Archiv für die Kategorie ‘Allgemein’

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China wird 62

1. Oktober 2011

Heute, am 1. Oktober, ist der chinesische Nationalfeiertag. Es wird die Staatsgründung am 1. Oktober 1949 gefeiert. An diesem Tag hat Mao Zedong vom Balkon der Verbotenen Stadt die Volksrepublik China ausgerufen. Damit ist die Volksrepublik also genau so alt wie die Bundesrepublik Deutschland.
Vor zwei Jahren, zum 60. Geburtstag, fand in Peking eine riesige Militärparade statt. Ich hatte gehofft, dass das dieses Jahr wieder der Fall ist. Dann hätte ich auch versucht heute in Peking bei der Parade zu sein. Doch leider fand keine statt, deshalb habe ich den freien Tag genutzt, um auszuschlafen und die Gedenkveranstaltung auf dem Tian’anmen-Platz im Fernsehen von meinem Bett aus live zu verfolgen. Es wurde die Nationalhymne gesungen und den Ahnen gedacht, die für China gekämpft haben und dabei ihr Leben gelassen haben. Dabei anwesend waren natürlich der Staatspräsident Hu Jintao, der Premierminister Wen Jiabao, die wichtigsten Vertreter der kommunistischen Partei, wichtige Militärs, Veteranen und Vertreter aller Minderheiten Chinas.
Nach etwa 10 Minuten, war es auch schon vorbei. Es hat sich meiner Meinung nach aber definitiv gelohnt etwas früher aufzustehen und das Spektakel anzuschauen. Der 1. Oktober gehört einfach zu China und wenn ich schonmal hier bin, will ich mir das nicht entgehen lassen.

Ansonsten war es ja in den letzten Tagen etwas ruhiger in meinem Blog. Das hat in aller erster Linie etwas damit zu tun, dass ich in letzter Zeit einfach nicht dazu gekommen bin zu schreiben. Nach dem Sportfest war normal Schule und da war ich auch stark eingebunden. Ich wurde den beiden Deutsch-Klassen meiner Mentorin Irene vorgestellt, eine 10. und eine 11. Klasse. Dann wurde ich von der anderen Deutschlehrerin am Donnerstag gefragt, ob ich am Freitag mit ihr die Prüfung bei der 12. Klasse machen kann. Dazu sollte ich ungefähr 30 Fragen erstellen, jeder Schüler bekommt dann von diesen 30 jeweils drei Fragen gestellt, auf die sie mündlich antworten müssen. Es handelte sich also eher um eine mündliche Abfrage.
Am Nachmittag bekam ich dann einen überraschenden Anruf von ihr. Sie sagte mir, dass sie sich verletzt hätte und morgen nicht kommen könnte und ob ich denn die Prüfung alleine machen könnte? Zudem sollte ich noch die erste von den drei Stunden Unterricht halten. Etwas überrumpelt und unüberlegt sagte ich ihr zu. Aber nachdem ich aufgelegt hatte war ich mir etwas unsicher, ob ich das allein (ohne jemals komplett allein unterrichtet, geschweige denn eine chinesische Prüfung gemacht zu haben) hinbekomme. Aber mit moderner Technik, sprich Handy und SMS, konnte ich mir noch genauere Informationen und Tipps einholen und fühlte mich ein wenig besser gerüstet.
Am nächsten Tag hat dann alles sehr gut geklappt. Die Schüler waren auch sehr diszipliniert und machten gut mit. Es war schon ein gutes Gefühl so „spontan“ etwas selbst auf die Beine gestellt zu haben. Ich freue mich schon auf die kommenden Aufgaben!

Außerdem habe ich jetzt einen Sprachkurs gefunden, den ich zusammen mit Franzi und Clara mache. Das Sprachzentrum ist ziemlich zentral gelegen und es gibt dreimal wöchentlich Unterricht. Die erste Stunde war ziemlich gut und ich hoffe, dass ich mein Chinesisch deutlich verbessern kann!

