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Feier zum 3. Oktober

17. Oktober 2011

Welch ereignisreiche Tage liegen wieder hinter mir, ich werde versuchen von allem schön chronologisch zu berichten.

Donnerstag:
Da gab es anlässlich der 21. Jahrestags des 3. Oktobers einen Empfang des Deutschen Generalkonsulats Kanton. Die Feier fand erst jetzt statt, da am 3. Oktober selbst die chinesischen Nationalfeiertage waren und auch das Konsulat in dieser Zeit geschlossen war. Dazu waren viele Vertreter aus Politik und Wirtschaft und unter anderem auch die Einsatzstellen der kulturweit-Freiwilligen eingeladen. So ging ich also zusammen mit dem Schulleiter und einer Lehrerin dorthin. Wir wurden von einem Fahrer der Schule von der Schule direkt zum Hotel, wo die Feier stattfand gefahren. Gerade als wir eingestiegen sind, fing ein Regen an, der die nächsten fünf Stunden und mehr nicht aufhören sollte, wie sich später herausstellen sollte. Aber dazu später mehr…
Der Abend wurde von einer kleinen Rede des Generalkonsuls eröffnet. Anschließend konnte man sich am Büffet bedienen. Hier gab es vorwiegend deutsche Spezialitäten wie Knödel, Gulasch, Apfelstrudel, Kuchen, und dazu natürlich deutsches Brot. Aber auch ein paar chinesische Leckereien wie die Peking-Ente haben nicht gefehlt. Eine nette Abwechslung, wenn man sonst eher Chinesisch isst. Man hatte die Gelegenheit ein paar Leute kennenzulernen und Gespräche zu führen. So habe ich unter anderem die Mentorin von Clara und den Chef von Franzi kennengelernt.
Nach gut zwei Stunden neigte sich der Abend auch schon dem Ende. Wir blieben noch etwas und sind ein wenig später losgegangen um ein Taxi zu nehmen. Doch da erwartete er uns wieder, der Regen. Aber mittlerweile goss es einfach nur noch, buchstäblich wie aus Eimern. Auf der Straße stand das Wasser knöchelhoch, an manchen Stellen sogar bis zu den Knien. Klar dass bei diesem Wetter der Bedarf an Taxis erheblich zunimmt. Also reihten wir uns in die Schlange der Wartenden ein, wo wir noch etwa eine Stunde stehen sollten. Letztendlich sind wir auch nur noch mit einem „inoffiziellen“ Taxi mitgekommen, um ein Vielfaches teurer versteht sich. Obwohl ich bis dahin trocken geblieben war, reichten die etwa 100 Meter vom Taxi bis zum Eingang des Wohnheims um mich von oben bis unten komplett nass zu machen. In der Regenzeit von April/Mai bis September soll es so gut wie jeden Tag so regnen, vielleicht nicht ganz so lang und so heftig, dafür aber immer wieder. Bis dahin sollte ich mir auf jeden Fall ein gutes Paar Gummistiefel besorgen!

Freitag:
Nach der Schule habe ich erstmal mithilfe einer Chinesin, die mir freundlicherweise ihre Hilfe angeboten hat und sehr gut Englisch gesprochen hat, mein Handyguthaben wieder aufgeladen. Im Prinzip läuft es wie in Deutschland: Man bekommt einen Code, man muss bei einer Nummer anrufen und sie eintippen. Dazu muss man aber verstehen was die Dame sagt, sie sagt nämlich die Menüpunkte an und man muss den richtigen auswählen („Für … drücken sie die 1“ usw.). Ich habe mir aber die Tastenkombination gemerkt und es sollte das nächste Mal klappen.
Am Abend bin ich mit Franzi zu einem Couchsurfer-Treffen mitgegangen, wo man Einheimische und andere Ausländer in Guangzhou trifft. Das ist ganz praktisch, wenn man neu in der Stadt ist und ein paar Tipps braucht oder jemanden, der einem die Stadt zeigt. Am Ende sind wir dann noch mit einem der Anwesenden in einen Club gegangen, wo wir noch andere Couchsurfer getroffen haben. So ein chinesischer Diskobesuch war schon ganz lustig, draußen sitzen die Männer und spielen Würfelspiele – wer verliert muss trinken – und drinnen tanzen die Frauen. Obwohl, so chinesisch war das Ganze nicht. Es war ein Ausländeranteil von ungefähr 75%. Die Preise sind ziemlich deutsch/westlich. Wir hatten aber trotzdem unseren Spaß, vor allem haben wir noch ein paar neue Leute kennengelernt.

