Das Problem mit der Hitze

…habe ich im Prinzip schon erläutert. Ja ich weiß. Das Problem ist nur, dass die Hitze so allgegenwärtig ist. Ich wollte ja nicht schon wieder rumjammern, wie heiß es ist… also jammere ich nicht, sondern stelle nur sachlich fest, dass es irgendwie krass ist wenn man morgens um halb 9 an einem Temperaturschild von 33 Grad vorbeifährt. Es ist auch krass, wenn man abends um 10 am Trg Republike herumspaziert und sieht, dass es immer noch über 30 Grad hat. Und im Prinzip ist es auch krass, wenn man nachts um 2 in kurzen Hosen und Top auf dem Balkon sitzt und sich denkt: scheiße ich schwitze immer noch. So viel zu meiner Hitzemisere. Aber es ist immer wieder erleichternd, dass es nicht meine persönliche Hitzemisere ist, denn es ist ja allen warm. Auch denen, die hier immer im Sommer sind. Es wäre auch komisch, wenn einem nicht warm wäre. Wenn man läuft und man merkt, der Teer unter einem gibt schon langsam nach… entschuldigung? Wenn dem Teer schon zu heiß ist, dann darf es mir auch zu heiß sein. In der Stadt stehen an einigen Stellen Wassercontainer, weil es eigentlich schon gefährlich heiß ist und man schön viel trinken soll. Ich nehme diese Container auch immer brav in Anspruch. Das Fernsehen sagt, dass es konstant 36 Grad hat. Ab 38 müsste es nämlich Anordnungen geben, dass man weniger arbeitet. Und so hat es einfach immer 36 Grad. Ist ja klar… wenn es morgens um halb neun 33 Grad hat, dann hat es mittags um 1 bestimmt genau 36 Grad. Immer… mehr als 36 Grad… völlig absurd. Deswegen haben alle ihre Klimaanlagen an, auf volle Kanüle. Und das so übermäßig, dass mal eben Stromausfall ist und gar nichts mehr geht.
Das ist übrigens auch super zur Zeit: egal wo man läuft, ständig tropft von den Klimaanlagen die Klimaanlagenschlonze auf einen drauf. Das ist auch latent unangenehm…

Ansonsten ist hier natürlich wie immer viel los.

Zunächst: wer sich an meinen Politikeintrag zu den Wahlen erinnert. Ja, da habe ich völlig falsche Prognosen gegeben. Bzw. ich hab halt den Medien nachgeplappert… und so schnell kanns gehen. Erst der bekloppteste von allen wird Präsident. Ja, als Präsident eines Landes ist es auch nicht notwendig, dass man vielleicht englisch oder eine andere Fremdsprache kann. Und es ist auch nicht so schlimm, dass es offensichtlich ist, dass sich diese Person seinen Abschluss an der Uni gekauft hat… Das alles kann man irgendwie noch akzeptieren, wenn man weiß, dass die Regierung von den anderen, also den Demokraten gestellt wird. Und so sah es ja auch aus. Alle haben gesagt, dass es so kommen wird, denn die Demokraten hatten ja am meisten Stimmen. Und BÄÄÄM, FALSCH. Jetzt gibt es eine Bomben(hoffentlich nicht)Regierung aus komischen Parteien. Die Fortschrittspartei des (so kompetenten) Präsidenten ist in einer Koalition mit den Sozialisten (ehemalige Partei Milosevics) und den Vereinten Regionen (die mit dem Lied… ihr erinnert euch?) Yeah. Bombe. Alle höchst fragwürdigen Köpfe aus den schwierigen Zeiten der 90er Jahre sind in der Regierung. Ok, nicht ganz die aus der ersten Reihe (die sind ja in Den Haag meistens)  aber dann eben die aus der zweiten Reihe. Macht das ganze auch nicht besser. Haben sich die Leute mal schnell ein Kostüm angezogen, auf dem ProEuropa und ProDemokratie steht und bäm, so schnell kommt man in die Regierung. Pepe Nietnagel würde sagen: Man fasst es nicht.
Ich bin auf jeden Fall gespannt was das wird. Ich glaube denen allen irgendwie nicht, was die erzählen. Das ist doch lächerlichste Ware.

Hach mist, es ist echt so viel passiert… wo soll ich nur anfangen? Ich versuch mich kurz zu fassen. Telegramm-Style…

Fußball-EM: Man ist es komisch Spiele zu gucken, wenn um einen herum nur Leute sind, die immer für die andere Mannschaft sind. Irgendeinen Grund gibts immer. Eine lang bestehende serbisch-griechische Freundschaft. Liegt ja auch auf der Hand… beide orthodox. Ist klar. Ich fühle mich dem Vatikan auch sehr freundschaftlich verbunden, weil ich katholisch bin. NICHT. … aber gut, wenns das nicht ist, dann findet sich ein anderer Grund. Geschichtlich und im zweifelsfall gibts noch ein Land, das Kosovo noch nicht anerkannt hat…Ist ja auch ok. Nur eben ungewohnt, wenn man es gewohnt ist, das nur mit deutschen zu gucken, die bei jedem Tor total ausrasten. Hier versucht man sich verhalten zu freuen, weil schon 2 Deutsche, die nur eine Deutschland-Händeklatsch-Kastagnette dabei haben, für komisch befunden werden. Und dann kam das Spiel, bei dem die Serben endlich auch mal für die Deutschen waren. Es gibt offensichtlich keine tiefere italienisch-serbische Freundschaft. Na toll. Und dann wird auch noch verloren. Aber gutes Spiel. Ich habe selten so gelacht am Ende. Manuel Neuer hat sich bei mir klare Sympathiepunkte erspielt.
Beim Halbfinale habe ich auch irgendwann gedacht mein Herz schaffts nicht mehr. Es war ja eh schon so spannend. Aber dann hat auch noch der serbische Kommentator die deutschen Namen so gehetzt gebrüllt, dass ich gleich noch viel aufgeregter geworden bin. Ständig hat Ossil (hat eher wie ein Ozelot geklungen) aka Özil geschossen. Dann mussten die Namen noch ein bisschen schneller ausgeprochen werden, weil im Genitiv oder im Instrumental ja noch ein Buchstabe dazu kommt. Bastiana Schweinsteigera und Thomasa Milera und Kedirom und was weiß ich noch alles… haben mich nervös gemacht. Und im Zeifelsfall war es wieder Ossil. Heiheihei. Hiermit will ich natürlich nicht sagen, dass ein deutscher Kommentator Spielernamen von nicht-deutschen Mannschaften sonderlich toll aussprechen kann. Aber das kann ich meistens ja nur schwer beurteilen. das war halt wie immer mein subjektiver eindruck… und so.
Dank der Fußball-EM weiß ich nun auch, wo und wann die Hälfte unserer Nationalelf geboren wurde. Denn das Argument: „ja toll, kein wunder, dass die deutsche Nationalelf immer so weit kommt…bei euch spielen ja auch nur Ausländer mit. Ihr lasst ja die ganze Welt in eurem Team mitspielen“ hat mich irgendwann genervt. Manchmal nur als Witz gemeint… habe ich mich mal näher damit befasst. Damit ich von nun an mit Fakten argumentieren kann. Bloß weil einer nicht so käseweiß ist wie wir, heißt das schließlich noch lange nicht, dass er kein Deutscher ist. Man, man, man. Da werd ich schon wieder nur aggro, wenn ich daran denke, dass manche das nicht einsehen. Das ganze war auch sonst nur ein klein wenig deprimierend. HALLO? WIE JUNG SIND DENN DIESE GANZEN SPIELER BITTE??? Da bin ich ja mal sowas von ne alte Schachtel gegen. Und bis jetzt hab ich mich nur selten alt gefühlt in meinem Leben. jetzt tu ich das. Das ist ja mal völlig bekloppt. Diese ganzen Jungspunde… sollen mal noch in die Schule gehen und was vernünftiges lernen und so 😉

Ok, der Telegrammstil klappt nicht. Mist.

Ich danke Dusan! Von Herzen. Ohne Dusan würde ich in Belgrad nur halb so viel sehen und nur halb so viel mitbekommen und außerdem nur halb so viel wissen und wahrscheinlich auch nur halb so gut serbisch sprechen, wie ich es jetzt tue. DANKE!
Dusan hat mich in letzter Zeit mal mit zu einer Volkstanzaufführung mitgenommen. Das ist für mich als Deutsche ja auch immer wieder was völlig fremdes. Also im Prinzip habe ich sowas ja schon öfter gesehen, aber es ist immer wieder verwunderlich, dass das hier so voll populär ist. Bei allen. Da wird man über 2 Stunden echt gut unterhalten von Volkstänzen. Zum Teil, weil sie echt richtig cool anzugucken sind, mit all den Kostümen und der Tanzerei eben. Und manchmal waren sie für mich auch unterhaltsam (jetzt nicht übel nehmen), weil es mich doch auch erheblich an meine Pilates-DVD mit Barabara Becker erinnert hat.  Diese Tänzer müssen einen erheblichen Betrag an Oberschenkel-Muskeln haben! Das sind die Übungen, wo ich nach 20 Sekunden abbreche und die ziehen das quasi 8 Minuten lang durch. Mein Respekt. Auch cool sind irgendwie manchmal die Geschichten, die quasi erzählt werden. Ok, ich gebs zu: am Ende hat mich dieses Bild der Frau, das da vermittelt wird, ein klein wenig genervt. Aber gut… in so einem Tanz kann man jetzt auch keine feministischen Werte erwarten, wa? Trotzdem sehr unterhaltsam und ich bin sehr froh, dass ich das mal gesehen habe.
Und im Theater war ich auch mit Dusan. Er hat mir ja kaum schon 100 Mal gesagt, dass ich unbedingt ins Jugoslawische Theater gehen soll, aber irgendwie hab ichs nicht geschafft und dann ist er mit mir als Überraschung in die allerletzte Vorstellung der Saison gegangen. Das war super. Und ich bin richtig froh, dass ich doch noch in diesem Theater war! Danke nochmal =)

Dann war ich gleich nochmal im Theater (wieder in einem anderen), über den ermordeten Ministerpräsidenten Zoran Djindjic. Das war ein ziemlich geiles Theater, von der Inszenierung her. Obwohl es sehr modern war. (Es war klar, dass früher oder später eine Frau ihren Busen entblößen würde, aber ok… war ja zu erwarten). Ansonsten hat mich dieses Theaterstück ein bisschen dazu veranlasst, dass ich mich ein bisschen mehr in diese Materie einarbeiten werde. Ich kenn mich da nicht aus. Ich hab zwar vieles verstanden, aber vieles eben auch nicht. Manchmal aufgrund der schnellen Sprechweise, manchmal, weil ich einfach die Namen nicht kannte, um die es ging und so. Aber es war sehr spannend, denn es fielen auch ein paar Namen, von Leuten, die jetzt wieder sehr aktiv im Wahlkampf waren, wie beispielsweise der Herr Kostunica. Ich habs nicht ganz gerafft, aber die Konnotation war auf jeden Fall eine schlechte. Ich werd mich da nochmal in die Materie reinfuchsen, wie mein Chef so schön sagen würde.

