Klappe die Zweite

Mittlerweile bin ich also schon über eine Woche (doch so lange…) in Belgrad und ich dachte es wird Zeit mal wieder von meinen Erlebnissen hier zu berichten.

Irgendwie kommt es mir schon länger vor als 10 Tage… ich habe schon so viel erlebt, dass ich gar nicht weiß, wo ich so anfangen soll.

Zunächst vielleicht mit meinen Erfolgserlebnissen. Straßenbahn- und Busproblem? Für mich niemals… das wäre ja lächerlich. Als ob bei dem ganzen elektronischen Kram was nicht klappen könnte. Ambitioniert wie ich bin wollte ich mir direkt am 1. März die so berühmte (aber auch berüchtigte) Busplus-Karte kaufen – heißt, die aufladbare Busfahrkarte, die ich dann immer total professionell an den Automaten schrubbern muss.

Ich hab mich vorher erkundigt, was ich dafür brauche, schließlich will ich ja nicht umsonst hingehen. Das alles war übrigens letzten Donnerstag, als ich dann gleich weiter nach Novi Sad gefahren bin – zur Messe. Mein geheimer Plan im Kopf war ja, dass ich nen Bus so um 11:30 nehme, dass ich von der Messe auch am Donnerstag schon was mitnehme. Also bin ich früher aufgestanden, um mir die Buspluskarte im Zentrum ausstellen zu lassen. Ich hatte alle Unterlagen dabei: eigentlich war das nur mein Pass und die Registrierungskarte, die man bei der Polizei bekommt. Dann hab ich zunächst den Schalter nicht gefunden… komisch. Der Platz sieht ungefähr so aus: Pizzastand, Bäcker, Pizzastand, anderer Bäcker, Busplus, Pizzastand, Bäcker, Döner – komisch, dass man die 1×2 Meter Kabine von Busplus übersieht. Naja, ich hab den Block 2 Mal umrundet und dann irgendwen gefragt, weil ich natürlich nicht gecheckt habe, dass ich direkt davor stehe. Außer mir waren da auch noch etwa 10 andere Menschen… die auch so eine Karte wollten. Und die waren alle vor mir. Aber wie ich mir das hier ja so total problemlos angewöhnt habe: da steh ich natürlich drüber. Weil ich will ja nicht so deutsch sein. Ich bin nicht ungeduldig. Nein ich doch nicht. Alles kein Problem. Nema problema. Uopce nema problema… nach 2 Stunden (kein Witz) war ich schon fast dran. Aber dann hat sich die Schalterfrau noch überlegt, dass sie gerne eine Pause machen würde und als ich dann nach 2,5 Stunden an den Schalter gekommen bin, hat mir die Frau eiskalt erklärt, dass ich meinen Pass hätte kopieren müssen. Weil sie braucht ne Kopie. Aber ich kann ja jetzt kopieren gehen und mich dann nochmal anstellen.

Ja, NEIN. Hab ich mir gedacht. Und gedacht habe ich mir noch so einiges mehr… aber ist ja alles kein problem. Macht mir ja nichts aus. War ich mal 2,5 stunden umsonst rumgestanden… kein ding. hab ich halt den Bus um 14 Uhr nach Novi Sad genommen. Ohne Buspluskarte. Kein Ding, wieso auch…

Ok, ich gebs zu. Alter hat mich das genervt. Und man hatte ich schlechte Laune… also habe ich beschlossen, dass ich erstmal nach Novi Sad fahre und mich bei meiner Rückkehr um die Karte kümmere. War auch gut. Die Fahrt durch den Vorort Belgrads Zemun und die schöne Landschaft der Vojvodina haben mich gleich milde gestimmt und dann war ich auch wieder gut drauf… Aber den Plan mir eine Busplus-Karte zu organisieren habe ich natürlich nicht aufgegeben, sondern nur aufgeschoben. Denn ich hab mir die dann am Samstag organisiert. Da war ironischerweise kein Mensch angestanden und die Frau war sehr nett zu mir. Und ich habe jetzt ein tolles Bild auf meiner Busplus-Karte, auf dem ich total sympathisch schiele, weil ich so angestrengt in diese Kamera geglotzt habe. Aber egal. Nema problema. Ich schubber die Karte ja eh ständig an so Automaten. Was ich nie verstehen werde ist übrigens, warum man in Osteuropa oft (ohgott. jetzt pauschalisiere ich fast schon…) bei so Dokumentenzeugs immer den Namen seines Vaters angeben muss. Ich bin ja mit 23 auch langsam groß… und was das mit meinem Paps zu tun hat, dass ich in Belgrad Busfahren möchte, das habe ich auch nicht so ganz verstanden. Aber gut. So ist das eben. Na, was ich eigentlich sagen wollte: ich bin jetzt stolze Besitzerin einer Busplus-Karte (alles kein ding, nema problema und so :D)