Samstag:
Am Samstag lies ich es ein bisschen ruhiger angehen. Da ich am Vorabend erst spät nach Hause gekommen bin, habe ich erstmal ausgeschlafen. Dann habe ich noch Diktate und ein paar Hausaufgaben korrigiert, bevor ich mich mit Clara und Franzi zum vietnamesisch Essen getroffen habe.  In der Metrostation ist uns aufgefallen wie viele Menschen unterwegs waren, vor allem ausländische. Die Erklärung ist einfach: Seit Samstag findet wieder die Canton Fair statt. Sie findet zweimal jährlich statt, jeweils etwa drei Wochen und ist die größte In- und Exportmesse Chinas, bei der viele in- und ausländische Aussteller und Firmen vertreten sind.
Den Vietnamesen habe ich bei einem Spaziergang neulich entdeckt. Da er ziemlich gut aussah wollte ich ihn mal austesten. Dort angekommen erwartete uns ein Platz voller wartender Menschen, vermutlich warteten alle auf einen Platz im Restaurant. Dennoch durften wir drei (Westler) sofort eintreten und haben gleich einen Platz bekommen. Wie sich herausstellte, war es ein sehr bekanntes Restaurant, das sogar in mehreren Reiseführern erwähnt und empfohlen wird. Das Essen war wieder einmal vorzüglich, was bei der wartenden Menschenmenge zu erwarten und zu erhoffen war. Es hat wie eine Mischung aus Chinesisch und Indisch geschmeckt, die Zutaten eher Chinesisch (Nudeln,…) und die Gewürze eher Indisch (Curry,…). Der Reis in einer überbackenen Kokosnuss war nicht nur lecker, sondern sah auch verdammt gut aus (siehe Bild).
Danach wollten wir noch die berühmte Ping-Pong-Bar, von der uns schon so viel erzählt wurde, ausprobieren. Uns wurde empfohlen bis zu einer bestimmten Metrostation zu fahren und von dort aus ein Taxi zu nehmen. Dort kannten die meisten Leute, inkl. Taxifahrer, die Adresse (Chinesisch!) nicht. Wir überlegten uns schon Alternativmöglichkeiten als wir einen Fahrer gefunden haben, der es kannte. Der wollte aber sein Taxometer nicht anmachen und sagte von Anfang an 40. Solche Angebote sind meist der doppelte oder dreifache Preis, aber wir wollten ja unbedingt hin. Und umgerechnet 1,50€ für jeden war da auch verkraftbar. Dort angekommen wollte er dann unsere ganzen 20er, 10er und 5er nicht annehmen, weil er meinte es sei Falschgeld, die haben wir aber gerade erst vom Restaurant zurückbekommen. Zum Glück hat er dann meinen 50er akzeptiert, den ich ihm genervt hingehalten habe. Er hat auch 10 wieder herausgegeben, also 40 so wie vereinbart.
Jetzt mussten wir aber erst wieder die Bar finden, die versteckt in einem Hinterhof lag. Vorbei an unzähligen Wächtern, die wir alle fragten, dunklen Gassen und Ratten haben wir sie letztendlich gefunden, wenn auch erst zwei Stunden nachdem wir vom Vietnamesen losgegangen sind. Die Bar ist ganz nett, cool eingerichtet und die Preise für die Drinks halten sich im Rahmen. Aber der Aufwand um dorthin zu kommen war schon nervig.

Sonntag:
Hier war ich ein wenig den Zhonghua Guangchang (中华广场 – China Plaza) auschecken, eine riesen Mall, wo man alles finden kann. Besonders gefreut habe ich mich über den Supermarkt, der sehr sauber angenehm eingerichtet ist. Das beste aber: Es gibt unzählige importierte Waren, auch viele aus Deutschland. Wenn ich also Goldbären, Ritter Sport, Paulaner oder Oettinger brauche, habe ich jetzt eine Anlaufstelle.
Abends war ich wieder beim Sprachkurs mit Clara. Davor sind wir noch in der Mall, die genau neben dem Sprachzentrum liegt, Japanisch Essen gegangen. An Auswahl jeglicher Art mangelt es hier also nicht.

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