Von den Unis bekomme ich so langsam eine Rückmeldung und nach einem offensichtlich nicht ganz so schlechten Telefoninterview habe ich zumindest schon mal in Leipzig einen Platz sicher. Mit der Option könnte ich mich auch anfreunden. Bin halt doch eher so der Ost-Typ 😉

Die Fahrradkarawane von Kulturweit ist gestern gestartet, bzw heute so richtig. Die eine Gruppe fährt von Belgrad nach Bukarest. Ich wäre ja irgendwie gerne mit. Sehr gerne, aber ich hab mich wegen der Straßenhunde nicht zusagen getraut. Und jetzt bin ich eigentlich auch ganz froh, dass es anders gekommen ist. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich jetzt Bock hätte bei (immerdauernden) 36 Grad, die eigentlich bestimmt 40 Grad sind, durch die rumänische Pampas zu radeln. Ich wünsche den Teilnehmern viel Spaß, viel Nerven, viel Wasser, keinen Sonnenbrand, keine aggro-Straßenhunde und dass sich keiner verletzt.

 

 

 

 

 

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Von Sadisten, Busfahrern und singenden Priestern

 

Ich mag Belgrad ja. Das sollte mittlerweile rübergekommen sein. Ich mag das Großstadtleben und die vielen Menschen, die überall sind. So generell mein ich. Das alles ist jedoch ein bisschen anders bei 35 Grad (gefühlten 50). Ich mag ja auch Sommer generell. Aber Sommer und Großstadt, das sind an sich zwei Disziplinen, die nicht zusammenpassen (Zitat aus der FLZ in einem anderen Zusammenhang…). Nur mal angenommen, man hat gerade 8 Stunden gearbeitet und es hat um 17 Uhr immer noch 35 Grad (mindestens). Dann setzt man sich entweder gleich in die Straßenbahn, die aber immer nur so selten an meiner Arbeitsstelle vorbeituckelt (und die nach 3 Stationen proppenvoll ist) oder man geht den Berg hoch (auch eine schlechte Option) und nimmt den Bus. Weil ich immer so ungeduldig bin entscheide ich mich öfter für den Berg und den Bus. Manchmal auch, weil ich ja um 5 nur sehr selten nach Hause gehe, sondern noch was anderes mache. Dann steigt man mit vielen anderen Menschen in so einen Bus. Man fuehlt sich, als wuerden 500 Leute in einem Bus mitfahren. In Wahrheit sind es wahrscheinlich nur 200. Das ganze bringt noch eine spezielle Dynamik mit sich, denn bei jeder Haltestelle rotiert die Masse. Ist klar. Im Normalfall hat man 7 Leute um sich rum, mit denen man irgendwie voll zusammengepresst wird. Super Ding. In solchen Momenten fange ich auch mal an zu überlegen… warum der Mensch eigentlich unbedingt schwitzen muss. So generell. Ich finde meinen eigenen Schweiß persönlich ja schon eine ziemlich uncoole Sache. Aber dann auch noch an den von 7 anderen Leuten gepresst zu werden ist nun echt auch mal so gar nicht der Burner. Dann routiert die Masse und wenn man nach einigen Stationen aussteigt hat man wahrscheinlich den Schweiß von 150 anderen Leuten an sich. Hm, wie schön. ich entwickle eine Duschomanie.
Ansonsten… ich mag ja auch die Straßenbahnen. Ich danke Basel dafür, dass sie die Stadt Belgrad mit ihren großen grünen Straßenbahnen grüßt und dass sie sich entschieden hat, diese Bahnen kostengünstig loszuwerden (auch wenn es gerne noch ein paar mehr hätten sein dürfen)… durch einen Export nach Serbien. Ich danke auch Japan, dass sie Busse spendieren und Adidas und ChupaChups, dass sie ihre Werbung auf die Straßenbahnen klatschen. Denn das macht die Bahnen so individuell. Was ich nun nicht mag… das ist die Fahrweise. Manchmal habe ich das Gefühl jede Straßenbahn und jeder Bus wird von einem Sadisten gefahren oder einem Fahranfänger.
Konnte ich in meinem Dorfbus, der von Aurach nach Ansbach gefahren ist, irgendwann mitfahren ohne mich festzuhalten, weil ich die BusSurferei voll drauf hatte, so ist das hier ein klein wenig anders.
Idealer Fall: Ich stehe, habe an einer Haltestange Platz für meine beiden Hände, meine Füße stehen idealerweise hüftbreit und haben guten Halt, dabei gehe ich leicht in die Knie und bin auf alles gefasst.
Nicht so idealer aber Normalfall: Ich bin eingequetscht. habe, wenn ich Glück habe einen Platz an einer Haltestange für eine Hand, manchmal auch nur für einen Finger, meine Füße sind froh, dass sie nicht unter einem anderen Fuß stehen, aber um das Gleichgewicht zu halten langt der Halt meistens nicht.
Und da fahren nun diese freudigen Straßenbahnfahrer und bremsen wie es ihnen gefällt. Ich glaube eigentlich sie bremsen überhaupt nur, weil es ihnen gefällt, weil dann alle Menschen umfallen. Total lustig. Sie geben Gas, bremsen, geben Gas, bremsen, dabei ist die Ampel eh rot und das kann sogar ich sehen, aus meiner äußerst ungünstigen Bus/Straßenbahnposition. Und wenn sie dann so bremsen, dann passiert es, dass man selbst wie ein bekloppter mit den Händen rudert, um nicht hinzufallen. Pro Ruderer verliert man dennoch immer mehr an Gleichgewicht. Und manchmal hat man einen sehr netten Menschen hinter sich stehen, der einen dann wie ein Engel zurück ins Gleichgewicht schiebt. Trotz Schweiß. Ich danke allen Menschen, die das täglich bei mir machen und ich entschuldige mich ausdrücklich bei allen, auf die ich in den letzten Monaten schon mal draufgefallen bin. Es war keine Absicht. Ich schwörs. Wenn ich nichts werd, werd ich einfach Sadist und damit Straßenbahnfahrer in Belgrad. Das wird supi.

 

Betrachtet man nun den Titel, dann denkt man sich, ok, Sadisten und Busfahrer… die Geschichte ist abgehakt. Aber was zur Hölle ist mit dem singenden Priester. Um diese Geschichte zu erzählen muss ich ein wenig ausholen.
Wie wir ja alle wissen ist grad EM. Das ist in Serbien nur so semipopulär… unter Umständen deswegen, weil sie nicht mitspielen. Ich will die Spiele ja aber trotzdem gucken und so habe ich mich mit einer anderen Praktikantin bei der KAS und Caroli verabredet, dass wir das Spiel der Deutschen gegen die Holländer zusammen in einer Bar schauen. Wir wollten uns um 8 vor der Riesen Sava-Kirche treffen. Ich war schon unpünktlich, Carola noch mehr und Isabelle, noch mehr. Der Balkan…
Und da warten Carola und ich so auf Isabelle und quatschen so auf deutsch (auf was auch sonst, ich weiß) und da werden wir plötzlich von einem kleinen Mann angesprochen.
Er sagte „Guten Tag“ zu uns. Nett. Im Prinzip muss ich zugeben, dass ich immer recht schnell genervt bin, wenn mich Leute auf Deutsch anquatschen, weil… es nervt. Ich will schließlich serbisch sprechen. Aber Dusan hat mich mal ermahnt, dass ich nicht immer so anti sein soll… und vielleicht hat er auch irgendwie Recht. Das hatte ich also im Hinterkopf und daher dachte ich mir: ok, antworte dem kleinen bärtigen Mann in dem orthodoxen Priesteroutfit.
Also hab ich freundlich zurückgegrüßt und ihn angelacht.
-Und dann hat er angefangen uns auf deutsch zuzuquatschen. Er hat uns von seinem Sohn erzählt, der direkt daneben stand. Dieser heiratet im September. Wie schön.
-Ob wir schon verheiratet seien. Nein.
-Ob wir einen Mann bzw. einen Freund hätten. Nein.
-Ich sage: in der Zukunft dann, wa?
-Er und sein Sohn lachen sich halbtot bei meinem Satz. Ich verstehe nicht warum. Ok, ich bin kein junges Gemüse mehr, aber alt und verwelkt bin ich nun auch nicht…
-Er erzählt weiter, dass er 8 Sprachen spricht.
-Ich sage: Oha.
-Er zählt mir alle Nachbarländer des früheren Jugoslawiens auf. Warum auch immer.
-Er erzählt von seiner Schwester, Opernsängerin in Berlin. Warum auch immer.
-Er zeigt uns wie toll sie singt und fängt an sie zu imitieren – spielt aber auch gleichzeitig noch den Dirigenten mit. Großes Kino. Einsatz an die Streicher, die Trompeten und an die Triangel, Maultrommel, Blockflöten, Kastagnetten, Rasseln etc. Dazwischen singt die Opernsängerin.
Ich habe das Gefühl dem Sohn ist das ein bisschen peinlich, denn er bringt seinen Vater dazu damit aufzuhören. Ich denke… schön, dann können wir bald gehen.
Aber es handelte sich um eine Fehlinterpretation meinerseits. Der Sohn brachte seinen Vater zum schweigen, um gemeinsam mit ihm ein Lied zu singen.
Voller Inbrunst schmettern Vater und Sohn die Ode an die Freude. Aber nicht nur so ein bisschen… sondern ziemlich lange und ziemlich laut. Sie hören gar nicht mehr auf. Einer der absurdesten Momente meines Lebens. Sind alle orthodoxen Priester so lustig? Ist es schlimm, wenn ich mich vor lachen auf dem Boden kugele? Wie absurd ist diese Situation eigentlich? Und ist das normal? Wenn ja, warum starren uns dann alle anderen vor der Kirche so an?