Auf der Messe in Novi Sad war es ganz nett eigentlich. Vom Prinzip her irgendwie nicht ganz so unsere Zielgruppe, weil viele Schüler da waren und die Stipendienprogramme, die wir hier in Serbien vom DAAD so haben, die gibt’s für keine Bachelorstudiengänge. Aber mir hat die Messe sehr viel gebracht, weil ich mir bei den meisten Fragen der Leute gedacht hab: „Ja, gute Frage. Kein Plan“. Aber jetzt weiß ich schon viele Antworten und hab ein klein wenig Ahnung von all dem Zeug hier.

Der DAAD ist irgendwie auch so ein spezieller Haufen. Wenn man den richtigen DAAD-Leuten mal zuhört kommt man sich immer ein bisschen vor wie im MfG-Lied der Fantastischen Vier (und ja Vincent, die finde ich immer noch doof) – eine Abkürzung nach der anderen. Und ein Laie wie ich sitzt da und schreibt oft nur Zahlenkombinationen, Buchstabenkombinationen auf, die ich später alle so nachgoogle oder auch total langweilig nachfrage…  (HSK, ISK, KF, FSK, FSL, BMBF,GIZ,IRS,…) und außerdem müssen in die Sätze des DAAD auch einige Anglizismen eingefügt werden, sonst ist es nicht authentisch 😉

Naja, ich wird mich da schon reinfuchsen wie mein Chef da sagen würde. Der hat sich jetzt auch überlegt, dass ich, weil ich ja so jung und damit irgendwie auch hip bin – höhöhö – mir mal total spannende Sachen für Facebook und die Homepage überlegen kann. Ja, das mit dem Jungsein… das nehme ich hin. Das ist ja wie Balsam auf meiner 23jährigen Seele, aber ähm ja: internet. Da geh ich gleich morgen zum Laden und frag ob sie noch eins haben… ne quatsch, aber naja, so ein hippes PC-Kind bin ich nunmal auch nicht. Auch wenn ich junge 23 bin 😉 Mal sehen, auch in sowas kann ich mich reinfuchsen, hehe.

Am Wochenende dachte ich kurzzeitig, dass ich meine Winterjacke wegsperren kann. Das war falsch. Heute war es wieder sehr kalt… aber es ist nur noch eine Frage von Tagen, bis es endlich schön bzw. warm wird. Denn schön ist es ja. Die Sonne scheint und stimmt die Gemüter froh.

Am Donnerstag gehe ich zu einer Probeserbischstunde in ein Spracheninstitut. Mal sehen was dabei rauskommt. Ich hoffe das ist was für mich. Mein Serbisch… nun ja. Ich arbeite daran. Ich hätte trotzdem gern einen Schalter zum umlegen. Zur Zeit lese ich ein schnulziges Buch auf serbisch – ja, nicht die spannendste Kost, aber relativ leicht zu lesen und ich bin schon auf Seite 100. Und weil ich es mir ja nicht zu leicht machen will, habe ich auch angefangen mir eine Zeitung zu kaufen. Die Politika. Denn die Politika ist auf kyrillisch. Und weil Dejan, mein Mitbewohner für 6 Tage, ja mittlerweile nach Deutschland ausgeflogen ist, lese ich mir die Zeitung nun selbst laut vor. Das ist enorm spaßig und ich glaube ich habe selten so viel gelacht, wenn ich allein in einem Zimmer war. Ich lese so lustig… weil ich mich mit dem kyrillischen einfach so saudoof anstelle… das geht echt gar nicht. Aber ich werde nicht aufgeben und lese mir am Tag mindestens eine Seite laut vor. Bis zum bitteren Ende und bis zu den Lachtränen.

