Was mache ich hier eigentlich?

 

Ich habe einige Blog-Einträge geschrieben. Und eigentlich ging es immer ums Reisen. Um Ausflüge. Oder um sonstige Aktivitäten. Aber da war doch noch was. Ich bin eigentlich da, um mein Freiwilliges Soziales Jahr zu machen. Ich bin da, um in der Schule im Deutschunterricht unterstützend mitzuwirken.

 

Bei mir sind seit einem Monat Ferien. Es ist also höchste Zeit von meinem Job zu berichten. Nicht das der Eindruck entsteht, dass ich hier nichts mache. 😉

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Blick auf das Grundschulgebäude der Schule Nr. 1.

 

Das Schuljahr in der Mongolei beginnt am 1. September. Ich kam gut 2 Wochen später. Ich hatte in der ersten Zeit die Chance alle Deutsch-Klassen kennen zu lernen. Ich hospitierte in verschiedenen Klassen. Deutsch wird in meiner Schule, der Schule Nr. 1, seit dem Schuljahr 2013/14 unterrichtet. Jedes Jahr kommen 2 Lern-Gruppen hinzu. Die Schüler fangen in der 3. Klasse mit dem Deutsch-Unterricht an. Das heißt in diesem Schuljahr gab es 8 Deutsch-Gruppen. 135 Schüler. Das Ganze ist überschaubar.

Nach dem Hineinschnuppern erstellte ich mir meinen „Stunden-Plan“. Wann gehe ich in welche Klasse? Die Klassen wurden parallel unterrichtet. Ich konnte also nicht in alle Stunden.

Das Schuljahr in der Mongolei ist in Quartale gegliedert. Jedes Quartal hat in der Grundschule 9 Schul-Wochen. Dann sind Ferien. Meist eine Woche. Nur im Winter 4. Nach den Quartalen wechselte ich die Klassen. So konnte ich alle Schüler kennen lernen 🙂

Und wie half ich im Unterricht? – Es ist mir wirklich schwer gefallen. Ich bekam keine festen Aufgaben. Keine eigenen Unterrichtsabschnitte. Ich sollte mich irgendwie einfach in das Geschehen einmischen. Im Notfall den Unterricht unterbrechen. Die Art des Team-teachings war für mich sehr fremd. Ich hatte für meinen Teil das Gefühl, dass es nicht wirklich Hand in Hand lief.

Ich entschied mich für eine dezente Einmischung. Fielen mir Fehler der Schüler auf, notierte ich diese an der Tafel. Meistens gingen die Lehrerinnen auf meine Notizen ein. Auch neue Vokabeln schrieb ich an die Tafel. Substantive mit Artikel. Eine sehr zentrale und wichtige Sache. Und wirklich schwer zu lernen. Bei Einzel-, Partner- oder Gruppen-Arbeiten lief ich durch die Klasse und unterstütze die Schüler. Hier konnte ich aktiv mitwirken.

Der Unterricht war aber nicht mein Haupt-Aufgabenfeld. Das war ehr die Vorbereitung und Planung. Der Unterricht für den folgenden Tag wurde meist geplant. Nachmittags. Anschließend bereitete ich sämtliche Unterrichtsmaterialien vor oder suchte sie heraus. Ich erstellte Arbeitsblätter und bastelte Arbeitsmaterialien. Ich korrigierte Hefte und Tests. Die ganz normalen Aufgaben einer Lehrkraft.

In den Winter-Ferien arbeiteten meine beiden Kolleginnen und ich ein neues Lehrbuch durch. Wir analysierten den schulinternen Lehrplan. Wir gingen die einzelnen Themen aus dem Lehrbuch durch. Mit welcher Aufgabe erreicht man welches Lernziel? – Wir planten in 5 Wochen den Unterricht für das ganze Buch. Stundenweise. Im 40 Minuten-Takt. Inklusive Arbeitsmaterial. Zusatzmaterial. Und Arbeitsblättern. Im 2. Schulhalbjahr erarbeite ich dieses Material. Sämtliche Arbeitsblätter, Spiele und Schnipsel-Karten sind vorbereitet.