 

Wir klatschen höflich… aber haben langsam das Gefühl… dass wir gehen sollten, denn das Fußballspiel fängt bald an. Wir wollen nichts verpassen. Und schon kommt auch Isabelle (halbe Holländerin) in einem Oranje-Trikot.
Vater und Sohn brüllen sie an: AAAAAAAAAAAAAAAAAh, Bayern München.
Wir: sind verwirrt. Sehr. Häh? Wegen Robben oder was?
Vater und Sohn: ahja, die Deutschen spielen ja heute. Gegen wen eigentlich?
Wir: Verwirrung. Na gegen Holland??? Weil oranges Trikot und so.
Vater und Sohn: dachten das ist ein deutsches Trikot. Aber im Prinzip ist ihnen das eigentlich auch relativ schnuppe, denn sie wollen uns gerne noch ein Lied vorsingen.
Wir erklären, dass wir aber jetzt wirklich losmüssen.
Sie möchten aber unbedingt nur noch eins singen.
Ich glaube ich war sowieso seit der Ode an die Freude nur noch sprachlos und habs gar nicht mehr gepackt.
Isabelle übernahm das Sprechen und erklärte, dass wir leider wirklich wirklich wiiiirklich losmüssen. und so haben wir die beiden traurig zurückgelassen.
Noch jetzt könnte ich mich totlachen, wenn ich nur an diese Situation denke. Unglaublich.

 

Der weitere Verlauf des Abends war auch spaßig… kam aber nicht an das singende orthodoxe Duo heran. Fußball draußen auf Leinwand. Die Deutschen spielen ganz annehmbar. Mein Tisch macht Bombenstimmung. Unsere Gruppe wurde dann nämlich noch größer und von weiteren Deutschen und Holländern aufgewertet. Ich hatte selten so einen Spaß bei einem Fußballspiel. Komisch war, dass insgesamt kaum Frauen da waren. Gut war, dann mussten wir auf der Toilette nicht anstehen. Ich weiß nicht warum, aber die meisten Serben in der Bar waren für die Holländer. Nach den Toren für die Deutschen haben nur wir an unserem Tisch (ausgenommen der Holländer) gejubelt. Der Rest nicht. Ich dachte schon bei jedem Tor es ist gar kein Tor, sondern Abseits oder so… weil sich keiner freut. Das ist man von zu Haus ganz anders gewohnt.
Ich freue mich schon auf das nächste Spiel der Deutschen. Das wird ein Spaß.

 

Und was lernen wir nun aus diesem Blogeintrag?
1. Wer nix wird, wird Straßenbahnfahrer.
2. Wenn man nett ist, zu Leuten, die Deutsch sprechen, hat man mehr Spaß im Leben und was zu erzählen.
3. Die Auswirkungen von übermäßigem Weihrauch in orthodoxen Kirchen sind unkalkulierbar.
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Ich bin jung!

…hab ich mir gedacht, als mich mein Chef fragte, ob ich weiß wie das hier mit dem Versenden von Telegrammen funktioniert. Da ich nicht mal genau weiß, was ein Telegramm ist, habe ich natürlich auch keinen Plan wie man eins in Serbien (geschweige denn in Deutschland) versendet. Und weil ich nun gestern gelernt habe, was ein Telegramm ist, schreibe ich auch die Erlebnisse meiner vergangenen Wochen in Serbien im Telegrammstil. Kurz und bündig. Null problemo und so…

Ich wollte nicht ins Gefängnis. Auch nicht in ein anderes Land fliegen. Trotzdem habe ich mich so gefühlt. Habe den Toefl-Englisch-Test geschrieben. Wurde mit Metalldetektor untersucht. Musste Hosentaschen vor Kameras nach außen drehen. Jedes Mal beim Betreten des Raumes mein Gesicht neben meinen Pass in die Kamera halten. Sichtscheibe. Fühlte mich wie bei der Polizei. Raum musste 22-23Grad haben. War mir zu kalt. Später zu warm. Mein ausgezogener Pullover darf nicht einfach über meinem Stuhl hängen. Ich könnte ja bescheißen. Weiß zwar nicht wie. Aber egal. Ich weiß auch nicht was mir eine eingeschmuggelte Feile, ein Revolver, sonstige metallische Gegenstände beim Test hätten helfen können. Wenn ich wen erschießen wollte, hätte ich das auch im Vorraum machen können. Egal. Keine Motzerei. Ergebnis ist irgendwie unrealistisch, aber bombengeil im Lebenslauf und bei Bewerbungen.

Kellnern in der Botschaft. Kein Kommentar. Ach doch: Später irgendwann mal in ner Botschaft arbeiten? Die Antwort fällt bei mir eher negativ aus.

Meine Eltern zu Besuch: coole Eltern. Selbstständig und weltoffen. Stolze Tochter 🙂 Viel gelaufen. Die schönste Stadt der Welt präsentiert. Den Mund fusselig geredet. Museumsnacht. Zu viele Menschen dafür, dass alle sagen, dass sie in Belgrad noch nie in einem Museum waren.

Präsidentenwahlen: Kotzerei. Nikolic hat gewonnen. Unglaublich. Überraschend. Für alle. Am meisten wahrscheinlich für die EU… haben sie Tadic ja mal kaum unterstützt. Trotzdem hat die EU unabsichtlich Herrn Nikolic schon um 17 Uhr zum Sieg gratuliert, obwohl die Wahllokale noch offen waren. Da hat einer zu früh ausversehen auf senden gedrückt. Tja, blöd gelaufen. Super EU Schalalala. Wird Zeit, dass sie endlich mich einstellen. Nun gut. Deutschland und der restliche Westen malen für Serbien eine schwarze Zukunft und vergessen dabei, dass sie leicht übertreiben. Ja, Nikolic ist ein Depp. Trotzdem ist er nur Präsident, und die Regierung wird trotzdem wahrscheinlich von den anderen gestellt. Es ist also eher ein Patt. Stillstand. (Meiner Meinung nach.) Frage ist wo das Untergangsszenario der westlichen Medien genau ist… Interessantes Interview in der FAZ mit dem frischgebackenen Präsidenten. Das zeigt: er ist ein Trottel, der echt zu viel Nationalismus zum Frühstück gegessen hat. Andererseits frage ich mich: warum die FAZ fast ausschließlich auf der Vergangenheit rumreitet. Nicht der beste Journalismus finde ich, weil von vornherein klar ist, was für ein Bild vom serbischen Präsidenten vermittelt werden soll. Nikolic nervt mich trotzdem. Ich glaube seine Gesichtsmuskeln sind eingeschlafen. Er kann kaum Emotionen zeigen. Nicht mal lachen kann er richtig. So muss sich Chiara Ohoven auch fühlen.

Zwischenseminar in Mali Idjos (ungarisch: Kishegyes). Man fühlt sich wie in Kleinungarn. Alle sprechen auf ungarisch. Zeitungen sind auf ungarisch. Pauschal ungarisch. Schön. Mein Herz tanzt. Vorher hatte ich nur wenig Lust auf das Seminar. In Belgrad ist alles Bombe. Was soll ich woanders? Von den anderen kenn ich kaum jemanden. Fazit: Es war trotzdem schön. Wir waren eine supi Gruppe. Es hat viel Spaß gemacht. Ich war das erste Mal auf einer Slackline. Ich werde kein berühmter SlacklineProfi. Das ist klar. Viel Essen. Fleisch. Fleisch. Brot. Fleisch. Paniertes Fleisch. Fleisch. Ich beherberge in meinem Bauch mit Sicherheit nicht nur ein Schwein, sondern auch ein halbes Rind. Kürtös Kolacs über dem Feuer selber backen. Wie spannend. Wie lecker.
Neue Zukunftspläne: Plan F: Das bayerisch-fränkische Comedy-Duo Mainka und Bugl oder Bugl und Mainka. Witze nur auf Kosten der Zuschauer. Wir werden die Welt erobern. Ganz klar, Alex!
Langzeitprojekt: Alle Kulturweitler bitte bald mitmachen

Arbeit: Ich arbeite. Wie immer. Caroli und ich harmonieren. Wir filmen. Es ist peinlich. Wir haben nur eine Digicam. Kein sonderlich professioneller Eindruck. Wir geben unser bestes. Wir entwickeln Werbematerial. Es ist semierfolgreich. Die Zentrale in Bonn quatscht immer rein. Wir richten uns nach ihnen. Ich bin nur Kulturweiti… Meine Lieblingsmittagspause ist im Pita-laden 3 Ecken entfernt. Pita und Kefir. Es gibt nichts besseres auf der Welt.

Unibewerbungen. Es nervt. Ich schreibe unzählige Motivationsschreiben. Panik, dass mich keiner will. Aber schon eine erste Reaktion aus Leipzig. In ein paar Wochen habe ich ein Eignungsgespräch. Ohgott.

Theater: war ich leider nur einmal bisher. Will ich definitiv wiederholen.

Wetter: Es ist schlecht. Es regnet. Immer um 5, wenn wir Feierabend haben. Ich will Sommer. Jetzt und zwar schnell.

Belgrad: Ist trotzdem noch die schönste Stadt der Welt… Hach. Was soll ich sagen. Beograd Beograd Beograd…

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Wahlkampf in Serbien

– unvollständig und aus meiner überzogenen Sicht…

Zunächst muss ich sagen, dass ich hier mit ziemlichem aber auch schwer angeeignetem Halbwissen agiere. Trotz meines großen Willens die serbische Politik umfassend zu verstehen, habe ich das Gefühl immer noch keinen ganzen Überblick zu haben. Ich hatte unzählige Gespräche mit Serben, wobei meine Gegenüber meistens keine große Lust auf dieses Thema hatten, mir zu liebe aber dennoch ein paar Statements oder Erklärungen abgaben. Was ich hier also schreibe ist keine große umfassende Meinung, sondern ganz alleine mein persönlicher Eindruck, wie ich ihn eben bekommen habe, aus Gesprächen, dem Fernsehen, Zeitungen, den Plakaten, Kundgebungen – als deutscher West-Ausländer, der immer nur 65% von allem versteht.

Also: Was für Wahlen waren das eigentlich? Riesenwahlmoment: Wahlen für den Belgrader Bürgermeister, für den Präsidenten, das Parlament und in den Regionen glaub ich auch. Riesending. Das erklärt auch den ganzen Trubel drumherum.

