Ich bin jung!

…hab ich mir gedacht, als mich mein Chef fragte, ob ich weiß wie das hier mit dem Versenden von Telegrammen funktioniert. Da ich nicht mal genau weiß, was ein Telegramm ist, habe ich natürlich auch keinen Plan wie man eins in Serbien (geschweige denn in Deutschland) versendet. Und weil ich nun gestern gelernt habe, was ein Telegramm ist, schreibe ich auch die Erlebnisse meiner vergangenen Wochen in Serbien im Telegrammstil. Kurz und bündig. Null problemo und so…

Ich wollte nicht ins Gefängnis. Auch nicht in ein anderes Land fliegen. Trotzdem habe ich mich so gefühlt. Habe den Toefl-Englisch-Test geschrieben. Wurde mit Metalldetektor untersucht. Musste Hosentaschen vor Kameras nach außen drehen. Jedes Mal beim Betreten des Raumes mein Gesicht neben meinen Pass in die Kamera halten. Sichtscheibe. Fühlte mich wie bei der Polizei. Raum musste 22-23Grad haben. War mir zu kalt. Später zu warm. Mein ausgezogener Pullover darf nicht einfach über meinem Stuhl hängen. Ich könnte ja bescheißen. Weiß zwar nicht wie. Aber egal. Ich weiß auch nicht was mir eine eingeschmuggelte Feile, ein Revolver, sonstige metallische Gegenstände beim Test hätten helfen können. Wenn ich wen erschießen wollte, hätte ich das auch im Vorraum machen können. Egal. Keine Motzerei. Ergebnis ist irgendwie unrealistisch, aber bombengeil im Lebenslauf und bei Bewerbungen.

Kellnern in der Botschaft. Kein Kommentar. Ach doch: Später irgendwann mal in ner Botschaft arbeiten? Die Antwort fällt bei mir eher negativ aus.

Meine Eltern zu Besuch: coole Eltern. Selbstständig und weltoffen. Stolze Tochter 🙂 Viel gelaufen. Die schönste Stadt der Welt präsentiert. Den Mund fusselig geredet. Museumsnacht. Zu viele Menschen dafür, dass alle sagen, dass sie in Belgrad noch nie in einem Museum waren.

Präsidentenwahlen: Kotzerei. Nikolic hat gewonnen. Unglaublich. Überraschend. Für alle. Am meisten wahrscheinlich für die EU… haben sie Tadic ja mal kaum unterstützt. Trotzdem hat die EU unabsichtlich Herrn Nikolic schon um 17 Uhr zum Sieg gratuliert, obwohl die Wahllokale noch offen waren. Da hat einer zu früh ausversehen auf senden gedrückt. Tja, blöd gelaufen. Super EU Schalalala. Wird Zeit, dass sie endlich mich einstellen. Nun gut. Deutschland und der restliche Westen malen für Serbien eine schwarze Zukunft und vergessen dabei, dass sie leicht übertreiben. Ja, Nikolic ist ein Depp. Trotzdem ist er nur Präsident, und die Regierung wird trotzdem wahrscheinlich von den anderen gestellt. Es ist also eher ein Patt. Stillstand. (Meiner Meinung nach.) Frage ist wo das Untergangsszenario der westlichen Medien genau ist… Interessantes Interview in der FAZ mit dem frischgebackenen Präsidenten. Das zeigt: er ist ein Trottel, der echt zu viel Nationalismus zum Frühstück gegessen hat. Andererseits frage ich mich: warum die FAZ fast ausschließlich auf der Vergangenheit rumreitet. Nicht der beste Journalismus finde ich, weil von vornherein klar ist, was für ein Bild vom serbischen Präsidenten vermittelt werden soll. Nikolic nervt mich trotzdem. Ich glaube seine Gesichtsmuskeln sind eingeschlafen. Er kann kaum Emotionen zeigen. Nicht mal lachen kann er richtig. So muss sich Chiara Ohoven auch fühlen.

Zwischenseminar in Mali Idjos (ungarisch: Kishegyes). Man fühlt sich wie in Kleinungarn. Alle sprechen auf ungarisch. Zeitungen sind auf ungarisch. Pauschal ungarisch. Schön. Mein Herz tanzt. Vorher hatte ich nur wenig Lust auf das Seminar. In Belgrad ist alles Bombe. Was soll ich woanders? Von den anderen kenn ich kaum jemanden. Fazit: Es war trotzdem schön. Wir waren eine supi Gruppe. Es hat viel Spaß gemacht. Ich war das erste Mal auf einer Slackline. Ich werde kein berühmter SlacklineProfi. Das ist klar. Viel Essen. Fleisch. Fleisch. Brot. Fleisch. Paniertes Fleisch. Fleisch. Ich beherberge in meinem Bauch mit Sicherheit nicht nur ein Schwein, sondern auch ein halbes Rind. Kürtös Kolacs über dem Feuer selber backen. Wie spannend. Wie lecker.
Neue Zukunftspläne: Plan F: Das bayerisch-fränkische Comedy-Duo Mainka und Bugl oder Bugl und Mainka. Witze nur auf Kosten der Zuschauer. Wir werden die Welt erobern. Ganz klar, Alex!
Langzeitprojekt: Alle Kulturweitler bitte bald mitmachen

Arbeit: Ich arbeite. Wie immer. Caroli und ich harmonieren. Wir filmen. Es ist peinlich. Wir haben nur eine Digicam. Kein sonderlich professioneller Eindruck. Wir geben unser bestes. Wir entwickeln Werbematerial. Es ist semierfolgreich. Die Zentrale in Bonn quatscht immer rein. Wir richten uns nach ihnen. Ich bin nur Kulturweiti… Meine Lieblingsmittagspause ist im Pita-laden 3 Ecken entfernt. Pita und Kefir. Es gibt nichts besseres auf der Welt.

Unibewerbungen. Es nervt. Ich schreibe unzählige Motivationsschreiben. Panik, dass mich keiner will. Aber schon eine erste Reaktion aus Leipzig. In ein paar Wochen habe ich ein Eignungsgespräch. Ohgott.

Theater: war ich leider nur einmal bisher. Will ich definitiv wiederholen.

Wetter: Es ist schlecht. Es regnet. Immer um 5, wenn wir Feierabend haben. Ich will Sommer. Jetzt und zwar schnell.

Belgrad: Ist trotzdem noch die schönste Stadt der Welt… Hach. Was soll ich sagen. Beograd Beograd Beograd…

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Ich bin jung!

  1. Krafyi sagt:

    Hallo Lena, STOP

    so eben hat mir ein Mann aus dem Patentamt ins Ohr geflüstert, daß der Slogan „Schönste Stadt der Welt“ leider schon für München reserviert ist.STOP

    Ansonsten ist Dein Telegramm schön. STOP
    Grüße aus der schönsten Stadt der Welt (das Original) STOP

    Krafyi

  2. anne sagt:

    Pita und Kefir. Es gibt nichts besseres auf der Welt.
    Slažem se.

  3. Maraaaaali sagt:

    Ach liebste Lena,
    ich muss so herzlich lachen wenn ich deine Einträge lese, auch wenn ich den ersten Teil schon aus dem persönlichen Skypegespäch kannte.
    Ich wär gerne bei dem Comedyding dabei gewesen, aber ich bin mir sicher du erzählst mir alles ausführlich!
    bis ganz bald!!!

  4. Ich habe versagt. Ein Telegramm darf nur 800 Zeichen haben. Ich habe leicht überzogen. Na und? Wer braucht schon Telegramme…

Kommentare sind geschlossen.