Sunny & Smoggy Side of Santiago

Santiago de Chile ist voller Gegensätze, egal ob im Hinblick auf die Natur, das Einkommen oder die Bildung. Täglich wird man mit zahlreichen Gegensätzen konfrontriert. Gegensätze, welche die sunny und smoggy Seite von Santiago zeigen…

Sunny Side of Santiago:

  • Die Menschen – Herzlich, spontan & gelassen: Das sind die ersten drei Worte die mir in den Sinn kommen, wenn ich an die Chilen*innen denke, die ich bisher kennengelernt habe. Die Menschen machen hier 80 % meines Wohlfühlfaktors aus, deshalb gibt es hierzu bald einen separaten Beitrag.
  • Sonne: Dazu gehört definitiv Sonne, Sonne, Sonne. Hier scheint durchgehend die Sonne (zumindest in meinen letzten Monaten März bis Mai, welche bereits zum Herbst gehören). Regnen tut es vielleicht vier Mal im Jahr und wenn es mal zwei Tage hintereinander bewölkt ist, wundert man sich. Das genieße ich in vollen Zügen jeden einzelnen Tag. Auch wenn die Temperaturen langsam runter gehen und der Winter sich nähert – ist das halb so wild, weil ich weiß, dass die Sonne bleibt.
  • Natur – Palmen, Kakteen & Berge: Jeden Tag an herrlichen Palmen zur Arbeit zur Laufen macht mich wirklich glücklich. Wenn ich mich umschaue, schaue ich auf wundervollen Berge um Santiago herum. Jederzeit habe ich die Möglichkeit der Stadt zu entfliehen und einen der zahlreichen „Cerros“ zu besteigen – kleine bis große Berge in Naturparks, wo ich die Natur und Stille genießen kann. Das Foto mit den riesigen Kakteen ist auf einem meiner Sonntags-Hike zum Cerro Alto de las Vizcachas entstanden. Die Macht des Sonnenuntergangs, welcher jeden Abend die Berge in verschiedenen Farben erscheinen lässt, ist auf dem Bild links zu sehen.

   

  • Aktivitäten: Santiago ist voller Action und Veranstaltungen. Jedes Wochenende gibt es zahlreiche Flohmärkte, Live-Musik, Festivals, etc. Ich habe ständig die Qual der Wahl und ich weiß jedes Mal, dass es eine tolle Veranstaltung wird mit viel Musik, Tanz und Essen. Außerdem ist es für mich eine tolle Möglichkeit mit Menschen in Kontakt zu kommen und die Kultur kennenzulernen. So viel kann ich schon mal verraten, es ist eine Kultur voller Spontanität und Unternehmungslust -von Langeweile keine Spur. Ein Highlight in Santiago: jeden Sonntag werden von 10 – 14 Uhr zentrale Straßen in Santiago für Autos gesperrt und die Straßen werden egal ob zum Joggen, Skateboard oder Fahrradfahren genutzt – es ist eine typische Aktivitäten für Freunde & Familien. Das Lied der Woche kommt diesmal von einem Rapper aus Santiago de Chile – Bronko Yotte. An einem Wochenende besuchte ich mit Freunden eine Fería de Sanguche, ein Sandwich-Festival in einem schönen Park mit Food-Trucks und Live-Musik. Abends haben wir uns den Auftritt von Bronko Yotte angeschaut. Mein Lieblingslied von ihm findet ihr verlinkt.