Die Parteienlandschaft. 
es gibt unzählige Parteien, bei denen einer, der erst spät zur serbischen Politik dazustößt, so wie ich, nur schwer einen Überblick bekommen kann. Alle heißen fast gleich (finde ich…), und so wie ich das verstanden habe, kann man so gut wie keine Partei so richtig irgendwo rechts und links anordnen, weil alle irgendwie ein bisschen alles wollen und sich dabei sowohl von links als auch von rechts bedienen. Je nach dem, was das Volk so hören möchte. Ernst nehmen kann man viele wohl auch nicht mehr, weil sie früher meistens genau das Gegenteil gesagt haben von dem, was sie heute propagieren.

Die für mich wichtigsten Parteien bzw. Köpfe – Präsidenten (das ging im Wahlkampf auch immer total ineinander über – es gab eigentlich so gut wie kein Plakat ohne Mann/Frau drauf, heißt – irgendwie waren die Plakate so allgemein für beides, Partei und Präsident oder auch Bürgermeister)

Boris Tadic und die Demokraten: jetziger Präsident, der serbische George Clooney (hab ich mir sagen lassen) und total volksnah (wenn man den Plakaten glauben möchte): pro Europa, pro kleine Kinder (Zukunft), pro alte Omas mit Kopftuch (Tradition), pro alles, was mit Alltag zu tun hat, pro Sicherheit, weil er so wahnsinnig auf dem Boden geblieben ist.
Slogan: Boris Tadic, für eine sichere Zukunft.Von diesen Pros war auch sein Wahlkampf geprägt. Auf jedem Plakat hat Boris Tadic irgendwas total cooles im Alltag gemacht – alten fröhlichen Frauen Hände geschüttelt, kleinen fröhlichen Jungs einen Ball gegeben, einem fröhlichen Arbeiter auf dem Bau im Helm zugeguckt,  total ernst an Soldaten vorbeigelaufen… total volksnah eben. Wer hierzu eine Parodie lesen möchte… der siehe unter: http://boristadicdoingthings.tumblr.com/ – sehr amüsant wie ich finde

Der nächste, der total präsent war, zumindest in meinem Empfinden war einer von der LDP (Cedomir Jovanovic) – eine liberale Partei: überwiegend auftretender Slogan: ISTINA – Wahrheit– die propagieren totale Veränderung durch die eigenen Partei und alles wird gut (wie auch sonst). Meiner Meinung nach haben die auch echt zu viel Kohle, woher auch immer… JEDEN MORGEN, wenn ich zur Straßenbahn gelaufen bin, waren da dieselben Nasen, die einem JEDEN TAG DENSELBEN Zettel gegeben haben… hallo? nicht nachhaltig und vor allem überaupt nicht schlau. wäre es nicht sinnvoller, wenn man den Platz wechseln würde? Schließlich laufen dort jeden Morgen dieselben Leute vorbei und nach drei Wochen weiß man auch so langsam was drauf steht. Am ersten Tag habe ich den Zettel noch freudig erregt entgegen genommen – in meinem unendlichen Drang nach Verständnis und Wissen – nach dem dritten Tag habe ich dann denselben Zickzacklauf gemacht wie alle anderen auch, um nicht schon wieder so einen Zettel in die Hand gedrückt zu bekommen.

Nächste Partei: Die Serbische Radikale Partei: sympathischer Name…
nicht.
Kopf der Partei und Sympathieträger (Seselj) sitzt sympathischerweise derzeit in Den Haag. Und er macht dort keinen Urlaub, wenn ihr versteht, was ich meine. Die Partei hatte bei den letzten Wahlen aber dennoch großen Erfolg bei den serbischen Wählern. Slogan: Wir wollen nicht in die EU. Motto: Russland ist eh viel cooler als der Westen und Kosovo ist sowieso unser. – Von Leuten, die ich gefragt habe, wie es denn sein kann, dass die Leute den Seselj so cool finden (weil ist ja schon nen bisschen komisch??? Ich mein, wird schon einen Grund geben, warum der nette Mann vorm Kriegsgericht sitzt…) habe ich eigentlich immer dieselbe Antwort bekommen: der ist so superschlau. Ist jetzt ein Argument, das mich nicht unbedingt überzeugt. Wär ja auch noch blöder, wenn er dumm wie Brot wäre…
Als Westler tendiert man ja auch ohne die Person Seselj dazu, die Partei schon mal scheiße zu finden, allein schon wegen des Namens. Radikal??? Kann ja nur ne bekloppte Partei sein. Trotzdem muss man auch irgendwann zu dem Punkt kommen und sagen, dass man eben der Wessi ist. Mit der deutschen Geschichte im Nacken wird mir meine Meinung gewissermaßen vorgegeben. Ich sollte vielleicht trotzdem nicht so schnell darüber urteilen, erst recht nicht, wenn ich das Gefühl habe nicht alles zu verstehen. Als Präsidentin hat sich übrigens Seseljs Frau angeboten, weil er kann ja leider nicht. Aber ihr Bild kam erst recht spät auf die Plakate, weil der Mann bei den Wählern einfach besser zieht (meine Interpretation).

Nächste Partei: Die Demokratische Partei Serbiens mit Kandidat Kostunica – keine Ahnung, auch so eine Partei, die alles will und bietet. so wischiwaschi vielleicht. Der Name klingt ziemlich identisch wie bei Tadic und so. In der Abkürzung wird der große Unterschied dann deutlich. Die von Kostunica ist die DSS und die von Tadic die DS – is klar, wa? Ich mein… ist doch irgendwie nachvollziehbar, dass man da mal schnell durcheinanderkommen kann, so wie ich ständig.
naja, bei mir hat kostunica keinen so wahnsinnigen Eindruck hinterlassen, aber das ist vielleicht auch was gutes. Seine Partei bzw. er selbst war auch mal teil von den anderen Demokraten (wieder Tadic und so), haben sich aber dann auch abgespalten (Mir scheint, das ist ein ziemlicher Trend hier… ), weil irgendwie ein bisschen mehr rechts und nicht ganz so pro Europa und was weiß ich.
Slogan: Kostunica, du weißt warum. Ja, ne. Ich persönlich habs nicht gerafft. Man kann sich vielleicht einfach einen Grund aussuchen und dann passt das schon. Von manchen habe ich gehört, dass der Kostunica ein recht netter ist. Aber was heißt schon nett.

Und noch eine Partei muss genannt werden: die Fortschrittspartei oder so ähnlich: abgespalten (schon wieder) von der Radikalen Partei – hat sie mittlerweile mehr Anhänger als die alte, mindestens so nationalistisch und wurde im Wahlkampf immer hoch gehandelt. Präsidentschaftskandidat: Nikolic. Ich habe eine 99,9% Meinung von allen, mit denen ich gesprochen habe: der Typ ist jetzt nicht wirklich so die Bombe und  geht eigentlich mal gar nicht. Er tritt mit einem bedeutungsvollen Slogan an: Moguce je. – Es ist möglich. Ja, vielleicht auch nicht. Trotzdem bekommt der Mann immer ziemlich viele Stimmen. Naja, der Herr Nikolic liefert sich auf jeden Fall seit Jahren das direkte Duell mit Tadic, aber offensichtlich hat er letzten Endes bisher immer verloren.

Dann noch die ehemalige Milosevic-Partei, die Sozialistische Partei Serbiens, deren Kandidat Dacic ist. Die Partei hat sich wohl ziemlich verändert und erneuert, kann aber trotzdem derzeit nicht soooo sehr punkten, heißt es. Bedient sich auch aus allen Feldern, nennen sich aber Sozialisten. Ich mein, da soll mal noch einer durchblicken. Slogan: Jasno, Cvrsto, odlucno  – was so viel heißt wie: klar, beharrlich, entschlossen.

Letzte Partei bei meiner persönlichen Parteivorstellung (die nicht vollständig ist): die Vereinten Regionen mit Kandidat Dinkic: setzen sich dafür ein, dass nicht alle Kohle nur nach Belgrad fließt. Macht auch irgendwie Sinn. Meiner Meinung nach hat diese Partei den erfolgreichsten Wahlkampf geführt. Zum Schluss dieses Blogs werde ich euch auch darlegen warum ich das finde.
Slogan ist übrigens: Jaki regioni, Jaka Srbija. (Starke Regionen, Starkes Serbien) – im Prinzip ist der Slogan völlig unnötig, denn die haben ein Lied, das haut jeden vom Hocker und das sollte sich jeder JETZT mindestens einmal oder besser fünfmal anhören.
http://www.youtube.com/watch?v=Wvt3lukob8Q
und wer sich nicht die Zeit nimmt … ist doof. Besonders beeindruckend finde ich den Refrain ab 00:53…
…. oh yeah… regioni, jaka Srbija,
Sa juga i sa severa (regioni — jaka Srbija)
Istoka, a i zapada (regioni — jaka Srbija)…welch Ohrwurm
(kurze Zusammenfassung des Inhalts: Starkes Serbien, starke Regionen, Nord, Ost, Süd West, alle Regionen sind wichtig, das wissen wir alle, zusammen machen wir Serbien besser, alle, Frau, Mann, Lehrer, Arzt, Polizist, blabla, noch gefühlte 100 Berufe, dass sich auch jeder angesprochen fühlt,… Hauptsache man hört das Lied des Volkes und starkes Serbien – ich glaube es ist klar, wa?)

 

So, nach dieser langen Parteienvorstellung nun ein kleiner Zeitraffer wie ich den Wahlkampf chronologisch erlebt habe:

Mitte März: langsam geht der Wahlkampf los. Boris Tadic fängt an bald überall rumzuhängen und alten Frauen auf Plakaten die Hand zu schüttlen. Auch andere Parteien bzw. Kandidaten legen nach. Prinzipiell sagen alle Parteien: Wir sind so scheißecool, und nur mit uns kann Serbien besser werden als es jetzt ist. Und im übrigen sind die anderen auch doof.