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Schnipsel-Karten und Spiele für das neue Arbeitsbuch.

 

Was geschah noch? – Im Deutsch-Unterricht ist nicht nur die Sprache wichtig. Die Schüler sollen mehr über Deutschland kennenlernen. Zum Beispiel Bräuche. Die Kultur. Und Feste. Wir feierten also typische Deutsche Feste. Angefangen mit dem Laternenfest. Dann Weihnachten mit einem Adventskalender. Fasching. Und Ostern. Aber auch in den Unterricht ließen sich Kleinigkeiten gut einbinden. Das Party-Spiel Brezeln-Schnappen wurde nicht nur im Buch gelesen. Es wurde gespielt. Das Rezept für einen Obst-Salat wurde nicht nur im Arbeits-Buch geordnet. Es wurde Obstsalat gemacht. Der Unterricht war also durchaus abwechslungsreich.

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Laternen-Fest.

 

Adventskalender Schule (2)

Unser Adventskalender.

 

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Lesenacht mit der 5. Klasse.

 

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Die Faschings-Party der 6. Klasse.

 

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Oster-Fest der 4. Klasse. Die Kinder singen und spielen ‚Häschen in der Grube‘.

 

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Unterricht mal anders. Beim Zubereiten des Obstsalats.

 

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Und es schmeckt.

 

Außerdem bot ich einen Zusatz-Kurs an. Denn was wäre Deutsch-Lernen ohne Prüfungen? Ohne Sprachniveau-Prüfungen? Meine 5.-Klässler legten dieses Schuljahr die A1 Prüfung ab. Der Kurs diente zur Vorbereitung. Hier konnte ich alles eigenständig planen und durchführen. Es war super und hat viel Spaß gemacht. Leider fiel der Kurs relativ oft aus. Denn zur selben Zeit fand der Probe-unterricht für die 2. Klasse statt. Die besten 38 Schüler lernen ab dem kommenden Schuljahr Deutsch. Und meinen Kurs verschieben? – Ging nicht. Denn an meiner Schule fand der Unterricht im 2-Schicht-betrieb statt. Hatte ich dann Zeit, hatten die Schüler Unterricht.

 

Ich möchte euch noch einen näheren Einblick in das Arbeitsverhältnis an der Schule geben. Dazu eine kleine Geschichte von mir.

An einer mongolischen Schule herrscht eine strenge Hierarchie. Gibt der jeweils Vorgesetzte eine Aufgabe, so wird dies gemacht. Egal um was es sich handelt. Auch ich machte diese Erfahrung. Als ich eines Tages zur Managerin gerufen wurde. Was wollte sie denn von mir? – An unsere Schule fand eine Tagung statt. Mir wurde am Freitag-Nachmittag mitgeteilt, dass ich dafür einen Animationsfilm machen sollte. – Mir schossen spöttisch durch den Kopf: Ja, klar. Kein Stress. Schon so oft gemacht. – Und mit welchem Programm? – Die Antwort lautete: „Programm? Du bist Deutsche, du kannst das doch.“ – AHA. Mir wurden Animationsfilme gezeigt. Meine Aufgabe: Ein Schmetterling sollte auf einem Zahlenstrahl hin und her fliegen. So sollen die Nachbarzahlen erklärt werden. Und die Nachbar 5er. Und es sollen sich doch auch bitte die Blätter der Bäume bewegen. – HÄH? Sonst aber keine anderen Wünsche? – Ich ging erst mal nach Hause.

