Welche Brücke?
Na die von Ivo, sag ich.
– Welcher Ivo?
– Na der Andric’s Ivo!
– Wer ist das denn?
– Na der Literatur-Nobelpreisträger… Is doch klar wie Kloßbrühe 😉
Ja genau der Ivo – der hat doch mal „Die Brücke über die Drina“ geschrieben. Gut, ich gebe auch zu… das Buch… naja, gehört nicht zu meinen Lieblingsbüchern. Aber dennoch ist es Anlass genug sich auf den Weg nach Visegrad zu machen, wo sich diese nette Brücke seit geraumer Zeit befindet (um nicht zu sagen… schon immer). Zumindest haben sich das Carola und ich so gedacht. Deutsch wie wir sind haben wir Pläne geschmiedet und uns überlegt, was man sonst noch so machen könnte. Es lag auf der Hand: Mokra Gora. Hintergrund unserer Reisepläne war ein verlängertes Wochenende, weil das orthodoxe Ostern eine Woche nach unserem gefeiert wurde und uns so arbeitsfreie Tage beschert hat.
Schöne Sache mit der Planerei, wenn man bedenkt, dass am Ende nur etwa 50% davon geklappt hat. Das ganze fing recht semierfolgreich an. Wir haben uns um 06:45 am Busbahnhof getroffen (ja, jetzt überlegt euch mal, wann ich wohl aufgestanden bin. Früh wars…), um in den direkten Bus nach Visegrad zu steigen. Schöner Plan. Aber die nette Frau am Schalter hat uns erklärt, dass wir das mal schön verlöten können, weil im Bus kein Platz mehr für uns ist. Das war echt das erste Mal, dass mir das passiert ist. Kann ja keiner ahnen, dass die Belgrader ihre Stadt zu Ostern wie bei einem Exodus in Scharen verlassen… gut: die andere Möglichkeit, die uns angeboten wurde war: Nehmt den Express (man betone das Wort EXPRESS!!!)-Bus nach Uzice. Der ist schneller als der andere Bus, den wir eigentlich nehmen wollten und ab Uzice sind in dem anderen Bus sicherlich wieder Plätze frei und wir können zusteigen. Schöner Plan. Wer rechnet auch damit, dass der blöde Expressbus sich an diesem Freitag überlegt hat gar nicht mal so expressmäßig unterwegs zu sein. Das Ende vom Lied war dann… wir standen in Uzice, wo wir im Prinzip am Freitag gar nicht hinwollten und der andere Bus, in den wir einsteigen sollten, der war natürlich schon längst weg. So hatten wir einen wunderbaren Aufenthalt von 4 Stunden in dem Städtchen Uzice. Ja, auch mal schön. Aber ja. 4 Stunden sind auch fast schon ein bisschen zu lang 😉
Es war nicht so schlimm, Kaffee und Zigaretten machen jeden Aufenthalt in einer balkanischen Stadt zu einem angenehmen Aufenthalt. Nach einem Spazierganz quer durch die Stadt und Kaffee ging es dann 4 Stunden später weiter nach Visegrad. Endlich.
Und da war sie: die Brücke. Ja, ich weiß, ihr denkt jetzt: was hat denn die Alte, dass die sich hier so in Ekstase schreibt, bloß wegen ner Brücke. Aber ich sags euch, das ist echt ne schicke Brücke und die Drina macht sich auch ganz gut als Fluss. Wirklich. Ich hör jetzt auch auf, das weiter zu beschreiben, denn da ich kein begnadeter Schriftsteller bin, gelingt mir das eh nicht meine Begeisterung auf andere überschwappen zu lassen…
Carola und ich hatten auf jeden Fall unsere Freude an der Brücke und an der Tatsache, dass wir in Visegrad waren. Am Abend haben wir dann noch das überschauliche (ja Carola, überschaulich) Städtchen erkundet und uns gemeinsam gefreut, dass wir bei der Brücke sind. Man, ich klinge als hätte ich ein Brückenfetisch…
Am nächsten Tag gings zurück nach Serbien. Schon am Vortag hatte ich das Gefühl den Leuten an der Grenze ist es herzlich egal wer hier rübergeht oder fährt… aber zumindest mussten wir am Vortag noch unseren Pass abgeben… Bei der Ausreise wurde der Busfahrer nur gefragt wieviele Leute er dabei hat. Er sagt: 5. Der freundliche Grenzmann sagt: ja, dann fahr halt bitte weiter. Schön.