März und April: weiter gehts: die Wahlkampfplakate verdichten sich und nehmen an Abwechlsung zu. Die Köpfe werden größer und jede Partei nimmt sich wichtiger. An der Stelle, wo an einem Tag ein Plakat hängt, wird am nächsten Tag ein Plakat einer anderen Partei hängen. Langsam wird auch im Fernsehen für die Parteien geworben.
außerdem… (ein Gespenst geht um in Serbien…)
…gibts ein Lied, langsam beginnt es sich in den Köpfen der Menschen breit zu machen…

Anfang/Mitte April: Die LDP hat unzählige Quadratkilometer an Regenwald abholzen lassen, um mir meinen täglichen Zettel morgens an der Straßenbahn zu geben. Außerdem muss eine Unmenge an Kohle an all die Wahlkampfhelfer fließen… Das macht doch keiner freiwillig. Die müssen lila Schürzen anhaben, hallo??? Das spannendste Fernsehprogramm ist für mich mittlerweile mit Abstand die Wahlwerbung. Ist sie auf einem Sender vorbei, schalte ich schnell weiter, um sie woanders nochmal zu sehen. Meistens sagen die Parteien noch wie cool sie sind, aber der Ton wird langsam härter.
Harter Ton, bis auf bei den Vereinten Regionen: Eifrig singen alle mit…

Mitte April: Der Wahlkampf ändert sich: Von: hey, guck wie cool wir sind hin zu : schau wie scheiße all die anderen sind. Der Wahlkampf wird nun ausschließlich über die Fehler der anderen geführt. Wer ist warum ein Verbrecher? Was hat wer vor 2 Jahren gesagt, was er heute ganz anders sagt. Tadic ist eh blöd. Und die Vereinten Regionen singen weiter ihr Lied… jaka Srbija. Und schon nen Ohrwurm?

Mitte/Ende April: Krasser Wahlkampf. Nachdem alle nun schon fast 2 Monate erklärt haben wie wichtig es ist, dass NUR sie gewählt werden, weil NUR sie Serbien retten können… stellt die Balkan Insight (ein Portal, dem ich irgendwie glaube) fest, dass es eigentlich egal ist, wer gewählt wird, da sowieso alle das gleiche irreale Programm haben, das nicht eingehalten werden kann. Arbeitsplätze, Geld, blabla, was man halt so hören will als Wähler. Das macht den ganzen Wahlkampf irgendwie ein bisschen lächerlich. Aber hey, die Vereinten Regionen haben ein Lied… das wär schon einmal ein Grund sie zu wählen.

Ende April: ich spreche mit vielen, die sagen, dass sie nicht wählen wollen, weil alle, die man wählen kann, sowieso Kriminelle sind. Aber das Lied der Vereinten Regionen finden sie gut…

Anfang Mai: Jetzt gehts so richtig los: eine Kundgebung auf dem Trg Republike jagt die nächste. Ich weiß es meistens nicht vorher und kriege es erst mit, wenn meine Busse nicht mehr ins Stadtzentrum fahren, weil die Politiker mal wieder alles blockieren müssen. Alles ist für mich spannend. Yeah, Großstadt. Politische Kundgebungen, tausende Menschen, brüllende Politker, hunderte Fahnenschwinger und noch mehr Fahnenverkäufer. Für jede Kundgebung ne andere (naja, die serbischen durchgehend… ) bei Tadic steht die Europaflagge hoch im Kurs, bei den anderen Parteien irgendwelche anderen Flaggen. Egal. Alles ist spannend.

Leute, mit denen ich unterwegs bin, bitten mich nicht zu nah hinzugehen zur Kundgebung, denn man könnte meinen wir gehören dazu und das wäre schon peinlich. Außerdem lachen sie mich aus, weil ich alles so spannend finde. Ich glaube die Leute haben noch nicht gecheckt., dass ich vom DORF komme? Da kommt nicht einfach mal ne Angie vorbei und hält ne Kundgebung…

Ich bin erstaunt bei jeder Kundgebung haben Leute T-Shirts an, wo ein Tadic/Seselj/Nikolic drauf ist. Völlig absurd. Die werden doch bezahlt??? Würde bei uns jemand mit Angie aufm Shirt rumlaufen? Oder mit Sigmar Gabriel? hahaha.

Epische Musik. Meistens Aufbruchmusik. Alle Politiker versuchen von bekannten serbischen Sängern zu profitieren. Keine schlechte Idee. Bei der Radikalen Partei bin ich nur 2 Mal vorbeigelaufen und beide Male kamen Lieder in denen ich vor allem Kosovo verstanden habe. Hach, wie durchschaubar.

Wie spannend.

Die vereinten Regionen singen immer noch.

Ich habe das Gefühl ganz Serbien unterstützt dieses Lied, weils so schön ist. Ich flippe langsam aus, weil ich den scheißohrwurm niemals mehr aus meinem Kopf kriegen werde. Man muss nur 2 Töne anstimmen und die Chance liegt bei 100% dass andere mit in das Lied einsteigen werden. Alle sind begeistert.

bis zum 3. Mai gehts hoch her. Alles, was an Werbemaßnahmen noch da ist, muss verbraten werden. Es wird mindestens bis zur nächsten Wahl dauern, bis all diese Plakate und Fähnchen wieder weg sind… Zwischen jedem Laternenmast hängen irgendwelche Wahlplakate. Was wird passieren. Wer wird gewinnen?

Alle Parteien sind der Meingung: WIR WERDEN GEWINNEN, auf jeden Fall… aber nur, wenn auch alle wählen gehen. und daher wäre es auch schön, wenn man seinen Nachbarn und Kollegen sagen könnte, dass sie bitte auch wählen gehen sollen
aber gewinnen… auf jeden Fall. is klar. Finde ich persönlich ja schon mal schwierig: 10 Parteien können nicht gewinnen. Eine Wahl ist fast nie eine Win-Win-Situation…
Egal, denn die Vereinten Regionen singen weiter und bringen mich zur Weißglut. Mittlerweile kann ich den Text auswendig.

und dann kommt das, womit ich nicht gerechnet habe

Donnerstag Nacht (der Donnerstag vorm Wahlsonntag): Die Ruhe vor den Wahlen beginnt. Kenn ich irgendwie nicht. Noch nie vorher gehört. Ab diesem Zeitpunkt bis zur Wahl, darf keiner mehr Werbung machen und keiner mehr ne Kundgebung. Ende Gelände. Aus die Maus. Ich schaue verstört Fernsehen und frage mich: was nun? Kein Wahlfernsehen mehr. Und noch viel schlimmer:

die Vereinten Regionen sind verstummt.
Nur ab und zu gibt es einen Lichtschimmer. Der Hit der Vereinten Regionen hat es mittlerweile auch in das örtliche Musikfernsehen geschafft. ich muss also nicht völlig auf meinen hass-geliebten Ohrwurm verzichten.

Insgesamt kann man sagen: die Spannung steigt: die Wahlen nähern sich.

Die Internationale Presse schreibt – ja, ok, größtenteils nicht über Serbien, sondern über Frankreich, NRW, Schleswig Holstein, Armenien und was weiß ich wo noch Wahlen waren bzw. sein werden… – aber wenn sie mal von Serbien schreiben: dann sagen sie: für den Präsidenten wirds knapp und das muss eh in einer zweiten Runde entschieden werden, ansonsten herrscht vor allem Angst, dass einfach kein Mensch wählen geht und dass am Ende alles umsonst war.

 

Und, wie wars nun wirklich? Was ist das Ergebnis?

  • Es sind erstaunlich viele wählen gegangen. naja, also im Verhältnis. Über 60% Man hatte mit viel weniger gerechnet.
  • In der zweiten Runde der Präsidentschaftswahlen wird Tadic gegen Nikolic antreten – wie immer. Es wird wohl knapp.
  • Bürgermeister von Belgrad bleibt der Demokrat Djilas. Alle, die ich kenne, finden das sehr gut.
  • Bei der Parlamentswahl haben die Fortschrittsparteileute am meisten Stimmen bekommen. Es ist aber unwahrscheinlich, dass sie in die Regierung kommen, weil fast niemand mit ihnen koalieren will. Es ist wahrscheinlicher, dass sich wieder so eine Mehrheit bilden wird, wie sie es davor auch war. Mehrere kleinere Parteien und die Demokraten …. und die regieren dann. Größte Überraschung ist die Sozialistische Partei von Dacic. Die haben zwar nichts gewonnen, aber viel mehr Stimmen bekommen, als vorausgesagt wurde.

 

Und das Ende vom Lied ist nun eigentlich:

Erstens: Irgendwie ist doch alles wie vorher??? Naja gut, beim Präsidenten ist das noch nicht gesagt… die zweite Runde der Präsidentschaftswahlen findet erst am 20. Mai statt.

Zweitens: Der Gewinner der Herzen der Wahl ist eindeutig die Partei der Vereinten Regionen. Wer so ein Lied komponiert, der hat so einen Knall, und zu viel Geld, um die Leute im Video zu bezahlen und irgendwie viel Phantasie…
Schade, nun ists vorbei. Aus dem Lied hätte international ein richtiger Knaller werden können. Warum wurde denn irgendein anderer Heini für den Eurovision in diesem Jahr für Serbien ausgesucht? Das Lied hätte alle umgehauen. Ich bin mir sicher…

 

und für mich? als Fazit?
–>scheiße, jetzt ist der Wahlkampf vorbei.
Genau jetzt, wo ich beginne das meiste zu verstehen, was so passiert. Was mache ich denn nun und was zur Hölle gucke ich im Fernsehen???

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Nein, mach das jaaaa nicht!!!

Sagen alle Leute zu mir, wenn ich sage, dass ich mit dem Zug irgendwohin fahren möchte. Aus diesem Grund bin ich in Serbien auch noch nicht Zug gefahren. Ich habe mich ganz schön einschüchtern lassen und mir gedacht, dass ich dann doch lieber den superorganisierten Busunternehmen vertraue. Das hab ich zumindest solange, bis mich Dusan letztens gefragt hat, ob ich nicht Lust habe mit ihm und noch einer Freundin mit dem Zug nach Sremski Karlovci zu fahren. Da wollte ich eh schon lange mal hin also habe ich ohne zu zögern ja gesagt. Auch das Abenteuer Zug scheint mit zwei Serben im Schlepptau nicht ganz so abenteuerlich zu sein.

War es dann aber irgendwie doch. Nicht die Zugfahrt an sich. Wir waren im Prinzip sogar sehr pünktlich überall. Nur den Zug zu finden war ein bisschen schwierig. Wir haben uns morgens am Bahnhof getroffen, haben uns die Tickets gekauft. Das war schon mal schwierig, weil ich mal wieder nur 1000 Dinar hatte, die Fahrt aber nur 500irgendwas gekostet hat und mir die Frau nicht rausgeben konnte. (Kommentar von der netten Frau: ja toll, und wie soll ich jetzt rausgeben? Ja, – gute Frage… aber bedenkt man, dass sie an einer Kasse sitzt, sollte man denken… sorg halt für Wechselgeld??? – aber den Gedanken habe ich in Serbien öfter und meckern bringt ja eh nichts.) Anschließend fragten wir sie noch, ob sie denn weiß auf welchem Gleis der Zug fährt, da meinte sie: Weiß ich doch nicht.

