Ich mag Belgrad ja. Das sollte mittlerweile rübergekommen sein. Ich mag das Großstadtleben und die vielen Menschen, die überall sind. So generell mein ich. Das alles ist jedoch ein bisschen anders bei 35 Grad (gefühlten 50). Ich mag ja auch Sommer generell. Aber Sommer und Großstadt, das sind an sich zwei Disziplinen, die nicht zusammenpassen (Zitat aus der FLZ in einem anderen Zusammenhang…). Nur mal angenommen, man hat gerade 8 Stunden gearbeitet und es hat um 17 Uhr immer noch 35 Grad (mindestens). Dann setzt man sich entweder gleich in die Straßenbahn, die aber immer nur so selten an meiner Arbeitsstelle vorbeituckelt (und die nach 3 Stationen proppenvoll ist) oder man geht den Berg hoch (auch eine schlechte Option) und nimmt den Bus. Weil ich immer so ungeduldig bin entscheide ich mich öfter für den Berg und den Bus. Manchmal auch, weil ich ja um 5 nur sehr selten nach Hause gehe, sondern noch was anderes mache. Dann steigt man mit vielen anderen Menschen in so einen Bus. Man fuehlt sich, als wuerden 500 Leute in einem Bus mitfahren. In Wahrheit sind es wahrscheinlich nur 200. Das ganze bringt noch eine spezielle Dynamik mit sich, denn bei jeder Haltestelle rotiert die Masse. Ist klar. Im Normalfall hat man 7 Leute um sich rum, mit denen man irgendwie voll zusammengepresst wird. Super Ding. In solchen Momenten fange ich auch mal an zu überlegen… warum der Mensch eigentlich unbedingt schwitzen muss. So generell. Ich finde meinen eigenen Schweiß persönlich ja schon eine ziemlich uncoole Sache. Aber dann auch noch an den von 7 anderen Leuten gepresst zu werden ist nun echt auch mal so gar nicht der Burner. Dann routiert die Masse und wenn man nach einigen Stationen aussteigt hat man wahrscheinlich den Schweiß von 150 anderen Leuten an sich. Hm, wie schön. ich entwickle eine Duschomanie.
Ansonsten… ich mag ja auch die Straßenbahnen. Ich danke Basel dafür, dass sie die Stadt Belgrad mit ihren großen grünen Straßenbahnen grüßt und dass sie sich entschieden hat, diese Bahnen kostengünstig loszuwerden (auch wenn es gerne noch ein paar mehr hätten sein dürfen)… durch einen Export nach Serbien. Ich danke auch Japan, dass sie Busse spendieren und Adidas und ChupaChups, dass sie ihre Werbung auf die Straßenbahnen klatschen. Denn das macht die Bahnen so individuell. Was ich nun nicht mag… das ist die Fahrweise. Manchmal habe ich das Gefühl jede Straßenbahn und jeder Bus wird von einem Sadisten gefahren oder einem Fahranfänger.
Konnte ich in meinem Dorfbus, der von Aurach nach Ansbach gefahren ist, irgendwann mitfahren ohne mich festzuhalten, weil ich die BusSurferei voll drauf hatte, so ist das hier ein klein wenig anders.
Ansonsten… ich mag ja auch die Straßenbahnen. Ich danke Basel dafür, dass sie die Stadt Belgrad mit ihren großen grünen Straßenbahnen grüßt und dass sie sich entschieden hat, diese Bahnen kostengünstig loszuwerden (auch wenn es gerne noch ein paar mehr hätten sein dürfen)… durch einen Export nach Serbien. Ich danke auch Japan, dass sie Busse spendieren und Adidas und ChupaChups, dass sie ihre Werbung auf die Straßenbahnen klatschen. Denn das macht die Bahnen so individuell. Was ich nun nicht mag… das ist die Fahrweise. Manchmal habe ich das Gefühl jede Straßenbahn und jeder Bus wird von einem Sadisten gefahren oder einem Fahranfänger.
Konnte ich in meinem Dorfbus, der von Aurach nach Ansbach gefahren ist, irgendwann mitfahren ohne mich festzuhalten, weil ich die BusSurferei voll drauf hatte, so ist das hier ein klein wenig anders.
Idealer Fall: Ich stehe, habe an einer Haltestange Platz für meine beiden Hände, meine Füße stehen idealerweise hüftbreit und haben guten Halt, dabei gehe ich leicht in die Knie und bin auf alles gefasst.
