Kafana – wie das Leben sein sollte

Ja, vergesst Cola-Zero. Kafana braucht man im Leben. Die Unwissenden unter euch fragen sich jetzt… ist das was mit Kaffee? Und die Wissenden SOEler werden lächelnd mit dem Kopf nicken. Ja, im weiteren Sinne ist es das. Oder nein. Irgendwie auch nicht. Eher Bier und Rakija.

Am Freitag war ich mit Miljana, das ist Benedikts Mitbewohnerin und mit Benedikt und mit noch ein paar Leuten in einer urigen Kafana in Zemun (Vorort von Belgrad). Das war knorke! Um 10 abends haben wir uns getroffen und los gings. Wir hatten glücklicherweise dank Miljana eine Reservierung, denn ohne kommt man nicht rein bzw. hat man keine Chance auf einen Tisch. Erstmal haben wir die Kafana nicht so einfach gefunden. Man läuft da also auf Kopfsteinpflaster zwischen kleinen Gässchen umher und sucht die „Location“. Miljana war sich irgendwann sicher, dass wir richtig sind – bei der Nummer 10.

Wir waren ja ein klein wenig skeptisch. Denn die Nummer 10 sah aus wie ein Haus. Ein stinknormales Haus. Ganz normal ?! So richtig normal. Aber dann hat uns Miljana erklärt, dass das so sein muss, weil das ist Tradition und früher unter den Osmanen, als man keinen Spaß, keine Feierei haben durfte, da musste man das auch so tarnen. Ja. Klingt logisch. Also haben wir geklingelt. Nichts passiert. Keine Reaktion… Langsam waren wir uns dann doch nicht mehr so sicher mit der Nummer 10 und nach einem Anruf war klar: das Haus sieht nicht nur aus wie ein stinknormales Haus, es ist ein stinknormales Haus… ja blöd… kann passieren, wenn sich diese Kafanas auch so verdammt gut tarnen müssen.

Gut, haben wir den Hausbesitzer halt mal so ein bisschen rausgeklingelt und wir zogen weiter Richtung Nummer 7 – wo die Kafana dann auch wirklich war.

Das Haus sah trotzdem immer noch sehr unspektakulär und klein aus. Geht man rein, befindet man sich quasi in einer Wohnstube mit einer wie uns erklärt wurde obligatorischen Tapete (60er Jahre Stil) und kleinen Tischchen und Stühlchen und allgemein ist alles irgendwie klein und eng und man fühlt sich wie bei Schneewittchen und den sieben Zwergen. Das Gefühl verschwindet dann allerdings, wenn die anderen Gäste die Kafana betreten (außer vielleicht es ist ein serbisches Schneewittchen mit serbischen Zwergen): kaum sind alle drin (eigentlich zu viele für den Raum) geht die Stimmung los. In die Wohnstube, in der eigentlich eh kein Platz mehr ist, wird noch ein Kontrabassist reingeschoben, ein Gitarrist, einer mit nem Akkordeon und einer mit ner Geige und los geht’s mit den Liedern, die jeder kennt und die jeder mitsingt und bei denen jeder mittanzt und bei denen man sich als Deutscher total deutsch vorkommt. Ich wünschte ich hätte mitsingen können. Mittanzen musste man früher oder später eh. Da hatte man keine Wahl. Mittrinken musste man auch, denn es ging mir mal wie immer: Bäm, einmal nicht aufgepasst und schon steht ein Rakija vor meiner Nase. Und wie immer denke ich mir: naja, einen trink ich… so schlimm kanns ja nicht sein. Irgendwann sollte man sich dran gewöhnt haben. Und sobald ich das Zeug im Mund habe, denke ich mir: urgh. Bäh. Mich schüttelts. Iiiih! Ich weiß: WIE UNCOOL. Ich habe Südosteuropastudien studiert und mag keinen Rakija. Ja, das geht. Und ich weiß auch: mit dieser Abneigung wird es schwer jemals irgendwas auf dem Balkan zu erforschen. Adiö ihr Märchen, die ihr von mir entdeckt werden hättet können, adios ihr Drachen bzw. zmaj-Abenteuer und tschüss ihr volkstümlichen Lieder. Nun gut… diese Forschungsaufgabe muss ich anderen Leuten überlassen. Ich muss mich weiterhin wie ein nasser Hund schütteln, wenn ich Rakija nur rieche.

Aber weiter zur Kafana. Bombenstimmung, viel Gegröle, viel Musik, wenig Platz, viel Getanze, viel Alkohol und strapazierte Stimmbänder am nächsten Tag.

Mir wurde noch erklärt: das ist serbischer Lifestyle-vermittelt auch in den Liedern (die ich ja leider nicht so gut verstanden habe). Wie immer… eigentlich kein Geld, aber für Kaffee, Zigaretten und in diesem Fall noch Alkohol muss noch was da sein. Gute Laune, Spaß und Feierei und zu wissen wie man das Leben genießt. Manchmal denke ich bzw. eigentlich bin ich mir sicher: den Deutschen würde eine kleine Scheibe von einer solchen Einstellung gar nicht mal so schaden (naja, dem Rakija ausgenommen – ja ich weiß buuuuuuhuuuuu)

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Eine Antwort zu Kafana – wie das Leben sein sollte

  1. anne sagt:

    der rakija…. ich hab dich gewarnt!
    ps. serbischer lifestyle heißt in jena balkan prinzip… das können wir ganz gut: jeden tag im kaffee unser budget strapazieren 😀

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