 

Ansonsten ist nicht viel passiert, es schleichen sich schon langsam Gewohnheiten und Alltagssituationen ein. Ich scheine also angekommen zu sein. Was man vielleicht noch erwähnen könnte: Seit Freitag kommen die Ausläufer des Taifuns, der u.a. die Phillipinen überschwemmt hat, bei uns an. Heute Nacht hat es richtig stark gewittert, so dass bei mir im Zimmer die Klimaanlage und der Kühlschrank gescheppert haben. Da bin ich schon wach geworden. Seit Donnerstag gibt es mehrmals am Tag sehr starke Regenfälle, bei denen auch schonmal hier und da Teile der Straße unter Wasser stehen. Leider soll das Wetter erst wieder ab Mittwoch besser werden. Aber eine Chinesin meinte, das sei gutes Wetter für die Nationalfeiertage, da dann die Plätze, Museen und Restaurants nicht so von Menschen überfüllt seien. Tja: „Think positive“!

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Das Sportfest

27. September 2011

Wie bereits angekündigt fand gestern und heute das große Sportfest der Schule statt. Es wurde nicht auf dem schuleigenen Sportplatz, sondern in einem Stadion in mitten der Innenstadt, in dem es unter anderem auch Wettkämpfe bei den Asian Games 2010 gab, ausgetragen. Dementsprechend lang war auch der Anfahrtsweg, der am Montag mit dem Taxi zurückgelegt wurde. Interessant, der Berufsverkehr in einer chinesischen Großstadt.

Zur Eröffnung gab es eine kleine Parade mit verschiedenen kleinen Darbietungen verschiedener „Abteilungen“ der Schule. So haben die Köche etwas vorgeführt, die Kampfsportler ihre Techniken zur Schau gestellt und ein paar Mädchen eine kleine Choreographie getanzt. Zum Schluss der Eröffnung wurde dann die Nationalhymne gespielt. Alle sind aufgestanden und haben (laut!) mitgesungen – ein bewegendes Gefühl wenn das ungefähr 2000 Schüler machen.
Danach ging es an die einzelnen Wettkämpfe: Diverse Laufdisziplinen (100m-, Hürden-, Staffel-,…), Weitsprung, Hochsprung,… Insgesamt kann man sagen, dass es sehr ähnlich zu den Bundesjugendspielen war. Es gab eigentlich keinen Unterschied zwischen Montag und Dienstag, heute wurden die Wettkämpfe eben fortgesetzt.

Sowohl gestern als auch heute wurde ich im Anschluss zum Essen mitgenommen: Am Montag von Schülerinnen der Deutsch-Klasse und ihren französischlernenden Freundinnen, die sehr beeindruckt von meinem Französisch waren, und heute von den Lehrern der Fremdsprachen-Abteilung.
Mit den Schülerinnen war ich Hot Pot essen, eine eigentlich aus Sichuan kommende Art zu essen. Es wird ein großer Topf mit zwei verschiedenen Soßen auf eine Heizplatte in die Mitte des Tisches gestellt. Die Soßen sind durch eine Trennwand („Yin und Yang-förmig“) von einander getrennt. Die eine ist scharf (sehr! wie ich später herausfand…), die andere eher neutral. Dann werden die rohen Zutaten in den Soßen gekocht, dabei kann alles essbare (Fleisch, Gemüse, Obst, Fisch, Meeresfrüchte, Tofu,…) hineingetan und gegessen werden. Das ganze erinnert ziemlich an Fondue. Die scharfe Soße war aber echt der Hammer! Sie war sowas von scharf, unglaublich! Dabei war es keine Schärfe, die besonders im Mund brennt wie Chilli. Es war die Schärfe des berühmten Sichuan-Pfeffers, die stark im Halz kratzt. Nach einer Weile hab ich echt ne Pause gebraucht…Aber es war gut! Trotzdem brauche ich diese Art von Schärfe erstmal nicht mehr.

