Freiwilligentreffen in Sarajevo

Endlich habe ich es auch mal in die Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina geschafft. Der PASCH-Koordinator des Goethe-Instituts, Adnan Cevra, hatte mich und die anderen drei Freiwilligen, die erst seit September da sind, eingeladen. Ich habe mich sehr gefreut, vor allem weil der Weg nach Sarajevo weit ist und es sich für ein Wochenende nicht lohnt. So hatte ich die Möglichkeit vom 28.09 bis zum 01.10. in Sarajevo zu sein. Also stieg ich am 28.09. um 3 Uhr morgens komplett übermüdet in den sogenannten Schnellzug und kam um 11 Uhr morgens nach acht Stunden Fahrt in Sarajevo an.

Netterweise wurde ich vom PASCH-Koordinator mit dem Auto abgeholt und wir machten eine kleine Stadtrundfahrt. Den restlichen Tag hatte ich für mich und damit Zeit, um die Stadt zu erkunden. Erster Eindruck: Sarajevo wirkt sehr chaotisch, man merkt den Einfluss der verschiedenen Kulturen und da die Stadt nur knapp 300.000 Einwohner hat, ist sie auch nicht sonderlich groß.

Park im Vorort Ilidza

Das ewige Feuer ( Das Denkmal wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zur Erinnerung an die Befreiung Sarajevos und die Kriegsopfer errichtet)

Palčinke (Pfannkuchen) dürfen nicht fehlen

Am nächsten Tag lernte ich die anderen beiden Freiwilligen Tabea, Alischa und Marie kennen. Zusammen mit Adnan redeten wir über unsere Eindrücke von Bosnien-Herzegowina, die bei mir natürlich zu dem Zeitpunkt schon 6,5 Monate zurücklagen. Dafür konnte ich den Freiwilligen von meinen bisherigen Erfahrungen und Aufgaben erzählen und ihnen Mut machen, da am Anfang in einem neuen Land vieles erstmal überfordernd und anders erscheint.

Zusammen erkundeten wir die Stadt und fuhren zusammen einen Berg zu einem Aufsichtspunkt über der der Stadt. Von oben sah man dann, wie Sarajevo im Tal zwischen all den Bergen liegt und wie dicht aneinander und durcheinander alles gebaut ist.

Der Blick auf die Stadt

Aussicht in Richtung Republika Srpska

Danach machten wir uns auf zum historischen Stadtzentrum bzw. dem Basar „Baščaršija“. Keine Sorge, ich kann das Wort auch nicht wirklich aussprechen, hier einmal ungefähr in „Lautschrift“: Basch-tscharschija, das r wird gerollt. Das Wort stammt aus dem Türkischen, Baš heißt so viel wie „Haupt“ und „Čaršija“ ist das türkische Wort für Basar oder Markt. Offiziell ist Baščaršija nur die Bezeichnung für den Marktplatz mit dem bekannten Brunnen, umgangssprachlich wird die gesamte osmanische Altstadt so bezeichnet. Wenn man die „Baščaršija“ betritt kommt man sich wirklich so vor, als wäre man auf einem türkischen Basar gelandet. Überall sieht man orientalischen Schmuck, Geschirr und weitere Gegenstände. Ansonsten gibt es in diesem Teil der Stadt auch viele kleine Restaurants, wo man traditionelle bosnische Gerichte wie gefüllte Pita, zum Beispiel Burek (gefüllt mit Fleisch), Sirnica (gefüllt mit Frischkäse) und Krompiruša (gefüllt mit Kartoffeln), essen kann. Alles absolut empfehlenswerte Gerichte, die ich auch schon in Krupa gegessen hatte. Mit den anderen Freiwilligen war ich dort also Burek, Sirnica und Krompiruša essen. Natürlich mussten wir auch dem Teeladen „Franz und Sophie“ einen Besuch abstatten, wo man bei gemütlicher Atmosphäre leckeren Tee trinken kann. Abends saßen wir Freiwilligen dann noch länger zusammen, genug Gesprächsthemen hatten wir aufgrund unserer ähnlichen Situation ja sowieso.

Der Marktplatz

Der Brunnen „Sebilj“

Gasse in der Baščaršija

Eine der vielen Moscheen

Burek und Krompiruša mit Joghurt

Tee bei Franz&Sophie

Am nächsten Morgen waren wir dann zusammen Kaffee trinken, wie es sich für in Bosnien lebende Menschen gehört. :D In Bosnien gibt es eine Kaffeekultur, die ich in Deutschland bis jetzt noch nicht so erlebt hatte. Cafés sind der Treffpunkt für alle Menschen, Jung und Alt. Dann haben wir weiter die Stadt erkundigt und das War Childhood Museum (http://warchildhood.org/museum/) besichtigt. Das Museum berichtet durch Gegenstände und Videos über die Kinder, die während des Bosnienkrieges in Sarajevo aufgewachsen sind. Als wir da waren, waren gerade 50 Kriegserinnerungen in Form von Briefen, Kleidungsstücke, Spielzeug, Essensverpackungen, Bildern, Tagebüchern usw. ausgestellt. Berührende Geschichten und kaum vorstellbar, dass der Krieg in dieser Stadt erst vor knapp 23 Jahren geendet ist. Jasminko Halilovic, selbst „Kriegskind“ und späterer Gründer des Museums, fing 2010 an Geschichten und Gegenstände von jungen Menschen aus dem Krieg zu sammeln. Die Kollektion beruft sich inzwischen auf 1000 Gegenstände, von denen immer ein Teil ausgestellt ist. Viele der Geschichten sind zudem in seinem Buch veröffentlicht.

Ein Teil der Ausstellung

Sonntag war schließlich der letzte Tag angebrochen, wir ließen mittags unseren Aufenthalt mit einem weiteren gemeinsamen Essen ausklingen. Nachmittags machte ich mich schließlich mit vier Schülerinnen, die auch gerade in Sarajevo waren, auf den Rückweg.

Die alte Straßenbahn (1895 eröffnet), Sarajevo ist die einzige Stadt Bosniens mit Straßenbahnen

Abschließend kann ich nur sagen, dass es wirklich toll war, endlich die neuen Freiwilligen kennenzulernen und gemeinsam die Stadt zu besichtigen. :)

 

 

 

4 thoughts on “Freiwilligentreffen in Sarajevo

  1. Hallo Annika, spannender Bericht! Nach Sarajevo muss ich auch noch mal irgendwann. Danke für deinen Bosnisch-Schnellkurs 😅. Ich frage mich, wie du mit dieser für uns so fremden Sprache zurechtkommst.
    Die Bahn erinnert mich an diejenigen hier in Köln (moderner sind die auch nicht 🙄).
    Viele Grüße aus genau einer solchen!

    • Hey Ecki, vielen lieben Dank! An die Sprache habe ich mich zwar schon gewöhnt, aber sprechen ist natürlich schwierig. Liebe Grüße!

  2. Hey!
    Unglaublich, wie viel seit unserer gemeinsamen Reise schon wieder passiert ist! Da kommt dieser Blogartikel gerade zur rechten Zeit. :) Ich wünsche dir noch wundervolle weitere Monate in Krupa und freue mich schon dich an Weihnachten wiederzusehen! <3

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