Kein Ende in Sicht…

Nach den letzten Wochen dachte ich eigentlich, dass es nicht schlimmer kommen kann. Aber es geht und zwar das schlimmste, was ich mir je hätte vorstellen können. Meine Oma ist am 19. November im Alter von 96 Jahren gestorben.

Ich weiß gar nicht, was ich sagen oder fühlen soll. Um ehrlich zu sein, haben meine Familie und ich uns schon seit längerem darauf versucht vorzubereiten und an den Gedanken zu gewöhnen, aber natürlich kann man sich darauf nie vorbereiten und ich bin unendlich traurig und geschockt.

Nach einer Nachricht meiner Schwester, dass sie meine Oma im Pflegeheim besucht hatte und sie sich weigerte, etwas zu essen, zu trinken und zu reden, wusste ich irgendwie, dass etwas nicht in Ordnung ist… also noch weniger als sonst. Sie aßen wohl noch ein Stück Kuchen zusammen und meine Oma sagte, wie gut ein Glas Sekt dazu passen würde und dann schlief sie ein und wachte nicht mehr auf. Eigentlich ein schöner Tod.

Bereue ich es, nicht bei ihr gewesen zu sein in den letzten zwei Monaten? Nein. Ich weiß, dass meine Oma sich so gefreut hat, dass ich die Möglichkeit habe nach Mexiko zu gehen und das sie so stolz auf mich war. Am selben Tag, als ich nach Guadalajara geflogen bin, habe ich sie nochmal im Pflegeheim besucht. Als ich ihr erzählte, dass wenn ich nächstes Jahr im August zurück komme sie 97 Jahre alt ist, sagte sie „Das ist zu alt… das mach ich nicht.“ und spätestens da hatte ich die beängstigende Vorstellung sie nicht mehr wiederzusehen. Ich umarmte sie ganz fest und sagte ihr, dass ich sie unglaublich doll lieb habe und sie drückte meine Hand so fest sie es konnte.

Was mache ich jetzt also? „Fliegst du zurück nach Deutschland?“, fragte mich Isabell eigentlich sofort nachdem ich auf einmal weinend im Kindergarten vor ihr stand und erzählte, was passiert war. Und ich glaube ja. Es würde sich für mich einfach falsch anfühlen, es nicht zu tun. Ich weiß nicht wann und ich weiß nicht für wie lange und ich muss auch erst mal mit meinen Eltern, der Schule und kulturweit reden. Denn, wenn ich zurück nach Deutschland fliege, möchte ich vermutlich auch über Weihnachten bleiben. Auch, wenn das überhaupt nicht der Plan war. Aber ich möchte auch unbedingt wieder zurück nach Mexiko. Ich habe mein Leben hier, trotz der ganzen Strapazen so lieb gewonnen und ich könnte mir nicht vorstellen, alles jetzt einfach abzubrechen. Der Gedanke nicht wieder zurück zu kommen, ist genauso komisch wie wieder nach Deutschland zu fliegen, wenn man sich eigentlich darauf eingestellt hat ein ganzes Jahr zu bleiben. Ich weiß aber auch, dass ich alles andere bereuen würde. Ob ich es auch mache, oder machen darf, ist noch etwas anderes, aber es wäre mein Wunsch.

Am Freitag fliege ich erst mal nach Kolumbien zum Zwischenseminar und dann sehe ich weiter.

Ich hab dich ganz doll lieb Omi.

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