 12ern zum Thema Europa halten. In dem Fach geht es um Touristik und ich werde vor 50 oder mehr Schülern morgen eine Diashow mit ein paar Bildern aus Europa halten und ihnen ein wenig was dazu sagen. Das muss aber auf Deutsch und Französisch geschehen, da nur ein Teil der Schüler Deutsch lernt. Der andere lernt eben Französisch. Vielleicht rede ich einfach Englisch, dann muss ich nicht alles zweimal erklären. Das Problem ist aber, dass nicht alle Schüler Englisch sprechen…Naja, mal schauen. Das wird sich morgen schon von selbst ergeben.

Ansonsten probiere ich in den nächsten Tagen etwas mehr zu schreiben, bloß kann ich dafür nicht garantieren. Ich muss mich erst noch an den Rhythmus nach den Ferien gewöhnen und darf natürlich die Unterrichtsvorbereitung nicht zu kurz kommen lassen. Also, bis bald!

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Zhuhai und Morning Tea

5. Oktober 2011

Es ist mal wieder an der Zeit aus dem Reich der Mitte zu berichten. Mein letzter Eintrag ging ja über den chinesischen Nationalfeiertag und der ist ja schon wieder eine Weile her.
Wie bekannt bedeutet der Nationalfeiertag nicht wirklich „Tag“, sondern eher Woche, da die meisten Chinesen die ganze Woche, zumindest aber bis heute noch frei haben. Dementsprechend habe ich die Zeit auch genutzt um mal ein bisschen aus Guangzhou rauszukommen.

Gemeinsam mit Clara und Franzi ging es deshalb am Montag nach Zhuhai, der Grenzstadt zu Macau. Macau ist genauso wie Hongkong eine Sonderverwaltungszone Chinas. Das bedeutet sie gehören de facto zu China, es gelten aber andere Gesetze und vor allem Steuern in den beiden Zonen, eigentlich sind sie wie ein kleiner Staat im Staat. Das hängt mit der Geschichte zusammen: Hongkong war bis 1997 Britische, Macau bis 1999 Portugiesische Kolonie. Davor haben die beiden „Staaten“ nicht zu China gehört und waren Teile von GB und Portugal. Für Chinesen war es nicht möglich in die beiden Gebiete zu reisen, die Einwohner Hongkong und Macaus waren keine Chinesischen Staatsbürger. Seit der Rückgabe 1997, bzw. 1999 wurden die Gebiete aber immer mehr Schritt für Schritt an China angegliedert und es wurde für Chinesen, v.a. die in der Region wohnen, einfacher in die beiden Städte zu gehen. Seitdem haben sich genau an der Grenze zu beiden Gebieten „Satelliten-Städte“ gebildet, die vom Grenzverkehr und Grenzhandel profitieren und seitdem unheimlich wachsen. An der Grenze zu Hongkong ist das Shenzhen und an der von Macau Zhuhai.
Schaut man sich auf der Karte die Lage der Städte Guangzhou, Hongkong und Macau an, so sieht man, dass alles sehr nah bei einander liegt. Guangzhou liegt sozusagen an der Mündung des Perlfusses ins Delta, Hongkong am Ostufer und Macau am Westufer des Deltas. Wir wollten also einen Tagesausflug ans Meer machen und dabei „in die Nähe“ von Macau kommen. „In die Nähe“ deshalb, weil Clara und ich kein multiple entry Visum haben. Wenn wir nach Macau gegangen wären, hätten wir China verlassen und wir hätten nicht wieder einreisen dürfen. Aber einen Blick wollten wir erhaschen, wir waren dann auch nur einen Steinwurf von Macau entfernt, schaut euch die Fotos an.

Das Wetter in Zhuhai war leider nicht sonderlich optimal. An dem Tag gab es eine Taifun-Warnung, diese drückte sich in permanentem Nieselregen und einem starken Wind aus. Für eine Stadtbesichtigung nicht besonders von Vorteil. Insgesamt hat mich die Stadt nicht vom Hocker gehauen, sie lebt einfach von der Grenze zu Macau. Dennoch, als Tagesausflug hat es sich gelohnt – man will ja auch die Region ein bisschen kennenlernen.

Der Dienstag war ein typischer Zu-Hause-Tag: Lange ausschlafen, frühstücken, Wäsche waschen, Chinesisch lernen und vor allem Hausaufgaben korrigieren…Demnach ist auch nichts sonderlich Spannendes passiert.

Heute wurde ich von der Deutsch-Klasse (12. Klasse) zum Morning Tea eingeladen. Der Morning Tea ist ganz typisch für Kanton, man kann ihn vielleicht etwas mit der Englischen Teatime vergleichen, nur dass er eher Brunch-Charakter hat. Wie der Name schon vermuten lässt wird Tee getrunken. Ich wusste auch, dass es ein paar Snacks dazugeben wird. Dass es aber eigentlich ein Morning Meal mit ein bisschen Tee sein wird, habe ich nicht erwartet. Es wurde Speise nach Speise hereingebracht und die runde Platte in der Mitte füllte sich mehr und mehr. Es gab – auch typisch für Kanton – Dim Sam (Englische Schreibweise: Dim Sum). Das sind kleine Häppchen, meist in Teigtaschen-Form, die zum Großteil im Dampfgarer zubereitet werden. Sie sind die klassischen „Snacks“ zum Kantonesischen Tee. Wenn ich hier aufzählen müsste was es alles gab und mich entscheiden müsste welches das Beste war, würde ich Ewigkeiten brauchen. Deshalb verweise ich hiermit auf die Fotos. Aber ich kann sagen: Alles vom Feinsten! Es war so lecker, sogar die Hühnerbeine waren köstlich! Ich freue mich auf den nächsten Morning Tea.

Danach sind ein paar Schüler und ich noch in einen Park zum Fahrrad fahren gegangen – gut für die Verdauung. Das hat mich erst ein wenig verwundert, als wir dort aber ankamen sah ich, dass das anscheinend die Attraktion an diesem Park war: Fahrradverleih über Fahrradverleih! Und die Fahrradmassen im Park erst, Wahnsinn. Zuerst hatte ich ein wenig Sorgen um meine Gesundheit, denn der Chinesische Fahrstil war mir bereits bekannt und ich wusste nicht ob ich mir das zutrauen will. Aber nach ein paar Minuten habe ich mich ziemlich gut angepasst. Einfach immer drauf aufs Hindernis und erst kurz vorher bremsen, in den meisten Fällen musste ich das aber nicht tun, da mir schön Platz gemacht wurde. Anders kommt man leider nicht voran: Entweder man nutzt seine Chance oder lässt es bleiben. Aber es funktioniert, ich habe keine Kollision gesehen, es gab keine Staus. Es sieht chaotisch für uns aus, ist es aber nicht wirklich. Es ist eine andere Art zu fahren. Passt man sich ihr an und weiß man wie sie funktioniert hat man keine Probleme.

Morgen geht es dann mit Franzi für zwei Tage nach Shenzhen, in die andere, eigentlich bekanntere und größere Boom-City in der Region Guangdong. Am Samstag geht dann schon wieder die Schule weiter, eigentlich habe ich auch nur bis heute frei. Die Stunden von Donnerstag und Freitag werden nämlich am Samstag und Sonntag nachgeholt. Mal schauen, was die Tage noch so bringen. Bid bald und danke fürs Lesen!

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