Und so sind wir weitergefahren und in Mokra Gora ausgestiegen. Moka Gora soll zwar ein Dorf sein, aber im Prinzip sind es nur Häuser an einer Straße und man hat keinen Plan wo was ist. Aber dadurch, dass alles so klein ist, hat man auch ohne Karte und ohne Plan das Gefühl, dass man früher oder später eh alles findet. Und so war es auch. Nach 5 Minuten oder auch 10 standen Carola und ich vor unserer Unterkunft. Dem Bahnhof. Kein Witz. Ein sehr angenehmes Motel direkt am Bahnhof. Klingt schlimmer als es ist, denn an dem Bahnhof fährt ja eh nur 3 Mal am Tag der Tourizug ein und aus und der Fernseher mit montenegrinischen Soaps ist nicht zu verachten und beschert einem gute Unterhaltung, wenn es draußen regnet. Das hat es nämlich leider des öfteren.
Die folgenden zwei Tage haben wir Mokra Gora erkundet und Küstendorf (drvengrad). Das hat der bekloppte Filmemacher Emir (ich hab mir sagen lassen mittlerweile heißt er Nemanja, weil er sich hat orthodox taufen lassen, um noch ein bisschen serbischer als Serbe zu sein) Kusturica. Dieses spaßige kleine Dorf steht da jetzt rum und funigert vor allem als Touri-Ort und dort findet wohl auch immer ein Filmfestival statt, bei dem sogar mal Johnny Depp gewesen sein soll. Na im Prinzip ist das alles ganz lustig anzusehen. Die Straßen haben lustige Namen (benannt nach Federico Fellini, Bruce Lee, Maradona, Djokovic, und nicht zuletzt auch nach Che Guevara) und es herrscht eine äußerst künstlerische, aber auch künstliche Stimmung. Außerdem gibt es keine Cola und auch sonst keine kapitalistisch-amerikanistisch angehauchten Sachen. Spaßig. Kann man sich schon mal drauf einlassen – 2 Tage. Aber da hat man sich dann schon aus Prinzip, wenn man zurück im Motel war, ne Cola gekauft…
Am anderen Tag sind wir noch mit dem lustigen kleinen Zug „Sarganska Osmica“ gefahren. Ich gebe es zu: das hat mich alles überfordert. Im Prinzip ist Mokra Gora ein Nest und man kann sich nicht wirklich vorstellen, dass viele andere Menschen so bekloppt sind wie man selbst und dorthin fahren. Dazu kommt noch, dass sich Serbien in Bezug auf Touristen ja jetzt nicht immer so toll anstellt. Und was ist da mitten in der Pampas??? Das totale Touristenparadies und noch verrückter: ziemlich viele Touris. Ich dachte ich werd bekloppt. Sitzt man da plötzlich mit den anderen Leuten, wo auch immer die 100 plötzlich hergekommen sind, in einem Zug und wird zunächst von Informationen auf serbisch und englisch beschallt. Dazwischen schart sich noch eine japanische Reisegruppe. Dann kommt noch Balkanmucke und es wird einem erklärt wo man aus dem Zug rausschauen soll: a la : zur linken sehen Sie… und nun zur rechten… – das wiederum hat zur Folge, dass alle Leute ständig von einer Seite zur anderen laufen. Völlig bekloppt. Das war echt zu viel für mich… aber nach einiger Zeit habe ich mich an meine Umgebung gewöhnt und bin einfach in den Tourimodus gesprungen und habe lustige Videos gedreht.