Jaaaa, das Sprechen… das ist noch so eine Sache, aber das muss ich mich jetzt einfach mal aufraffen und mich zwingen. Echt. Ich bin doch alt genug…

Hm, was gibt’s sonst noch so. Ach ja, am Donnerstag beginnt in Belgrad die nächste Messe und die läuft bis Samstag. Da haben wir also auch wieder gut zu tun. Daneben bin ich morgen bei 2 EVS-lern zum Abendessen eingeladen. Die beiden kenne ich von einem Training, das ich im Oktober in Kladovo gemacht habe und als die gehört haben, dass ich in Belgrad bin, haben sie mich gleich eingeladen. Außerdem will ich mich noch mit einem anderen Bekannten, den ich wiederum vom Theater.-Workshop in Bosnien kenne und der jetzt in Belgrad studiert, treffen, dann muss ich mich irgendwie erfolgreich um einen Tandempartner kümmern… ihr seht ich habe viel zu tun. Langweilig wird mir so schnell also nicht.

PS: Kein Plan, ob jetzt immer noch die komische Kommentarfunktion aus ist. Das war sie nämlich bei meinem ersten Eintrag – nicht weil ich mich vor bösen Kommentaren fürchte (ach was, ich doch nicht), sondern… ich hab keinen Plan, was/ob ich was gedrückt habe, dass die Kommentarfunktion geschlossen ist. Ich hab mich schon einige Zeit damit beschäftigt, ohne Erfolg. Falls es immer noch nicht geht, dann bin ich für hilfreiche (und sinnvolle) Tipps sehr dankbar =)

Ach ja, und Bilder gibts dann das nächste Mal. Bisher war ich zugegebenermaßen zu faul.

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This is only the beginning…

Zunächst:

um niemals bei einem Vortrag „fair berichten“ zitiert zu werden… möchte ich hier betonen, dass es sich IMMER und AUSCHLIEßLICH um meine eigene Meinung und meine eigene Sicht handelt. Falls ich Man-Sätze benutze, meine ich das nicht so. Worte wie pauschal, generell und prinzipiell dürfen ignoriert werden, genauso wie Rechtschreibfehler. Und vom gemeinen Serben werde ich wahrscheinlich wirklich eh nichts schreiben. und wehe, meine Sätze werden aus dem Kontext genommen… So, nun gehts los:

Zdravo!

Endlich finde ich die Zeit über meine ersten Tage zu berichten. Im Prinzip hat alles gut geklappt. Der Abschied von meinen Freunden und dann von meiner Familie am Frankfurter Flughafen (total unspektakulär ohne Streik) war nicht schön und hat mich mal wieder zu dem Gedanken gebracht: ach Lenni, warum gehste eigentlich ständig weg? Aber auch diese Gedankengänge kenne ich schon. Mit meinen 2 Gepäckstücken (ole ole super JAT airways) und mit einer Riesenerkältung bin ich dann also losgeflogen. Im Flugzeug dachte ich kurzzeitig, dass es Loopings macht, solange bis ich gecheckt habe, dass das mein Kopf ist, der den Druckausgleich auf beiden Ohren nicht hinbekommen hat. Ein Ohr Riesendruck, anderes Ohr kein Druck führt also zum Gefühl von WIkingerschiff mit Überschlag. Alter, war mir schlecht. Das war ohne Witz, das erste Mal, dass ich nach der Kotztüte geschaut habe… Dann hatte ich noch das Gefühl, ich kippe um, aber nach 15 Minuten totalen Leidens hatte ich raus, was ich machen muss… die Gähnbewegung. Ununterbrochen. Gottseidank fliege ich mit Kulturweit nur total unspektakulär nach Belgrad, denn länger als 1,5 Stunden hätte ich am Stück keine Gähnbewegung machen können. Und ich war so schon völlig fertig und übelst froh, als wir gelandet sind. Vom Flughafen wurde ich dann ohne jegliche Probleme von meinem zukünftigen Chef und der Kulturweit-Freiwilligen, die verlängert hat und auch beim DAAD arbeitet, abgeholt, allerdings war ich doch ein kleinwenig enttäuscht, dass es kein Schild mit meinem Namen gab… Da wäre ich mir gleich wichtig vorgekommen. Nach einem kurzen Kaffee in der Stadt wurde ich von meinem Mitbewohner (zumindest für 6 Tage) abgeholt und der hat mich nach Haus gebracht.