Mit den Lehrern ging es in ein bekanntes, traditionelles und eher teureres Etablissement. Wir hatten einen eigenen Raum mit drei großen, runden Tischen. Insgesamt wurden 24 Platten bestellt. Es gab Hahn, Aal, Gänsedarm, Rind, Huhn, Tofu, Fisch, eine Bohnensuppe und viel leckeres Gemüse. Ich muss sagen mein Highlight war der gebratene Tofu. Aber auch der Gänsedarm war nicht schlecht, ich hatte es aber erst für Nudeln gehalten. Woran ich mich noch gewöhnen muss, das Fleisch wird sehr oft mich Knochen serviert. Man muss dann diese riesen Brocken komplett in den Mund nehmen, dort das Fleisch abknabbern und, am besten mit den Stäbchen, die Knochen auf einen Teller tun. Wenn man es mit den kuaizi (Stäbchen) nicht hinbekommt spuckt man es aus. Die Hände werden nie benutzt um das Essen anzufassen, das ist unmanierlich!

An jeweils beiden Tagen stand nach dem Mahl ein Besuch im Yuexiu-Park (越秀公园) auf dem Plan. Es ist wirklich sehr schön und weitläufig dort, ich werde dort wohl noch das ein oder andere Mal hingehen. Was aber wirklich unangenehm ist, ist die Luftfeuchtigkeit. Sie ist ja in GZ sowieso schon groß, aber das viele Wasser und die Bäume verwandeln den Park in einen kleinen Jungle. Dabei habe ich mir sagen lassen, dass es im Sommer noch viel viel schlimmer ist. Da freue ich mich ja schon drauf…

Heute haben dann ein paar Schüler und ich noch den Canton Tower vom anderen Ufer beleuchtet gesehen – wirklich sehr schön und beeindruckend, man kommt aus dem Staunen nicht mehr raus. Auch die ganze Umgebung dort ist sehr modern und schön angelegt. Schaut euch einfach die Bilder an 😉

Ach ja, gerade findet das Oktoberfest in Guangzhou statt, ich bin zufällig dran vorbeigekommen. Schon lustig, so ein Stück Heimat in der Ferne. 300 Yuan Eintritt (etwa 34€) waren mir dann aber doch zu happig für den kleinen Spaß. Dann lieber nächstes Jahr richtig!
Morgen geht wieder normal die Schule weiter, bis bald!

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Das „große“ Wiedersehen

25. September 2011

1,5 Wochen nach dem Vorbereitungsseminar war es soweit: Clara, Franzi und ich – die drei Kulturweitler in Guangzhou – haben uns das erste Mal in unserer neuen Heimat getroffen.
Von einem „großen“ Wiedersehen kann vielleicht nicht unbedingt die Rede sein, man freut sich aber doch sehr in der Ferne vertraute Gesichter zu sehen, mit denen man sich über das bisher Erlebte austauschen oder einfach über dies und das quatschen kann.

So haben wir uns alle an der U-Bahn-Station Kecun, die ziemlich zentral und gut erreichbar für alle liegt, getroffen. Gleich danach haben wir uns den Canton Tower aungeschaut, der größte Fernsehturm der Welt mit über 600m! Er hat mich wirklich sehr fasziniert, vor allem seine Architektur. Er wurde auch erst letztes Jahr fertiggestellt, pünktlich zu den Asian Games, die letztes Jahr stattgefunden haben. Wir wären auch gerne gleich hoch gegangen, da das Wetter aber sehr diesig war versprach die Aussicht nicht besonders gut zu sein. Deswegen haben wir uns vorgenommen auf jeden Fall noch einmal zu kommen, am besten gleich nachts – dann soll er nämlich auch noch beleuchtet sein.