Der Tag der Rückreise wurde uns sehr erleichtert. Denn wie es der Zufall so will, hatte Carola Bekannte, die zur selben Zeit wie wir in Mokra Gora waren. Und zufälligerweise hatten die ein Mietauto, in das wir auch noch reingepasst haben. Das war wirklich super und eine total angenehme Rückreise, wenn man nur mal kurz an unsere Hinreise zurückdenkt.
Mit dem Auto hat man natürlich auch noch mehr Freiheiten als mit dem Bus. Man kann zum Beispiel an einem Kloster anhalten. Genauer gesagt haben wir nicht am Kloster angehalten, sondern davor und den Rest (Berg, aber wirklich Berg) sind wir locker flockig hochgewandert. Kaum waren wir drin, kam eine Nonne angesprungen, die uns total überfreundlich durch das Kloster geführt hat und uns von Reliquien von Maria Magdalena und sonstigen Heiligen erzählt hat und natürlich konnte sie uns die Reliquien alle zeigen. Mensch, da war mal was los früher. Mit all den Heiligen, und alle haben was abgegeben. Ist klar. Nun gut, aber im Prinzip, nette Nonne. Dann wurden wir noch bewirtet. Hallo? Da wird einem schon im Kloster Rakija serviert? Nonnen, die einem am frühen Nachmittag zum Schnapstrinken anregen… is klar. Wahrscheinlich sind die auch nicht immer ganz so nett, aber es war eben Ostermontag und wahrscheinlich sind da alle Nonnen gleich noch ein bisschen netter und schenken noch mehr Rakija aus… wer weiß das schon. Mir war das ganze beinah ein bisschen zu nett… das hätte auch die Kulisse eines Horrorfilms sein können. Ok, das war gemein. Vielleicht waren sie wirklich einfach nur nett.
Ich habe die serbischen Ostertage auf jeden Fall wunderbar verbracht und bin unglaublich glücklich, dass ich in Visegrad war und in Mokra Gora mit der kleinen Bahn gefahren bin. Geschafft ist man nach so einem Urlaub natürlich trotzdem, aber das nimmt man doch gerne in Kauf.
Und bevor jetzt wieder alle motzen, dass ich keine Bilder hochgeladen habe… es kommt viel besser. Es gibt ein Video. Allerdings kann ich das hier nicht hochladen, weil es zu groß ist oder ich zu blöd. Wahrscheinlich letzteres. Wen es interessiert, der darf sehr gerne unter dem folgenden Link das Video begutachten. Ich weiß die Qualität könnte besser sein. ist sie im Prinzip auch, aber irgendwie musste ich es kleiner machen, um es hochladen zu können, aber wahrscheinlich bin ich nur mal wieder zu blöd, was das anbelangt… egal: hier ist also nun das Meisterwerk:
http://lenni-lennox.blogspot.com/2012/04/visegrad-mokra-gora.html
lenaaaaaa. mehr videos bitte! 🙂 das war so lustig! die brückeeeeeeeee….
ohhh war das schön deine stimme wieder zu hören, deine lustigen *huch-ich-bin-gestolpert-geräusche*, und dich zu sehen 🙂 ich vermiss dich sehr!
wow, von wegen du bist nicht so der Experte mit Video hochladen und so… das hast du ja mal total professionell geschnitten, mit Kommentaren usw., Respekt! Schön, dass wir auch ein bisschen an eurer Reise teilhaben durften!
Für den TOEFL drück ich dir alle Daumen!!
Te pup (damit du auch dein Rumänisch nicht vergisst… ;-))
Mein Muckipucki, du fehlst mir auch!
Die Brücke…der Ivo… der Emir… faszinierend! Aber echt cooles Video! Du fehlst mir!!! Aber das weißt du ja schon!