Aber wozu gibt es eigentlich Schaffner? Also gingen wir raus auf die Plattformen und suchten uns einen netten, kompetenten Schaffner. Den haben wir dann auch gefragt, wo der Zug Richtung Novi Sad abfährt. Der Schaffner, guckt in die Ferne, lässt den Blick über den Bahnhof und alle Züge schweifen, sieht, dass gerade ein Zug einfährt und sagt mit bedeutsamer Stimme: hm, am wahrscheinlichsten ist es dieser Zug hier.

Am wahrscheinlichsten. Aha. Also wir, zu dem Gleis, wo der Zug gerade einfährt. Wir warten ein bisschen und fragen uns: was nun? Um uns herum stehen Leute, die aussehen, als würden sie hier oft mit dem Zug fahren. Also… nächster Gedanke: fragen wir doch mal die.

Also wir: fährt hier der Zug Richtung Novi Sad?

Die Leute: Wissen wir nicht. Wir warten hier nur.

Häh? Sie warten hier nur? Auf Gleis 8? Auf was denn bitte? Harry Potter? Bessere Zeiten???

Nun ja, der Zug ist dann nochmal weggefahren von Gleis 8 und wir haben dann beschlossen mit den Leuten auch einfach mal zu warten. Harry Potter kam nicht, aber dafür noch ein Zug und der fuhr laut anderem Schaffner dann auch „ziemlich sicher“ nach Sremski Karlovci.

Im Zug wird ja auch nichts angesagt. Nicht wo man ist, was die nächste Station sein könnte, nichts. Also haben wir, als wir dachten, es kann bald so weit sein, einen älteren Mann aus unserem Abteil gefragt, der aussah, als könnte er das wissen. Nun muss man bedenken, wir haben davor viel deutsch gesprochen (Schande über mein Haupt, ich weiß) im Abteil und das hat den Mann wohl irritiert. Dusan hat ihn dann auf serbisch gefragt, wie weit es noch bis nach Sremski Karlovci ist und da hat der Mann ihm einfach mal in ziemlich gebrochenen Englisch geantwortet. Dusan hat ihm erklärt, dass er auch auf serbisch sprechen kann, weil kann er ja… aber da meinte der Mann nur, dass es kein Problem für ihn ist auf Englisch zu sprechen. Nun, auch gut. Wir haben auf jeden Fall nach Sremski Karlovci gefunden und ich habe den Tag sehr genossen, weil ich mal wieder was Neues gesehen habe und weil ich endlich total abenteuer-like mit dem Zug gefahren bin, ich alter Abenteurer, ich =)

Und alles, was zu sagen bleibt: eine Zugfahrt, die ist lustig, eine Zugfahrt, die ist schön…

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Die Brücke, die Brücke!!!

Welche Brücke?
Na die von Ivo, sag ich.

– Welcher Ivo?
– Na der Andric’s Ivo!
– Wer ist das denn?
– Na der Literatur-Nobelpreisträger… Is doch klar wie Kloßbrühe 😉

Ja genau der Ivo – der hat doch mal „Die Brücke über die Drina“ geschrieben. Gut, ich gebe auch zu… das Buch… naja, gehört nicht zu meinen Lieblingsbüchern. Aber dennoch ist es Anlass genug sich auf den Weg nach Visegrad zu machen, wo sich diese nette Brücke seit geraumer Zeit befindet (um nicht zu sagen… schon immer). Zumindest haben sich das Carola und ich so gedacht. Deutsch wie wir sind haben wir Pläne geschmiedet und uns überlegt, was man sonst noch so machen könnte. Es lag auf der Hand: Mokra Gora. Hintergrund unserer Reisepläne war ein verlängertes Wochenende, weil das orthodoxe Ostern eine Woche nach unserem gefeiert wurde und uns so arbeitsfreie Tage beschert hat.

Schöne Sache mit der Planerei, wenn man bedenkt, dass am Ende nur etwa 50% davon geklappt hat. Das ganze fing recht semierfolgreich an. Wir haben uns um 06:45 am Busbahnhof getroffen (ja, jetzt überlegt euch mal, wann ich wohl aufgestanden bin. Früh wars…), um in den direkten Bus nach Visegrad zu steigen. Schöner Plan. Aber die nette Frau am Schalter hat uns erklärt, dass wir das mal schön verlöten können, weil im Bus kein Platz mehr für uns ist. Das war echt das erste Mal, dass mir das passiert ist. Kann ja keiner ahnen, dass die Belgrader ihre Stadt zu Ostern wie bei einem Exodus in Scharen verlassen… gut: die andere Möglichkeit, die uns angeboten wurde war: Nehmt den Express (man betone das Wort EXPRESS!!!)-Bus nach Uzice. Der ist schneller als der andere Bus, den wir eigentlich nehmen wollten und ab Uzice sind in dem anderen Bus sicherlich wieder Plätze frei und wir können zusteigen. Schöner Plan. Wer rechnet auch damit, dass der blöde Expressbus sich an diesem Freitag überlegt hat gar nicht mal so expressmäßig unterwegs zu sein. Das Ende vom Lied war dann… wir standen in Uzice, wo wir im Prinzip am Freitag gar nicht hinwollten und der andere Bus, in den wir einsteigen sollten, der war natürlich schon längst weg. So hatten wir einen wunderbaren Aufenthalt von 4 Stunden in dem Städtchen Uzice. Ja, auch mal schön. Aber ja. 4 Stunden sind auch fast schon ein bisschen zu lang 😉

Es war nicht so schlimm, Kaffee und Zigaretten machen jeden Aufenthalt in einer balkanischen Stadt zu einem angenehmen Aufenthalt. Nach einem Spazierganz quer durch die Stadt und Kaffee ging es dann 4 Stunden später weiter nach Visegrad. Endlich.

Und da war sie: die Brücke. Ja, ich weiß, ihr denkt jetzt: was hat denn die Alte, dass die sich hier so in Ekstase schreibt, bloß wegen ner Brücke. Aber ich sags euch, das ist echt ne schicke Brücke und die Drina macht sich auch ganz gut als Fluss. Wirklich. Ich hör jetzt auch auf, das weiter zu beschreiben, denn da ich kein begnadeter Schriftsteller bin, gelingt mir das eh nicht meine Begeisterung auf andere überschwappen zu lassen…

Carola und ich hatten auf jeden Fall unsere Freude an der Brücke und an der Tatsache, dass wir in Visegrad waren. Am Abend haben wir dann noch das überschauliche (ja Carola, überschaulich) Städtchen erkundet und uns gemeinsam gefreut, dass wir bei der Brücke sind. Man, ich klinge als hätte ich ein Brückenfetisch…

Am nächsten Tag gings zurück nach Serbien. Schon am Vortag hatte ich das Gefühl den Leuten an der Grenze ist es herzlich egal wer hier rübergeht oder fährt… aber zumindest mussten wir am Vortag noch unseren Pass abgeben…  Bei der Ausreise wurde der Busfahrer nur gefragt wieviele Leute er dabei hat. Er sagt: 5. Der freundliche Grenzmann sagt: ja, dann fahr halt bitte weiter. Schön.
Und so sind wir weitergefahren und in Mokra Gora ausgestiegen. Moka Gora soll zwar ein Dorf sein, aber im Prinzip sind es nur Häuser an einer Straße und man hat keinen Plan wo was ist. Aber dadurch, dass alles so klein ist, hat man auch ohne Karte und ohne Plan das Gefühl, dass man früher oder später eh alles findet. Und so war es auch. Nach 5 Minuten oder auch 10 standen Carola und ich vor unserer Unterkunft. Dem Bahnhof. Kein Witz. Ein sehr angenehmes Motel direkt am Bahnhof. Klingt schlimmer als es ist, denn an dem Bahnhof fährt ja eh nur 3 Mal am Tag der Tourizug ein und aus und der Fernseher mit montenegrinischen Soaps ist nicht zu verachten und beschert einem gute Unterhaltung, wenn es draußen regnet. Das hat es nämlich leider des öfteren.

Die folgenden zwei Tage haben wir Mokra Gora erkundet und Küstendorf (drvengrad). Das hat der bekloppte Filmemacher Emir (ich hab mir sagen lassen mittlerweile heißt er Nemanja, weil er sich hat orthodox taufen lassen, um noch ein bisschen serbischer als Serbe zu sein) Kusturica. Dieses spaßige kleine Dorf steht da jetzt rum und funigert vor allem als Touri-Ort und dort findet wohl auch immer ein Filmfestival statt, bei dem sogar mal Johnny Depp gewesen sein soll. Na im Prinzip ist das alles ganz lustig anzusehen. Die Straßen haben lustige Namen (benannt nach Federico Fellini, Bruce Lee, Maradona, Djokovic, und nicht zuletzt auch nach Che Guevara) und es herrscht eine äußerst künstlerische, aber auch künstliche Stimmung. Außerdem gibt es keine Cola und auch sonst keine kapitalistisch-amerikanistisch angehauchten Sachen. Spaßig. Kann man sich schon mal drauf einlassen – 2 Tage. Aber da hat man sich dann schon aus Prinzip, wenn man zurück im Motel war, ne Cola gekauft…

Am anderen Tag sind wir noch mit dem lustigen kleinen Zug „Sarganska Osmica“ gefahren. Ich gebe es zu: das hat mich alles überfordert. Im Prinzip ist Mokra Gora ein Nest und man kann sich nicht wirklich vorstellen, dass viele andere Menschen so bekloppt sind wie man selbst und dorthin fahren. Dazu kommt noch, dass sich Serbien in Bezug auf Touristen ja jetzt nicht immer so toll anstellt. Und was ist da mitten in der Pampas??? Das totale Touristenparadies und noch verrückter: ziemlich viele Touris. Ich dachte ich werd bekloppt. Sitzt man da plötzlich mit den anderen Leuten, wo auch immer die 100 plötzlich hergekommen sind, in einem Zug und wird zunächst von Informationen auf serbisch und englisch beschallt. Dazwischen schart sich noch eine japanische Reisegruppe. Dann kommt noch Balkanmucke und es wird einem erklärt wo man aus dem Zug rausschauen soll: a la : zur linken sehen Sie… und nun zur rechten…  – das wiederum hat zur Folge, dass alle Leute ständig von einer Seite zur anderen laufen. Völlig bekloppt. Das war echt zu viel für mich… aber nach einiger Zeit habe ich mich an meine Umgebung gewöhnt und bin einfach in den Tourimodus gesprungen und habe lustige Videos gedreht.