Ein wenig über die Beijing Lu geschlendert kehrten wir dann in ein gemütliches Restaurant ein um Mittag zu essen. Am Anfang auf gut Glück, dann aber mit Hilfe von Bildern, wählten wir unsere Speisen aus und hofften, dass auch etwas leckeres dabei sein wird. Wir hatten Glück, alles hat super geschmeckt. Es gab einmal Rindfleisch mit knackigem Paprikagemüse, Jiaozi (diesmal gekocht und nicht im Dampfgarer gegart), Shrimps mit Erdnüssen und Gemüse und gebratene Nudeln. Bis auf die Nudeln könnt ihr alles auf den Bildern sehen.

Gestärkt und erholt ging es weiter mit dem Schlendern. An einem Schuhmarkt vorbei sind wir – mal wieder – bei einem Jiaozi-Stand gelandet. Diesmal gab es sie in gebratener Form, jetzt habe ich sie in allen Variationen probiert und muss sagen, dass sie mir so am besten schmecken!

Am Hauptbahnhof wollten wir dann schauen wie viel ein Zugticket nach Peking kostet, um festzustellen, dass man ohne gültiges Zugticket nicht in das Bahnhofsgebäude hineinkommt. Also mussten wir außen rum zum Ticketshop, um wiederum festzustellen, dass man viel zu lange an einem der 30 Schalter ansteht, bis man drankommt. Also fragen wir doch lieber unsere Mentoren…

Danach habe ich den beiden noch meine Schule und meine Wohngegend gezeigt, bevor wir gemeinsam eingekauft haben. Dann hieß es auch schon wieder Abschied auf unbestimmte Zeit nehmen. Aber nächste Woche Samstag ist Nationalfeiertag und die Woche danach haben alle frei, spätestens da werden wir auf jeden Fall wieder etwas zusammen machen. Ich freue mich schon sehr aufs nächste Mal!

Gerade lasse ich den Abend mit einem wohlverdienten Feierabendbier der Marke „Harbin“ ausklingen und bereite mich somit gleich auf das morgen anstehende Sportfest vor. Ich bin schon sehr gespannt! Bis demnächst, stay tuned! 😉

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广州市 – Guangzhou City

25. September 2011

Am gestrigen Tag nahmen mich drei Schülerinnen meiner Deutsch-Klasse mit und zeigten mir ein wenig die Stadt. Morgens ging es dann erstmal mit frühstücken los, wer hätte es gedacht. In China isst man nämlich immer und überall, so mein Eindruck bisher. Auch an die Essenszeiten muss ich mich noch gewöhnen: 7 Uhr, 12 Uhr, 18 Uhr und oftmals noch ein Nachtimbiss so zwischen 22 und 23 Uhr. Dazwischen werden über den Tag verteilt immer wieder Kleinigkeiten genascht. Ich, der ja nun sehr gerne und auch nicht wenig isst, werde die ganze Zeit (so jede halbe Stunde) gefragt ob ich denn Hunger hätte. Da ich diese Frage sehr oft mit „nein“ beantworte ist die Schlussfolgerung natürlich einleuchtend, dass ich nicht viel esse. Aber wer denkt, dass die vier Portionen am Tag dementsprechend kleiner sind hat sich geirrt. Es sind ganz normale, zum Teil auch größere Portionen als zu unseren Mahlzeiten in Deutschland. Vor allem besteht das Essen hier aus Reis und, typisch für Kanton wie ich herausgefunden habe, aus Suppen – richtige Sattmacher eben. So wundert es nicht, dass meine erste Mahlzeit an diesem Tag eine Reis-Suppe mit verschiedenen Meeresfrüchten, Eiern und Rindleisch war.

Danach gingen wir zu einem alten Tempel, der direkt an einem kleinen See lag – mitten in der Stadt. Später sind wir dann auf dem See Tretboot gefahren, wobei ich mit meiner europäischen Beinkraft aus Versehen ein Pedal kaputt gemacht habe. Zu meiner Rettung: Es sah davor schon etwas marode aus…

Wir besichtigten ein wenig das Liwan-Viertel, das sehr bekannt in GZ und China sein soll. In einem Park sind wir auf ganz viele ältere Menschen gestoßen, die eine Art Hacky-Sack (aus dem Film Zohan bekannt) aber mit einer Art „Federball“ gespielt haben. Die Beschreibung „Federball“ trifft nicht ganz zu, deswegen schaut euch nachher einfach das Bild dazu an. Am Ende standen wir auch in einem Kreis und haben mitgemacht – ganz zur Freude der Einheimischen, die etwas zu Lachen und ein neues Fotomotiv mit dem blonden Europäer hatten.

