Das war’s dann wohl

Seit ein paar Tagen bin ich wieder zu Hause, das Nachbereitungsseminar ist seit dem 27.02. vorbei und ich wollte noch einen letzten Blogpost schreiben. Ich habe irgendwie nicht so regelmäßig Posts geschrieben, wie ich mir vorgenommen hatte, aber ich möchte mich noch verabschieden. Das letzte Jahr kommt mir im Nachhinein lang und kurz zugleich vor, mit vielen schwierigen, aber auch vielen positiven Erfahrungen. Ich bin dankbar für alles, weil ich in der Zeit so unglaublich viel gelernt habe und ich bin froh, dass ich 12 Monate gemacht habe.

——————————– Hier ein Auszug aus meinem Reflexionsbogen, den ich kulturweit schicken sollte:

Welche Ihrer Erwartungen an den Freiwilligendienst haben sich erfüllt und welche nicht? Dies kann z.B. die Tätigkeiten/Einsatzstelle, Lernerfahrung, transkulturelle Erfahrung oder persönliche Kontakte einbeziehen.

Meine Erwartungen an meine Einsatzstelle haben sich nahezu vollständig erfüllt. Ich wurde viel mit einbezogen und von den Schülern und meiner Ansprechperson sehr gut aufgenommen. Ich hatte meinen eigenen Aufgabenbereiche und hatte auch viel Verantwortung. Jedoch hatte ich mehr Arbeitszeit erwartet. Da es nur noch fünf (als ich angefangen habe sechs) Klassen an der Schule gibt, war meine Stundenanzahl gering und ich saß leider viel zu Hause herum. Außerdem fiel es mir zu Anfang schwer Kontakte zu knüpfen, da die Schüler von 12:45 bis 18:40 Uhr in der Schule saßen, während ich früh zu Hause war. Das erste halbe Jahr habe ich mich oft einsam gefühlt, obwohl ich viel auf Leute zugegangen bin, aber die meisten hatten selten Zeit und die älteren Schüler waren mit dem Abitur und Zukunftsplanungen beschäftigt. Das wurde in der zweiten Hälfte besser, als ich neue Freunde fand. An die bosnische Kultur habe ich mich nach und nach gewöhnt, habe aber defintiv die Kulturschockphasen durchlaufen. Wäre meine Einsatzstelle nicht so toll gewesen, wäre es mir viel schlechter ergangen, weil die Arbeit in der Schule der einzige Lichtblick in meinem Alltag war. Ich hatte nicht erwartet, so einsam zu sein und Heimweh zu haben, aber es hat mir auch beigebracht, dass ich alles schaffen kann und alles mit der Zeit besser werden kann.

Was ist für Sie der größte Gewinn Ihres Freiwilligendienstes? Denken Sie hier z.B. an den Erwerb von sozialen/fachlichen Fähigkeiten/Kompetenzen, persönliche Erkenntnisse, transkulturelle Lernerfahrung oder berufliche Orientierung.

Der größte Gewinn ist für mich der Anstieg meiner Selbstständigkeit und meines Selbstbewusstseins. Dazu hat die Eigenverantwortung bei Projekten, das alleinige Reisen (zB zum Zwischenseminar), die Vorbereitung und Durchführung von Unterrichtseinheiten / einem A2 Kurs und meine erste eigene Wohnung beigetragen. Dank meines Freiwilligendienstes weiß ich, dass ich Lehrerin werden möchte, denn egal wie schlecht es mir ging, ich bin immer gerne in die Schule gegangen. ———————————

Ganz kurz: Was ist im Januar und Februar noch passiert?

  1. Mitte Januar bin ich mit dem Zug nach München, von dort aus mit zwei anderen „bosnischen“ Freiwilligen nach Ljubljana. Dort waren wir ein paar Tage, haben uns die schöne Stadt angeguckt und zwei „slowenische“ Freiwillige getroffen. Dann sind wir weiter nach Zagreb, wo wir gemeinsam mit zwei „kroatischen“ Freiwilligen das Wochendene verbracht haben. Das war echt cool, besonders Ljubljana ist echt empfehlenswert.
  2. Die Schule ging nach den Winterferien am 28.01. wieder los, das heißt es blieben nur noch 3,5 Wochen bis ich endgültig nach DE zurück musste. Ich habe die Zeit versucht bestmöglich zu nutzen und mich viel mit meiner engsten Freundin vor Ort, Lejla, getroffen und das bosnische Essen genossen. Außerdem habe ich etwas mit den Schülern für deren A2, B1, B2 und C1 Deutsch-Zertifikate geübt.
  3. Der letzte Schultag am 19.02. war echt komisch. Ich hatte alle fünf Klassen an dem Tag und habe mich nacheinander von allen verabschiedet. Die Schülerinnen und Schüler waren total süß und ich habe von jeder Klasse ein Abschiedsgeschenk bekommen. Außerdem habe ich den SuS der Deutsch-AG als Abschiedsgeschenk jeweils eine ausgedruckte Version unseres gemeinsam entwickelten Buchs geschenkt, inklusive einer persönlichen Widmung. Also ein schöner gemeinsamer Abschluss. :) An dem Tag hatte ich noch gar nicht realisiert, dass es wirklich mein letzter Gang zu dieser Schule war. Vor allem, weil man gefühlt mitten im Schuljahr herausgerissen wurde.                                                     Das ist das Cover meines Freiwilligenprojekts mit der Deutsch-AG, das Cover wurde gezeichnet von meiner Schülerin Amina F. und die 26 SuS haben acht Geschichten geschrieben, ich habe mich um das Layout gekümmert.
  4. Am 20.02. hatte ich den Tag Zeit, um zu packen und am 21.02. machte ich mich auf den Weg nach Hause. Ganz  komisch!!!
  5.  Am 23.02. ging es dann zum Nachbereitungsseminar nach Berlin, etwas stressig. Das Seminar an sich war ganz cool, weil ich mit Leuten, die auch 12 Monate weg waren, in einer Homezone war. Das heißt wir waren alle noch komplett verwirrt und hatten noch nicht ganz realisiert, dass das Jahr echt vorbei ist. Auf dem Seminar hatten wir die Zeit runter- und anzukommen unx über unsere Erfahrungen zu reden, das war echt gut. Ich glaube es wäre komisch gewesen, direkt zum Alltag herüber zu gehen.

Okay, das war’s dann wohl mit meinem letzten Blogpost, denn jetzt gehe ich tatsächlich zu meinem Alltag über. Falls irgendein zukünftiger „bosnischer“ Freiwilliger das hier liest und Fragen hat, kann der/diejenige gerne einen Kommentar hinterlassen, dann komme ich auf euch zurück.

Danke an alle, die meine Blogposts tatsächlich gelesen haben.

Bis dann, Annika :)

 

 

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