Warum gehe ich nach Bosnien und Herzegowina?

Hallo liebe LeserInnen,

ich freue mich sehr darüber, nun endlich diesen Blog starten zu können.

Die Vorfreude steigt weiter, denn in etwas mehr als zwei Monaten bin ich schon in Bosanska Krupa, einer Kleinstadt im Nordwesten Bosnien-Herzegowinas.

Einige LeserInnen kennen mich vielleicht persönlich, andere sind zufällig darauf gestoßen und wieder andere werden dies später lesen, weil sie sich entweder bei kulturweit bewerben wollen oder dies schon getan haben und nach Informationen suchen. Ich hoffe, dass ich allen irgendwie gerecht werden kann. 🙂

In den letzten Wochen bin ich immer wieder gefragt worden, warum genau ich denn jetzt eigentlich nach Bosnien gehe, das sei ja schon eher ungewöhnlich. Deswegen erzähle ich erst einmal, wie es dazu gekommen ist. Alles begann im April 2017, als ich langsam anfing mir Gedanken zu machen, was ich denn nach der Schule machen will. Um mich herum bekamen einige langsam Panik, weil viele mit 18 Jahren nicht genau wussten, was sie wollten und wieder andere hatten schon einen genauen Plan. Für mich stand schon seit der 6. Klasse fest, dass ich nach dem Abitur für eine längere Zeit ins Ausland will. Aber wie genau war das zu realisieren? Ich begann stundenlang im Internet nach Möglichkeiten zu suchen und war von der Flut an Informationen überwältigt. Doch die Internetseite vom Freiwilligendienst kulturweit der Deutschen UNESCO-Kommission stach am meisten hervor und so kam eines zum anderen. Mitte April bewarb ich mich bei kulturweit, Anfang Juni bekam ich die Antwort, dass meine Bewerbung geprüft wurde und meine Unterlagen ausgewählt wurden, um an die Partnerorganisation des Goethe-Instituts weitergeleitet zu werden. Dies hieß aber natürlich noch nicht, dass ich angenommen war, schließlich gab es jetzt das zweite Auswahlverfahren und uns wurde mitgeteilt, dass sich, falls Interesse besteht, die zuständigen Goethe-Institute von verschiedenen Ländern bei uns melden würden.

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich, als Ende Juni die E-Mail mit der Einladung zum Telefoninterview vom Goethe Institut Sarajevo kam, erstmal kurz schlucken musste. Bosnien und Herzegowina klang für mich nicht gerade spannend, wenn man sich die Liste anguckt mit allen Ländern, in denen das Goethe-Institut Partnerschulen hat. Mein Traum war es gewesen, in ein afrikanisches Land zu gehen, also weit weg von Deutschland. Ich habe erst überlegt abzusagen, da ich panische Angst vor einem Telefoninterview hatte. Doch dann habe ich es mir anders überlegt. War das nicht eine einmalige Chance? Würde ich es nicht bereuen, wenn ich ablehne?  War es nicht das, das ich schon immer gewollt hatte? Meine Neugier siegte und ich entschloss mich, die Einladung zum Telefoninterview anzunehmen. Es kam alles anders als gedacht, das Telefon-Interview verlief gut und am 15. August kam das Platzangebot für das Gymasium „JU Opća gimnazija Bosanska Krupa“.

Da ich das auch immer öfter gefragt wurde: Man wird von dem Goethe-Institut eines einzigen Landes angeschrieben, man kann sich nicht das Land, die Stadt oder die Schule aussuchen (abgesehen von den Präferenzen bezüglich der Regionen wie „Afrika“ oder „Südostasien“ bei der Bewerbung) und man bekommt ein einziges Angebot, welches man annehmen oder ablehnen kann. Ist das etwas Schlimmes? Absolut nicht, schließlich macht das den ganzen Auswahlprozess einfacher und außerdem bekomme ich, so wie Freiwillige in Deutschland, von kulturweit monatlich finanzielle Unterstützung, zum Beispiel für meine Wohnung. Zusätzlich bekommen wir finanzielle Unterstützung bei der Reise dorthin, beim Sprachkurs und vieles mehr, was ich sehr zu schätzen weiß. Ich freue mich sehr darauf, nach Bosanska Krupa zu kommen und ich bin dankbar, dass kulturweit mir das ermöglicht.

Was genau werde ich am Gymnasium in Bosanska Krupa machen? Ich werde eigentlich genau das machen, das deutsche Freiwillige auch an Schulen machen. Mein Einsatzbereich wird natürlich mit dem Deutschunterricht der Schüler zu tun haben. Wie genau das aussehen wird, weiß ich natürlich noch nicht, aber eventuelle Möglichkeiten sind (wie mir von einer Verantwortlichen des Goethe-Instituts Sarajevo mitgeteilt wurde): Vorbereitungen für die Stunden, Zusatzunterricht, Aussprachetraining, Projektunterricht, evtl. eine AG anbieten und die Deutschlehrerin des Gymnasiums bei allem unterstützen. Als Muttersprachlerin ist man natürlich eine hilfreiche Ansprechpartnerin für die Schülerinnen und Schüler.

Warum ich das hier erzähle? Ich möchte einen ehrlichen Blog schreiben und nichts vorspielen, da noch nicht viele Blogs von Freiwilligen, die nach Bosnien und Herzegowina gegangen sind, existieren. Ich habe gelernt, dass man sich erstmal über Sachen informieren sollte, bevor man sich vorschnell eine Meinung bildet. Natürlich wusste ich das theoretisch schon vorher, aber das hat meine Augen nochmal geöffnet. Manchmal sind die unerwarteten Dinge die besten und manchmal muss man sich auf Dinge einlassen, auch wenn sie auf den ersten Blick nicht krass klingen. Versteht mich nicht falsch, Australien, Neuseeland, Südafrika, etc. sind tolle Länder und ich möchte da auch nochmal hin, aber Bosnien und Herzegowina ist genauso sehenswert. Ja, Großstädte haben ihren Reiz, aber auch Kleinstädte sind cool und haben viele Vorteile, da einfach alles etwas persönlicher ist. Im Weg steht immer die Angst, dass man etwas Besseres verpassen könnte, aber manchmal muss man Dinge einfach auf sich zukommen lassen.

„I learned that courage wasn’t the absence of fear but the triumph over it. The brave man is not he who does not feel afraid, but he who conquers that fear.” – Nelson Mandela

Ich habe schon einige Ideen für zukünftige Blog Posts, also seid gespannt. 🙂 Über Kommentare würde ich mich natürlich auch immer freuen.

Bis bald,

Annika