Nach ausgiebigem Auspowern und Erholen sind wir ein wenig die Beijing Lu (Beijing Street) entlang gschlendert, eine der Haupteinkaufsstraßen in GZ. Es hieß nach einer Weile natürlich wieder essen und es ging ab ins Kung Fu, eine Art McDonald’s für chinesisches Essen.

Am Abend haben wir dann die Skyline GZs entlang der Promenade des Perflusses bestaunt, wirklich schön und beeindruckend. Gleich danach ging es noch einmal zum Essen, diesmal hatte ich Hunger. Auf der gleichen Straße war dann auch ein Einkaufszentrum (von außen grell und bunt beleuchtet, siehe Foto), in dem sich ein Spielecenter, also mit Computerspielautomaten usw., befindet. Auch hier musste natürlich alles ausgetestet werden, was viel Spaß gemacht hat. Besonders der Tanzautomat hat zu meiner persönlichen Belustigung beim Beobachten geführt, leider durfte ich keine Bilder machen.

Nach 12 Stunden kam ich total fertig wieder in meiner Wohnung an und war einfach nur noch froh ins Bett fallen zu dürfen. Heute, am Sonntag, treffe ich mich mit Clara und Franzi, da wir ja in der selben Stadt wohnen und sie zusammen erkunden wollen. Ich freue mich schon sehr sie zu treffen und ihre Erlebnisse zu hören.

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I verstoh di nedda!

23. September 2011

Für all die Nicht-Schwaben, denen das Spanisch vorkommt: Das bedeutet „Ich verstehe dich nicht!“ in der Region Stuttgart – zumindest bis jetzt. Denn heute habe ich angefangen den Schülern meiner bis jetzt einzigen Deutschklasse Schwäbisch beizubringen – Schwäbisch goes China!

Wie es dazu kam:
Wie ihr alle wisst bin ich in China und dort wird bekanntlich Chinesisch gesprochen. Doch eigentlich gibt es das nicht, DAS Chinesisch. China ist riesig und hat dementsprechend viele Dialekte und Minderheitssprachen. Das ist ja in Deutschland genauso, obwohl es erheblich kleiner ist. Was wir als „Chinesisch“ bezeichnen heißt korrekt Mandarin, das Hochchinesisch. Es basiert auf dem Pekinger Dialekt und wurde irgendwann einmal als die Standardsprache festgelegt, so wie unser Hochdeutsch.
Wer jetzt schon mal auf die Landkarte geschaut hat sieht, dass Guangzhou ganz im Süden in der Nähe von Hongkong, in der Provinz Guangdong (Deutsch: Kanton) liegt. So lautet auch der alte, heute noch oft gebräuchliche, deutsche Name für Guangzhou – Kanton. Der Dialekt, der hier gesprochen wird – Kantonesisch – ist der Bekannteste neben Mandarin. Das hat vor allem damit etwas zu tun, dass er auch in Hongkong gesprochen wird und von dort um die Welt gegangen ist. Kantonesisch unterscheidet sich sehr von Mandarin. Selbst einheimische Mandarin-Sprecher können es nur schwer bzw. gar nicht verstehen.
So kam es also, dass mir die Schüler gerne ein paar Sätze Kantonesisch beibringen wollten.