Der Tag der Rückreise wurde uns sehr erleichtert. Denn wie es der Zufall so will, hatte Carola Bekannte, die zur selben Zeit wie wir in Mokra Gora waren. Und zufälligerweise hatten die ein Mietauto, in das wir auch noch reingepasst haben. Das war wirklich super und eine total angenehme Rückreise, wenn man nur mal kurz an unsere Hinreise zurückdenkt.

Mit dem Auto hat man natürlich auch noch mehr Freiheiten als mit dem Bus. Man kann zum Beispiel an einem Kloster anhalten. Genauer gesagt haben wir nicht am Kloster angehalten, sondern davor und den Rest (Berg, aber wirklich Berg) sind wir locker flockig hochgewandert. Kaum waren wir drin, kam eine Nonne angesprungen, die uns total überfreundlich durch das Kloster geführt hat und uns von Reliquien von Maria Magdalena und sonstigen Heiligen erzählt hat und natürlich konnte sie uns die Reliquien alle zeigen. Mensch, da war mal was los früher. Mit all den Heiligen, und alle haben was abgegeben. Ist klar. Nun gut, aber im Prinzip, nette Nonne. Dann wurden wir noch bewirtet. Hallo? Da wird einem schon im Kloster Rakija serviert? Nonnen, die einem am frühen Nachmittag zum Schnapstrinken anregen… is klar. Wahrscheinlich sind die auch nicht immer ganz so nett, aber es war eben Ostermontag und wahrscheinlich sind da alle Nonnen gleich noch ein bisschen netter und schenken noch mehr Rakija aus… wer weiß das schon. Mir war das ganze beinah ein bisschen zu nett… das hätte auch die Kulisse eines Horrorfilms sein können. Ok, das war gemein. Vielleicht waren sie wirklich einfach nur nett.

Ich habe die serbischen Ostertage auf jeden Fall wunderbar verbracht und bin unglaublich glücklich, dass ich in Visegrad war und in Mokra Gora mit der kleinen Bahn gefahren bin. Geschafft ist man nach so einem Urlaub natürlich trotzdem, aber das nimmt man doch gerne in Kauf.

Und bevor jetzt wieder alle motzen, dass ich keine Bilder hochgeladen habe… es kommt viel besser. Es gibt ein Video. Allerdings kann ich das hier nicht hochladen, weil es zu groß ist oder ich zu blöd. Wahrscheinlich letzteres. Wen es interessiert, der darf sehr gerne unter dem folgenden Link das Video begutachten. Ich weiß die Qualität könnte besser sein. ist sie im Prinzip auch, aber irgendwie musste ich es kleiner machen, um es hochladen zu können, aber wahrscheinlich bin ich nur mal wieder zu blöd, was das anbelangt… egal: hier ist also nun das Meisterwerk:
http://lenni-lennox.blogspot.com/2012/04/visegrad-mokra-gora.html

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Es soll ja ein Sprichwort geben: 3 Tage Besuch ist genug (oder so ähnlich)

Das mag oft so sein, aber ich hatte einen Besuch, der hätte gerne auch viel länger bleiben dürfen. Die 5/6 Tage sind so schnell vorbeigegangen, dass mans gar nicht glauben kann.

Besuch hatte ich – das ganze ist schon wieder fast 2 Wochen her, aber es ist definitiv noch nicht zu spät davon zu erzählen. Die Quintessenz zuerst: Schön wars!

Im Prinzip bin ich ja noch gar nicht so lange hier – jetzt knappe 2 Monate, und doch fühle ich mich schon wie ein alter Belgrader Hase (wie passend… jetzt zur Osterzeit). Umso schöner war es endlich mal wieder meine Freunde und meine Schwester in die Arme zu schließen. Ich danke der Delegation des Bundes deutscher Ratefüchse e.V. für den wunderbaren Besuch bei „Chez Anna“. Der Fuchs, der zu Haus geblieben ist, kann diese Erfahrung gerne ein andermal nachholen.

Ich habe es total genossen das deutsche Ostern mit euch zu verbringen, blöde Witze zu machen, über die hier oft keiner lacht, dieses Kniffel zu spielen und Diskussionen über smoky eyes/ice zu führen. Endlich wisst ihr Bescheid wie Rakija schmeckt und was ich meine, wenn ich von Busplus-apparaten oder Popcornständen in der Fußgängerzone schreibe.

Und, das muss ich auch noch sagen: ich finde mein Besuch war ein wirklich guter Besuch. Offen für den Balkan, die Großstadt (man darf ja nicht vergessen… wir kommen vom Dorf) und für alles, was ich sonst noch so präsentiert habe. Die Zeit verging wie im Flug.

Manchmal hab ich mir selber ein bisschen Angst gemacht. In meinem Reiseleiterwahn bin ich irgendwann zur Glucke mutiert. Ich habe dafür gesorgt, dass die Schäfchen beinander bleiben, dass keiner verloren geht, dass alle ihre Buskarte dabei haben und ja nichts vergessen – und wusch hab ich vergessen mal drüber nachzudenken, ob ich selber alles dabei habe… (Zahnbürsten werden sowieso überbewertet) Ich hoffe ich war nicht zu gluckig. Falls ja, die Phase habe ich nun wieder hinter mir gelassen.

Nun gut, nach der kurzen aber schönen Zeit, hoffe ich, dass mein Besuch von Serbien bzw. von den Teilen die wir zusammen besucht haben, einen positiven Eindruck hat. Wahrscheinlich wisst ihr jetzt wie es ist, wenn einen Leute komisch angucken, wenn man sagt, man hat seinen Urlaub in Serbien verbracht. Aber keine Sorge, da gewöhnt man sich auch dran 🙂

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Am 24. März

…fielen Bomben auf Belgrad. 1999.

Das soll jetzt kein Blogeintrag werden, in dem irgendwem die Schuld in die Schuhe geschoben wird und in dem ich mir anmaße zu sagen was richtig und falsch gewesen wäre. Ich möchte auch nicht den Eindruck erwecken, dass man sich in Serbien ständig mit dem Krieg beschäftigt. Das tut man zwar, aber in einem gesunden Maße (ich fände es verwunderlicher, wenn man sich überhaupt nicht mit dem Thema auseinandersetzt). Aber es war eben gerade erst der 24. März. Und das war für mich ein Anlass mal drüber nachzudenken. So richtig.

Alles, was ich sagen will: das alles ist für mich unvorstellbar.

Man denkt nie darüber nach. Klar liest man in der Zeitung ständig von irgendetwas, was damit zu tun hat (90er Jahre, Kosovo). Von Kriegsverbrechern, Wiederaufbau, Verurteilungen, sonstwas. Das ist ja natürlich. Wäre ja auch komisch wenn nicht. Aber wenn ich das in der Zeitung lese, dann ist es etwas anderes, als wenn ich Poster in der Stadt sehe, die mich daran erinnern, dass vor 13 Jahren die NATO beschlossen hat hier mal ihren ersten Krieg zu führen. Viele Poster. Überall.

Dann fängt man an drüber nachzudenken und dann fängt man auch wieder an die kaputten Gebäude zu sehen, die vor der Bombardierung noch ganz waren und an denen man mittlerweile völlig gedankenlos vorbeigelaufen ist (nicht dass ein falscher Eindruck entsteht… so viele Gebäude sind das nicht). Und man fragt sich wie das so ist, wenn Bomben auf die Stadt fallen, in der man lebt. Und dann stellt man fest: das kann man nicht.

Ich kann es mir einfach nicht vorstellen. Gut, muss man wahrscheinlich auch nicht. Aber jetzt, wo ich hier lebe und wo ich mich hier so wohl fühle und gleichzeitig auch so geborgen – da kommt mir das alles noch ein bisschen surrealer vor.

Diese Stadt – die weiße Stadt – die ist wie bei uns, bloß ein bisschen anders. Diese Stadt ist von uns zu Hause gar nicht weit entfernt?! Man setzt sich in ein Flugzeug, in einen Bus, einen Zug und schwupps ist man da. Man braucht keine Tage, man braucht kein Vermögen. Das alles ist einen Katzensprung von uns entfernt. Wie krass ist es denn, dass man nichts drüber weiß?

Es ist nicht lange her. Für Leute in meinem Alter, die hier groß geworden sind, ist das alles gar nicht so unvorstellbar. Sie müssen sich das auch nicht vorstellen, da sie ja zum Teil dabei waren.

Und ich bin groß geworden in meiner friedlichen Welt in Deutschland, noch friedlicher: Bayern. Dort, wo der Krieg schon ewig zurückliegt. Der Krieg, den man langsam Stück für Stück aufgearbeitet hat und immer noch aufarbeitet. Man ist schon eine große Strecke diesen Weges gegangen und geht immer noch weiter.

Ich bin aufgewachsen – sicher vor allem Bösen und Gefährlichen. Ich war ein Jahr alt und alles ist noch friedlicher geworden. Ost und West vereint. Wir sind das Volk. Und alles, was mich bis jetzt beschäftigt (und wovon ich wenig wusste) ist die DDR-Zeit – doch auch die liegt schon eine Weile zurück.

Wie absurd. Bei uns die Einigkeit. Und dort der Zerfall.

Man denkt viel zu selten drüber nach wie glücklich/dankbar man sein sollte – glücklich darüber, was für ein Glück man hatte. Ich bin in Deutschland geboren. Man denkt zu selten über so etwas nach.

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Kafana – wie das Leben sein sollte

Ja, vergesst Cola-Zero. Kafana braucht man im Leben. Die Unwissenden unter euch fragen sich jetzt… ist das was mit Kaffee? Und die Wissenden SOEler werden lächelnd mit dem Kopf nicken. Ja, im weiteren Sinne ist es das. Oder nein. Irgendwie auch nicht. Eher Bier und Rakija.

Am Freitag war ich mit Miljana, das ist Benedikts Mitbewohnerin und mit Benedikt und mit noch ein paar Leuten in einer urigen Kafana in Zemun (Vorort von Belgrad). Das war knorke! Um 10 abends haben wir uns getroffen und los gings. Wir hatten glücklicherweise dank Miljana eine Reservierung, denn ohne kommt man nicht rein bzw. hat man keine Chance auf einen Tisch. Erstmal haben wir die Kafana nicht so einfach gefunden. Man läuft da also auf Kopfsteinpflaster zwischen kleinen Gässchen umher und sucht die „Location“. Miljana war sich irgendwann sicher, dass wir richtig sind – bei der Nummer 10.