Ich wohne in einer superschönen Wohnung, nicht zentral, aber ich bin trotzdem sehr zufrieden. Ich kenne mich auch schon fast aus mit den tausend verschiedenen Bussen und Straßenbahnen. Ich bin eben ein Dorfkind. Innerlich feiere ich immer, wenn ich irgendwo erfolgreich angekommen bin…  Dejan, mein Mitbwewohner, der leider morgen für 5 Monate nach Deutschland geht, ist eine Wucht – spricht so toll deutsch, tanzt „irish dance“ und ist dabei noch nett. unglaublich. Was ich von ihm mitbekomme ist, dass sein Tag mehr Stunden haben muss als meiner. Ständig kocht und backt er (meistens Muffins für seinen Abschiedsabend mit den Germanisten oder auch für den Abschiedsabend mit den Irish-Dancern) wenn er eben nicht grad tanzt und er gibt jeglichen Sprachunterricht und dann geht er abends noch aus. Dank Dejan, habe ich auch schon erste neue Kontakte. Ich kenne viele Leute, die wunderbar deutsch sprechen, aber mit denen ich von nun an überwiegend auf serbisch kommunizieren werde – mein Entschluss. Da müssen die durch – als Lurch. Ich bin das Bild, der Rest ist nur der Rahmen. Serbisch spreche ich übrigens auch mit Dejans Mutter, die seit gestern hier ist. Die kann nämlich nur serbisch und ich glänze natürlich total mit meinen Kenntnissen (jaaa, hust…). Dejan meinte vorher noch so: wunder dich nicht: wenn sie da ist, dann fängt sie immer gleich an zu putzen. Und das stimmt in der Tat. Und das… obwohl die Wohnung erstens gar nicht groß ist und zweitens eigentlich sehr sauber ist. Dann hat sie heute morgen unglaublich früh (für mich) Pfannkuchen/Eierkuchen/Plinsen/Crepe/Palatschinken/…ihr wisst Bescheid… gemacht. Ich muss um kurz nach 8 los, dass ich pünktlich auf der Arbeit bin (ich will ja am Anfang noch einen guten Eindruck machen…) und bis um 8 hatte sie schon einen riiiiiieeeeeesigen Stapel fertig. Also die Energie, die bei dieser Familie anzutreffen ist… beeindruckt mich schwer.

Benedikt und Lena, die anderen Freiwilligen in Belgrad habe ich auch schon getroffen. Wir wurden unbekannterweise alle schon von Benedikts Mitbewohnerin eingeladen. Hach, alle sind so nett.

Jaaaa, ansonsten. Gestern hatte ich meinen ersten Arbeitstag beim DAAD. Das war irgendwie spannend (spannend ist übrigens auch das Busfahrkartensystem in Belgrad. Alles so hightechmäßig… ich wünschte es gäbe noch Papierzettelchen zum abstempeln. Ja, no way: ab jetzt heißt es: tolle Chipkarten zum aufladen) so, also es war spannend beim DAAD, naja, am Anfang. Mein Chef erinnert mich ziemlich an Stromberg. Ob das gut ist oder schlecht, das wird sich noch herausstellen. (Wenn er das liest… ja, blöd gelaufen.) Ansonsten ist das Infozentrum vom DAAD nicht groß, aber das habe ich ehrlich gesagt auch nicht erwartet. Von Donnerstag auf Freitag darf ich schon auf ne Messe nach Novi Sad fahren. Das ist supi und da freue ich mich jetzt schon 🙂 Und ständig sehe ich tolle neue Studiengänge, von denen ich noch gar nicht wusste, dass es sie gibt. Ansonsten besteht meine Aufgabe erstmal darin, dass ich mich einlese. Einlese in was der DAAD so macht, in die Mails, in Statistiken, in sonstige Sachen, in die man sich einlesen kann. Noch bin ich also nicht überfordert.

Gut, jetzt muss ich noch regeln, dass ich mich bei der Polizei angemeldet bekomme, weil muss man machen und so.

Aber mein Fazit für die ersten Tage: Juche Belgrad Juche! Zivot je super u Beogradu!

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