Kleines Exempel:
Deutsch: Ich liebe dich.
Hochchinesisch: Wo ai ni. (我爱你。)
Kantonesisch: Ngo oi ley. (我爱你。)

Dann hat mich die Lehrerin gebeten ein Beispiel für den Dialekt meiner Heimatregion zu geben. Die Schüler wollten gerne „Ich verstehe dich nicht.“ auf Schwäbisch lernen. Es hat zwar ein bisschen gedauert bis er gesessen hat, aber jetzt klingt es schon Ur-Schwäbisch! Naja, zumindest fast 😉
Leider war dann die Stunde zu Ende, aber nach dem Wochenende wird fleißig weitergetüftelt!

Obwohl, direkt nach dem Wochenende, am Montag und Dienstag, findet erstmal das Sportfest der Schule statt. Dafür trainieren die Schüler auch schon fleißig. Aber nicht nur für die Wettkämpfe, nein auch das Fahnetragen im Gleichschritt, das Fahnehissen, das Strammstehen und die Wink-Choreographie müssen geübt sein! Was mich wohl erwarten wird? Sieht auf jeden Fall vielversprechend aus!

 

Ich werde natürlich ausführlich über das Ereignis berichten!

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Mein Debüt als Lehrer

22. September 2011

Wie ich in meinem letzten Artikel schon erzählt habe, war heute mein erster Tag in der Schule. Ganz offiziell wurde ich vom Schulleiter begrüßt nachdem mir mein neuer Arbeitsplatz – bestehend aus einem Schreibtisch mit einem internetfähigen PC und einem Drucker – im Fremdsprachenlehrerzimmer gezeigt wurde.
Gleich danach ging es dann auch schon in meine erste Deutsch-Klasse. Ich war sehr erstaunt wie gut die Schüler schon bereits nach zwei Jahren Deutsch sprechen, bzw. vor allem verstehen können. Solange ich langsam, deutlich und mit etwas vereinfachtem Wortschatz spreche kommt der Großteil gut mit und versteht sehr gut was ich ihnen sage. Natürlich habe ich heute noch nicht unterrichtet, heute stand erstmal das Kennenlernen auf dem Plan. Nachdem sich alle gegenseitig mit Namen und Hobbys vorgestellt haben wurde ein sehr amüsantes und dynamisches Spiel gespielt mit dem Namen Klick-Klack. Dabei setzen sich alle bis auf einen in einen Stuhlkreis. Der Übriggebliebene geht in die Mitte. Jetzt läuft er willkürlich durch den Kreis, zeigt auf eine Person und ruft „Klick“ oder „Klack“. Jetzt muss die Person auf die gezeigt wird bei dem Befehl „Klick“ den Namen der Person links von ihr, bei „Klack“ den Namen der Person rechts von ihr sagen. Dabei wird man selber sehr gut getestet und dadurch, dass man die anderen Namen immer wieder hört kann man sie sich viel besser einprägen. Dennoch, wenn jemand ein Fehler macht muss er in die Mitte. Da das Spiel sehr schnell ist passiert dies häufig und man muss oft die Plätze tauschen.
Ich muss zugeben, der Fakt dass alle Schüler sich deutsche Namen – so wie Hans, Brigitte, Tanja, Thomas, Florentina, Pauline – gegeben haben hat die Sache für mich doch erheblich erleichtert, obwohl es trotzdem schwer fällt den Namen einem Gesicht zuzuordnen. Das wird sich aber mit der Zeit hoffentlich einschleifen.
Danach stand eine ausgiebige Besichtigung der Schule an. Die Schule hat mit über 3000 Schülern für chinesische Verhältnisse eine mittlere Größe. Es gibt u.a. einen Sportplatz, ein Schwimmbad, eine große Bibliothek, ein Krankenhaus, zwei Kantinen, ein Coffeshop und ein Teehaus.
Desweiteren war ich heute in der Lehrerkantine essen: Sehr lecker, für ungefähr 1€! Am Abend war ich dann wieder „mein Viertel“ mit ein paar Schülerinnen besichtigen, wo wir wieder beim gleichen Laden gelandet sind, wo ich auch gestern die Jiaozi gegessen habe. Diesmal habe ich aber was anderes probiert, ebenfalls sehr gut. Jetzt muss ich nur noch den Namen herausfinden…

Morgen geht es, so wie ich es verstanden habe, so weiter wie heute. Morgen früh um 8:00 Uhr soll ich im Büro sein, um 8:15 Uhr geht es dann mit dem Unterricht los. Davor werde ich in der Mensa frühstücken, ich bin schon gespannt was es dort geben wird. Eins ist klar: Nutella, Butter und frische Bäckerbrötchen eher nicht – ich freue mich drauf!