Wir waren ja ein klein wenig skeptisch. Denn die Nummer 10 sah aus wie ein Haus. Ein stinknormales Haus. Ganz normal ?! So richtig normal. Aber dann hat uns Miljana erklärt, dass das so sein muss, weil das ist Tradition und früher unter den Osmanen, als man keinen Spaß, keine Feierei haben durfte, da musste man das auch so tarnen. Ja. Klingt logisch. Also haben wir geklingelt. Nichts passiert. Keine Reaktion… Langsam waren wir uns dann doch nicht mehr so sicher mit der Nummer 10 und nach einem Anruf war klar: das Haus sieht nicht nur aus wie ein stinknormales Haus, es ist ein stinknormales Haus… ja blöd… kann passieren, wenn sich diese Kafanas auch so verdammt gut tarnen müssen.

Gut, haben wir den Hausbesitzer halt mal so ein bisschen rausgeklingelt und wir zogen weiter Richtung Nummer 7 – wo die Kafana dann auch wirklich war.

Das Haus sah trotzdem immer noch sehr unspektakulär und klein aus. Geht man rein, befindet man sich quasi in einer Wohnstube mit einer wie uns erklärt wurde obligatorischen Tapete (60er Jahre Stil) und kleinen Tischchen und Stühlchen und allgemein ist alles irgendwie klein und eng und man fühlt sich wie bei Schneewittchen und den sieben Zwergen. Das Gefühl verschwindet dann allerdings, wenn die anderen Gäste die Kafana betreten (außer vielleicht es ist ein serbisches Schneewittchen mit serbischen Zwergen): kaum sind alle drin (eigentlich zu viele für den Raum) geht die Stimmung los. In die Wohnstube, in der eigentlich eh kein Platz mehr ist, wird noch ein Kontrabassist reingeschoben, ein Gitarrist, einer mit nem Akkordeon und einer mit ner Geige und los geht’s mit den Liedern, die jeder kennt und die jeder mitsingt und bei denen jeder mittanzt und bei denen man sich als Deutscher total deutsch vorkommt. Ich wünschte ich hätte mitsingen können. Mittanzen musste man früher oder später eh. Da hatte man keine Wahl. Mittrinken musste man auch, denn es ging mir mal wie immer: Bäm, einmal nicht aufgepasst und schon steht ein Rakija vor meiner Nase. Und wie immer denke ich mir: naja, einen trink ich… so schlimm kanns ja nicht sein. Irgendwann sollte man sich dran gewöhnt haben. Und sobald ich das Zeug im Mund habe, denke ich mir: urgh. Bäh. Mich schüttelts. Iiiih! Ich weiß: WIE UNCOOL. Ich habe Südosteuropastudien studiert und mag keinen Rakija. Ja, das geht. Und ich weiß auch: mit dieser Abneigung wird es schwer jemals irgendwas auf dem Balkan zu erforschen. Adiö ihr Märchen, die ihr von mir entdeckt werden hättet können, adios ihr Drachen bzw. zmaj-Abenteuer und tschüss ihr volkstümlichen Lieder. Nun gut… diese Forschungsaufgabe muss ich anderen Leuten überlassen. Ich muss mich weiterhin wie ein nasser Hund schütteln, wenn ich Rakija nur rieche.

Aber weiter zur Kafana. Bombenstimmung, viel Gegröle, viel Musik, wenig Platz, viel Getanze, viel Alkohol und strapazierte Stimmbänder am nächsten Tag.

Mir wurde noch erklärt: das ist serbischer Lifestyle-vermittelt auch in den Liedern (die ich ja leider nicht so gut verstanden habe). Wie immer… eigentlich kein Geld, aber für Kaffee, Zigaretten und in diesem Fall noch Alkohol muss noch was da sein. Gute Laune, Spaß und Feierei und zu wissen wie man das Leben genießt. Manchmal denke ich bzw. eigentlich bin ich mir sicher: den Deutschen würde eine kleine Scheibe von einer solchen Einstellung gar nicht mal so schaden (naja, dem Rakija ausgenommen – ja ich weiß buuuuuuhuuuuu)

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Das ABC meines derzeitigen Lebens in Belgrad

A wie Arbeit: ich hab mich langsam dran gewöhnt groß zu sein und arbeiten zu gehen 😉 auch an den Arbeitsalltag und meine Aufgaben gewöhne ich mich ganz gut
B wie der Burner: Belgrad ist für mich immer noch der Burner. Ich fühl mich richtig wohl und freue mich jeden Tag, dass ich hier bin.
C wie Cirilica: ja leicht beschummelt, weil wir ja kyrillisch sagen würden: trotzdem: es nervt immer noch. Was zur Hölle haben sich Method und Kyrill damals nur gedacht??? Penner…
D wie Danijela: das ist die serbische Ortskraft bei uns und die ist wirklich sehr nett. Ab und zu sprechen wir auch nen bisschen auf serbisch =)
E wie EDUfair: so hieß die Bildungsmesse in Belgrad, wo ich den DAAD überaus engagiert (auf deutsch/englisch/und auch serbisch) repräsentiert habe
F wie Französische Quiche – das gabs, als ich letztens bei den beiden EVSlern zum Essen eingeladen war
G wie Geduld. braucht man. hab ich immer noch nicht
H wie Homepage: ich lerne wie man sowas macht. ist gar nicht so schwer wie man denkt… und im übrigen ist nun auch ein Bild von mir auf der homepage. total unscharf und total uncool neben carolas superprofessionellem Bild… aber steh ich drüber und macht mir gar nichts aus… is klar 😀
I wie Inliner habe ich heute mit der anderen Lena zusammen gekauft, denn an der Donau/Save(… welcher fluss welcher ist, das weiß kein mensch) kann man ganz toll Inliner fahren und ab jetzt machen wir die Wege unsicher…
J wie Jovan und Jovana. Jovan hab ich wiedergesehen. Denn kenn ich vom Theaterworkshop in Banja Luka, und Jovana, das ist eine Mitbewohnerin von Carola.
K wie Konzert oder auch wie Kings of Strings: So hieß das Konzert. Ivan aus Nis ist extra dafür hergefahren und dann dachte ich mir… ja wahrscheinlich ist es echt ganz gut und hab mir flugs die letzten zwei Karten (die andere war für Carola) gekauft – und so haben wir am Samstag abend in den letzten beiden Reihen des Sava Centars gesessen und haben uns den Wahnsinnsklängen dieser Gitarristengötter hingegeben (und davor habe ich mich einige Stunden mit Ivans Kosovoserbisch herumgeschlagen. Alter da versteht man echt NÜSCHT)
L wie Luxusprobleme: ich habe eins. ich kenne zu viele Menschen in dieser Stadt und ich würde gerne alle öfter sehen, aber irgendwie brauch ich am Tag mehr Zeit. Und irgendwie lernt man immer noch welche kennen. Nach der Arbeit hab ich meistens noch nen Sprachkurs und danach kann ich mich schon auch noch mit Leuten treffen, aber man darf nicht vergessen… ich muss ja früh raus, so als arbeitender Mensch und so…
M wie Masterplan: hab ich noch nicht
N wie Ne znam oder wie Ne razumem – sag ich leider noch zu oft (Ich weiß nicht/Ich verstehs nicht)
O wie Osterferien. Yeeeeeeah, In den deutschen Osterferien kommt mein erstern Besuch! Jucheeeeee!!!!
P wie Pinnnadel oder Anstecknadel. kein Plan wie man das nennt: da hab ich jetzt eine und zwar: haltet euch fest: eine deutsche und eine serbische Flagge zusammen – das steht für die enge Verbundenheit. ja. der Burner. ich weiß
Q wie quasseln – kann ich noch nicht auf serbisch, würd ich aber prinzipiell gerne.
R wie Rajsferslus – oder wie wir das schreiben würden: Reißverschluss – mein lieblingswort der letzten Tage – das kann hier keiner verstehen, dass ich das Wort supi finde. Wenn ich das erzähle gucken mich immer alle doof an. Warum nur.
S wie srpski : ich hab einen Serbischkurs gefunden und da gehe ich jetzt 2 Mal die Woche hin und das ist sehr lustig. Ich lerne zusammen mit 2 Griechen. DIe sind lustig und wir sprechen viel und die 1,5 Stunden sind jedes mal aufs neue sehr unterhaltsam.
T wie Toefl : den gehe ich jetzt an und dafür besuche ich jetzt auch noch einen Vorbereitungskurs 2 mal wöchentlich nach der Arbeit (weil ich ja so viel Zeit habe und mich ständig langweile…)
U wie Ungarisch: kann ich hoffentlich bald sprechen, denn Emese, meine Erasmus-Ungarin kommt Ende März nach Belgrad. Juche.
V wie verdammt gutes Wetter: haben wir seit 3 tagen und es ist so schön. Vor 4 Tagen bin ich noch im Wintermantel rumgelaufen und baaaaam, am nächsten Tag wars T-shirt Zeit. Es ist schön. Das stimmt das Gemüt heiter!
W wie Wahlen. Die sind hier bald. Und es wird spannend. Dürfen die Serben im Kosovo mitwählen oder nicht? welchen Kurs wird die Regierung fahren? Ich finds spannend. Wenn ich von dem Thema anfange verdrehen alle die Augen. Sie können das Thema nicht mehr hören.
X wie x-mal: könnte ich die Fußgängerzone hin und herlaufen – vor bis Kalemegdan und zurück. so schön. und so lebendig und so schööööööön.
Y wie Y: ein satz mit Y das war wohl y
Z wie Zupercool. Belgrad rockt.

PS: Ich kann meinen Enkeln wohl mal erzählen, dass ich in der dt. Botschaft kellnern durfte (ja welch Privileg mir zuteil wird). Die haben einfach mal das Wort „Freiwillige“ – die ich ja bin – zu einem Adjektiv umformuliert und jetzt darf ich am Tag der offenen Tür FREIWILLIG kellnern (unter Umständen sollte man bei der Botschaft auch mal ne Worterklärung mitliefern). Das ist wirklich großzügig. Ich dachte ich hatte mal auf dem Vorbereitungsseminar gehört, dass wir den Leuten hier die Arbeit nicht wegnehmen sollen… ja, hätte man der Botschaft vllt auch mal sagen sollen. Aber gut, wo man sparen kann … is klar. Und ich mach das ja total gerne freiwillig. Hab ja einen Bachelorabschluss, sonstige Qualifikationen… aber hey,… voll cool…

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