Montag. Meine glorreiche Idee: Ich mache viele Fotos und setze diese aneinander. Am besten digital. Also entschloss ich mich dazu, es mal mit Power Point zu probieren. Ich bastelte mir meinen Hintergrund. Und dann ließ ich einen Schmetterling durch die Gegend fliegen. – 4 Stunden später: 300 Folien. 1,23 MB. Meine Arme taten bereits von der immer gleichen Bewegung weh. Aber ich hatte einen Film. – Naja. Es bewegte sich zumindest was. 😀

Hier könnt ihr das Pracht-Stück anschauen. Es ist auch erlaubt wegzudrücken. 😉

Nach dem Film hat übrigens nie wieder jemand gefragt. Scheinbar wurde er dann doch nicht mehr gebraucht. So etwas kommt öfter vor. Aber Hauptsache man hat mal was gemacht.

 

Mitte Mai fand dann unser letztes Fest statt. Das ABC-Fest der 3-Klässler. Das ABC-Fest feiert man hier nach der 1. Klasse. Wenn man das kyrillische Alphabet gelernt hat. Nach dem ersten Jahr Deutsch feiern wir es auch. Man kennt nun ja auch das lateinische Alphabet. Gedichte werden aufgesagt. Kleine Szenen vorgespielt. Lieder gesungen. Deutsch-Könige und -Königinnen gekürt. Und Geschenke verteilt.

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Das ABC-Fest. Ein Gedicht zu jedem Buchstaben.

 

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Die Deutsch-Könige und Königinnen aus den beiden 3. Klassen.

 

Damit neigte sich das Schuljahr dem Ende. Ab Anfang Juni sind in der Mongolei Ferien. Für fast 3 Monate. In der ersten Ferienwoche wird aufgeräumt. Ich bastelte noch Schultüten für die neuen Deutsch-Schüler. Sie werden am 1. September mit einer gefüllten Tüte begrüßt.

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Die Schultüten.

 

Dann hatte auch ich Ferien.

Das Schuljahr ist vorbei. Ich bin froh um die Erfahrungen. Glücklich über die Möglichkeit zu sehen, wie man Deutsch als Fremdsprache vermitteln kann. Dankbar für die Chance zu lernen, wie das Arbeiten mit Menschen anderer Kulturen funktionieren kann. Probleme und Schwierigkeiten zu meistern. Es sind viele Dinge, die mir sicher auch in Zukunft hilfreich sein werden. Ich habe einiges gelernt. Manches davon ist mir jetzt schon bewusst. Andere Dinge fallen mir bestimmt erst mit etwas Distanz auf.

Ich habe in diesem Jahr feststellen können, dass der Beruf mir Freude macht. Das ich bisher den richtigen Weg gegangen bin. Jetzt ist es an der Zeit einen Schritt weiter zu gehen. Es ist Zeit für das Referendariat.

 

Liebe Grüße in die Heimat!

4 Kommentare

  1. Hallo Kirsten
    Kerwa in Großenseebach steht vor der Tür,— ist das nicht ein guter Moment wieder nachhause zu kommen?—
    die Mongolei hinter dir zu lassen und hier voll anzukommen!
    Ich denke….. ja,….. alles hat seine Zeit und du hattest eine gute Zeit, dort in der Ferne.
    Liebe Grüße, eventuell bis Sonntag den 4-9.

    I n g e und F r i t z

  2. Liebe Kirsten
    nun melde ich mich auch wieder einmal bei dir.
    Deine Tage in der Mongolei sind gezählt und bald auch die Stunden.
    Wir hoffen sehr, dass du gesund und munter nachhause kommst.
    Danach gilt es all die neuen Eindrücke zu verarbeiten.
    Herzliche Grüße Inge und Fritz

  3. Hallo Kirsten,
    neben der Arbeit und dem Reisen kommt jetzt doch noch eine Aufgabe auf Dich zu!
    Du mußt noch schnell eine Jurte bauen, Deine Familie kommt doch zu Besuch!!

    • Bin dabei, Gerd 😉 Weiß jetzt immerhin grob, wie es geht. Und die Anstrengung nehme ich gerne auf mich 🙂

      Liebe Grüße in die Heimat!

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