Song der Woche: Merced – Bronko Yotte

Smoggy Side of Santiago:

  • Smog: Die Luft in Santiago ist alles andere als gut. Es ist sehr trocken, staubig und vor allem smoggy. Nach dem Weltluftqualitätsranking von IQAir AirVisua (Quelle von Mai 2022) ist Santiago de Chile auf Platz 2 und zählt zu den Städten mit der stärksten Luftverschmutzung der Welt. Im Vergleich dazu liegt Berlin auf Platz 87 und hat eine gute Luftqualität – trotz Großstadt. Woran liegt das? Santiago de Chile ist von Bergen umringt und liegt in einem Kessel. Deshalb gibt es wenige Möglichkeiten, damit der Smog der Stadt entweichen kann und somit sammelt er sich Tag für Tag an. Dazu kommt noch das hohe Verkehrsaufkommen & das merkt man Tag für Tag, egal ob beim Spazieren oder Sport machen. Es wird sogar abgeraten extremen Sport zu betreiben, da dies gesundheitsschädlich sein kann.
  • Unsicherheit und Kriminalität: Ich habe mich in den ersten Wochen in Santiago de Chile immer sicher gefühlt, vor allem im Vergleich zu anderen mittel- oder südamerikanischen Städten. Was mich jedoch jede Woche verunsichert, sind die Hinweise der Einheimischen: „Hol dein Handy nicht an öffentlichen Plätzen raus“, „Pass auf deine Sachen auf“, „Geh hier und dort nicht hin“, „Du wohnst in der Nähe vom Baquedano? Das ist super gefährlich…“. Nach zwei Monaten habe ich den Eindruck gewonnen, dass ich in vielen Momenten zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Denn tatsächlich wird sehr viel geklaut – was bei der extremen sozialen Ungleichheit keine Überraschung ist. Freunde erzählen mir immer wieder von Diebstahl, Überfällen und Körperverletztung. Deshalb ist es für mich wichtig nicht fahrlässig zu werden, auch wenn man sich von Woche zu Woche sicherer fühlt – immer mit dem Uber nachts nach Hause zu fahren und auf persönliche Gegenstände aufzupassen. Was mich immer wieder beunruhigt sind die ständigen „Manifestaciónes“ (Demonstrationen), welche oft sehr schnell eskalieren. Was hinter den Manifestaciónes steckt möchte ich in einem separaten Eintrag zeitnah erklären. Dazu werde ich mit einigen Chilen*innen sprechen, um verschiedenen Perspektiven einzubringen.
  • Armut und Ungleichheit: Täglich auf meinem Weg zur Arbeit ist diese Ungleichheit zu sehen und zu spüren. Mein Arbeitsweg beginnt in der Nähe vom Stadtzentrum, wo Obdachlose in Parks ihre Zelte aufgeschlagen und sich niedergelassen haben (auf dem Foto unten kann man diese Zelte vom weiten sehen). Im Verlauf meines Wegs zur Arbeit verändert sich das Umfeld – Hochhäuser werden immer moderner, mehr Menschen in Anzügen kommen mir entgegen. Wie schon in einigen Einträgen angedeutet, ist die soziale Ungleichkeit in Santiago de Chile extrem. Die Unterschiede zwischen den wohlhabenderen Vierteln wie Las Condes, Vitacura und den armen Stadtteilen wie La Pintana zeigen sich in vielen Facetten – Bildung, Gesundheitssystem, Sicherheit etc. Vor allem beim Bildungssystem ist diese Kluft deutlich sichtbar. Es ist ein enormer Unterschied, ob ein/e Schüler*in die Möglichkeit hat auf eine private Schule oder Universität zu gehen oder nicht. Da die Manifestaciónes stark mit dem Thema Bildung zusammenhängen, werde ich auch hier in dem separaten Blogeintrag näher drauf eingehen. Beim Gesundheitssystem ist es ähnlich. Alle haben zwar eine Basisversicherung, diese deckt aber bei weitem nicht alle Arztkosten ab, wenn welche anfallen. Wer mehr verdient und es sich leisten kann, hat eine private Versicherung, welche mehr abdeckt. Trotzdem ist es üblich, dass man im Falle einer Operation oder eines Arztbesuchs einen Teil selber bezahlen muss und diese Beträge sind nicht gering. Aus diesem Grund wird der Weg zum Arzt sofern möglich vermieden und man geht direkt zur Apotheke, was die günstiger Variante darstellt.

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