Nicht so idealer aber Normalfall: Ich bin eingequetscht. habe, wenn ich Glück habe einen Platz an einer Haltestange für eine Hand, manchmal auch nur für einen Finger, meine Füße sind froh, dass sie nicht unter einem anderen Fuß stehen, aber um das Gleichgewicht zu halten langt der Halt meistens nicht.
Nicht so idealer aber Normalfall: Ich bin eingequetscht. habe, wenn ich Glück habe einen Platz an einer Haltestange für eine Hand, manchmal auch nur für einen Finger, meine Füße sind froh, dass sie nicht unter einem anderen Fuß stehen, aber um das Gleichgewicht zu halten langt der Halt meistens nicht.
Und da fahren nun diese freudigen Straßenbahnfahrer und bremsen wie es ihnen gefällt. Ich glaube eigentlich sie bremsen überhaupt nur, weil es ihnen gefällt, weil dann alle Menschen umfallen. Total lustig. Sie geben Gas, bremsen, geben Gas, bremsen, dabei ist die Ampel eh rot und das kann sogar ich sehen, aus meiner äußerst ungünstigen Bus/Straßenbahnposition. Und wenn sie dann so bremsen, dann passiert es, dass man selbst wie ein bekloppter mit den Händen rudert, um nicht hinzufallen. Pro Ruderer verliert man dennoch immer mehr an Gleichgewicht. Und manchmal hat man einen sehr netten Menschen hinter sich stehen, der einen dann wie ein Engel zurück ins Gleichgewicht schiebt. Trotz Schweiß. Ich danke allen Menschen, die das täglich bei mir machen und ich entschuldige mich ausdrücklich bei allen, auf die ich in den letzten Monaten schon mal draufgefallen bin. Es war keine Absicht. Ich schwörs. Wenn ich nichts werd, werd ich einfach Sadist und damit Straßenbahnfahrer in Belgrad. Das wird supi.
Betrachtet man nun den Titel, dann denkt man sich, ok, Sadisten und Busfahrer… die Geschichte ist abgehakt. Aber was zur Hölle ist mit dem singenden Priester. Um diese Geschichte zu erzählen muss ich ein wenig ausholen.
Wie wir ja alle wissen ist grad EM. Das ist in Serbien nur so semipopulär… unter Umständen deswegen, weil sie nicht mitspielen. Ich will die Spiele ja aber trotzdem gucken und so habe ich mich mit einer anderen Praktikantin bei der KAS und Caroli verabredet, dass wir das Spiel der Deutschen gegen die Holländer zusammen in einer Bar schauen. Wir wollten uns um 8 vor der Riesen Sava-Kirche treffen. Ich war schon unpünktlich, Carola noch mehr und Isabelle, noch mehr. Der Balkan…
Und da warten Carola und ich so auf Isabelle und quatschen so auf deutsch (auf was auch sonst, ich weiß) und da werden wir plötzlich von einem kleinen Mann angesprochen.
Er sagte „Guten Tag“ zu uns. Nett. Im Prinzip muss ich zugeben, dass ich immer recht schnell genervt bin, wenn mich Leute auf Deutsch anquatschen, weil… es nervt. Ich will schließlich serbisch sprechen. Aber Dusan hat mich mal ermahnt, dass ich nicht immer so anti sein soll… und vielleicht hat er auch irgendwie Recht. Das hatte ich also im Hinterkopf und daher dachte ich mir: ok, antworte dem kleinen bärtigen Mann in dem orthodoxen Priesteroutfit.
Also hab ich freundlich zurückgegrüßt und ihn angelacht.
-Und dann hat er angefangen uns auf deutsch zuzuquatschen. Er hat uns von seinem Sohn erzählt, der direkt daneben stand. Dieser heiratet im September. Wie schön.
-Ob wir schon verheiratet seien. Nein.
-Ob wir einen Mann bzw. einen Freund hätten. Nein.
-Ich sage: in der Zukunft dann, wa?
-Er und sein Sohn lachen sich halbtot bei meinem Satz. Ich verstehe nicht warum. Ok, ich bin kein junges Gemüse mehr, aber alt und verwelkt bin ich nun auch nicht…
-Er erzählt weiter, dass er 8 Sprachen spricht.
