…fielen Bomben auf Belgrad. 1999.
Das soll jetzt kein Blogeintrag werden, in dem irgendwem die Schuld in die Schuhe geschoben wird und in dem ich mir anmaße zu sagen was richtig und falsch gewesen wäre. Ich möchte auch nicht den Eindruck erwecken, dass man sich in Serbien ständig mit dem Krieg beschäftigt. Das tut man zwar, aber in einem gesunden Maße (ich fände es verwunderlicher, wenn man sich überhaupt nicht mit dem Thema auseinandersetzt). Aber es war eben gerade erst der 24. März. Und das war für mich ein Anlass mal drüber nachzudenken. So richtig.
Alles, was ich sagen will: das alles ist für mich unvorstellbar.
Man denkt nie darüber nach. Klar liest man in der Zeitung ständig von irgendetwas, was damit zu tun hat (90er Jahre, Kosovo). Von Kriegsverbrechern, Wiederaufbau, Verurteilungen, sonstwas. Das ist ja natürlich. Wäre ja auch komisch wenn nicht. Aber wenn ich das in der Zeitung lese, dann ist es etwas anderes, als wenn ich Poster in der Stadt sehe, die mich daran erinnern, dass vor 13 Jahren die NATO beschlossen hat hier mal ihren ersten Krieg zu führen. Viele Poster. Überall.
Dann fängt man an drüber nachzudenken und dann fängt man auch wieder an die kaputten Gebäude zu sehen, die vor der Bombardierung noch ganz waren und an denen man mittlerweile völlig gedankenlos vorbeigelaufen ist (nicht dass ein falscher Eindruck entsteht… so viele Gebäude sind das nicht). Und man fragt sich wie das so ist, wenn Bomben auf die Stadt fallen, in der man lebt. Und dann stellt man fest: das kann man nicht.
Ich kann es mir einfach nicht vorstellen. Gut, muss man wahrscheinlich auch nicht. Aber jetzt, wo ich hier lebe und wo ich mich hier so wohl fühle und gleichzeitig auch so geborgen – da kommt mir das alles noch ein bisschen surrealer vor.
Diese Stadt – die weiße Stadt – die ist wie bei uns, bloß ein bisschen anders. Diese Stadt ist von uns zu Hause gar nicht weit entfernt?! Man setzt sich in ein Flugzeug, in einen Bus, einen Zug und schwupps ist man da. Man braucht keine Tage, man braucht kein Vermögen. Das alles ist einen Katzensprung von uns entfernt. Wie krass ist es denn, dass man nichts drüber weiß?
Es ist nicht lange her. Für Leute in meinem Alter, die hier groß geworden sind, ist das alles gar nicht so unvorstellbar. Sie müssen sich das auch nicht vorstellen, da sie ja zum Teil dabei waren.
Und ich bin groß geworden in meiner friedlichen Welt in Deutschland, noch friedlicher: Bayern. Dort, wo der Krieg schon ewig zurückliegt. Der Krieg, den man langsam Stück für Stück aufgearbeitet hat und immer noch aufarbeitet. Man ist schon eine große Strecke diesen Weges gegangen und geht immer noch weiter.
Ich bin aufgewachsen – sicher vor allem Bösen und Gefährlichen. Ich war ein Jahr alt und alles ist noch friedlicher geworden. Ost und West vereint. Wir sind das Volk. Und alles, was mich bis jetzt beschäftigt (und wovon ich wenig wusste) ist die DDR-Zeit – doch auch die liegt schon eine Weile zurück.
Wie absurd. Bei uns die Einigkeit. Und dort der Zerfall.
Man denkt viel zu selten drüber nach wie glücklich/dankbar man sein sollte – glücklich darüber, was für ein Glück man hatte. Ich bin in Deutschland geboren. Man denkt zu selten über so etwas nach.