 

Hier wieder ein paar Bilder des heutigen Tages:

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Unterwegs

20. September 2011

So, ein kleiner Zwischenbericht meiner Reise nach China:
Pünktlich um 22:20 Uhr ging mein Flieger von Frankfurt Richtung du Dubai los, dort bin ich auch gerade noch. Das Essen war lecker und ich konnte mich ein bisschen ausruhen. Ich sitze gerade vor Gate 216, dort geht in einer knappen Dreiviertelstunde mein Flug nach Guangzhou weiter, wo ich ebenfalls 22:20 Uhr chinesischer Zeit ankommen werde – wenn alles glatt läuft. Ich hoffe bei euch zu Hause ist das Klima erträglich, hier waren es als ich aus dem Flieger kam (6:45 Uhr!!!) 31°C…

Naja, so viel dazu. Das nächste Mal berichte ich dann aus China!

 

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Die Ruhe vor dem Sturm…

19. September 2011

Es ist jetzt kurz vor 3 Uhr morgens. Erst soeben habe ich die letzten Sachen gescannt, kopiert, mir für den Flug bereitgelegt. Noch vor ein paar Stunden hätte ich nicht gedacht, dass ich noch vor meinem Flug alles rechtzeitig schaffe, denn der geht bereits heute Abend. Mit Emirates geht es dann über Dubai nach Guangzhou. Um 22:20 Uhr hebt also mein Flieger in Frankfurt am Main ab und ich werde mein schönes Deutschland für ein Jahr nicht mehr sehen…

Doch was bisher geschah:
Vom 06. bis zum 15. September fand das lang erwartete Vorbereitungsseminar am Werbellinsee bei Berlin statt. Lang erwartet deshalb, da mit dem Beginn des Seminars auch unsere Zeit als kulturweit-Freiwilliger begann. „Wir“, das waren 196 Jugendliche, die nun für ein halbes oder ganzes Jahr in die Welt hinausziehen und sozusagen als „Kultur-Botschafter“ die deutsche Kultur und Deutschland repräsentieren. In diesen zehn intensiven Tagen gab es viel Input in Bezug auf unsere Aufgaben und Erwartungen in unseren Ländern und Einsatzstellen, es sind tolle Projekte entstanden und ein unvergesslicher Kulturabend ist realisiert worden. Es war einfach nur spannend zu sehen, mit welcher Energie und Freude alle an ihren Projekten und Darbietungen gearbeitet haben und was dabei herausgekommen ist.
Am Ende des Seminars ging es dann auch schon für einige direkt in ihre Einsatzländer, die meisten sind aber davor nochmal nach Hause, um die letzten Tage mit Familie und Freunden zu verbringen und die restlichen Sachen noch zu packen. So auch ich. Ich bereue meine Entscheidung nicht erst heute zu fliegen, so hatte ich noch Zeit zu packen, Organisatorisches zu erledigen, noch ein bisschen Zeit mit meiner Freundin und meiner Familie zu verbringen und mich von meinen Kumpels zu verabschieden.

Was mich genau erwartet weiß ich nicht und ich kann sagen, dass ich mit gemischten Gefühlen auf mein Einsatz schaue. Doch bei einem bin ich mir sicher, wenn ich morgen in den Flieger steige geht für mich ein großes Abenteuer los, das mich definitiv um Einiges an Erfahrungen bereichern und womöglich auch verändern wird! Ich bin bereit für den Sprung in einen neuen Lebensabschnitt!

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