-Ich sage: Oha.
-Er zählt mir alle Nachbarländer des früheren Jugoslawiens auf. Warum auch immer.
-Er erzählt von seiner Schwester, Opernsängerin in Berlin. Warum auch immer.
-Er zeigt uns wie toll sie singt und fängt an sie zu imitieren – spielt aber auch gleichzeitig noch den Dirigenten mit. Großes Kino. Einsatz an die Streicher, die Trompeten und an die Triangel, Maultrommel, Blockflöten, Kastagnetten, Rasseln etc. Dazwischen singt die Opernsängerin.
Ich habe das Gefühl dem Sohn ist das ein bisschen peinlich, denn er bringt seinen Vater dazu damit aufzuhören. Ich denke… schön, dann können wir bald gehen.
Aber es handelte sich um eine Fehlinterpretation meinerseits. Der Sohn brachte seinen Vater zum schweigen, um gemeinsam mit ihm ein Lied zu singen.
Voller Inbrunst schmettern Vater und Sohn die Ode an die Freude. Aber nicht nur so ein bisschen… sondern ziemlich lange und ziemlich laut. Sie hören gar nicht mehr auf. Einer der absurdesten Momente meines Lebens. Sind alle orthodoxen Priester so lustig? Ist es schlimm, wenn ich mich vor lachen auf dem Boden kugele? Wie absurd ist diese Situation eigentlich? Und ist das normal? Wenn ja, warum starren uns dann alle anderen vor der Kirche so an?
Wir klatschen höflich… aber haben langsam das Gefühl… dass wir gehen sollten, denn das Fußballspiel fängt bald an. Wir wollen nichts verpassen. Und schon kommt auch Isabelle (halbe Holländerin) in einem Oranje-Trikot.
Vater und Sohn brüllen sie an: AAAAAAAAAAAAAAAAAh, Bayern München.
Wir: sind verwirrt. Sehr. Häh? Wegen Robben oder was?
Vater und Sohn: ahja, die Deutschen spielen ja heute. Gegen wen eigentlich?
Wir: Verwirrung. Na gegen Holland??? Weil oranges Trikot und so.
Vater und Sohn: dachten das ist ein deutsches Trikot. Aber im Prinzip ist ihnen das eigentlich auch relativ schnuppe, denn sie wollen uns gerne noch ein Lied vorsingen.
Wir erklären, dass wir aber jetzt wirklich losmüssen.
Sie möchten aber unbedingt nur noch eins singen.
Ich glaube ich war sowieso seit der Ode an die Freude nur noch sprachlos und habs gar nicht mehr gepackt.
Isabelle übernahm das Sprechen und erklärte, dass wir leider wirklich wirklich wiiiirklich losmüssen. und so haben wir die beiden traurig zurückgelassen.
Noch jetzt könnte ich mich totlachen, wenn ich nur an diese Situation denke. Unglaublich.
Der weitere Verlauf des Abends war auch spaßig… kam aber nicht an das singende orthodoxe Duo heran. Fußball draußen auf Leinwand. Die Deutschen spielen ganz annehmbar. Mein Tisch macht Bombenstimmung. Unsere Gruppe wurde dann nämlich noch größer und von weiteren Deutschen und Holländern aufgewertet. Ich hatte selten so einen Spaß bei einem Fußballspiel. Komisch war, dass insgesamt kaum Frauen da waren. Gut war, dann mussten wir auf der Toilette nicht anstehen. Ich weiß nicht warum, aber die meisten Serben in der Bar waren für die Holländer. Nach den Toren für die Deutschen haben nur wir an unserem Tisch (ausgenommen der Holländer) gejubelt. Der Rest nicht. Ich dachte schon bei jedem Tor es ist gar kein Tor, sondern Abseits oder so… weil sich keiner freut. Das ist man von zu Haus ganz anders gewohnt.
Ich freue mich schon auf das nächste Spiel der Deutschen. Das wird ein Spaß.
Und was lernen wir nun aus diesem Blogeintrag?
1. Wer nix wird, wird Straßenbahnfahrer.
2. Wenn man nett ist, zu Leuten, die Deutsch sprechen, hat man mehr Spaß im Leben und was zu erzählen.
3. Die Auswirkungen von übermäßigem Weihrauch in orthodoxen Kirchen sind unkalkulierbar.